Central Intelligence Extended Edition

Blu-ray Review

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Universal Pictures, 27.10.2016

OT: Central Intelligence

 


Die Klasse von ’96

Mit Kanone, Charme und Bauchtasche.

Inhalt

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Calvin traut seinen Augen kaum, als er dem ehemaligen Mitschüler gegenübersitzt, der so gar nicht mehr der Loser von damals zu sein scheint

Während Calvin zur High-School-Zeit der Liebling aller Mitschüler war und man ihm eine glorreiche Zukunft voraussagte, war Bobby der dicke, uncoole Außenseiter, den alle nur gehänselt haben. Weil Calvin aber der einzige war, der bei diesen Spielchen nicht mitgemacht hat, kann man ihm auch noch ein großes Herz attestieren. Nun sind 20 Jahre vergangen: Calvin hat einen ziemlich langweiligen und wenig hochdotierten Buchhalter-Bürojob und wird bei Beförderungen regelmäßig übergangen. Als ihm ein unbekannter Typ namens Bob Stone eine Freundschaftsanfrage per sozialem Netzwerk schickt, nimmt er kurzerhand an. Als der sich als genau der dicke Loser aus der Schulzeit entpuppt und mit ihm auf die alten Zeiten anstoßen will, sagt Calvin spontan zu. Noch ahnt er nicht, dass Bob sich ein ganz kleines bisschen verändert hat. Eher ein großes bisschen, den aus dem fetten Jungen ist ein austrainierter Muskelberg geworden, der als Agent bei der CIA arbeitet. Dort ist er allerdings gefeuert worden und wird gerade gesucht, weil er scheinbar brisantes Material entwendet hat. Ehe Calvin sichs versieht, steckt er mittendrin in einer äußerst gefährlichen Situation, in der böse Burschen die Welt ins Unheil stürzen und die CIA-Kollegen Bob dingfest machen wollen …

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Allerdings endet die Wiedersehensfreude bald im Chaos …

Buddy-Komödien stehen in den USA nach wie vor hoch im Kurs. Das bestätigt auch Central Intelligence, der mit 120 Mio. Dollar Einspiel in den Vereinigten Staaten die Erwartungen noch übertraf. Mehr noch als in vielen anderen Filmen zählt bei Rawson Marshall Thurbers Film die Chemie zwischen seinem dynamischen Hauptdarsteller-Duo – und das ist in der Tat famos. Allein der Größenunterschied zwischen Kevin Hart und Dwayne Johnson ist Anlass genug für viel Witz (und damit ist zunächst mal nur der Höhen- und nicht der Breitenunterschied gemeint). 163cm stehen hier immerhin 196cm gegenüber, was bisweilen aussieht, als ginge eine Mücke mit einem Elefanten spazieren. Der Unterschied setzt sich natürlich auch charakterlich fort, wenn der coole Typ von einst zum Langeweiler von heute und der Loser von damals zum Helden der Gegenwart geworden ist. Central Intelligence bezieht seinen Charme zur Hälfte aus genau dieser Gegensätzlichkeit und kann zusätzlich auf zwei Darsteller vertrauen, die ideal zusammenpassen. Gerade Dwayne Johnson, der wohl zu den sympathischsten Schauspielern seiner Generation gehört, spielt mal wieder genussvoll gegen sein Harter-Junge-Image an und amüsiert sich köstlich über sich selbst. Wenn er mit Bauchtasche (der beste Running Gag des Films) und Einhorn-T-Shirt vier üble Kanten in der Bar vermöbelt, ohne mit der Wimper zu zucken, kann das keiner so cool und selbstironisch wie der Halb-Samoaner und Profiwrestler. Selbst im schlauchengen Pyjama, den er zu sprengen droht, verzieht er keine Miene. Schön, wenn sich Schauspieler nicht so furchtbar ernst nehmen.

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… im gefährlichen Chaos, wohlgemerkt

Die Story an sich ist natürlich altbekannt und völlig austauschbar. Überrascht wird hier niemand sein, wenn ein (Ex)Agent zu Unrecht in Ungnade gefallen ist und sich mit der Hilfe eines guten Kumpels wieder rehabilitiert. Es ist also nicht die Story, sondern deren Darbietung, die hier für einen hohen Unterhaltungsfaktor sorgt. Johnson schafft den Spagat zwischen anfänglich-gespielter Naivität und späterer Souveränität perfekt und spielt damit auch über die kreischigen und hysterischen Anfälle eines Kevin Hart hinweg, dessen Humor man hierzulande mögen muss. Solche Momente werden allerdings beispielsweise in der Büroaction durch großartig Kampf-Choreografien überspielt, die eine perfekte Waage aus Action und Humor herstellen. Wechselt man auf die Originalspur, ist der Wortwitz noch authentischer, wirkt hier und da nicht so gestelzt wie auf der deutschen Tonfassung. Aber auch das wird in den Momenten überspielt, in denen Johnson mit herrlichem Slapstick und physischer Komik glänzt. Dazu gesellen sich auch noch ein paar köstliche Momente mit witzigen Nebenfiguren wie dem Aufpasser am Privatflughafen, der Calvin (so von Hindu zu Afroamerikaner) geradeheraus als Rassisten bezeichnet. Im Finale tauchen dann auch noch Thomas Kretschmann und Aaron Paul auf, die ein wenig Würze in das Geschehen von Central Intelligence bringen. Anbieter Universal würzt die Blu-ray im Übrigen mit dem um neun Minuten verlängerten Extended Cut.

