Captain Future Komplettbox

Blu-ray Review

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Universum Film, 09.12.2016
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Universum Film, 09.12.2016

OT: The Adventures of Captain Future

 


Held der Zukunft

Eine DER 80er-Jahre-Kultserien erscheint erstmals auf Blu-ray.

Inhalt

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Captain Future und seine Mannschaft mit Weltraum-Polizist Ezella Garnie

Curtis Newton ist der Sohn von Elaine und Roger, die ihren Sohn auf dem Mond bekamen, auf den sie vor einem gewissen Victor Corvo flohen. Als der den Aufenthaltsort der Familie ausfindig machen konnte, ermordete er Curtis‘ Eltern. Nur dem Roboter Grag und dem Androiden Otto war es zu verdanken, dass der Sohn überlebte. In der Folge wurde er von dem ungleichen Gespann der beiden künstlichen Lebewesen aufgezogen und von Professor Simon Wright (bzw. dessen in einem fliegenden Behälter isolierten Gehirn) ausgebildet. Einmal erwachsen verfügte Curtis über hochtalentierte Fähigkeiten und beschloss, diese im Kampf gegen das Verbrechen einzusetzen. Als „Captain Future“ ist er bald in der ganzen Galaxy bekannt und bei den Gangstern gefürchtet. Gemeinsam mit Simon Wright, Otto, Grag sowie dem gewitzten kleinen Jungen Ken Scott und der Geheimagentin Joan Landor muss der Captain den Herrscher von Megara besiegen, die Quelle der Materie finden oder das Geheimnis der sieben Steine lösen …

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Der Captain fliegt auch schon mal mit einem Schutzschild direkt an der Sonne vorbei

Gut dreizehn Jahre ist es her, dass Universum Film seinerzeit das erste Mal die kompletten 40 Episoden der 80er-Jahre-Kultserie Captain Future auf DVD herausbrachte. Während der letzten Jahre wurde diese dann nicht mehr angeboten, was den Handelspreis der beiden DVD-Boxen bei bekannten Online-Auktionsplattformen teils in astronomische Höhen schnellen ließ. Nun aber wird den Spekulationen ein Ende bereitet, denn mit der Blu-ray-Veröffentlichung der Serie gibt es sie nicht nur endlich WIEDER, sondern vor allem erstmals hochaufgelöst zu kaufen. Und kaum legt man die erste Disk ein und sieht das Intro fühlt sich JEDER Mann, der als Kind oder Teenager in den 80ern gelebt hat, in der Zeit um 35 Jahre zürückversetzt. Die einzige echte Sci-Fi-Animationsserie dieser Zeit hat sich gerade für die deutschen Zuschauer ins Hirn gebrannt. Dabei stand die Show während ihrer Ausstrahlung im ZDF keinesfalls unter einem guten Stern. Massive Proteste, meist seitens der Eltern oder entsprecheder Jugendschutz-Organisationen (sogar in Schulbüchern gab es Warnungen) fanden ihren Weg an die Öffentlichkeit, da man das Ganze als zu martialisch ansah und vor allem für Kinder ab 6 (so die FSK-Einschätzung) ungeeignet. Dennoch fand Captain Future sein Zielpublikum und wurde, je länger es lief und auch nach der Absetzung aus dem TV mehr und mehr zum Kult – und das trotz der unfassbar naiven Heldenverehrung (meistgesprochener Satz der Serie: „Captain Future, was ein Mann!“) und einem etwas zweifelhaften Frauenbild. Aber das ist spätestens dann vergessen, wenn sich Grag und Otto gegenseitig als „Gummipuppe“ oder „ausgeleierte Sprungfeder“ titulieren oder wenn die Comet ihre Kreisbeschleuniger anwirft.

