Beyond the Bridge

Blu-ray Review

Beyond the Bridge Blu-ray Review Cover
FALLENDREAM Pictures, seit 21.05.2016

OT: –

 


Trip in die Vergangenheit

Zeitgemäßes Genrekino aus der Amateurfeder des Schweizer Regisseurs/Autors Daniel P. Schenk.

Inhalt

Beyond the Bridge Blu-ray Review Szenenbild 1
Marla trifft sich mit ihrem Ex

Marla Singer hat vor knapp über einem Jahr ihre Eltern bei einem Unfall verloren und ist daraufhin für einige Zeit im Ausland gewesen. Nun kommt sie zurück, um das Elternhaus für den Verkauf vorzubereiten. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagend organisiert sie (halb als Abrissparty, halb als Wiedersehensfeier) eine Fete mit Freunden in ihrem Anwesen. Der Abend wird feuchtfröhlich und endet im Pillenrausch mit einer synthetischen Droge. Nach ihrem bösen Trip, in dem sie unangenenehme Begegnung mit einem Müllsack macht, hat sie fortwährend Visionen und muss sich ständig wieder übergeben. Ihre Wahnvorstellungen lassen sie immer wieder die junge Julia sehen, die vor Jahren (Marla war selbst noch ein Kind) eine Abtreibung an sich vornahm. Daraufhin geht Marla zur Polizei und berichtet von ihren Erkenntnissen. Doch bald kommen ihr berechtige Zweifel an ihren eigenen Wahrnehmungen …

Beyond the Bridge Blu-ray Review Szenenbild 4
Nach der Party hat Marla einen gehörigen Kater

Crowdfunding ist nach wie vor das moderne Mittel der Wahl, wenn junge Regisseure/Drehbuchautoren ihr eigenes Filmprojekt verwirklicht sehen wollen. Wo früher die Eltern angepumpt und Kredite aufgenommen wurden, helfen heute einfach aufgeschlossene Filmfans. Auch Beyond the Bridge wurde (neben privaten Mitteln der Filmemacher) zu einem kleinen Teil über „Menschenmenge-Finanzierung“ realisiert, obschon Crowdfunding 2010 eben noch nicht in aller Munde war. Ganze fünf Jahre hat es nämlich gedauert, bevor Daniel P. Schenks erster Langfilm fertig war. Der junge Schweizer Regisseur hatte zuvor mit zwei Kurzfilmen auf sich aufmerksam gemacht, die thematisch eher im Gaming-Bereich angesiedelt waren. Im für 10.000 Euro realisierten Beyond the Bridge geht es indes bedeutend düsterer zu. Verdrängung und die Dämonen der Vergangenheit – das sind die Motive, die Schenks Film mit atmosphärischen und surrealen Bildern einzufangen sucht. Da man nur wenig Geld zur Verfügung hatte, musste man allerdings entsprechend erfinderisch sein, um die Visionen Marlas umzusetzen. Zum einen diente da das große Haus der schenk’schen Mutter als Drehort und der Heimatkanton Fribourg wurde der Einfachheit halber für die Außenaufnahmen genutzt – eben weil man sich dort entsprechend gut auskannte und von Plätzen wie der Höhle wusste. Natürlich konnte man auch in Sachen Besetzung nicht aus dem (teuren) Vollen schöpfen. In der Hauptrolle agiert dann auch konsequenterweise Daniels Schwester Maya und er selbst tritt als Nebenfigur ebenfalls auf.

Beyond the Bridge Blu-ray Review Szenenbild 2
Marlas Visionen sind gruselig und führen sie in die Vergangenheit zurück