Unterschied zwischen Kino- und Extended Fassung

Die Unterschiede zwischen der Kinofassung und der Extended Fassung von Central Intelligence, die insgesamt neun Minuten ausmachen, sind vornehmlich in erweiterten Szenen zu suchen. Wer sich die Spannung bewahren will, klappt den Spoiler nicht auf:

Rogue Cut Spoiler
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Nein, hier sind keine digitalen Tricks am Werk, sondern echte 33cm und gefühlte 60kg Unterschied

Bild- und Tonqualität

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Bob ist mittlerweile ein ziemlich taffer Kerl

Central Intelligence liefert ein absolut klares und rauscharmes Bild. Selbst auf uniformen Hintergründen in Calvins Büro lässt sich kein Körnchen blicken 10’25). Die Hautfarben kommen extrem natürlich rüber und die Auflösung ist vorzüglich. Auf Kevin Harts Gesicht lässt sich jede Pore ausmachen.In dunklen Szenen könnte Schwarz noch ein wenig mehr Punch haben, manchmal wirkt es hier ein wenig wie bei Soap-Operas. Doch das ist ansonsten die einzige Kritik an einem wirklich hervorragenden Bild, das auch während der Actionszenen nicht die Ruhe verliert und feine Strukturen in Schwenks nicht durch Ruckeln zerstört.
Auch akustisch überzeugt Central Intelligence: Wenn die zwei Helden im SUV an der Kamera vorbeibrausen, wird das nicht nur effektvoll übertragen, sondern auch dynamisch und wuchtig (77’26 ext.). Das macht die deutsche dts-only-Spur zwar schon gut, die Originalfassung in dts-HD-Master legt hier und auch in der zuvor erlebten (ziemlich einseitigen) Schießerei noch mal eine Schippe drauf. Hier ist es nicht nur ein wenig lauter, sondern etwas wuchtiger und auch differenzierter. Die Stimmen klingen im Deutschen zwar gut, allerdings im direkten Vergleich mit der englischen Spur ein wenig belegt. Ist aber am Ende gar nicht so dramatisch – vor allem, wenn auch auf der hiesigen Fassung der Hubschrauber zu Notorious B.I.G.s „Hypnotize“ dermaßen voluminös über alle Lautsprecher einfliegt, dass es eine Freude ist (96’33 ext.). Die vorherige Schießerei in der Tiefgarage hat man auch schon dünner und weniger effektvoll gehört, weshalb die Actionkomödie sowohl beim Bild als auch beim Ton vollkommen überzeugt und richtig Spaß macht.

Bonusmaterial

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Stellt sich die Frage, wer von den beiden einen Psychiater braucht

Im Bonusmaterial von Central Intelligence gibt’s neben einer wirklich witzigen Gag Reel noch alternative Szenen sowie einen Filmkommentar des Regisseurs gemeinsam mit dem Cutter. Im Featurette darf der coole und vollschlanke Darsteller des Jungen Bob einen Dance-Off-Wettbewerb mit Dwayne Johnson veranstalten. Beide kommen außerordentlich sympathisch rüber und können erstaunlich gut tanzen. „Line-O-Rama“ hält ein paar Improvisationen vom Set parat und „Couch im Zeitraffer“ offenbart, wie man die Couch so schnell wieder aufgeräumt bekam, als Calvin zuhause vom CIA besucht wurde – ein klasse Job der Crew!

Fazit

Central Intelligence ist eine beschwingte Buddy-Komödie, deren inhaltliche Vorhersehbarkeit durch seine beiden blendend aufgelegten Hauptdarsteller weggefegt wird.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 90%
Tonqualität (dt. Fassung): 85%
Tonqualität (Originalversion): 90%
Bonusmaterial: 50%
Film: 70%

Anbieter: Universal Pictures
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Rawson Marshall Thurber
Darsteller: Dwayne Johnson, Kevin Hart, Amy Ryan, Danielle Nicolet, Aaron Paul, Tim Griffin, Ryan Hansen, Timothy John Smith
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 107/116
Codec: AVC
FSK: 12

Trailer zu Central Intelligence

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