Blade Runner – Final Cut 4K UHD

Blu-ray Review

Blade Runner Final Cut 4K UHD Blu-ray Review Cover
Warner Home, 28.09.2017

OT: Blade Runner


More Human than Human

Scotts Sci-Fi-Klassiker auf UHD – eine lohnenswerte Geschichte?

Inhalt

Blade Runner Final Cut 4K UHD Blu-ray Review Szene 3
Deckard und Rachael …

Los Angeles 2019: Rick Deckard war mal Bulle, hat sich aber zurückgezogen, weil die Erlebnisse der Vergangenheit ihn abgestumpft und desillusioniert haben. Früher jagte er Replikanten – halbsynthetische Wesen der Tyrell Corporation, die dazu genutzt wurden, ferne Planeten zu erschließen. Da die hiesige Welt überbevölkert ist und im Dunst und Regen versinkt, verspricht man sich von der Besiedlung neuer Welten entsprechende Hoffnung. Doch aktuell hat Los Angeles selbst ein Problem. Die Replikanten (die selbst nichts von ihrer Künstlichkeit wissen) haben eigentlich nur eine Laufzeit von vier Jahren, um nicht zum Problem zu werden. Doch als einige aus der hoch entwickelten Nexus-6-Serie auf die Erde flüchten, müssen diese schnellstmöglich „in den Ruhestand“ versetzt werden, um nicht zur Bedrohung zu werden. Deckard nimmt den Job an und trifft dabei frühzeitig auf Rachael, eine Assistentin von Dr. Tyrell selbst. Zunächst nicht ahnend, dass sie auch eine Replikantin ist, verliebt er sich in sie. Das erschwert ihm nach und nach die Arbeit, seine Zielobjekte eiskalt auszuschalten und er beginnt seine Mission zu hinterfragen. Erst Recht, da Rachael auch auf der Todesliste steht …
Gefahr, eventuell einen Menschen „in den Ruhestand“ zu versetzen.
Roy Batty Leader

Blade Runner Final Cut 4K UHD Blu-ray Review Szene 2
… eine Liebe, die nicht sein darf

Nicht viele Regisseure schaffen es, innerhalb von wenigen Jahren, gleich zwei echte Kultfilme vorzulegen, die ein ganzes Genre praktisch revolutionieren und dauerhaft beeinflussen. Was Ridley Scott 1979 mit Alien im Sci-Fi-Horror gelang, wiederholte er drei Jahre später mit Blade Runner im Fach des dystopischen Sci-Fi-Bereichs. Beide Filme wälzten ihre (Sub)Genres um und inspirierten darauf eine Unzahl an Autoren und Regisseuren bei ihren Filmen im jeweiligen Bereich. Und dabei war Scotts Zukunftsalptraum finanziell gesehen eich echter Flop. In den USA spielte er mit 27 Mio. Dollar seinerzeit nicht mal die Produktionskosten von 28 Mio. Dollar ein. Doch damit ist Blade Runner in guter Gesellschaft. Viele spätere Kultfilme sind im Kino eher unbeachtet oder gar mies gelaufen. Ein David Lynch kann bei Dune ebenso ein Lied davon singen, wie Disney mit seinem 1982er Tron oder Hal Ashby 1971 mit Harold und Maude. Ja sogar Orson Welles ging 1941 mit Citizen Kane an den Kinokassen zunächst baden. Bei Scotts Adaption einer Geschichte von Sci-Fi-Autor Philip K. Dick waren seinerzeit aber sogar die Kritiker nicht so richtig glücklich und sahen den Film als zu oberflächlich und aufs Visuelle konzentriert an. Tja, was soll man sagen: Menschen irren sich.

Blade Runner Final Cut 4K UHD Blu-ray Review Szene 4
Gleich erlebt er sein blaues Wunder

