976-Evil

Blu-ray Review

Sony Pictures, 04.12.2017

OT: 976-Evil

 


Die falsche Nummer

Die erste Langfilm-Regie eines gewissen Herrn Englund erblickt erstmals das Licht der Blu-ray Welt.

Inhalt

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Objekt der Begierde Spikes: Suzie

Spike Johnson ist ein harter Kerl mit weicher Schale. So kümmert er sich stets um seinen Cousin Hoax, der gegenüber wohnt und gerne mal durchs Fernglas guckt, was der Verwandte drüben mit den Mädels so treibt. Hoax ist nicht der Hellste, wird in der Schule gehänselt und von der Mutter schickaniert. Als Spike einen Flyer mitnimmt, der ihm unter der Nummer 976-Evil ein Horror-Skop verspricht, gelangt es in die Hände von Hoax. Der wählt die Nummer natürlich augenblicklich und beginnt sich von da an immer stärker zu verwandeln. Zuerst sind es die Hände, die zu Klauen werden und dann auch das Gesicht, das immer stärker einer Fratze gleicht. Ein Gutes aber scheint es zu haben, dass er den direkten Kontakt zum Teufel aufgenommen hat – er ist kräftig und selbstbewusst geworden. Endlich kann er sich an denen rächen, die ihn immer gepiesackt haben …

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Spike ist der coole Checker mit weichem Kern

Graffiti an den Wänden, Schulterpolster an den Jackets, zerrissene Jeans und High-Waiste – die 80er waren schon ein gruseliges Jahrzehnt. Und ein Jahrzehnt des Grusels – oder vielmehr Horrors. Kein Genre war in den Videotheken (ja, die gab’s damals noch reichlich) dermaßen stark vertreten wie jenes, in dem es vorzugsweise Teenagern blutig an den Kragen ging. Eine Ikone des Jahrzehnts ist bis heute Robert Englund, dessen Freddy Kruger aus der Nightmare-on-Elm-Street-Serie wohl jeden Teenie damals in Angst und Schrecken versetzt hat. 1988 befand er, dass es Zeit wäre, dem Genre seinen eigenen Stempel aufzudrücken – und zwar als Regisseur. Mit 976-Evil gab er sein Debüt und zitierte munter aus jenen Filmen, in denen er den Kids als verbranntes Pizzagesicht im Traum erschien. Dass er nicht unbedingt der talentierteste Filmemacher ist, merkt man zwar durchweg, aber sein bunter Mix aus Coming-of-Age-Drama und Horrorstreifen passt perfekt in die End-Achtziger als Grusel praktisch am Fließband produziert wurde. Die Dialoge sind genauso dünn wie die Verhaltensweisen der Figuren bescheuert. Die Botschaft ist strikt konservativ und das Produktionsdesign billig. Aber so waren die Horrorstreifen zu der Zeit eben alle. Was in 976-Evil herausragt, ist das extrovertierte Spiel von Hauptdarsteller Stephen Geoffreys, der schon in Fright Night als “Evil Ed” aufgefallen war und hier so richtig aus sich heraus geht. Da macht es dann auch nicht so viel, dass die Geschichte hanebüchen ist und nicht mal ansatzweise sorgfältig erzählt wird. Auch Sandy Dennis als Tante Lucy fällt auf. Die verdiente Theater-Aktrice, die legendär in ihrer Rolle als “Honey” in Wer hat Angst vor Virginia Woolfe wurde, tritt hier zum drittletzten Mal in einem Film auf. Leider verstarb sie drei Jahre später und damit viel zu früh. Für Star-Trek-Fans übrigens interessant: Robert Picardo, das medizinisch-holografische-Notfallprogramm der Voyager hat einen Kurzauftritt als Betreiber der Agentur für die gewerblichen Kurzwahl-Nummern.
Zur Schnittfassung: Es handelt sich schon bei der Hauptfilm-Fassung (also nicht jener des Bonusmaterials) nicht um die ursprüngliche deutsche VHS-Version, die gekürzt war. Es sind die Szenen der DVD von eyecatcher movies enthalten, die dem ungeschnittenen Cinema-Cut entsprechen. Diese sind allerdings nicht synchronisiert und liegen demnach in Originalsprache vor.

