Bunny und sein Killerding

Blu-ray Review

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´Tiberius Film, 01.12.2016

OT: Bunny the Killer Thing

 


Frische Muschi!

Kultalarm für Trashfreunde – leider geschnitten.

Inhalt

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Merke: Killerhasen haben rote Kontaktlinsen …

Autor McRain möchte in einer Waldhütte gemeinsam mit seinem Bunny ein paar nette Tage verleben und gleich noch einen neuen Roman beginnen. Doch kaum die Füße über die Pforte getreten, erwartet sie ein Trio aus grobigen Grobianen, die dem Mädel die Rübe wegpusten und den Schriftsteller kidnappen. Dies alles, um ihm ein gar seltsames Mittel zu injizieren, mit dem er plötzlich zum Tier mutiert – zum Hasen wohlgemerkt. Und was hat ein Hase gemeinhin? Genau: Appetit auf Muschis. Kein Wunder also, dass er mit dem Riesending, das ihm vor dem Schritt baumelt auf Beutefang geht. Fündig wird er in einer Gruppe junger Erwachsener, die in einer Hütte ein bisschen die Sau rauslassen wollen. Und dann ist da ja noch dieser finnische Popstar, den man entführt hat und mit der irgendjemand etwas Bestimmtes vor hat …

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… und schlabbern gerne Muschis

Ein mannsgroßes Mensch-Kaninchen-Wesen, das mit riesigem Penis vor seinem pelzigen Fell auf Muschijagd geht und dabei kaum zimperlich agiert – das ist so bescheuert und unfassbar albern, dass es schon wieder gut ist. Von vornherein auf Trash konzipiert, kann so ein Käse ja nur aus Finnland kommen. Bunny und sein Killerding profitiert offensichtlich davon, dass aus dem nordischen Land stets die obskursten Popkulturbeiträge aufs Festland rüberschwappen. Das gilt für Kunst und Musik genauso wie eben für den Film. Joonas Makkonen, 25-fach erfahrener Kurzfilmer, schnappt sich für sein Spielfilmdebüt seinen gleichbetitelten Short Movie von 2011 und nimmt das Geschehen zu keiner Zeit ernst. Er verwendet schräge Kamerawinkel, abstruse Figuren und noch abwegigere Charaktereigenschaften. Während die Schilderung der Party zunächst noch etwas zäh gerät, darf ab der 28. Minute herzhaft bierselig gelacht werden, wenn unser Hasenkiller seine 40 Zentimeter beeindruckend vor der Kamera rotieren lässt und einen „Dammbruch“ prophezeit. Schwanz-Ego-Perspektiven erinnern an Deutschlands Genre-Kultfilm Kondom des Grauens, wenngleich das Verhalten der Figuren hier noch weitaus infantiler gerät. Nüchtern muss man schon eine Portion Masochismus mitbringen, um sich das anzutun. Aber Bunny und sein Killerding wurde ja auch nicht fürs Arthaus-Publikum gemacht, sondern für eben jene Partys, die im Film selbst beschrieben werden (also ohne Killerhasen, natürlich).

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Nur im Promotrailer zu sehen – schade eigentlich

