American Assassin 4K UHD

Blu-ray Review

OT: American Assassin

American Assassin 4K UHD Blu-ray Review Cover
Studiocanal, 22.02.2018
American Assassin Blu-ray Review Cover
Studiocanal, 22.02.2018


Der neue James Bond?

In American Assassin tritt eine junge Generation des Geheimdienstes an, das Erbe des britischen Agenten an.

Inhalt

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Mitch bildet sich für seine Rache selbst aus

Mitch Rapp hatte sich den Moment so schön ausgemalt: Im Urlaub auf Ibiza wollte er seiner Freundin Katrina einen Heiratsantrag machen. Doch kaum hat er die berühmten Worte ausgesprochen, zerstört ein terroristischer Anschlag die Idylle. Zahlreiche Zivilisten fallen der Attacke zum Opfer – auch Mitchs Neu-Verlobte. Von diesem Moment an sinnt Rapp auf Rache und scheint sie 18 Monate später auch zu bekommen. Doch bevor er das anberaumte Treffen mit dem verantwortlichen Terroristen abhalten und Vergeltung üben kann, trifft ein Spezialkommando der Special Forces ein und nimmt ihm den Job ab. Rapp nehmen sie gleich mit und bringen ihn in ein CIA-Safehouse. Dort kann er seine Wut ob der Beraubung seiner Rache ausleben, bekommt aber dann auch eine Chance, sich zu rehabilitieren. Er soll sich unter dem kernigen Veteranen Stan Hurley zum Elitekämpfer ausbilden lassen, um daraufhin innerhalb einer speziellen Einheit namens „Orion“ gegen terroristische Zellen vorzugehen. Anlass dafür bekommt er schon bald, als ein ehemaliges und tot geglaubtes Mitglied von „Orion“ offenbar hinter diversen Anschlägen steckt und nun in den Besitz von waffenfähigem Uran gekommen zu sein scheint …

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Stan Hurley schindet seine Rekruten

American Assassin basiert auf der Figur des Mitch Rapp, die Roman-Autor Vince Flynn 1999 schuf. Die Story des Films nutzt die elfte Veröffentlichung der Reihe von 2010, die chronologisch allerdings als erster Teil anzusehen ist – was auch Sinn macht. Denn die Vorlage erzählt hier davon, wie Rapp überhaupt zum CIA kam und welche Hintergründe persönlicher Natur es gab. Zudem bietet es den Machern die Möglichkeit, einen möglichst jungen Agenten ins Rennen zu schicken, auf dessen Schultern sich eventuell ein Franchise entwickeln könnte. Anhand eines Einspiel-Ergebnisses von weltweit gut 66 Mio. Dollar erscheint das zwar nicht mehr zwingend realistisch, doch wer kann schon in die Zukunft gucken. Immerhin waren die Produktionskosten mit etwas über 30 Mio. Dollar überschaubar. Auch ist das Potenzial für Fortsetzungen vorhanden und mit Michael Cuesta und dem Hauptdarsteller-Trio wurde (nach einigen Besetzungs-Wechseln) ein gut funktionierendes Team gefunden. Gerade Cuesta sollte als achtfacher Regisseur von Episoden der Serie Homeland genug Erfahrung im Agenten-vs-Terroristen-Genre haben, dass es noch für die nächsten Filme ausreicht.
Aber erst einmal zurück zum Start. American Assassin wandelt zwar auf den Spuren von James Bond, Jack Ryan oder Jason Bourne, langt aber deutlich kräftiger zu. Schon die dramatische Eröffnungsszene zeigt, dass Härte durchaus ein Aspekt dieses Franchise ist. Wenn Rapps Frau (und die anwesenden Passanten) von Kalaschnikows plattgemacht werden, fließt eine ganze Menge Blut. Selten wurde ein Film derart unvermittelt und krass eingeleitet. Und in dem Moment, in dem Mitch nur noch wenige Meter von seiner Katrina entfernt ist, dreht sie sich zur Kamera um und ein Schuss reißt sie förmlich aus den (nicht vorhandenen) Socken. Und auch später spritzt das Blut bisweilen ganz bewusst Richtung Kamera und besudelt sie mit rotem Lebenssaft – ganz zu schweigen von einigen, durchaus hart inszenierten Folterszenen.

