23 Ways to Die

Blu-ray Review

23 ways to die abcs of death 2 Blu-ray Review Cover
Capelight Pictures, ab 29.05.2015

OT: The ABCs of Death 2

 


Wer „A“ sagt, muss auch B,E,F,G,H,I,J,K,L,M,N,O,P,Q,R,S,U,V,W,X,Y und Z sagen

Im zweiten Teil von ABCs of Death gibt’s erneut jede Menge Genre-Kurzfilme zu bewundern.

Inhalt

23 ways to die abcs of death 2 Blu-ray Review Szene 4
Eine Frau, zwei Kerle – das kann auf einer einsamen Insel nur schief gehen

Dem aufmerksamen Leser wird schon an der Überschrift aufgefallen sein, was der geneigte Genrefan längst weiß: Im hierzulande erscheinenden Sequel von The ABCs of Death fehlen die Beiträge für „C“, „D“ und „T“ – die Herren (und Dame) Julian Gilbey in Capital Punishment, Robert Morgan in Deloused und Jen & Sylvia Soska in Torture Porn langten für die FSK einfach zu derbe hin und so fielen deren Beiträge der Schere zum Opfer. Die verbliebenen 23 Geschichten ergeben dann den logischen deutschen Verleihtitel 23 Ways to Die. Erneut bekamen also ursprünglich 26 unterschiedliche Regisseure (bzw. Regie-Paare) aller Herren Länder ein geringes Budget an die Hand, um einem Buchstaben des Alphabets einen entsprechenden Beitrag angedeihen zu lassen. Diese sind erneut pointiert, blutig, gemein und bisweilen abstrus oder surral („P“ is for P-P-P-P Scary!), machmal sogar gesellschaftspolitisch oder wiederum trashig. Was mit dem witzigen „A“ is for Amateur von E. L. Katz beginnt, dessen Killer sich im Lüftungsschacht versteckt, dabei aber zu Tode kommt, geht über den in spektakulären langen Takes gedrehten „E“ is for Equilibrium von Alejandro Brugués und den gezeichneten Horrortrip „H“ is for Head Games von Bill Plympton im Stile der brutaleren Animationsszenen aus The Wall bis hin zum äußerst spannenden „S“ is for Split von Juan Martínez Moreno, der im Split-Screen-Verfahren zeigt, wie ein Familienvater am Telefon mitbekommt, wie ein Eindringling seine Frau umbringt – würzige Pointe inbegriffen. Richtig bösartig ist der neuseeländische Beitrag „V“ is for Vacation, in dem ein Urlaubstrip unter zwei Kumpels eine tödliche Wendung nimmt. Ebenfalls herausragend ist „W“ is for Wish von Steven Kostanski, der im hübsch-trashigen Masters-of-the-Universe- und Flash-Gordon-Look zwei Kids in eine bizarre Monsterwelt katapultiert. Ultimativen und maskentechnisch herausragenden Body-Horror liefert dann das düster-gorige Finale „Z“ is for Zygote von Chris Nash, in dem eine Frau ihre Schwangerschaft 13 Jahre lang unterdrückt. Und wer Genre-Ikone Béatrice Dalle gerne mal auf einem menschlichen Skelett Xylophon spielen sehen möchte, muss bis zum drittletzten Beitrag von 23 Ways to Die springen (oder warten) – in diesem spielt sie eine wenig stressresistente Nanny.

23 ways to die abcs of death 2 Blu-ray Review Szene 2
Einmal gerufen, verrichtet das Monstrum sein Werk