Leider fand die Freiwillige Selbstkontrolle das heitere Treiben mit Blut und Dildo nicht so witzig und veranlasste Schnitte in einer Länge von rund 4 Minuten – interessanter- und absurderweise sind das teilweise Szenen, die im Trailer noch enthalten sind (siehe eingebundener Trailer unten bei 1’28). Das, was übrig blieb, ist so sonderlich brutal zunächst nicht, obschon es sicher ungewohnt ist, wenn eine der Feierdamen mit dem strammen „Ding“ K.O. geschlagen wird. Später sieht man sogar erstaunlicherweise den einen oder anderen Gore-Effekt, der unberührt blieb, während andere Szenen so auseinandergerissen sind, dass der Zusammenhang fehlt (wie im Finale ab 71’00). Für den Darsteller des Hasen muss es allerdings ein großer Spaß gewesen sein, im Kostüm durch den verschneiten Wald zu hüpfen und so zu tun, als wäre man ganz furchtbar böse. Und was so ein Bierlaune-Film ist, der hat natürlich auch ein paar Nackedeiszenen, die im Umfeld einer verschneiten Hütte im Wald natürlich eine besonders schönen Kontrast abgeben. Abseits des Slapsticks fehlt es Bunny und sein Killerding allerdings ein wenig Wortwitz. Den findet man zumeist nur im (wirklich großartig gezeichneten) Polizistenduo, das glatt der Formation der Leningrad Cowboys entsprungen sein könnte. Deren lakonischer Humor zündet, wenn man nordischen Witz mag und die absichtlich künstlich vor Blue-Screen gefilmte Autofahrt der beiden zum Tatort ist großartig trashig. Außerdem dürfen die Beamten ebenfalls durch einen Penis das Zeitliche segnen – nur irgendwie anders. Dass das Aufblähen seines eigenen Kurzfilms auch erzählerisch nicht auf voller Länge überzeugt, ist exemplarisch am Subplot mit der entführten Popsängerin zu erkennen. Dieser macht weder Sinn, noch ist er zu Ende gedacht. Übrigens: Wer Marvel-Filme kennt, weiß, was er nach dem Ende des Films tun sollte …

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Will man nicht im Dunkeln begegnen: Killer Bunny

Bild- und Tonqualität

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Die Party wird blutig

Das Bild von Bunny und sein Killerding ist erstaunlich ruhig und frei von Korn. Selbst die dunklen Szenen haben kräftig ausgeleuchtete Farben und erstaunlich viel Kontrast. In Nahaufnahmen ist zudem die Schärfe sehr ordentlich, wenn die Kamera nicht gerade selbst aus dem Fokus gerät. Ab und an übernimmt ein sichtbarer Grünfilter das Geschehen – vor allem in Innenraumaufnahmen. Dann wird’s auch schon mal etwas kontrastschwach und milchig.
In Sachen Akustik bekommt vor allem der Subwoofer immer wieder etwas zu tun – vor allem dann, wenn Bunny sein Ding in Zeitlupe schwingen darf (68’05). Erstaunlicherweise ist es wenig effektvoll und der rückwärtige Raum wird selbst bei der Filmmusik nur äußerst dezent genutzt. Der Score gerät ohnehin nicht sonderlich dynamisch Erst während der Gewehr- und Pumpgunschüsse im Finale gibt es mal ein paar direktionale Effekte von den Rears. Erstaunlich gut gelungen ist die deutsche Synchro, die weder amateurhaft, noch gekünstelt klingt – das hat man in Genrefilmen schon schwächer gehört.

Bonusmaterial

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Lebt mit Mundschutz hübscher

Im Bonusmaterial von Bunny und sein Killerding gibt’s im Promoclip noch mal eine Menge nackter Haut und einen weiteren Auftritt des Häschens zu sehen – auch hier wieder ungeschnitten und mit einem Blutanteil, der im Hauptfilm vermutlich hätte gekürzt werden müssen. Im ebenfalls enthaltenen Kurzfilm Bunny the Killer Thing von 2011 dürfen wir den 18-Minüter sehen, auf dem der Langfilm basiert.

Fazit

Für die einen grenzdebiler und sexuell-infantiler Murks, für die anderen ein Heidenspaß – Bunny und sein Killerding wird das Publikum spalten. Und das ganz bewusst und zu Recht. Schade, dass man ihn hierzulande nur um vier Minuten gekürzt zu Gesicht bekommt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 55%
Tonqualität (Originalversion): 60%
Bonusmaterial: 50%
Film: 60%

Anbieter: Tiberius Film
Land/Jahr: Finnland 2015
Regie: Joonas Makkonen
Darsteller: Enni Ojutkangas, Jari Manninen, Orwi Manny Ameh, Veera W. Vilo, Roope Olenius, Hiski Hämäläinen
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 84
Codec: AVC
FSK: 18 (geschnitten)

Trailer zu Bunny und sein Killerding

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