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So ein fescher Bart kann bei der Tarnung helfen

American Assassin lässt keinen Zweifel daran, dass er es ernst meint. Auch in den darauf folgenden Szenen, in denen sich Mitch selbstverwaltet in diversen Disziplinen ausbildet, wird klar, dass Cuesta keine Gefangenen macht. Man mag zwar zu Recht anzweifeln, dass die CIA tatsächlich einen wütenden Halbstarken mit emotionaler Befangenheit in ihr Team aufnimmt, doch wenn man über dieses logische Problem hinwegsieht, liefert der Film trotz seiner knapp zwei Stunden Laufzeit permanent packende Unterhaltung. Und darüber hinaus einen Michael Keaton, der als Ausbilder Hurley mal wieder so richtig fies und gnadenlos sein darf. Erstaunlich, dass der mittlerweile 66-jährige Akteur auch körperlich noch fit ist und in seinen Kampfszenen durchaus überzeugt. Apropos Fights: Die handgreiflichen Auseinandersetzungen sind durchweg hochklassig choreografiert und liefern ein paar innovative Abfolgen. Dylan O’Brien zeigt in diesen Momenten, dass er seine Physis in der Maze-Runner-Trilogie schon trainieren konnte und als Actionheld locker überzeugen kann. Tatsächlich gibt er den Mitch Rapp in den von der Figur geforderten Facetten durchweg glaubwürdig. Gerade die emotional-aufbrausenden Szenen nimmt man ihm ohne Weiteres ab. Damit bildet er den launischen Gegenpol zum disziplinierten Hurley – ein dynamisches Gespann. Aber auch Taylor Kitsch als „Ghost“ liefert eine starke Vorstellung ab. Nicht ganz so stark sind die visuellen Effekte der NAVY-Schiffe im Finale. Aber das ist, rein optisch gesehen, auch schon das einzige Manko des Films, der wirklich rasant aufhört und eine Fortsetzung so nahelegt, wie man es sich nur wünschen könnte. Drücken wir die Daumen, dass das produzierende Studio das genauso sieht.

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Endlich mal ein Jungdarsteller mit ganz normal-sportlicher Figur: Dylan O’Brien hat zwar für „American Assassin“ trainiert, hat es aber offenbar nicht nötig, mit braungebranntem Six-Pack hausieren zu gehen

Bild- und Tonqualität BD

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Ghost hat eine alte Rechnung offen

Das Bild von American Assassin überzeugt leider nur in gut ausgeleuchteten Momenten wirklich. So beginnt Kapitel Drei mit einem äußerst beeindruckenden Flug über satte grüne Baumwipfel. Außerdem sind die Kampfübungen im Wald recht kontraststark und punkten mit kräftigen Farben und recht guter Schärfe. Letztere ist allerdings nicht immer auf der Höhe. Sobald es dunkler wird, lässt die Auflösung sichtbar nach und führt in ganz düsteren Szenen zu massiven Unruhen auf Gesichtern (87’20). Farben verfälschen dann und man sieht die Probleme der Digitalkameras, die in der Dunkelheit ihre Empfindlichkeit erhöhen und mit deutlichem Korn reagieren. Während dieses Korn in helleren Szenen noch authentisch aussieht, trübt es in den dunkleren das Gesamtgeschehen. Aber auch bei Normal-Licht ist die Schärfe schon in Halbtotalen nur durchschnittlich, was allerdings auch an der stets in Bewegung scheinenden Kamera liegt. Ganz gut gelingt die Farbdarstellung, die (je nach Schauplatz) mal warm und mal kühl gefiltert daherkommt. Man übertreibt es nicht mit der Farbfilterung, sondern nutzt es sehr atmosphärisch.

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Annika ist Mitchs Partnerin bei dem Einsatz

