Bilitis

Blu-ray Review

bilitis-blu-ray-review-cover
AL!VE, seit 02.10.2014

OT: Bilitis

 


Mädchen, Mädchen

David Hamiltons Klassiker erscheint erstmals hochauflösend.

Inhalt

bilitis-blu-ray-review-szene-1
Fotograf Lucas hat es Bilitis angetan

Bilitis, zarte siebzehn Jahre alt, ist eine eher introvertierte Internatsschülerin, die sich kurz vor den Ferien in den Fotografen Lucas verliebt. Als sie während der Sommerferien die Zeit bei der älteren Melissa verbringt, beginnen die zwei ein kurzes lesbisches Intermezzo. Jedoch beendet Melissa dieses. Bilitis realisiert, dass die wahre Liebe für sie noch nicht bereitsteht und kehrt um einige Erfahrungen reicher ans Internat zurück.

bilitis-blu-ray-review-szene-2
Vermutlich das bekannteste Filmbild der 70er

„Erlesen fotografiert, streckenweise an der Grenze zum Kitsch, eine „Love Story“ im Stil entsprechender Männermagazine.“ – was das Lexikon des internationalen Films 1976 über Bilitis schrieb, trifft im Prinzip auch heute noch zu. Der Erotikfilm im typischen Soft- und Weichzeichner-Look von Fotograf David Hamilton hat damals allerdings trotz dieser eher zwiespältigen Kritik 1,3 Mio. Zuschauer alleine in die deutschen Kinos gelockt – undenkbar heutzutage für ein Erotikwerk (ich prophezeie hiermit, dass die Verfilmung von Fifty Shades of Grey unter einer Million Kinobesucher bleiben wird).
Hamilton, dessen erster Film Bilitis war, inszeniert ihn, wie kann es anders sein, mit einer männlichen Figur, die als Fotograf vornehmlich junge hübsche Mädchen ablichtet. Hamiltons Markenzeichen, die schmachtenden Blicke der erwachsen werdenden Mädels, sanfte, fotografisch-wirkende Überblendungen und der softe Look bestimmen jede Szene und definierten im Prinizip für einige Jahre lang die Art und Weise wie Erotikfilme auszusehen hatten – auch wenn mit Emmanuelle bereits zwei Jahre zuvor ein wegweisender Genrefilm entstand, der ebenfalls weichgezeichnet war. Hüben wie drüben ist die Geschichte eigentlich egal, die Dialoge sind so dümmlich wie belanglos und die sexuellen Grenzerfahrungen aus heutiger Sicht frappant prüde (und noch dazu ziemlich ungelenk dargestellt). Aber so war eben die Zeit.
Und selbst wenn man Bilitis an sich eher durchschnittlich fand oder findet, so kam man Mitte/Ende der Siebziger am elektronischen Soundtrack von Francis Lai kaum vorbei. Die streicherzarten Klänge (hier finden sich im Übrigen schon Themen, die er später bei der zweiten Staffel vom „Traumschiff“ erneut nutzte) verkauften sich in Deutschland geradezu sensationell gut.

Bild- und Tonqualität

bilitis-blu-ray-review-szene-3
Melissa findet bei Bilitis Zärtlichkeit, die ihr Mann ihr verwehrt

Als die Blu-ray zu Bilitis angekündigt wurde, war mein erster Gedanken: „Wozu?“. Nicht, dass der Film nicht eine große Anhängerschaft hätte – aber wozu ein MEHR an Auflösung bei einem Film, der praktisch frei von Schärfe ist? Grundsätzlich gilt das natürlich tatsächlich für die nun erscheinende Blu-ray. Eine Neuabtastung und digitale Restaurierung produziert ja nicht Schärfe, wo Kamerafilter sie verhinderten. Die BD aufgrunddessen jedoch als obsolet zu bezeichnen, wäre zu kurz gefasst. Tatsächlich ist die Defektfreiheit bemerkenswert und die Kontrastierung gelingt um Welten besser als auf bisherigen VHS-Fassungen. Selbst in dunklen Szenen säuft das Bild nicht ab und hinter all dem Softzeichner-Look verbergen sich tatsächlich deutlich wahrnehmbare Details. Die Farben sind ebenfalls sichtbar kräftiger und digitale Bildfehler bleiben aus. Natürlich liegt der Film im Originalformat von 1,66:1 vor.
Akustisch reißen die beiden dts-HD-Master-Spuren in gedoppeltem 2.0 Mono keine Bäume aus. Während die deutsche Fassung von Bilitis unter teils hörbarer Kompression, schwankender Tonalität und schwacher Synchronisation (typisch für die Synchronarbeit in Deutschland während der 70er Jahre) leidet, wirkt die französische Originalspur zwar etwas echter und lebhafter, zischelt aber unangenehm in S-Lauten.

Bonusmaterial

bilitis-blu-ray-review-szene-4
Lucas scheint der Richtige für Melissa zu sein

Im Bonusmaterial von Bilitis finden sich einige Trailer des (Soft)sexprogramms von Anbieter Intimate.

Fazit

Softerotik-Klassiker, der vermutlich selbst damals im Kino nicht besser aussah. Die Blu-ray von Bilitis ist zweifelsohne die qualitativ beste Möglichkeit, den Film zu genießen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt.): 50%
Tonqualität (Originalversion): 50%
Bonusmaterial: 10%
Film: 50%

Anbieter: AL!VE
Land/Jahr: Frankreich 1976
Regie: David Hamilton
Darsteller: Mathieu Carrière, Patti D’Arbanville, Mona Christensen
Tonformate: dts HD-Master 2.0: de, fr
Bildformat: 1,66:1
Laufzeit: 95
Codec: AVC
FSK: 16

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.