Chasing Niagara

Blu-ray Review

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Studio Hamburg, 28.10.2016

OT: Chasing Niagara

 


Sturz in den Abgrund

Warum nicht einfach mal die Niagarafälle im Kajak runtersausen?

Inhalt

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Sieht unecht aus, ist aber einfach nur atemberaubend schön

Rafa Ortiz hat seit seiner Jugend und dem Besuch mit seinen Eltern bei den Niagarafällen die irrwitzige Idee, diesen gigantischen Vorhang aus Wasser mit dem Kajak hinunterzurauschen. Sicherlich ein Grund, warum der Mexikaner zu einem ausgezeichneten Kajaksportler wurde, den sogar ein bekannter rotblauer Getränkehersteller unter Vertrag nahm. Gemeinsam mit seinem Idol und Mentor Rush Sturges, der auch die Regie für Chasing Niagara übernahm, sowie in Begleitung seiner Kajakfreunde (unter anderem Tyler Bradt, Evan Garcia, Mark LeBlanc, Blake Mahoney, Aniol und Gerd Serrasolses) begab sich Ortiz dann tatsächlich auf die Reise, dieses Ziel zu verwirklichen. Man übte an zahlreichen „harmloseren“ Wasserfällen und steigerte sich dann über die „Big Banana Falls“ und die „Anaconda Falls“ schnell auf über 30 Meter Fallhöhe – blaue Augen inbegriffen.

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Ein bisschen Üben an den „kleineren“ Wasserfällen

Wie wahnsinnig das Vorhaben der Sportler gewesen ist, zeigen die ersten Minuten von Chasing Niagara, in denen unmissverständlich klar wird, dass es mit dem Tod enden kann. Über die Bilder von Gerd Serrasolses Go Pro unterstützt von Aufnahmen der Kameras, die auf den Helmen der Kollegen angebracht waren, wird der Zuschauer Zeuge, wie Serrasolses regungslos aus dem Wasser gefischt wird und seine Freunde verzweifelt versuchen, ihn leblos aus dem Wasser zu ziehen und wiederzubeleben. Wer solche Szenen eher schwer ertragen kann, für den gilt es, erst nach vier Minuten die Augen zu öffnen. Danach werden neben Rafa Ortiz auch seine Kajak-Kollegen vorgestellt, damit man entsprechend Background über deren Erfahrung und Einstellung bekommt. Begleitet von spektakulären Bildern, die oft in Zeitlupe zeigen, wie die Sportler die Wassermassen heruntergleiten, klappen schon mal Münder der Zuschauer auf. Allerdings ermüdet es auf Dauer auch, immer die gleichen Bilder zu sehen. Interessant ist der Teilaspekt der Illegalität. Denn das, was die Jungs da machen (vor allem in Bezug auf die Niagarafälle) ist alles andere als erlaubt. Bei aller Schönheit der Bilder und Waghalsigkeit der Aktionen, bei allem Respekt vor dem Mut der Sportler – wenn sich am Ende der Kreis wieder schließt und man über Gerds Schicksal aufgeklärt wird, stellt sich die Frage, warum man über drei Minuten brauchte, bis jemand beim leblos im Wasser treibenden Kollegen war. Warum man einen Hubschrauber für Kameraaufnahmen hat, aber kein Schlauchboot mit Rettungsausrüstung im ruhigen Gewässer am Fuß des Wasserfalls. Man wird den Eindruck nicht ganz los, dass die Extremsportler hier und da blauäugig in ihre Aktionen stürzen und es nur um der Sensation Willen tun – selbst wenn Ortiz immer wieder betont, dass die Auseinandersetzung mit den Elementen für ihn eine spirituelle Grenzerfahrung ist.

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Man wächst mit seinen Herausforderungen, oder: Kann man machen, muss man aber nicht!

Bild- und Tonqualität

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Krasse Checker auf krasser Mission

Das Bild von Chasing Niagara im regulären 16:9-Format könnte noch ein wenig kontrastreicher sein. Die Tageslichtszenen wirken immer mal wieder etwas zu hell. Der Himmel überstrahlt ein wenig und Gras dürfte noch saftiger sein. Hervorragend gelingt die Bildruhe, die keinerlei Rauschen oder Körnung zulässt. In extremen Zoomeinstellungen gibt’s schon mal Auflösungsprobleme, das Bild wird etwas abgestufter und pixelig. Dies ist aber vor allem den Einstellungen selbst geschuldet, nicht dem Mastering. Die Interviewmomente mit Close-ups gelingen sehr homogen und präsentieren auch eine anständige Schärfe. Während der Zeitlupeneinstellungen von spritzendem Nass der Wasserfälle wünscht man sich besser aufgelöste Tropfen. Auch Totale von Wasserfällen wirken manchmal zu soft und könnten krisper sein (39’00).
Potenzial verschenkt hat man beim Sound von Chasing Niagara. Der liegt leider auf beiden Sprachfassungen nur in Dolby Digital 5.1 vor. Während die Dialoge, bzw. das Voice Over des deutschen Sprechers klar ans Ohr gelangen, bleiben Soundeffekte eher vordergründig. Auch der Filmscore ist nicht sonderlich räumlich. Ab und an darf der Subwoofer etwas eingreifen, wenn im Hintergrund ein Vorhang aus massivem Wasser rauscht.

Bonusmaterial

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Manchmal ist auch Entspannung angesagt

Bonusmaterial ist bei Chasing Niagara leider nicht vorhanden.

Fazit

Chasing Niagara liefert zwar spektakuläre und fast unglaubliche Bilder, nervt aber aufgrund der Überpräsenz des sponsernden Getränkeherstellers und nimmt die Lebensgefahr der Aktionen schon ein wenig auf die leichte Schulter.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 60%
Bonusmaterial: 0%
Film: 60%

Anbieter: Studio Hamburg
Land/Jahr: Österreich/USA/Kanada/Mexiko 2015
Regie: Rush Sturges
Sportler: Rafa Ortiz, Tyler Bradt, Evan Garcia, Mark LeBlanc, Blake Mahoney, Aniol Serrasolses
Tonformate: Dolby Digital 5.1: de, en
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 77
Codec: AVC
FSK: 12

Zeitlich begrenzte, kostenlose Streamingmöglicheit

Am 25. Dezember wird Chasing Niagara übrigens exklusiv auf Rebull.tv ausgestrahlt und steht anschließend 14 Tage lang als kostenfreies Video on Demand zur Verfügung.

Das Ganze wird dann unter folgenden Links zu finden sein:
http://www.redbull.tv/
http://www.redbull.tv/channel/films

Trailer zu Chasing Niagara

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