Ben Hur

Blu-ray Review

Paramount/Universal, 12.01.2017

OT: Ben Hur

 


Denn sie wissen nicht, was sie tun

Kann die Neuverfilmung des klassischen Stoffs mit den Vorgängern mithalten?

Inhalt

Pontius Pilatus eröffnet das Rennen

Judah Ben Hur, jüdischer Edelmann und Sohn einer angesehenen Familie, und sein römischer Adoptivbruder Messala sind während ihrer Kindheit und im heranwachsenden Alter die besten Freunde – gleichwohl sie sich auch gerne im gegenseitigen Wettstreit messen. Da Messala sich in der wohlhabenden Familie stets zu wenig bestätigt fühlt, beschließt er eines Tages, für die römische Armee in den Krieg gegen die Germanen zu ziehen. Jahrelang bleibt er der Familie fern und Judah bleibt nur, ihm Briefe zu schreiben. Derweil erhöht Rom den Druck auf Judäa und geht bald nicht nur gegen die fanatischen Zeloten vor. Ein Wiedersehen nach Jahren führt die beiden Brüder zwar endlich wieder zusammen, doch die Freude währt nicht lange. Denn als ausgerechnet ein Zelote, dem Ben Hur in dessen Not Zuflucht gewährte, von dessen Haus aus ein Attentat auf den durchreisenden Pontius Pilatus verübt, waltet Messala seines Amtes und verbannt den einst geliebten Bruder als Sklave auf eine Galeere, lässt seine eigene Familie ins Verlies werfen. Während der Jahre als Sklave erwacht in Ben Hur nur ein Gedanke: Rache an Messala zu üben …

Judah Ben Hur ist Pferdeflüsterer und damit im Vorteil

Timur Bekmambetow – wir erinnern uns – ließ in seinen bisherigen Filmen auch schon mal Sportwagen seitlich an Hochhäusern entlangdriften. So ganz nebenbei hat er im Verlaufe seiner weiteren Karriere mit Filmen wie Wanted oder Abraham Lincoln – Vampirjäger nicht gerade für Verzückung bei Fans und Journalie gesorgt. Eins allerdings muss man ihm lassen: Spektakel kann er durchaus. Deshalb erscheint es einerseits naheliegend, ihn als Regisseur für ein Remake des Charlton-Heston-Klassikers Ben Hur zu engagieren, andererseits kann man sich seine oberflächlich-visuelle Inszenierung bei diesem klassischen Stoff nicht so ganz als passend vorstellen. Erstaunlich deshalb, dass er sich während der ersten 45 Minuten mit nur kurzen Actionunterbrechungen fast vollständig auf seine beiden Hauptfiguren verlässt und sie in ausgiebigen Dialogen vorstellt. Inhaltlich wurde das Remake teils verändert, um die emotionale Bindung zwischen den beiden Titelfiguren zu stärken. So sind sie dieses Mal Adoptivbrüder und nicht nur langjährige Freunde. Auf der anderen Seite jedoch nahm man der Figur des Messala einiges an Kaltblütigkeit. So weist er hier deutlich mehr Skrupel auf, als es um die Anschuldigungen geht und außerdem wird aus einem fallenden Ziegel (im Original) ein abgeschossener Pfeil. Auch unterlässt es Bekmambetovs Ben Hur, die Kaltblütigkeit Messalas beizubehalten, denn im Original weiß er um das unabsichtliche Lösen des Ziegels und lässt dennoch sein Urteil unverändert. Arrius, eine DER Schlüsselrollen des 57 Jahre alten Vorgängers, wird gleich komplett gestrichen. Der Laufzeitunterschied von dicken anderthalb Stunden (222 zu 122 Minuten) muss natürlich auch irgendwoher kommen.