Das scheint umso auffälliger zu werden, je mehr sich die Stimmen bezüglich der Fortsetzung Blade Runner 2049 mehren, die dem „Neuen“ attestieren, nicht ansatzweise die Klasse des Originals zu erreichen. Aber wer weiß, wie es um Dennis Villeneuves Werk in 20 Jahren aussieht …
Natürlich liefert die UHD die einzige Version, die Scott als „seine“ Fassung bezeichnet, den Final Cut. Der unterscheidet sich zwar inhaltlich nicht vom ungeliebten Director’s Cut, zeigt aber neben einigen Gewaltszenen vor allem digital nachbearbeitete Fehler-Behebungen (beispielsweise setzte man das Gesicht von Joanna Cassidy nachträglich auf das der Stuntfrau, die durch die Glaswände fällt) sowie ein paar erweiterte Stimmungs- und Atmosphäre-Sequenzen. Nach wie vor unterscheidet diese Fassung sich von der Kinoversion, indem sie stärker andeutet, dass Deckard selbst ein Replikant sein könnte. Etwas, das man in der ursprünglichen Kinoversion noch stärker hineininterpretieren musste. Zu interpretieren gibt es natürlich auch heute noch viel, in Scotts Film. Ganze Abhandlungen und Diplomarbeiten wurden über Blade Runner geschrieben. Seine Ansätze des „menschlicher als der Mensch“, seine Kritik am Einfluss der Werbung im Kapitalismus, die ethischen Fragen, die der Film aufwirft, weil Deckard sich bei seinen Exekutionen ja auch irren und einen Mensch töten könnte. Die Frage, wer nun wirklich der „Bösere“ ist – Der Mensch, der die Replikanten gnadenlos auslöscht oder die Replikanten, die sich bis dato unauffällig verhalten und (am Ende) sogar Menschen vor dem Tod bewahren? An welcher Stelle ist ein Mensch ein Mensch? Was macht ihn aus und ab wann muss man ihn ehren, achten und schützen? Dazu kommt die Diskussion über Kontrollmechanismen, gegenseitiges Misstrauen, genetische Experimente, Replikation von humanoidem Material – Blade Runner ist im Subtext seiner an sich simplen Handlung voll von sozialen, moralischen, medizinischen, politischen, wirtschaftlichen und religiösen Fragen. Und damit ist er heute aktueller denn je. In jedem Fall aber ein Kultfilm, der nicht nur visuell einzigartig ist und einen erfrischend unheldenhaften Harrison Ford zeigt, sondern auch im Zeitalter hektischer Schnittfolgen immer noch perfekt unterhält.

Bild- und Tonqualität BD

Blade Runner Final Cut 4K UHD Blu-ray Review Szene 1
Dem Mann im Hintergrund ist nicht zu trauen

Die Blu-ray, die dem Doppelpack beiligt, entspricht jener von 2007, für die der 4K-Scan ursprünglich angefertigt worden war. Das sieht auch heute für eine BD eines 35 Jahre alten Films wirklich sehr gut aus. Klar, es gibt einige Szenen in Blade Runner, die qualitativ abfallen. Das allerdings liegt bereits am Ausgangsmaterial, das schlicht nicht besser gefilmt wurde. Beispielsweise sind die Fahrten Deckards durch den Tunnel extrem soft. Auch manche Einstellungen in fahlen Halblicht gerät flau. Insgesamt jedoch sind Details überraschend klar konturiert und scharf – selbst viele visuelle Effekte können überzeugen. Das jederzeit vorhandene und sichtbare Korn muss man natürlich mögen, denn das lässt sich hier nicht wegdiskutieren.
Die Blu-ray von Blade Runner liegt gegenüber der 2007er Version akustisch (fast) unverändert vor. Fast nur deshalb, weil sich zu den beiden Dolby-Digital-Tonspuren für Deutsch und Englisch noch eine Dolby-True-HD-Fassung für den Originalton „eingeschlichen“ hat. Die ist neu und ersetzt die alte PCM-5.1-Spur, die auf der bisherigen Blu-ray war. Doch zunächst ein nach wie vor lobendes Wort an die beiden DD-Fassungen. Wo andere Filme aus der Zeit gerade bei den Actionszenen furchtbar dünn klingen, schafft es Blade Runner durchweg, sämtliche Lautsprecher einzubeziehen. Wenn Deckard nach knapp einer Stunde auf Zhora feuert, sind die Schüsse überraschend voluminös und hallen effektvoll nach (ab 57’45). Dazu kommt Vangelis‘ Score stets atmosphärisch aus den Speakern. Eine weitere Überraschung: Die deutschen Stimmen klingen warm und mit Volumen – gerade Synchronfassungen der 80er sind oft spitz und dünn (siehe E.T. – Der Außerirdische). Auch die direktionalen Effekte funktionieren, wie die fliegenden Gleiter direkt zu Beginn klar machen. Die True-HD-Version des englischen Sounds ist noch mal eine Spur dynamischer und druckvoller. Das echte Highlight akustischer Natur schlummert allerdings auf der UHD (siehe unten).