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Joan steckt in Schwierigkeiten

Zum Kultstatus verhalfen aber auch zwei weitere Tatsachen, die die Serie vom japanischen Original unterschieden. Als erstes seien die Synchronsprecher genannt, die ihre Rollen perfekt ausfüllten. Ob das nun Hans-Jürgen Dittberner (auch Stimme von Patrick Duffy in „Dallas“) als Captain Future war, Friedrich G. Beckhaus (Synchro von Robert Duvall) als Grag, Michael Chevalier als Ezella Garnie (immerhin die deutsche Stimme Charles Bronsons) oder natürlich Wolfgang Völz als Androide Otto – die Synchronisation darf (stimmlich) bis heute als äußerst gelungen gelten. Als zweites muss an dieser Stelle natürlich die Serienmusik von Christian Bruhn genannt werden. Der Komponist, der eigentlich hauptsächlich im Schlager erfolgreich war (so verfasste er beispielsweise riesige Hits für Mireille Mathieu, Conny Froboess oder Drafi Deutscher), schrieb ebenso facettenreiche Soundtracks für TV-Serien. Von der Titelmelodie zu „Wickie“ über die Musik zu „Timm Thaler“, „Silas“, „Manni, der Libero“ oder gar „Heidi“ reicht sein Repertoire. Mit Captain Future allerdings betrat er auch instrumental Neuland und konzentrierte sich auf elektronische Sounds und Klänge. Die später veröffentlichte Soundtrack-CD zur Serie beinhaltet 18 Songs, von denen jeder einzelne einen Wiedererkennungsfaktor hat, von denen andere Soundtracks nur träumen können. Vom treibenden Titelsong, bei dem Bruhns damalige Frau den Sopran einsang, über das alarmierende „Feinde greifen an“ oder das von einer Art Buschtrommel dominierte „Eingeborene“ bis hin zum sphärischen „Fremde schöne Landschaft“ und dem hypermelancholischen „Ein trauriger Fall“, den vermutlich auch chilenische Panflöten-Spieler nicht besser hinbekommen hätten (der allerdings auch gut zum Traumschiff gepasst hätte). Die Musik ist genauso Kult wie die Serie und hat deren Status noch intensiviert. Das wird umso deutlicher, wenn man sich mal die schlimme japanische Titelmusik anhört, die im Anschluss an eine Folge auch hier integriert wurde. Sagte ich schlimme Titelmusik? GRAUENVOLLE Titelmusik!

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Otto steht mit Seele und modellierbarem Leib hinter seinem Captain

Die Blu-ray kann natürlich nicht wiederholen, was man fürs deutsche Fernsehen seinerzeit geschnitten hatte. Denn das japanische Original, das 1978 auf Basis der 40er-Jahre-Pulp-Romane von Edmond Hamilton inszeniert wurde, lieferte noch 52 Folgen (insgesamt 13 Geschichten à 4 Episoden bei je 30 Minuten Laufzeit) plus ein einstündiges Special. Für das ZDF wurden dieser Umfang aus bereits angesprochenen Jugendschutzgründen drastisch reduziert. Jede der 13 Storys hatte dann nur noch 3 Folgen mit einer Laufzeit von je 25 Minuten. Im Fernsehen wurde zudem die ursprüngliche Reihenfolge durcheinander gebracht, was man auf der DVD von 2003 dann jedoch wieder korrigierte. Allerdings nicht zu hundert Prozent, denn „Der Kampf um die Gravium-Mine“ und „Die Zeitmaschine“ waren auf der DVD noch vertauscht (ausgehend von der japanischen Original-Abfolge). Dies ist auf der Blu-ray nun vollständig richtig gemacht worden. Immerhin der Ablauf der Geschichten ist also hier schon mal korrekt. Sicher wäre es wünschenswert gewesen, man hätte die noch lebenden Synchronsprecher reaktiviert und für die Neuvertonung der seinerzeit geschnittenen Szenen noch einmal zusammengetrommelt. Doch der Aufwand hätte vermutlich nicht in Relation zum Erlös gestanden. Die Bearbeitung der Blu-ray-Fassung beschränkt sich also auf Bild und Ton. Wie gut das Remastering geraten sind, lest ihr im nächsten Abschnitt.