Messala will den Sieg um jeden Preis

Dafür bekommt Pferdeausbilder Ilderim eine größere Rolle und darf die Geschichte auch aus dem Off kommentieren. Inhaltlich konzentriert sich dieser Ben Hur deutlich stärker auf die Familiensituation und deren Dramatiken, denn auf den Rachegedanken, der lange nicht so vorherrschend ist wie im 1959er Film von William Wyler.
Schauspielerisch setzt man auf junge und unverbrauchte Gesichter, um gar nicht erst in Versuchung zu geraten, gegen Heston konkurrieren zu wollen. Jack Huston, der den Judah Ben Hur gibt, kennt man aus Stolz und Vorurteil & Zombies. Sein Judah ist nach der Wandlung im Angesicht der Sklaverei und der Trennung von seiner Familie vielleicht zu kühl und aggressiv, was nicht so ganz nachvollziehbar ist. Dennoch füllt er die Rolle mit Emotionen. Toby Kebbel als Messala stand zuletzt als Motion-Capture-Vorlage für Durotan in Warcraft vor der Kamera und kann als Messala durchaus Akzente setzen. Bis auf Morgen Freeman, der den Spieler und Mentor Ilderim gint, bleiben sämtliche weitere Nebenrollen blass – selbst Pontius Pilatus oder Jesus von Nazareth bleiben nur bedingt im Gedächtnis. Optisch gibt Bekmambetov erstmals während des Kampfes der Galeeren zu erkennen, was er gut kann. Seine Actionszenen sind aller Ehren wert und machen wirklich Spaß. Dies vor allem auch deshalb, weil das finale Wagenrennen beinahe komplett ohne CGI auskommt (sieht man mal von verunfallenden Pferden und den umstürzenden Wagen ab). Gerade die Nahaufnahmen und Halbtotalen der Pferde sind live gefilmt. Und so bereitet diese 15-minütige Sequenz dann auch viel Freude, sieht man mal von den vielen, arg wackeligen Kameraeinstellungen ab, die nicht gerade für Übersicht sorgen. Für sich alleine betrachtet, hat dieser Ben Hur also durchaus unterhalterische Qualitäten und kann die Geschichte ins neue Jahrtausend retten. Ob Fans des Heston-Ben-Hurs hier glücklich werden, steht auf einem anderen Blatt.

Bild- und Tonqualität

Mit viel Geschick pirscht sich Judah langsam heran

Für einen aktuellen Titel erscheint das Bild von Ben Hur erstaunlich flach und milchig (sehr stark bei 21’03). Von echtem Schwarz in den entsprechend dunklen Szenen oder Bereichen kann man so kaum sprechen und der Kontrastumfang ist erstaunlich durchschnittlich. Auch die kräftigen Farben der Gewänder kommen zu blass und wenig prächtig rüber. Hier hätte der Film durchweg mehr Strahlkraft verdient gehabt. Recht gut sind Bildruhe und Schärfe. Letztere leidet auch nicht unter Problemen in Randbereichen.
Wie man es von Paramount kennt und immer wieder kritisiert, kommt auch Ben Hur ohne hochauflösende deutsche Tonspur. Dem englischen 7.1-dts-HD-Master steht also ein veraltetes Dolby Digital mit 5.1 Spuren gegenüber. Oft drüber geschrieben, immer noch tut sich nichts – einfach eine Schande, gerade für solche epischen Filme wie diesen. Konzentrieren wir uns zunächst auf die DD-Spur, die schon zu Beginn zeigen muss, was sie drauf hat. Sonor klingt Klaus Sonnenschein, die Synchronstimme Morgan Freemans, aus dem Center und langsam brandet die tosende Menge auf. Während der Center das Organ Sonnenscheins kraftvoll präsentiert, laufen die Wagen vor dem Rennen durchaus gewaltig aus den Toren auf die Fläche der Arena (1’33). Dazu kommt der Filmscore beim Rückblick auf die Ereignisse acht Jahre zuvor recht luftig aus allen Speakern – gerade die akustischen Klänge des Zupfinstruments kommen sehr räumlich rüber. Das Pferdegetrappel der beiden Gäule wird zudem gut im Raum verteilt. Wechselt man nun auf die englische Fassung, ist bemerkenswert, dass sich diese nicht sonderlich von der deutschen DD-Version absetzen kann. Stimmen wirken etwas lebhafter und das Einlaufen der Wagen in die Arena gelingt noch etwas offener. Allerdings hat die hochauflösende Variante entgegen der Erwartung nicht mehr Dynamik oder Kraft im Bassbereich. Auch das Pferdegetrappel beherrschen beide Fassungen ähnlich gut. Selbst der sonst sehr ausgeprägte Unterschied in der Lautstärke zwischen DD und dts-HD-MA fällt hier eher unbedeutend aus. Man kann sich jetzt streiten, ob die DD-Version sehr gut oder das dts-HD-MA-Pendant eher schwach ausgefallen ist. Fakt ist: Dieses Mal darf man sich zwar darüber aufregen, dass Paramount an seiner Taktig festhält, bekommt aber zwei recht gleichwertige Tonspuren. Auffallend dynamisch agiert der Sound auch beim Gewitter nach elf Minuten oder das gemeinschaftliche Ziehen an den Rudern der Galeeren (49’30) und das finale Wagenrennen liefert Wucht und Effektfülle, wie man es sich wünscht.

