Blood Ties

Blu-ray Review

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Koch Media, seit 25.09.2014

OT: Blood Ties

 


Keine Brüder im Geiste

In Blood Ties muss ein gesetzestreuer Polizist sich entscheiden: Familie oder Gesetz?

Inhalt

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Zumindest in Sachen Liebe scheint Ex-Knasti Chris Glück zu haben

Brooklyn, New York 1974: Frank ist ein aufstrebender Polizeibeamter, der seinen Job ernst nimmt und versucht, ein integres Leben zu führen. Da kommt’s ihm eher unrecht, dass sein Bruder Chris gerade aus dem Gefängnis freikommt – immerhin saß er dort wegen Mordes. Dennoch kümmert sich Frank um Chris, lässt ihn bei sich wohnen und besorgt ihm einen Job. Den ist er jedoch bald wieder quitt, weil ihm sein Chef krumm kommt. Als man ihm und seinem Kumpel auch noch ein ehrliches Startup verwehrt und seine Ex Monica ihm mit dem Anwalt und zehn Jahren entgangener Alimente droht, scheint es für Chris nur einen Ausweg zu geben, um an Geld und wieder auf die Füße zu kommen – ein Ausweg, der alles andere als gewaltfrei ist. Natürlich geht das nicht ab, ohne dass Frank davon Wind bekommt – und der weiß nun gar nicht mehr, wie er sich verhalten soll und auf welcher Seite er steht …

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Chris kann einfach nicht anders …

Guillaume Canet, eigentlich ein in Frankreich sehr bekannter und beliebter Darsteller (Zusammen ist man weniger allein), schwingt sich auf den Regiestuhl, nimmt Geld von Amerikanern und Europäern und inszeniert mit Blood Ties einen schwelgerisch ausgestatteten, famos besetzten Gangsterkrimi ganz alter Schule. Schon das Erzähltempo hat mit den meisten heutigen Produktionen nichts gemein. Gemächlich wäre fast schon ein zu hektisches Wort für die Gangart, die Canet einschlägt. Ihm sind die Figuren wichtig, und so beschreibt er sie nach und nach intensiv, füllt sie mit Leben und kann dabei auf ein vorzügliches Cast vertrauen. Clive Owen, dieses Mal in der Rolle des zwiespältigen Bad Guy, kann auch mal richtig gemein dreinschauen und verhält sich des Öfteren nicht wirklich gentlemanlike. Marion Cotillard, die seine Ex spielt, hat ein richtig schändliches Mundwerk und Billy Crudup glänzt in der Rolle des aufstrebenden Polizisten, arbeitet den inneren Konflikt seiner Figur hervorragend heraus. Ein wenig deplatziert, wenngleich sie gut agiert, wirkt Mila Kunis als neue Flamme von Frank. Möglicherweise ist sie einfach eine Spur zu zart und zu hübsch für den Ex-Knacki. James Caan als Vater der Sippe ist zwar typtechnisch klischeehaft besetzt, aber gekonnt ist halt gekonnt.

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… und wird rückfällig

Dieses hochwertige Cast retten den Film letztlich auch vor der Belanglosigkeit, denn Blood Ties erfordert schon eine Menge Sitzfleisch. Die 128 Minuten Laufzeit ziehen sich immer wieder spürbar und man sollte eine gewisse Affinität zum Genre schon mitbringen, um sich auf das Tempo einlassen und die authentische Milieuschilderung anerkennen zu können. Letztere ist in der Tat sehr gut gelungen, was vor allem an der tollen Ausstattung und dem Look des Films liegt. Nach gut 79 Minuten sprechen dann tatsächlich (und fast in bester Heat-Manier) die Waffen mitten auf der Straße. Das markiert gleichsam auch den Höhepunkt des Films, der an dieser Stelle den Konflikt zwischen Chris und Frank auf die Spitze treibt. Übrigens fallen Gewaltsituationen mitunter überraschend blutig aus.

Bild- und Tonqualität

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Franks Kollege geht in Deckung

Was so ein zünftiger 70er-Jahre-Film ist, der sieht natürlich auch aus wie ein zeitgenössischer Beitrag: Blood Ties ist schmuddelig, mit massivem Korn versehen und kontrastschwach. Helle Bereiche reißen schon mal aus und Farben wirken grundsätzlich ausgewaschen – lange schon war ein Bild nicht mehr so stark stilisiert. Nur selten gibt’s mal Momente, die dynamisch und knackig wirken (bronzefarbener Cadillac 116’12).
Der Ton von Blood Ties bemüht sich ebenfalls um ein hohes Maß an Authentizität. Schüsse werden nicht druckvoll und künstlich aufgeplustert wiedergegeben, sie knallen eher im mittleren Frequenzbereich – das jedoch auch von den Rearspeakern. Die Filmmusik bleibt größtenteils unspektakulär (ausgenommen das Trommelgewummer bei der finalen Verfolgungsjagd), die Dialoge gelingen präzise und die Synchro ist hochwertig. Allerdings kommt Blood Ties im Original einfach noch besser rüber. Gerade Stimmen wie die von James Caan kann man einfach nicht adäquat ersetzen.

Bonusmaterial

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Authentisches 70er-Jahre-Flair

Im Bonusmaterial von Blood Ties finden sich zwölf geschnittene Szenen mit einer Gesamtspielzeit von knapp 20 Minuten. Das Making-of läuft gut 27 Minuten, liefert viele intime Einblicke in die Produktion des Films, ist aber vollkommen asynchron, was die Lippenbewegungen angeht.

Fazit

Blood Ties erzählt seine Gangstergeschichte behäbig, mitunter etwas zäh, glänzt aber mit gut aufgelegten und hervorragenden Darstellern. Für Genrefans durchaus eine Empfehlung.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 30%
Film: 60%

Anbieter: Koch Media
Land/Jahr: Frankreich/USA 2013
Regie: Guillaume Canet
Darsteller: Clive Owen, Zoe Saldana, Billy Crudup, Mila Kunis, Marion Cotillard, James Caan
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 128
Codec: AVC
FSK: 16