Akustisch darf man sich (mal wieder) über die kleine(re)n Anbieter freuen. Studiocanal liefert auch bei American Assassin für beide Sprachfassungen 3D-Sound in Dolby-Atmos – und das schon über die Blu-ray. Bevor aber Signale aus der Höhe ertönen, bleibt der Film erst einmal bodenständig und liefert eine mehr als erinnerungswürdige Surround-Kulisse während des Attentats am Strand. Die Kalaschnikows zerfetzten das Heimkino auf die gleiche Art und Weise wie die Körper der Badegäste. Fällt einer von ihnen in den Pool, gibt es auch erstmals Unterstützung von oben (4’20). Gleiches gilt für den Staub, der sich räumlich rundum Rapp legt, wenn die Special Forces ihm die Arbeit abnehmen (15’40). Die generelle Raumakustik wird zudem durch sehr atmosphärische Umgebungsgeräusche während gewisser Markt-/Stadtszenen unterstützt und auch das leise Wispern der Versuchspersonen in Mitchs Test-Umgebung wird von den Rears direktional in den Raum gegeben (35’40). Die Stimmen kommen dazu sehr gut verständlich und zu keiner Zeit zu leise aus dem Center. Leider gibt’s für die Atmos-Spur nur relativ selten Anlass, Höhen-Signale zu liefern. Das liegt nicht daran, dass sie schlecht gemastert wurde, sondern schlicht daran, dass es nur wenig Anlass gibt, Unterstützung von „oben“ einzufordern. Das Geschehen findet einfach nur selten oberhalb von den Kameras statt. Nach knapp siebzig Minuten gibt’s mal wieder ein kurzes Geräusch aus der Höhe, wenn das Wasser der Badewanne über Annika hereinstürzt. Wirklich cool ist dann der Hall des Schusses, der in den Katakomben des Feindes von den Decken widerklingt (87’30). Gleiches gilt für die Explosion, die sich fauchend durch die Kellergewölbe zieht und im Nachgang noch hörbare Einzelteile in der Luft herumfliegen lässt (ab 88’30). Der Hubschrauber kurz darauf landet ebenfalls authentisch von oben (89’50) und die Atombomben-Explosion erfüllt auch noch mal alle Lautsprecher. Es bleibt also ein Dolby-Atmos-Soundtrack, der auf der 2D-Ebene äußerst räumlich agiert und aus der Höhe sehr gut definierte Sounds liefert – das allerdings thematisch bedingt nicht sehr häufig.

Bild- und Tonqualität UHD

American Assassin gehört zu den zahlreichen Filmen der letzten anderthalb Jahre, die zwar komplett digital fotografiert wurden und am Ausgang der verwendeten Arri-Alexa-XT-Kameras immerhin 3,4K lieferten, die dann aber auf ein 2K-Digital-Intermediate heruntergerechnet wurden. Auch die VFX wurden „nur“ in 2K gerendert, sodass es sich bei der Ultra-HD um ein hochskaliertes 4K des Films handelt. Grundsätzlich ruft das natürlich immer wieder Kritiker auf den Plan, denen schnell das Wort „Mogelpackung“ über die Lippen kommt, doch zunächst sollte man erst einmal objektiv an die Sache herangehen. Denn schon des Öfteren zeigte sich bei 2K-DI-UHDs, dass die Auflösung durch ein sauberes Hochskalierung durchaus sichtbar besser war.
Im Falle von American Assassin trifft das durchaus zu, wenn man sich Ausschnitsvergrößerungen von Schriften auf Akten anschaut oder mal ein Standbild eines sauberen und ruhig aufgenommenen Bildes anschaut. Das ist bisweilen gar nicht so einfach, weil die Kamera fast ständig in Bewegung ist. Schriften wirken allerdings klarer umrissen, was auch daran liegt, dass sie subjektiv weniger Farbsäume aufweisen. Das wiederum wird nicht nur durch die höhere Auflösung, sondern auch die bessere dynamische Trennung zwischen Schwarz und Weiß hergestellt. Über die Blu-ray ist Fettgedrucktes etwas dicker und auch matschiger, während die Ultra-HD es feiner und definierter darstellt (siehe Bildvergleich ganz unten).
Im laufenden Bild ist allerdings der höhere Dynamikumfang (HDR10) für ein besseres Bilderlebnis über die UHD verantwortlich. Er schafft einfach ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Hell- und Dunkelanteilen und arbeitet gerade in etwas düsteren Szenen Details sichtbar besser heraus. Die Integration des erweiterten Farbraums im Rahmen von Rec.2020 wird indes sehr dezent genutzt und liefert in Nuancen etwas wärmere und braunere Gesichter sowie geringfügig kräftigere Rotanteile. Trotz höherer Auflösung und größerer Dynamik bleiben natürlich die Probleme in dunklen Bildanteilen bestehen. Hier kann auch das Upscaling und HDR10 nicht verhindern, was von der Kamera schon schwach aufgezeichnet wurde. Die Unruhen auf dunklen Bildanteilen und das generell recht intensive Korn bleiben auch via Ultra-HD sichtbar.
American Assassin BD vs UHD 1
(20’59): Kapitel drei beginnt mit einer famos kontraststarken Szene, die über die Blu-ray schon beeindruckend wiedergegeben wird
American Assassin BD vs UHD 2
Die UHD hält hier etwas mehr Dynamik bereit und sumpft in den dunklen Bereichen nicht so ab. Dennoch reißen die Wolken am oberen Rand nicht aus und bleiben definiert
American Assassin BD vs UHD 5
(32’23): Hier sieht man deutlich: Wird es dunkler, verschweigt die Blu-ray Details in Schattenbereichen
American Assassin BD vs UHD 6
Die Ultra-HD macht’s besser und zeichnet das O’Briens Gesicht deutlich besser durch. Gleichzeitig wird der Schwarzwert nicht schlechter oder gräulicher. Die UHD hat hier das ausgewogenere Bild
American Assassin BD vs UHD 7
(22’13): Die Ausschnittsvergrößerung der unten zu sehenden Szene zeigt über die Blu-ray leichte Farbsäume an den Buchstaben und setzt sie etwas „fetter“, weniger definiert
American Assassin BD vs UHD 8
Das Upscaling sorgt für feinere Linien ohne störende Farbsäume. Die Schrift erscheint zwar dünner, gleichzeitig aber klarer und deutlicher
American Assassin BD vs UHD 9
Hier das Komplettbild des oben gezeigten Bildausschnitts zur Verdeutlichung der Größe des Ausschnitts
Beim Sound von American Assassin ändert sich nichts: Auch die UHD enthält die beiden Atmos-Spuren, die schon die Blu-ray aufweist.