Bild- und Tonqualität UHD

Blade Runner Final Cut 4K UHD Blu-ray Review Szene 5
Anweisungen an den Star aus „Star Wars“

Blade Runner wurde seinerzeit natürlich nicht digital, sondern analog gefilmt – und zwar auf 35mm Film, bzw. auf 65mm im Falle der Special Effects. Von diesem Filmmaterial wurde dann für die 2007er Kino-Auswertung vom Final Cut unter Aufsicht von Scott ein 4K-Scan (8K bei den 65mm-Sequenzen) mit einem 4K-Digital-Intermediate angefertigt. Dieses Material war schon die Grundlage für die damalige Blu-ray und HD DVD (erinnert sich noch jemand?). Doch selbst wenn die Blu-ray schon gut war/ist, so schlägt die UHD diese dann doch um Längen. Das native 4K-Material zahlt sich sichtbar aus – und das schon bei den sehr klaren und exakt umrissenen Buchstaben der Laufschrift zu Beginn. Auch der Überflug über das Los Angeles im Jahre 2019 gerät knackiger, weniger weich. Ohnehin sind die Totalen aus der Vogelperspektive am schwächsten und offenbaren am stärksten das Alter des Films. Die Special Effects profitieren ab und an aber auch unter dem 8K-Scan, was man gut sehen kann, wenn die Kamera auf das pyramidenartige Gebäude zufliegt. Wahnsinn, wie knackig die Lichter dort erkennbar sind. Natürlich ist das Filmkorn nach wie vor sichtbar und bisweilen aufgrund der höheren Auflösung auch stärker. Doch man kann natürlich auch nicht erwarten, dass Blade Runner auf der UHD nun aussieht wie ein Guardians of the Galaxy Vol. 2. Tatsächlich wird gerade bei manchen Close-ups oder auch im Hintergrund das Korn etwas stärker – unabdingbar, wenn man von einer viermal so hohen Auflösung spricht. Aber das kommt eben auch der subjektiven Schärfe zugute, denn viele Szenen, die auf der Blu-ray noch arg weich daher kommen, sind über die UHD um Welten klarer und besser – und zwar mit bloßem Auge aus der Entfernung erkennbar (siehe Screenshot-Vergleich #1 unten). Solche und ähnliche Szenen gibt es immer wieder und zeigen, dass es durchaus lohnenswert sein kann, wenn man alte analoge Filme ins UHD-Zeitalter rettet – zumindest wenn es gut gemacht ist. Der höhere Dynamikumfang  und der im Rahmen von Rec.2020 erweiterte Farbraum spielen bei Blade Runner nicht ganz ihre Kraft aus. Dennoch sind Farben etwas kräftiger und der generelle Kontrastumfang ist etwas höher. Leider gibt’s ein paar Szenen, in denen Details etwas im dunkleren Schwarz verloren gehen.

Blade Runner BD vs UHD Bildvergleich 3
Schon bei der Vorschau mit gerade mal 370 Pixeln Breite ist deutlich erkennbar, wie viel weicher die (nicht schlechte) Blu-ray im Vergleich zur UHD ist (links Blu-ray, rechts UHD)
Blade Runner BD vs UHD Bildvergleich 4
Vergrößert man per Klick auf das Bild die Szene, wird erst Recht deutlich, wie viel klarer Sean Young und Rutger Hauer aussehen. Deutlicher kann ein Unterschied kaum sein, zumal es sich hier NICHT um einen BildAUSSCHNITT handelt
Blade Runner BD vs UHD Bildvergleich 5
Auch das Close-up von Sebastian ist per Blu-ray wiedergegeben „matschiger“, seine Gesichtsfalten viel geringer ausgeprägt
Blade Runner BD vs UHD Bildvergleich 6
Die UHD zeigt hier zwar auch mehr Korn, aber eben die wesentlich bessere Detailzeichnung – ein riesiger Unterschied
Blade Runner BD vs UHD Bildvergleich 7
Der Detailausschnitt der Leuchtreklame zeigt über die Blu-ray nicht nur weniger strahlkräftige Farben, sondern auch deutlich sichtbare Abstufungen in den Rundungen der Buchstaben
Blade Runner BD vs UHD Bildvergleich 8
Die Farben der UHD knallen sichtbar stärker und die Buchstaben sind klarer, liefern die bessere Kantenglätte
Beim Ton der UHD bleibt zwar die deutsche Dolby-Digital-Spur bei Alten, doch die englische Fassung liefert eine Atmos-Kodierung – und die ist sensationell geworden: Sie kommt mit verlustfreiem True-HD-Kern daher und macht von Beginn an klar, dass es sich hier nicht nur um einen 3D-Sound-Blender handelt. Ganz im Gegenteil: Für sein Alter von 35 Jahren nutzt Blade Runner die Heights ausgiebiger als so mach aktueller Sci-Fi-Film mit Atmos-Spur. Schon das ausgestoßene Feuer zu Beginn wird auf die Höhenlautsprecher übertragen und der Soundtrack des griechischen Komponisten liefert stets ein bisschen Nachhall von oben. Einer der Gleiter zu Beginn „wuscht“ ebenfalls aus der Höhe heran und sogar die Lautsprecher-Durchsage nach knapp vier Minuten wird zum 3D-Soundeffekt (so wie übrigens auch die Stimmen, die die Werbung in die Stadt posaunen). Auch der Regen, der auf den Straßen von Los Angeles praktisch dauernd fällt, prasselt von oben herab und der Polizei-Spinner hebt sich akustisch beeindruckend von unten nach oben in die Luft (9’50). Selten wurde eine Atmos-Spur von Beginn an so dauerhaft ins Geschehen einbezogen. Klasse klingt auch das Rauschen in den Luftschläuchen des Chinesen, wenn der von Roy und Leon besucht wird (27’15). Die entweichenden Gase zischen nur so über die Heights. Dazu kommt eine extrem lebhafte Atmosphäre in den Straßen LAs nach etwa fünfzig Minuten. Von überall kommen Straßenlärm, menschliche Gespräche oder Geräusche von Maschinen (ab 48’00). An dieser Stelle noch mehr zu verraten würde bedeuten, dass man sich einige akustische Überraschungen vermiest, weshalb nur noch so viel gesagt sei: Die (englische) Atmos-Spur von Blade Runner ist ein echtes Highlight.