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Wer die (großartig designte) Comet in den 80ern als maßstabgetreutes Modell von Popy hatte, könnte sie heute für ein Vermögen veräußern

Bild- und Tonqualität

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Prof. Simon Wright ist das Superhirn hinter den Einsätzen von Captain Future

Für die Blu-ray-Veröffentlichung von Captain Future nahm man sich des Ausgangsmaterials noch einmal an und überarbeitete es vollständig. Zwar blieb man beim damaligen TV-Format von 4:3 (glücklicherweise, denn ein künstlicher Beschnitt für eine 16:9-Version wäre auch nicht im Sinne des Erfinders gewesen), ließ aber ansonsten nur wenig Steine auf den anderen. So muss man (ob man nun eingefleischter Fan ist oder nicht) leider sagen, dass die 2003er DVD qualitativ unterirdisch war. Schmutzpartikel wohin das Auge schaut, Helligkeitsflackern und ein hässlich-störender weißer Randstreifen während der ersten Episoden. Dazu häufige Doppelkonturen, deutlich sichtbare Treppenstufen während der Schwenks und eine geringe Schärfe. Diese eher schwache Detailzeichnung ist bei der Blu-ray nicht besser. Hier gab das Ausgangsmaterial offenbar nicht mehr her. Was allerdings von der ersten Sekunde an auffällt, ist das völlige Fehlen jedweder Schmutzpartikel und Störstreifen. Auch die weißen Ränder sind Geschichte. Ein Pumpen fällt auch nicht mehr stark auf und sehr schön ist auch das völlige Fehlen von unschönen Treppenstufen. Hier und da fallen Farbartefakte/Solarisationseffekte beim Aufblenden auf und in Bewegungen sieht man schon mal Farbbereiche, die sich wie ein großer Block verschieben. Doch alles in allem ist das Remastering in Sachen Bildruhe und Defektfreiheit sehr gut. Puristen wird jedoch stören, dass erneut nicht der korrekte Bildausschnitt getroffen wurde. Während am rechten Bildrand nun mehr Informationen zu sehen sind, wurden der obere und linke Bereich beschnitten. Teilweise vermutlich, um die Störstreifen am oberen Bildrand zu entfernen (siehe Beispiel unten). Nach dem Beschnitt wurde das Bild dann ein klein wenig aufgezoomt (siehe Grags etwas runderer Kopf im zweiten Vergleichsbeispiel). Um ein sauberes Bild zu erhalten, kann man mit diesem Kompromiss allerdings relativ gut leben, da letztlich keine wichtigen Informationen verschluckt werden. Geschmackssache ist die sichtbare Aufhellung und Farbentsättigung, bzw. auch Farbveränderung, die ebenfalls stattfand. Sicher war die DVD von Captain Future ein bisschen zu bunt, die Blu-ray wirkt aber immer mal wieder etwas flau und farblich ausgewaschen. Dazu ist Futures braunes Haar nun eher rötlich und Joans roter Anzug ziemlich pink. Und trotz der fehlenden Auflösungsprobleme ist es ein wenig schade, dass die Blu-ray einen weicheren/softeren Eindruck hinterlässt.

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Teilweise eklatante Schmutzpartikel, Risse oder Störstreifen „schmückten“ das Bild der DVD. Auf dem Bild oben sieht man einen spontan auftretenden massiven Streifen am oberen Bildrand, der noch zu den ohnehin schon vorhandenen zwei weißen Streifen am oberen und unteren Bildbereich hinzukommt. Dazu „blitzt“ hier über Joan auch noch ein brutaler Bildriss von oben herein, der ihr bis zum Bauchnabel reicht. Man beachte auch die Schmutzpartikel sowie die Doppelkontur am Terminal vorne rechts im Bildvordergrund.
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Die Blu-ray hat das deutlich hellere, weniger farbintensive und etwas weichere Bild, das aber mehr Details offenbart (Gesicht des stehenden Herren in grüner Uniform), keinerlei Schmutz mehr aufweist und frei ist von Störstreifen. Allerdings zum Preis der Tatsache, dass am linken und oberen Bildrand Informationen abgeschnitten wurden. Lediglich rechts gibt’s etwas mehr zu sehen (erkennbar am Mittelstreifen der Glastür)
Auch akustisch war die DVD von Captain Future kaum erquicklich. Der auf Dolby-Digital-2.0 gedoppelte Monoton war weder dynamisch, noch sonderlich ausgewogen. Dazu kamen häufige Knackser und Aussetzer („Kampf um die Gravium-Mine“, bei etwa 13’40). Diese Aussetzer sind nun ausgemerzt. Lediglich ein ganz leichtes Zischen/Kratzen auf S-Lauten ist auch hier noch hörbar. Der dts-HD-Master-Sound liegt zwar ebenfalls nur mit einer gedoppelten 2.0-Spur vor, doch die Tonalität ist etwas ausgewogener und es gibt auch keine Schwankungen. Dynamiksprünge oder Effekte darf man natürlich trotzdem nicht erwarten.
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Die Blu-ray hat keine Treppchenbildung mehr und offenbart rechts Joans ganze Hand, anstelle nur ihres Daumens. Grags Kopf wirkt aufgrund des leicht veränderten Bildinhalts etwas runder. Rote Farben driften deutlich Richtung pink und Futures braunes Haar ist rötlicher.
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Die DVD hat auch auf diesem Bild kräftigere Farben, weist aber aufgrund der niedrigeren Auflösung unschöne Treppenstufen auf (siehe runde Umrisse). Im Gegensatz zur Blu-ray zeigt die DVD links mehr Bildinhalt, ist aber rechts beschnitten und die Köpfe wirken etwas schmaler.