So unterschiedlich die Beiträge der Regisseure auch sind – sie sind allesamt knackig kurz, sehr unterhaltsam und es gibt eigentlich keine Totalausfälle. Was man bei solchen Sammlungen von Kurzfilmen immer tun sollte? Eine Pause machen. 23 fünfminütige Beiträge ermüden auf Dauer und man wird meist jenen in der Mitte nicht mehr gerecht – die Konzentrationsfähigkeit auf die sehr unterschiedlichen Ansätze lässt immer mehr nach und man tut den späteren Regisseuren dadurch Unrecht. Auf diese Weise kann man sich mit dem zweiten Teil von ABCs of Death wunderbar einige Tage vergnügen, indem man eben jeden Tag nur ein paar Buchstaben konsumiert.
Was dem deutschen Endkunden in 23 Ways to Die aufgrund der Schnittauflagen entgeht, sind drei sehr unterschiedliche Geschichten: In Gilbeys Capital Punishment wird geschildert, wie ein vermeintlicher Kindermörder von einem aufgebrachten Mob auf blutigste Art gelyncht wird. Deloused von Robert Morgan ist hingegen der erste von einigen sehr ungewöhnlichen Beiträgen: Der Filmemacher inszeniert degenerierte wachsartige Puppen in einem Horrorszenario, das all jenen optisch bekannt vorkommen dürfte, die schon mal ein Video der Prog-Rock-Band Tool gesehen haben. Deloused ist zwar NUR Puppentheater, dies aber auf sehr verstörende und ultrablutige Art. In Torture Porn von Jen & Sylvia Soska wohnen wir einem Amateur-Porn-Casting bei, das extrem unangenehme Folgen für mehrere der Beteiligten hat. Hier stieß der FSK vermutlich die rauere Gangart des Casting-Agenten auf, denn die Gewaltdarstellung selbst ist eher schwach ausgeprägt und nicht explizit sichtbar. Wer auf diese drei „Buchstaben“ verzichten kann, erhält auch mit 23 Ways to Die eine qualitativ herausragende Horror-Anthologie, die bei den übrigen 23 Beiträgen nicht unter weiteren Schnitten leidet. Wer das Alphabet nur komplett im Videoschrank stehen haben möchte, der muss auf die ungeschnittene und limitierte 2-Disk-Collector’s Edition aus dem benachbarten Ausland zurückgreifen, die es dort seit dem 24.04.2015 gibt.

23 ways to die abcs of death 2 Blu-ray Review Szene 5
Dieser Kopf führt ein Eigenleben

Bild- und Tonqualität

23 ways to die abcs of death 2 Blu-ray Review Szene 6
Am Anfang ist’s ein harmloser Kuss …

Da vom Anbieter lediglich ein Streaming-Link zur Verfügung gestellt wurde, lassen sich Bild und Ton von 23 Ways to Die nicht final bewerten. Der grundsätzliche Look unterscheidet sich natürlich massiv von Regisseur zu Regisseur. Manche Filmemacher setzten bewusst auf einen amateurhaften Stil mit blockartefaktigem Geschehen, andere drehen in schwarz/weiß und wiederum andere erzeugen einen Hochglanzlook.Grundsätzlich fehlt’s ein wenig an Helligkeit und Kontrastumfang.

Bonusmaterial

23 ways to die abcs of death 2 Blu-ray Review Szene 7
Sieht aus wie Uwe Boll, ist aber nur ein gemorphter Unbekannter

Im Bonusmaterial von 23 Ways to Die findet sich je ein Audiokommentar der Filmemacher zu allen 23 Episoden sowie der Originaltrailer.

Fazit

23 Ways to Die liegt trotz des Fehlens der großen Regie-Namen, die der Vorgänger noch anbot, qualitativ auf dem gleichen Niveau wie ABCs of Death und gehört zu den gelungenen Horror-Kurzfilm-Anthologien. Prinzipiell ist hier für jeden (Horror)Geschmack etwas dabei und Langeweile stellt sich zu keiner Zeit ein. Die drei fehlenden Beiträge lassen sich aufgrund der durchgängig unterhaltsamen Beiträge verschmerzen, sodass sich auch die deutsche FSK-18-Fassung lohnt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: keine Bewertung möglich%
Tonqualität (dt. Fassung): keine Bewertung möglich%
Tonqualität (Originalversion): keine Bewertung möglich%
Bonusmaterial: 30%
Film: 70%

Anbieter: Capelight Pictures
Land/Jahr: USA/NZ/CA 2014
Regie: E. L. Katz, Julian Barratt, Julian Gilbey, Robert Morgan, Alejandro Brugués, Aharon Keshales & Navot Papushado, Jim Hosking, Bill Plympton, Erik Matti, Dennison Ramalho, Kristina Buozyte & Bruno Samper, Lancelot Imasuen, Robert Boocheck, Larry Fessenden, Hajime Ohata, Todd Rohal, Rodney Ascher, Marvin Kren, Juan Martínez Moreno, Jen & Sylvia Soska, Vincenzo Natali, Jerome Sable, Steven Kostanski, Julien Maury & Alexandre Bustillo, Soichi Umezawa, Chris Nash
Darsteller: Béatrice Dalle, Eric Jacobus, Laurence R. Harvey, Tristan Risk, Ryan Winsley, Iván González, Kestrin Pantera, Voltaire, Patrick Daniel, Olivia Bremner,
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 111
Codec: AVC
FSK: 18 (geschnitten)

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