Bonusmaterial

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Es sind Nuklearwaffen im Spiel

Im Bonusmaterial von American Assassin, das komplett auf der Blu-ray vorliegt, finden sich insgesamt fünf Featurettes: In „Im Visier: Der Weg zum Killer“ gibt’s bei einer Laufzeit von zehn Minuten eine Zusammenfassung der Geschichte sowie Interviewschnipsel mit den Beteiligten. „Mitch Rapp gesucht“ läuft ebenfalls knapp zehn Minuten und lässt Dylan O’Brien zu seiner Figur erzählen – inklusive entsprechender Bezugnahmen auf die Romanvorlage. „Das Spiel mit der Macht“ zeigt Taylor Kitsch und Michael Keaton im Gespräch über die dynamische Verbindung der von ihnen porträtierten Figuren. „Menschliche Waffen: Training und Stunts“ beleuchtet vor allem die Action-Choreografien und das durchaus anspruchsvolle Training, durch das die Darsteller gehen mussten. „Vor Ort im Kampfeinsatz“ letztlich zeigt die unterschiedlichen Schauplätze und Locations, an denen gedreht wurde. Obendrauf gibt’s noch ein Questions & Answers mit den Hauptdarstellern O’Brien und Kitsch, das man nach einem Screening des Films abhielt. Die Laufzeit hier beträgt gut 25 Minuten.

Fazit

American Assassin ist trotz einiger Logiklücken und fragwürdiger Rekrutierung der Hauptfigur ein durchweg packender Actionthriller, der eine Fortsetzung viel eher verdient hätte als so manch weniger sequelwürdige Film. Die Darsteller überzeugen, die Action- und Kampfszenen langen ordentlich zu und die visuelle Härte ist überraschend heftig.
Beim Bild hätte man sich schon auf Produktionsseite mehr Sorgfalt gewünscht – hier sieht man bisweilen die Grenzen der verwendeten Kameras. Die UHD liefert dafür das etwas schärfere und im Kontrast intensivere Bild.
Der Dolby-Atmos-Sound liegt schon auf der Blu-ray vor und überzeugt auf der herkömmlichen Ebene mit viel Druck und Räumlichkeit. 3D-Sounds gibt’s vor allem im Finale. Die klingen dann auch gut, sind aber rein quantitativ anderen Filmen unterlegen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 75%
Bildqualität UHD: 75%

Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (dt. Fassung): 85%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (dt. Fassung): 50%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (dt. Fassung): 80%

Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 85%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 50%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 80%

Bonusmaterial: 60%
Film: 80%

Anbieter: Studiocanal
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Michael Cuesta
Darsteller: Dylan O’Brien, Charlotte Vega, Christopher Bomford, Chris Webster, Michael Keaton, Michael Wildman, Scott Adkins, Taylor Kitsch,
Tonformate BD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): de, en
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 114
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Real 4K: Nein (2K DI)
High Dynamic Range: HDR10
FSK: 16

Trailer zu American Assassin


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