Bonusmaterial

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Die Mannschaft der Comet stößt immer auch auf interessante Ureinwohner fremder Planeten

Veröffentlicht werden von Captain Future nun eine Komplettbox, die alle 40 deutschen TV-Folgen sowie als Bonus das Serienspecial (Sternstraße zum Ruhm – OmU) enthält. Nur auf der (leider sündhaft teuren Limited Collector’s Edition sind dann die 52 ungeschnittenen japanischen Folgen (ebenfalls OmU) enthalten. Dazu gibt’s in der dicken Box im Design von Futures Gürtelschnalle einen Notizblock sowie ein paar Postkarten – naja, da hätte man sicherlich auch hübschere/wertigere/passendere Gimmicks finden können.
Auch akustisch war die DVD von Captain Future kaum erquicklich. Der auf Dolby-Digital-2.0 gedoppelte Monoton war weder dynamisch, noch sonderlich ausgewogen. Dazu kamen häufige Knackser und Aussetzer („Kampf um die Gravium-Mine“, bei etwa 13’40). Diese Aussetzer sind nun ausgemerzt. Lediglich ein ganz leichtes Zischen/Kratzen auf S-Lauten ist auch hier noch hörbar. Der dts-HD-Master-Sound liegt zwar ebenfalls nur mit einer gedoppelten 2.0-Spur vor, doch die Tonalität ist etwas ausgewogener und es gibt auch keine Schwankungen.

Fazit

Captain Future sah nie defektfreier und sauberer aus. Außerdem klang er nie besser. Allerdings erscheint es schon so, dass noch Potenzial in Sachen Kontrastumfang, Schärfe und Strahlkraft ungenutzt blieb. Sei’s drum: Die Probleme der DVD sind fast zur Gänze ausgemerzt und die nun WIRKLICH korrekte Reihenfolge der Geschichten ist ein zusätzlicher Kaufgrund. Wer knapp 200€ übrig hat, der greift zur limitierten Edition und hat erstmals die ungeschnittene japanische Fassung mit an Bord (und wundert sich, wie brutal der Captain teilweise zu Werke geht). Die reguläre Komplettbox ist zwar auch nicht ganz günstig, stellt aber die bestmögliche Kaufalternative für Captain-Future-Fans dar.
Und jetzt muss ich dieses Review leider verlassen – ich will noch mal genau wissen, wie dieser Herrscher von Megara sich so unangreifbar macht, dass unser Titelheld durch ihn hindurchfliegt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 55%
Bonusmaterial (Komplettbox): 50%
Bonusmaterial (Komplettbox lim. Ed.): 80%

Serie: 90%

Anbieter: Universum Film
Land/Jahr: Japan/Frankreich/Deutschland 1977-1979
Regie: Div.
Sprecher: Hans-Jürgen Dittberner, Wolfgang Völz, Friedrich G. Beckhaus, Jochen Schröder, Anita Kupsch, Micheal Chevalier, Sven Plate, Horst Schön, Joachim Kerzel
Tonformate: dts HD-Master 2.0 (Mono): de
Bildformat: 4:3
Laufzeit: ca. 1.000
Codec: AVC
FSK: 6

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