Coco – Lebendiger als das Leben! 3D

Blu-ray Review

OT: Coco

Coco - Lebendiger als das Leben 3D Blu-ray Review Cover
©Disney/Picar, 29.03.2018

 


Von den Lebenden und den Toten

Bunter und fantasievoller kann Pixar kaum mehr werden.

Inhalt

COCO
Urgroßmutter Coco ist die Älteste im Haus der Familie …

Weil die Ur-Urgroßmutter von einem Musiker verlassen wurde, gibt es in Miguels Familie ein Gesetz: Keine Musik! Damit ist das Haus, in dem von Urgroßmutter Coco bis zum kleinen Miguel vier Generationen unter einem Dach leben, vermutlich das einzige in Mexiko, das den Klang von Akustikgitarren ablehnt. Sehr zum Leidwesen des jüngsten Sprosses. Denn Miguel wäre gerne so wie der legendäre Ernesto de la Cruz, Mexikos berühmtester Musikexport. Und weil er endlich zu seiner Leidenschaft stehen will, beschließt er, beim großen Talentwettbewerb am Dia de las Muertos, dem Tag der Toten mitzumachen. Doch das findet Coco gar nicht witzig und zerstört kurzerhand Miguels Gitarre. Um dennoch teilzunehmen, bricht der Junge im Mausoleum des Ernesto ein und ist gerade dabei, dessen legendäres Saiteninstrument zu stibitzen, als ein paar gespielte Töne das Tor zur Welt der Toten öffnen. Fortan wandelt Miguel als Mensch aus Fleisch und Blut zwischen seinen knochigen Ahnen und kann nur wieder zurück, wenn er den Segen seiner toten Verwandschaft erhält. Die allerdings knüpft ihre Absolution an eine Bedingung: Keine Musik …

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… und manchmal nutzt Miguel ihre Anwesenheit für wilde Wrestling-Spiele

Frisch oscardekoriert kommt er daher, der jüngste, insgesamt 19. abendfüllende Film aus der Pixar-Schmiede. Nachdem man zuletzt mit Cars 3 eher bescheiden erfolgreich war und auch bei den originären Geschichten irgendwie die sonst übliche Fantasie vermissen ließ (Ausnahme: Alles steht Kopf), spielte Coco – Lebendiger als das Leben! weltweit rund 750 Mio. Dollar ein, was ein wirklich toller Erfolg ist. Auf dem Regiestuhl nahmen dieses Mal Lee Unkrich und Adrian Molina Platz. Unkrich hatte schon Toy Story 3 inszeniert und nutzte für sein jüngstes Werk vor allem eine umfassende Recherche. Nahezu drei Jahre lang reisten die Macher immer wieder nach Mexiko, besuchten dort Friedhöfe und Anwesen, Kirchen und Museen, um sich möglichst perfekt für die traditionellen Elemente des Films vorzubereiten. Sogar am Leben einiger mexikanischer Großfamilien nahm man Teil und erfuhr auf diese Weise mehr über Mehrgenerationen-Lebeweise. Wie es für Pixar früher üblich war und zwischendurch ein wenig vernachlässigt wurde, kümmerte man sich inhaltlich intensiv um den vielschichtigen Kern. Denn die Tatsache, dass der Film zeitweise in der Welt der Toten spielt, heißt nur vordergründig, dass er sich auch mit dem Tod beschäftigt. Vielmehr geht es darum, das Leben zu feiern und die Erinnerung an Familienmitglieder aufrecht zu erhalten. Die Erinnerung an die Toten sollen in der Gegenwart am Leben bleiben und in Erzählungen auch an die jeweils nächste Generation weitergegeben werden. Als unverkennbares Motiv für den Film diente dabei der Dia de las Muertos, der Tag der Toten. Der wird in Mexiko traditionell zwischen dem 31. Oktober und dem 02. November gefeiert und die Straßen sind mit Skeletten geschmückt. Nach dem mexikanischen Glauben sind dies die Tage, an denen die Toten für kurze Zeit zurückkehren und mit den Lebenden ein ausgelassenes Fest feiern.

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Dante ist ein kleines verfressenes Kerlchen – aber eben auch ziemlich liebenswert