Bonusmaterial

Das Bonusmaterial von Blade Runner liegt dieses Mal auf Blu-ray UND UHD vor. Enthalten sind allerdings auch „nur“ die von der 2007er Fassung bekannten drei Audiokommentare (einer von Scott, einer mit den Drehbuchautoren und den Produzenten sowie einer mit den Mitgliedern des „Creative Teams“). Dazu gibt’s eine Einleitung von Ridley Scott, in der er beschreibt, dass der Final Cut für ihn die beste Fassung ist und dass er persönlich den 4K-Scan mit 4K-Digital-Intermediate „bewacht“ hat. Die Ultra-HD enthält zusätzlich noch einen 4K-Trailer des Films. Die zusätzliche SD-DVD, die vor zehn Jahren im Set mit der Blu-ray steckte und eine vierstündige Dokumentation über die Dreharbeiten enthielt, wurde nicht beigefügt.

Fazit

Die UHD von Blade Runner gehört zu den gegenüber der Blu-ray lohnenswertesten Investitionen überhaupt. Das Bild ist (noch einmal) sichtbar besser und der Atmos-Sound des Originals ist für einen Film diesen Alters schlicht sensationell. Über den Film selbst muss man ohnehin nichts sagen. Viele Werke nach ihm haben das Wort „Kult“ bemüht. Für wenige trifft es so zu wie auf Ridley Scotts dystopische Zukunftsvision.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 70%
Bildqualität UHD: 80%

Tonqualität BD (dt. Fassung): 70%
Tonqualität BD (Originalversion): 80%
Tonqualität UHD (dt. Fassung): 70%
Tonqualität UHD (Originalversion): 90%

Bonusmaterial: 50%
Film: 100%

Anbieter: Warner Home
Land/Jahr: USA 1982
Regie: Ridley Scott
Darsteller: Harrison Ford (Rick Deckard), Rutger Hauer (Roy Batty), Sean Young (Rachael), Daryl Hannah (Pris), Edward James Olmos (Gaff), M. Emmet Walsh (Bryant), William Sanderson (J.F. Sebastian), Brion James (Leon), Joe Turkel (Tyrell), Joanna Cassidy (Zhora), James Hong (Hannibal Chew)
Tonformate BD: Dolby Digital 5.1: de, en // Dolby True-HD: en
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): en // Dolby Digital 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 118
Codec BD: VC-1
Codec UHD: HEVC
Real 4K: Ja (4K DI)
FSK: 16

Trailer zu Blade Runner

4 thoughts on “Blade Runner – Final Cut 4K UHD

  1. Marc

    Hallo,
    ich habe mal eine Frage: Kannst du mal schreiben, welches Equipment du nutzt?
    Mich würden vor allem die Atmos-Boxen interessieren. Hast du Top Firing-Module im Einsatz?

    Viele Grüße

    • Hallo Marc.
      Danke für deine Frage. Ich antworte dir per Mail, weil es im Gästebuch dann nicht so „voll“ wird.

  2. Manuel

    Hallo,
    Das würde mich auch sehr interessieren
    Was haltest du btw sagt dir die Samsung soundbar 950 hwt etwas?

    Ward mir die UHD dank deiner Rezension zulegen. Vielen dank!
    Ist wie immer eine Freude zu lesen

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