Big Bad Wolves – Some Men Are Created Evil

Blu-ray Review

Highlight Communications, seit 27.11.2014
Highlight Communications, seit 27.11.2014

OT: Big Bad Wolves

 


Im Folterkeller von Gidi

Der israelische Fantasy-Filmfest-Beitrag von 2013 überrascht mit bösem Humor und ernstem Hintergrund.

Inhalt

Telefonbuchfolter vom Allerfeinsten
Telefonbuchfolter vom Allerfeinsten

Wenn junge Mädchen entführt werden, sind nicht nur die Angehörigen höchstsensibel, sondern auch die ermittelnden Behörden. Polizist Micki hat schnell einen Verdächtigen, der von einem befreundeten Mädchen der Gekidnappten gesehen wurde. Also schnappt er sich den unscheinbaren Lehrer, lässt ihn weich prügeln und muss dennoch ergebnislos nach Hause gehen. Dummerweise hat ein Jungendlicher das “Verhör” gefilmt und so verliert Micki erstmal seinen Job – übrigens ebenso wie Lehrer Dror, der auf Grund des geleakten Videos vor allem durch die Eltern seiner Schüler unter Druck gesetzt wurde. Als das Mädchen dann ermordet und geschändet aufgefunden wird, ist der (Ex)Cop erst Recht angestachelt und beschattet seinen Verdächtigen weiter. Dabei ist er nicht allein, denn auch der Vater der Toten ist hinter Dror her. Nach einem kurzen, schmerzhaften Aufeinandertreffen der beiden, beschließt man zusammenzuarbeiten, um die Wahrheit aus Dror herauszufoltern …

Gidi, der Vater des toten Mädchens, hat die Hasskappe auf
Gidi, der Vater des toten Mädchens, hat die Hasskappe auf

Aharon Keshales und Navot Papushado, die zuvor mit Rabies – A Big Slasher Massacre einen echten israelischen Horrorfilm inszenierten, bleiben dem Genrefilm treu und verquicken nun Foltermotive mit Rächerthema und Pädophilen-Mörder-Thriller. Gewürzt wird Big Bad Wolves – Some Men Are Created Evil mit viel ironischem Humor und durchaus drastischen Momenten. Diese Gratwanderung hätte ganz massiv in die Hose gehen können, tut sie aber nicht. Denn sowohl die drei späteren Hauptakteure, als auch das Gespür für Atmosphäre und stylishe Bilder binden die zunächst unversöhnlich scheinenden Elemente miteinander.
Der integrierte absurd-sarkastische Humor bricht mit dem eigentlich drastischen Fall und der Tatsache, dass hier Selbstjustiz und Folter betrieben wird. Vor allem der Kniff, dass der zunächst als Überzeugungstäter eingeführte Polizist Micki in Vater Gidi seinen Foltermeister gefunden hat und Letzterer wiederum unter der Fuchtel seiner Mutter steht, sorgt für die ironische Übersteigerung der Geschichte. Spätestens wenn Gidis Vater auftaucht, der seinen Sohn im Namen der Enkelin tatkräftig unterstützt und die Zwei nach der Arbeit mit dem Bunsenbrenner an Drors Brust übers Grillen philosophieren, ist klar, dass hier zwei Regisseure entsprechende Genrewerke genau studiert haben. Und weil es so entwaffnend ist, gibt’s gleich auch noch ein bisschen sarkastischen jüdisch-arabischen Witz dazu, der den andauernden Konflikt der zwei Parteien ad absurdum führt und genüsslich mit gegenseitigen Vorurteilen spielt.
So ist es dann auch kein Wunder, dass Quentin Tarantino Big Bad Wolves als “besten Film 2013” bezeichnet, denn in Sachen Humor liegen alle drei Filmemacher auf einer Wellenlänge.
Dennoch findet Big Bad Wolves die Zeit, um die alles entscheidende und unangenehme Frage zu stellen: Was, wenn Dror es nicht gewesen ist? Was, wenn die zwei Folterknechte den Falschen erwischt haben?
Auch wenn das an dieser Stelle nicht die bohrende Tragik und Dramatik eines Prisoners erreicht, so konfrontieren die beiden Regisseure den Zuschauer dennoch mit den jeweils eigenen Moralvorstellungen.

Bild- und Tonqualität

Und deshalb hat er auch keinerlei Skrupel: Mit dem Hammer immer feste druff
Und deshalb hat er auch keinerlei Skrupel: Mit dem Hammer immer feste druff

Beim Bild von Big Bad Wolves gefallen die knackigen Kontraste, die einen sehr guten Schwarzwert reproduzieren und auch Farben lebhaft und natürlich strahlen lassen. Die Schärfe in Close-ups ist sehr gut, Details im Vordergrund werden plastisch repliziert. Hin und wieder, während einiger Innenraumaufnahmen sumpfen Einzelheiten in den Schattenbereichen der Gesichter etwas ab – insgesamt hat die Blu-ray aber ein recht gutes Bild.
Akustisch lässt sich Big Bad Wolves vor allem im Folterkeller ein paar Surround-Effekte einfallen. Die Atmosphäre ist hübsch eng und intim und lässt die Foltereien unmittelbar im Wohnzimmer geschehen. Auch der Filmscore und die Geräuscheffekte tragen hier zum Gelingen des Tons bei. Erstaunlich gut gelungen ist auch die Synchronisation, die nie auch nur den Hauch von Amateurhaftigkeit verströmt und immer den richtigen Ton trifft.

Bonusmaterial

Big Bad Wolves Some Men Are Created Evil Blu-ray Review Szene 3
Nur der Herr Papa ist noch krasser drauf …

Im knapp viertelstündigen Hinter-den-Kulissen-Feature von Big Bad Wolves erfahren wir, dass Regisseur Navot Papushado den Film als Genrewerk ansieht, der wie Dirty Harry beginnt und sich dann in einen koreanischen Rachethriller mit Grimm’scher Märchenattitüde entwickelt – nicht die schlechteste Beschreibung für Big Bad Wolves.

Fazit

Bis zum bitteren Ende überzeugender Genrefilm aus Israel, dessen Humor dem Zuschauer des Öfteren im Halse stecken bleibt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonsumaterial: 20%
Film: 75%

Anbieter: Highlight Communications
Land/Jahr: Israel 2013
Regie: Aharon Keshales, Navot Papushado
Darsteller: Lior Louie Ashkenazi, Menashe Noy, Tzahi Grad, Rotem Keinan, Guy Adler, Dvir Benedek
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, heb // DD 2.0: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 110
Codec: AVC
FSK: 18 (ungeschnitten)

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