187 – Eine tödliche Zahl 4K UHD

Blu-ray Review

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Capelight Pictures, 25.11.2016

OT: 187

 


Code: Mord

Aufwändig restaurierter Thriller von 1997.

Inhalt

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Trevor sieht seiner neuen Aufgabe mit gemischten Gefühlen entgegen

Trevor Garfield gehört zu den idealistischen Lehrern. Selbst als einer seiner Schüler aufgrund der Nichtversetzung in die nächste Stufe ihn niedersticht und beinahe tödlich verletzt, nimmt er nach seiner Gesundung die Profession wieder auf. Allerdings siedelt er von New York City nach Los Angeles um und sieht auch den Funken in sich erloschen. Als Vertretungslehrer muss einer eine Klasse betreuen, die kaum schlimmer sein könnte. Vom bereits vorbestraften Gewalttäter bis zur Schulhofdirne ist alles vorhanden, was mit Lernen kaum etwas am Hut hat. Als einer der Schüler den Hund seiner Kollegin ermordet, schlägt Trevor zurück – und damit die brutalen Kids mit ihren eigenen Waffen …

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Kollege Childress erfährt, wer Trevor wirklich ist

Nach und nach gesellen sich zu den Major-Anbietern auch die Independentlabel und bringen ersten UHDs auf den Markt. Capelight Pictures hat sich den 1997er Thriller mit Samuel L. Jackson ausgesucht, um seine erste 4K-Veröffentlichung auf den Weg zu bringen. 187 – Eine tödliche Zahl ist so etwas wie die böse Variante von Dangerous Minds und beschreibt die Klassenzimmer der amerikanischen High Schools als Kriegsschauplätze, als Schmelztiegel unterschiedlicher Kulturen, die schon untereinander nicht freundlich sind und gegenüber den Lehrkräften erst Recht keinen Respekt haben. An der Kinokasse war Kevin Reynolds (Waterworld, Robin Hood) Film zwar nicht herausragend erfolgreich, konnte dafür auf Video sein Publikum erreichen. Bisher gab es allerdings nur eine relativ schwache DVD-Veröffentlichung von 1999, die dem sozialen Mix aus Drama und Thriller nicht ganz gerecht wurde. 187 prangert zum einen das Schulsystem an, zum anderen hält es einer immer gewalttätiger werdenden Gesellschaft den Spiegel vor. 2016, also fast zwanzig Jahre später sieht es an amerikanischen Schulen leider immer noch nicht besser aus – eher im Gegenteil. Es wäre also kein Wunder, wenn der eine oder andere Lehrer ähnlich reagieren oder zumindest denken würde, wie Trevor im Film. Dass dessen Handlungen nicht gut ausgehen, kann man früh erahnen, auch wenn man es sich anders wünscht. Und hier grenzt sich 187 dann doch deutlich von romantisierenden Alternativen wie Dangerous Minds oder Club der toten Dichter ab.

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Cesar macht keinen Hehl daraus, was er von Trevor und der Welt überhaupt hält

Bild- und Tonqualität BD

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Kollegin Hellen ist ein Lichtblick an der Schule

Da für die reguläre Blu-ray auch die restaurierte Fassung genutzt wurde, kann 187 – Eine tödliche Zahl bereits hier überzeugen. Besser sah der Film, dessen bisherige DVD von 1999 matschig, farblich verfälscht und unscharf war, noch nie aus. Capelight tat gut daran, den spannenden Thriller vor der Veröffentlichung von TLEFilms restaurieren zu lassen – gerade, um den originalen Look des Films wieder herzustellen. Mehr zur Restauration lest ihr im Abschnitt zur Bildqualität der UHD.
Grundsätzlich ist die Bildruhe sehr gut, das vorhandene Korn ist angenehm filmisch und die Schärfe in Close-ups ist erstaunlich. Nur manche Halbtotale fallen demgegenüber etwas ab. Gerade die ruhigeren Innenraumaufnahmen profitieren vom neuen Scan und können vollends überzeugen. Dass 187 farblich ins Grüne tendiert und oft bewusst die Bildschärfe in die horizontale Mitte legt (die oberen und unteren Ränder dann gewollt unscharf werden), wurde von Reynolds so beabsichtigt. Das muss man zwar nicht zwingend mögen, kann es der Blu-ray/UHD aber nicht übel nehmen.
Akustisch liegen beide Tonspuren in dts-HD-Master vor, wurden allerdings nicht neu abgemischt oder remastered. In Sachen Räumlichkeit wäre das auch absolut nicht nötig gewesen. Für einen Film aus der Mitte der 90er klingt das Geschehen überraschend raumfüllend und lebhaft. Die Zikaden zirpen über alle Speaker, wenn Trevor mit Hellen vor deren Haus steht und der klassische Klavierscore sowie die Hip-Hop-Elemente werden mitunter richtig druckvoll (39’24). Da benötigt es gar keiner großen Schießereien, um für Eindruck zu sorgen. Leider sind die deutschen Dialoge nicht perfekt. Gerade Jacksons Organ zerrt hier und da ein wenig und manchmal sogar sehr deutlich (83’34). Aber auch die anderen Stimmen könnten homogener eingebettet sein. Hier ist der Originalton hörbar im Vorteil.

