Bloodbath

Blu-ray Review

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Mad Dimension/AL!VE AG, seit 26.09.2014

OT: Mar Negro

 


Blutiger Fang

Bisweilen an Peter Jackson angehlehnter anarchischer Splatter-Horror.

Inhalt

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Das fehlende rechte Auge ist sein kleinstes Problem

Irgendwo an der Küste Brasiliens: Zwei Fischern begegnet des Nachts ein seltsames und höchst aggressives Tier. Es fällt den Älteren der Beiden an und verletzt ihn schwer. Während die Wunde sich nach und nach zu entzünden scheint, wird im Dorf der neue Puff (oder ist es eine Kneipe?) eröffnet und sämtliche Bewohner der Gegend laufen ein. Kaum geht es dort hoch her, entern diverse Zombies und ein blutrünstiger Rochen den Laden. Weiß der von allen wegen seines Albinismus diskriminierte Baiacu einen Ausweg?

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Nacktheit schützt vor Zombifizierung nicht

Was für Braindead der Rattenaffe ist für Bloodbath (im Original Mar Negro) der mutierte Sirenen-Fisch. Die optischen und stilistischen Ähnlichkeiten zwischen den beiden Filmen sind unverkennbar und schon lange gab’s nicht mehr so ein zünftiges Splatter-Freudenfest im Heimkino. Regisseur Rodrigo Aragão knüpft thematisch und atmosphärisch unmittelbar an seinen Erstling Mangue Negro an und bleibt seinem Vorbild Peter Jackson treu. Allerdings dauert es nach einer zünftigen Einführung etwas, bevor man sich von der Einführung der skurrilen Figuren löst und zur Sache kommt. Bis dahin tauchen ein Albino und eine Drag-Queen auf, beschwert sich ein dicker Fischhändler über den miesen Fang seiner Netzwerfer und es kündigt sich eine Party in der lokalen Bar an. Ein bisschen nackte Haut dazu, alberne Dialoge und Situationen und man weiß, wo der Hase lang läuft. Wenn dann nach gut 62 Minuten die blutige Hölle losbricht und allerlei unterschiedlichstes Sekret über den Bildschirm spritzt, sind die Make-up-Effekte ähnlich kultig-splatterig und übertrieben unecht, dass man sich tatsächlich immer mal wieder an Braindead erinnert fühlt (immerhin hätte Letzterem ein untoter Typ mit Rochen als Kopfersatz auch gut gestanden). Rodrigo Aragão erreicht zwar zu keiner Zeit die Klasse des jungen Neuseeländers, punktet dafür aber mit total durchgeknallten Figuren, einem vollkommen anarchischen Durcheinander und bizarrer Filmmusik. Das alles ist ebenso weit vom Mainstream entfernt, wie von großer (Film)Kunst – aber Splatterfreunde werden die letzte halbe Stunde (zu Recht) abfeiern. Dort, wo Alex de la Iglesia aufhört, fängt Aragão im letzten Drittel an. Schade, dass er zu wenig Talent hat, um die erste Stunde mit etwas Story und besseren Dialogen zu füllen. Einen Vorteil gegenüber Braindead hat Bloodbath allerdings immerhin, denn im Gegensatz zu Jacksons Splatterfest erscheint Aragãos Werk überraschenderweise ungeschnitten.

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Eben noch Peitsche – Zuckerbrot sieht aber auch anders aus

Bild- und Tonqualität

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Der Dorftransvestit fährt großes Geschütz auf

Das Bild von Bloodbath kommt extrem kontraststark daher. Zwar sorgt dies dafür, dass in dunklen Szenen noch Details erkennbar sind, in sonnenhellen Momenten überreißt das Bild allerdings extrem. Außerdem ist es sichtbar körnig und in Kamerabewegungen ruckelig. Solange es ruhig ist, weiß die Schärfe zu gefallen, in Bewegungen lässt die Auflösung nach und die Bildränder sind oft abgeschattet. Insgesamt passt die Bildatmosphäre zur Stimmung des Films und wird dem Low-Budget-Charakter gerecht. Ebenso übrigens wie der Ton von Bloodbath. Der bleibt nämlich bis auf etwas Grillenzirpen dauerhaft frontal und kaum dynamisch. Während die Originalspur noch etwas mehr Atmosphäre, Grundrauschen und Authentizität liefert, fällt die Synchronisation zusätzlich trashig auf. Verantwortlich dafür sind die ungelenken Sprecher, die verbesserungwürdige Lippen-synchronität und die mies getimeten nachvertonten Geräusche.

Bonusmaterial

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Ein hungriger Zombie will gefüttert werden

Im Bonusmaterial von Bloodbath findet sich lediglich eine Trailershow von Filmen des Anbieters Mad Dimension.

Fazit

Bloodbath ist ein absurd-übertriebener, im letzten Drittel irriwitzig-blutiger und völlig abgedrehter Splatter-Trip irgendwo zwischen Acción mutante, From Dusk Till Dawn und Braindead, dessen Ende geradezu surreale Formen annimmt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 55%
Tonqualität (dt. Fassung): 45%
Tonqualität (Originalversion): 55%
Bonusmaterial: 10%
Film: 60%

Anbieter: Mad Dimension/AL!VE AG
Land/Jahr: Brasilien 2013
Regie: Rodrigo Aragão
Darsteller: Walderrama Dos Santos, Tiago Ferri, Kika de Oliveira, Mayra Alarcón, Carol Aragão
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, por
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 96
Codec: AVC
FSK: 18 (uncut)