Natürlich ist Coco – Lebendiger als das Leben! aber auch eine Liebeserklärung an Mexiko und damit ein durchaus klares Statement, das einem Herrn Trump nicht gefallen dürfte. Wenngleich zu Beginn der Produktion natürlich noch nicht absehbar war, dass der nächste US-Präsident mal einen Mauerbau an der Grenze zu Mexiko planen würde.
Großartig integriert der Film das landestypische Produktionsdesign. Coco sieht aus wie Mexiko, er scheint nach Mexiko zu riechen und zu schmecken.
Wenn man die liebevollen Texturen auf den Straßen anschaut, die Details auf den Märkten, die Farben, die Einzelheiten auf dem Friedhof oder an den Häusern – dann ist das fast so als wäre man vor Ort. Teilweise zeichnete man grobe Skizzen während der Reisen in Mexiko, um den Geist “live” einfangen und bis zur Rückkehr konservieren zu können.
Und der mexikanische Geist ist nicht nur allgegenwärtig, weil der Film vor Skeletten wimmelt, sondern weil jede Sekunde in diese lateinamerikanische Welt entführt. Die Tatsache, dass der Großteil des Films im Reich der Toten spielt, könnte Anlass für gruseligen Momente bieten, wurde aber vielmehr dafür genutzt, eine Ode an das Leben, die Freundschaft und die Liebe zur Musik zu zelebrieren. In der Figur des hektischen Héctors hat man die Sehnsucht nach Anerkennung und Familie verpackt; den Wunsch, dass man ihn im Reich der Lebenden nicht vergisst, während Miguel sämtliche Motive eines jungen und pubertierenden Knaben darstellt.

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Unerwartete Familien-Zusammenführung

Ein Junge, der seine Träume leben und nicht in die ungeliebten Fußstapfen der Ahnen treten möchte, der auf diesem Weg aber die Werte und Wichtigkeit der Familie kennen lernt.
Während man all diese durchaus tiefgründigen Themen aufgetischt bekommt, sind es natürlich mal wieder die schrägen Nebenfiguren, die für charmante und witzige Momente sorgen: Miguels streunender Freund Dante, der ständig über seine eigene Zunge stolpert oder die leuchtenden Fabelwesen, die mal als Äffchen, mal als dicke Kröte auftauchen, machen im Bildhintergrund ständig irgendwelche lustigen Faxen.
Was man durchaus noch etwas hätte intensivieren können, ist der Wortwitz oder das Spiel mit den knochigen Slapstick-Scherzen. Denn zwischendurch sind die etwas schwermütigeren Szenen vielleicht eine Spur zu dominant.
Glücklicherweise nicht dominant sind die gesungenen Songs, die man sich zwar besser im Original anhört, die aber nur einen geringen Anteil ausmachen. Leider funktioniert die deutsche Übersetzung hier (wie schon so oft vorher) nicht wirklich und wirkt meist ziemlich ungelenk getextet. Wäre eh schöner, wenn Pixar die Finger wieder von der Disney-Singerei lässt, denn das war immer ein wohltuender Unterschied – gerade für den erwachsenen Zuschauer der Filme.

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Die Brücke zwischen den beiden Welten des Lebens und des Todes

Bild- und Tonqualität

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Miguel und Héctor bilden zunächst eine Zweckgemeinschaft

Ganz ehrlich: Alles andere als ein perfektes Bild wäre für einen Pixar-Film eine kleine Schande. Und weil bisher eigentlich alle Filme die Höchstnote abgesahnt haben, bleibt das auch hier so. Coco – Lebendiger als das Leben! gehört zu den buntesten Filmen der Animationsschmiede und sämtliche Farben werden mit einer Strahlkraft wiedergegeben, die selbst unter Animationsfilmen ihresgleichen sucht. Ab und an sind sie vielleicht einen Hauch zu kräftig im Rotton, aber das ist Mäkeln auf sehr hohem Niveau. Die Schärfe ist beständig extrem gut und die Detailtiefe ist famos. Gerade auf dem Friedhof ist dermaßen viel zu sehen, dass einem die Augen übergehen. Famos sind auch die Staubpartikel, die ab und an im Licht herumwirbeln (21’05). Der Kontrastumfang ist dazu beträchtlich und liefert sattes Schwarz ebenso wie helle Spitzlichter. Das ist alles in allem absolut referenzwürdig und kaum zu toppen.
Beim Ton von Coco – Lebendiger als das Leben! geht Disney den schon etwas länger eingeschlagenen Weg, die deutsche Fassung “nur” mit Dolby-Digital-Plus zu kodieren (hier mit fester Datenrate von 0.8 Mbps), während die Originalversion mit verlustfreiem dts-HD-Master daherkommt. Der ist zwar nicht bedeutend voluminöser, dafür aber etwas feiner in den Effekten und nuancierter in der Stimmwiedergabe.
Erstaunlicherweise gehört der Film aber nicht zu den räumlichsten des Anbieters. Man muss sogar relativ lange warten, bis die Effektlautsprecher mal etwas beschäftigt werden. Das Feuerwerk am Tag der Toten ist so ein Beispiel. Die Explosionen kommen trocken rüber, fordern dabei sogar den Subwoofer anständig und das Spratzeln der Funken wird räumlich auf den Rears abgelegt. Ebenfalls sehr schön sind die Sounds, mit denen die geflügelten Fabelwesen durch die Luft sausen (34’58). Und wenn der katzenartige Flugdrache der Ur-Urgroßmutter durch seine Nüstern bläst, dann klingt das auch sehr nett (35’10). Die Stimmen gelangen derweil äußerst gut zum Ohr und sind in beiden Sprachversionen glasklar. Klasse ist dann wieder der Feuerspucker vor Ernestos Anwesen (58’30) und die elektronische Musik auf dessen Party kommt auch wuchtig aus den Speakern. Sehr räumlich sind dann die Szenen in der Höhle, in denen Miguels Stimme deutlich nachhallt (69’30).