Bonusmaterial

Merke: Der Held des Films hat weiße Pferde!

Im Bonusmaterial von Ben Hur gibt es neben sieben unveröffentlichten und erweiterten Szenen noch fünf Featurettes mit einer Gesamtlaufzeit von knapp 60 Minuten zu entdecken. „Das Vermächtnis“ spricht über die großen Fußstapfen, in die die Neuverfilmung treten musste. Ein Hauptbestandteil gehört dabei dem Autor der Buchvorlage, Lew Wallace. Seine Ur-Ur-Ekelin erzählt viele wissenswerte Fakten über ihren Ahnen. „Die epische Besetzung“ kümmert sich, dem Namen entsprechend, um das Cast des Films. Die Findung der Darsteller stellte sich als nicht ganz einfach heraus. In „Eine Erzählung für unsere Zeit“ wird herausgestellt, wie sehr Bekmambetov daran gelegen war, das Ganze so authentisch wie möglich zu halten, während er gleichzeitig so modern wie möglich filmen wollte. „Das Wagenrennen“ kümmert sich natürlich um das finale Rennen, dessen 1959er Version sicher zu den legendärsten Szenen der Filmgeschichte gehört. Hier wollte man gleichzeitig gleichzeitig sehr zeitgemäß filmen und gleichzeitig der damaligen Zeit treu bleiben wollte. Ganze 33 Tage drehte man an den Szenen und es wird sehr deutlich herausgestellt, wie gut man mit den Pferden umging. „Ein Geschichte über Christus“ stellt den Bezug zum christlichen Hintergrund her, der schon Autor Wallace extrem wichtig war. Wirklich nervig an den Featurettes ist nur die ausführende Produzentin Roma Downey, die derart theatralisch erzählt, dass sie als Schauspielerin hätte mitwirken können. Beim Beitrag über „Christus“ fängt sie auf Knopfdruck fast an zu weinen, wenn sie von der Segnung der Darsteller durch den Papst erzählt, die zur Zeit der Dreharbeiten in Rom stattfand.

Fazit

Ben Hur ist ein erstaunlich zurückgenommener Film, wenn man sich Bekmambetovs bisherige Vita so anschaut – gerade in den Actionszenen bleibt er erfreulich oldscholl. Inhaltlich und emotional vermag seine Fassung allerdings nicht immer gleichermaßen mitzureißen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 85%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 60%
Film: 60%

Anbieter: Paramount/Universal Home
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Timur Bekmambetov
Darsteller: Jack Huston, Toby Kebbell, Nazanin Boniadi, Pilou Asbæk, Rodrigo Santoro, Morgan Freeman, Sofia Black-D’Elia, Moises Arias
Tonformate: dts HD-Master 5.1: en // DD 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 123
Codec: AVC
FSK: 12

Trailer zu Ben Hur

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