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Marcus bekommt endlich, was er verdient hat

Bild- und Tonqualität

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Hoax hat endlich Macht und Kraft – nur woher kommt sie?

Dass es sich bei 976-Evil um eine nicht remasterte Veröffentlichung auf einem digitalen Medium handelt, sieht man dem Film gerade zu Beginn (leider) in fast jeder Einstellung an. Abgesehen von wenigen Ausnahmen, in denen Close-ups mal scharf sind, unterscheidet sich seine Bildqualität nicht wesentlich von jenen der 4:3-Bilder, die in der alternativen Schnittfassung im Bonusmaterial zu sehen sind und die praktisch unbearbeitet vom VHS-Video stammen. Das Bild ist grundsätzlich unscharf, verwaschen, total flau in den Farben und Kontrasten und auch nicht sonderlich laufruhig. Dafür gibt es aber zumindest ein 16:9-Bildformat, während die deutsche Video-Fassung, wie erwähnt, im Vollbild vorlag. Nach etwa zehn Minuten wird das Bild eine Spur besser – zumindest in den Naheinstellungen (16’06).
Der Ton liegt, was die deutsche Ausgabe anbelangt, in dts-HD-Master Mono vor. Die Mono-Spur wurde allerdings auf die beiden Hauptlautsprecher gedoppelt, weshalb das Geschehen ausschließlich über die Stereo-Speaker wiedergegeben wird. Bestimmen die Dialoge den Film, so wirkt das Ganze recht angenehm. Obschon man hört, dass sie etwas komprimiert klingen, als hätte man sie durch einen Rauschfilter gejagt.
Die englische Fassung ist zwar genauso dumpf und in den Effekten kreischig-schrill, verteilt das aber eben (halbwegs) homogen auf alle sechs Lautsprecher. Ein remastertes Effekt-Feuerwerk sollte hier aber niemand erwarten. Die Orgel zu Beginn tönt belegt, das Telefongebimmel wirkt gequetscht und Dynamik kennt auch der O-Ton nicht. Einzig die Dialoge sind etwas besser eingebettet.

Bonusmaterial

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Der Regisseur bei der Arbeit

Im Bonusmaterial von 976-Evil findet sich ein relativ junger Audiokommentar mit Regisseur Robert und seiner Frau Nancy Booth Englund. Dazu gesellt sich die Möglichkeit, den Film in einer alternativen Schnittfassung abzuspielen, die gut 12 Minuten länger läuft und komplett vom VHS-Video stammt – in 4:3, natürlich. Hierbei handelt es sich um den Extended Cut, der natürlich nicht synchronisiert vorliegt.

Fazit

Robert Englunds Regie-Debüt reiht sich nahtlos ein in die zahllosen Videotheken-Horrofilm-Veröffentlichungen der 80er. Um von erzählerischen und inhaltlichen Mängeln abzulenken, kann er aber immerhin auf einen lustvoll aufspielenden Hauptdarsteller vertrauen, der seinerzeit durchaus das irre Potenzial eines Jeffrey Combs hatte.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 50%
Tonqualität (dt. Fassung): 50%
Tonqualität (Originalversion): 55%
Bonusmaterial: 50%
Film: 50%

Anbieter: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 1989
Regie: Robert Englund
Darsteller: Stephen Geoffreys, Jim Metzler, Maria Rubell, Sandy Dennis, Patrick O’Bryan, Lezlie Deane
Tonformate: dts HD-Master 5.1: en // dts HD-Master 2.0 Mono: de
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 92/105
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu 976-Evil


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