3D-Effekt

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Kann Miguel den Segen seiner Familie bekommen?

Coco – Lebendiger als das Leben! ist als volldigital produzierter Film natürlich prädestiniert für eine 3D-Wiedergabe ohne Fehler. Und weil Pixar weiß, was sie tun, sieht das wirklich gut aus. Gerade die grundsätzliche Raumtiefe bei den Massenszenen ist hervorragend. Wenn Miguel und seine toten Familienmitglieder in den Bahnhof und die Halle eintreten, sind so viele Ebenen sichtbar, dass man in ihnen spazierengehen könnte. Das Gleiche gilt für den “Anflug” auf den roten Teppich, auf dem die Party-Gäste Ernestos herumlaufen. Wahnsinn, wie viel Tiefe hier herrscht (56’54). Die Figuren schälen sich jederzeit super plastisch vom Hintergrund ab, was vor allem bei den Skeletten wirkt. Durch die Gerippe kann man praktisch hindurchgreifen. Für entsprechende Pop-out-Effekte sorgen die bunten Flugtiere, die schon mal auf die Kamera zufliegen und dabei aus dem Bild heraustreten zu scheinen. Auch der fliegende Zug ist sensationell, wenn er scheinbar schwerelos über der unter ihm liegende Stadt am oberen Bildrand schwebt (47’20). Was allerdings ausbleibt, sind konstruierte 3D-Effekte. Man legte es also nicht drauf an, möglichst viele Pop-outs zu produzieren, sondern nutzte das Dreidimensionale auf sehr natürliche und nachvollziehbare Weise – schön gemacht!

Bonusmaterial

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Miguel lernt sein Idol Ernesto kennen

Das Bonusmaterial der 3-Disk-Version ist verteilt auf Filmdisk und Bonus-Scheibe. Der Film-Silberling enthält einen Audiokommentar sowie mit “Willkommen zum Fest” eine Art Pre-Visualisierung zum Film. In “Meine Familie” dürfen ein paar der am Film beteiligten Menschen von möglicherweise seltsamen Familienbräuchen oder -regeln erzählen. “Dante” hingegen ist ein kurzes Featurette über den Straßenhund des Films und in “Wie man ein Skelett zeichnet” gibt es einen kurzen Kurs in Sachen Knochen-Malen. Die Bonusdisk geht dann mit acht entfernten Szenen und der gleichen Anzahl an Featurettes in die Vollen. In “Tausend Bilder am Tag” geht es um den Schauplatz selbst. Wir erfahren, wie viel Arbeit investiert wurde, um Mexiko möglichst authentisch darzustellen. “Die Musik” kümmert sich dem Namen entsprechend um die traditionellen Klänge von Coco – Lebendiger als das Leben! “Das Land unserer Vorfahren” schildert den Ort der Toten und um das Design dieses “Landes”. “Mode im Laufe der Zeit” wiederum gibt Einblicke in die Arbeit an den Kostümen und “Die echte Gitarre” stellt den Gitarrenbauer vor, der gemeinsam mit dem Zeichner der Filmgitarre an deren Design arbeitete. “Wege zu Pixar: Coco” lässt ein paar hispanische/mexikanische Kollegen von Pixar zu Wort kommen – immer wieder ein Beispiel dafür, dass das Animationsstudio für gelebte Integration steht. “Wie mache ich einen mexikanischen Scherenschnitt” zeigt, wie man diese im Land überall herumwehenden am einfachsten anfertigt. In “Du hast die Rolle” bekommen wir einen kurzen Einblick in die Synchronarbeit des jungen Anthony Gonzalez, der die Rolle des Miguel übernahm.

Fazit

Eine Liebeserklärung an das Land, die Musik, die Familie, das Leben und die Traditionen – Coco – Lebendiger als das Leben! erzählt eine große Gesichte mit unglaublich fantasievollen Bildern und liebenswerten Figuren – ein Highlight für die ganze Familie. Noch dazu ist das Bild perfekt, der Ton sehr gut und die 3D-Wiedergabe ein großer Spaß.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 100%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 80%
Film: 85%
3D-Effekt: 85%

Anbieter: The Walt Disney Company/Pixar
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Lee Unkrich, Adrian Molina
Sprecher: Pablo Ribet-Buse, Heino Ferch, Karlo Hackenberger, Luise Lunow, Ulrike Lau, Patrick Winczewski, Lutz Schnell
Tonformate: dts HD-Master 7.1: en // Dolby Digital Plus 7.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 105
Codec: AVC
FSK: 0

Trailer zu Coco – Lebendiger als das Leben!


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