Bild- und Tonqualität UHD

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Der Showdown mit Knarre …

Für die UHD von 187 – Eine tödliche Zahl wurde das Bild im letzten Jahr von TLEFilms restauriert. Das Studio hatte zuvor bereits hervorragende Arbeit bei Mein Name ist Nobody oder den beiden Re-Animator-Filmen geleistet und konnte auf das Original 35mm-Filmmaterial zurückgreifen, um ein 4K-Intermediate zu erstellen. Zunächst hatte man noch mit einer digitalen Ausgangsversion arbeiten wollen, allerdings schnell festgestellt, dass aus dieser nur wenig herauszuholen war – gerade was die Echtheit der Farben angeht, die man unbedingt so umsetzen wollte, wie es der Regisseur damals vorgesehen hatte. Deren Bearbeitung war neben dem Angleich der unterschiedlichen Qualitäten der Filmrollen Hauptbestandteil der Restaurierung. So hatte man beim bestehenden HD-Master aus den USA mit einer deutlich dunkleren und sehr braun-rot-lastigen Abmischung zu kämpfen. TLEFilms hob die Kontrastwerte sichtbar an und stellte die originale Filmfarbe (Tendenz eher ins Grünliche und Sepiafarbene) wieder her (siehe Vergleichsbilder unten). Hinzu kommt die Tatsache, dass der 4K-Scan die Artefakte der ersten HD-Aufarbeitung loswurde, die noch auf Interlaced-Material basierte. Den erweiterten Farbraum Rec.2020 oder HDR spendierte man hingegen nicht. Auf High Dynamic Range verzichtete man, da es hätte künstlich generiert werden müssen und den Originallook verfälscht hätte. Auf den regulären Farbraum Rec.709 setzte man, da zum Zeitpunkt des Masterings (die Arbeiten begannen im Herbst 2015) noch nicht genügend Hardware am Markt war, auf dem es hätte wiedergegeben werden können. Das Herausragende an der UHD von 187 ist also nicht zwingend der sichtbare Unterschied zur regulären Blu-ray, sondern vor allem die Tatsache, dass der Film überhaupt komplett überarbeitet vorliegt. Zur Blu-ray selbst besteht nur wenig Unterschied, was ganz klar auch dafür spricht, dass die BD bereits herausragend gut umgesetzt wurde. Dennoch kann man hier und da den Auflösungsvorsprung der UHD erkennen. Dieser zeigt sich vor allem in den feineren Strukturen und den klarer abgegrenzten Umrissen. So wirkt die braune Strickjacke Ellens noch etwas plastischer und Trevors Shirt und sein Kopf stehen dreidimensionaler im Raum (37’40). In der Bibliothek sind Buchrücken etwas klarer (73’14) und die Körnung nimmt trotz der höheren Auflösung glücklicherweise nicht dramatisch zu. Beim Ton von 187 besteht kein Unterschied zur Blu-ray – die UHD nutzt die gleichen Tonspuren wie die BD.

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Vergleich zwischen dem vorherigen HD-Master (links) und der neu abgetasteten Version (rechts) nach erfolgter Farbkorrektur (bzw. Farbrichtigstellung).
(Bilder mit freundlicher Genehmigung von TLE Films)

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Bonusmaterial

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… fordert womöglich Opfer

Im Bonusmaterial von 187 – Eine tödliche Zahl halten sich ein Making-of sowie der Audiokommentar von Jackson, Reynolds, Clifton Collins und Drehbuchautor Yagemann auf. Letzterer ist untertitelt, dürfte aber etwas mehr Schwung haben. Dafür, dass vier Leute anwesend sind, ist’s erstaunlich ruhig. Das Making-of ist das bereits bekannte und lässt Drehbuchautor, Regisseur und einige der Darsteller ein paar Statements zu ihrem Werk abgeben. Dazu gesellt sich das tolle 24-seitige Booklet, das Hintergründe zur Geschichte des Films, den Darstellern und der Restaurierung liefert.

Fazit

187 – Eine tödliche Zahl sah noch nie besser aus! Die Restaurierung ist, gerade im Vergleich zu bisherigen Fassungen, wirklich gut gelungen. Allerdings fällt der Vorsprung zwischen UHD und BD nur gering aus. Macht aber nichts, denn das Komplettpaket mit UHD, BD und DVD im äußerst schicken Mediabook macht sich in jeder Sammlung sehr gut.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 75%
Bildqualität UHD: 75%

Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 40%
Film: 70%

Anbieter: Capelight Pictures
Land/Jahr: USA 1997
Regie: Kevin Reynolds
Darsteller: Samuel L. Jackson, John Heard, Kelly Rowan, Clifton Collins Jr., Tony Plana, Karina Arroyave, Lobo Sebastian
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 120
Codec: HEVC
Real 4K: Ja (4K Intermediate)
FSK: 16

Trailer zu 187

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