Zunächst irritierend mag sein, dass Beyond the Bridge unsynchronisiert vorliegt und komplett in Englisch abgedreht wurde. Das macht allerdings Sinn, wenn man eine internationale Vermarktung im Auge hat. Sieht man mal von den Partyszenen ab, in denen das Gesprochene schon mal etwas unter geht, bleiben die Dialoge allerdings auch für nicht-perfekt-Englisch-Könner verständlich – zumal die Darsteller allesamt eine verhältnismäßig gute Aussprache haben. Alles andere wäre in einem Horrorthriller aber auch kontraproduktiv gewesen und hätte die vorhandene Spannung vermutlich der Lächerlichkeit preisgegeben. Auch das Schauspiel der Hauptdarstellerin darf als gelungen gelten. Abgesehen von wenigen Szenen agiert sie glaubwürdig und mit durchaus vorhandenen differenzierten Gesichtsausdrücken – im Gegensatz zu Thomas Koch als Ex-Freund Eric  (dessen Mimiken limitiert bleiben) oder Jean-Noel Molinier, dem als Drogenverteiler nur die Rolle des albernen Partylöwen bleibt. Im Gegensatz zu anderen Amateurproduktionen ist das offenbarte Schauspiel hier aber durchaus respektabel. Und die Geschichte? Mal abgesehen von der Tatsache, dass der Film mit 110 Minuten ein klitzekleines bisschen zu lang ausfällt und man ein paar Momente durchaus hätte kürzen können, erzeugt Beyond the Bridge mit seinen geringen Mitteln durchaus Spannung. Dankenswerterweise bedient man sich auch nicht der billigsten Möglichkeit und arbeitet mit Found-Footage-Technik, sondern lässt einen echten Kameramann ran. Der findet durchaus innovative Winkel und arbeitet auch während der konventionellen Szenen absolut professionell. Es ist ihm und auch Regisseur Schenk hoch anzurechnen, dass sie im Gewöhnlichen den Blick fürs Ungewöhnliche, filmisch passende finden und den Zuschauer so immer wieder abholen, ihn bei der Stange halten. Dass die Story nach 92 Minuten mit einer faustdicken Überraschung aufwartet, die sich zwar anbahnt, in der Form aber unerwartet kommt, ist mehr als man von vielen Big-Budget-Produktionen erwarten kann. Die zugrundeliegenden Themen, die oben schon angesprochen wurden, kennt man in der Form zwar ebenfalls, was aber Beyond the Bridge nicht abwerten soll. Im Gegenteil: Man kann als Filmfreund durchaus neidlos anerkennen, dass Daniel P. Schenk sich bei ein paar bekannten und berühmten Vorbildern (man denke da an David Fincher oder einige andere) bedient hat, ohne sie schnöde zu kopieren. Für die Weiterverbreitung des Films sorgt nun der DVD-Release, der am 21. April vollzogen wurde, nachdem man während der Wochen zuvor eine kleine Kinotour hinter sich gebracht hatte. Aus Produktionsgründen muss man auf die Blu-ray noch bis Ende Mai warten. Sobald diese fertig ist, wird auch eine technische Bewertung nachgeliefert.

Bild- und Tonqualität/Bonusmaterial

Beyond the Bridge Blu-ray Review Szenenbild 3
Was hat es mit der Brücke auf sich?

Das zur Sichtung von Beyond the Bridge aktuell nur ein Streaminglink zur Verfügung stand, wird die Bewertung vom Bonusmaterial sowie der Bild- und Tonqualität zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht.

Fazit

Beyond the Bridge mag günstig produziert sein und optisch nicht an Hochglanzproduktionen heranreichen. Inszenatorisch ist der Film aber spannend und unterhaltsam umgesetzt sowie mit einem überraschenden Finale garniert. Der Independent-Fan darf hier bedenkenlos zugreifen, währen sich Daniel P. Schenk für Größeres empfiehlt. Würde mich nicht wundern, wenn man von ihm noch viel hört – zumal das deutschsprachige Genrekino brachliegendes Ackerland ist.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: keine Wertung
Tonqualität (Originalversion): keine Wertung
Bonusmaterial: keine Wertung
Film: 60%

Anbieter: beyondthebridgemovie
Land/Jahr: Deutschland 2010-2015
Regie: Daniel P. Schenk
Darsteller: Maya Schenk, Thomas Koch, Eleanor Buechler, Jean-Noel Molinier, Daniel P. Schenk
Tonformate: dts HD-Master 5.1: en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 109
Codec: AVC
FSK: 16