Colossal

Blu-ray Review

Colossal Blu-ray Review Cover
Universum Film, 01.12.2017

OT: Colossal

 


Stellvertreter-Krieg

Filmexperiment mit einer glänzend aufgelegten Anne Hathaway.

Inhalt

Colossal Blu-ray Review Szene 6
Gloria wird von Tim eiskalt abserviert

Gloria ist fertig mit der Welt. Ein Zusammenbruch hat sie den Job, die Wohnung und den Partner gekostet und zwingt sie in ihre Heimatstadt irgendwo in New Hampshire zurück zu kehren. Dort trifft sie auf ihren alten Schulfreund Oscar, mit dem sie erst einmal ordentlich einen drauf macht. Denn Alkohol gehört aktuell einfach dazu. Als sie zur gleichen Zeit im Fernsehen sieht, dass ein riesiges Monster Seoul verwüstet, ist sie zwar schockiert wie jeder andere auch. Doch da ist noch mehr. Einige Aufzeichnungen des koreanischen Fernsehens später stellt Gloria fest, dass dieses Monster teilweise die gleichen Angewohnheiten offenbart. Es kratzt sich auf identische Art am Kopf und scheint auch sonst ein paar „Ticks“ zu haben, die ihr allzu vertraut sind. Als sie ihren Freunden davon berichtet, glauben diese ihr erst nach einer Live-Demonstration. Doch jetzt, wo man weiß, was Sache ist, stellt sich die Frage, was man dagegen tun kann. Die Situation ist aber noch nicht bizarr genug, als auch Oscar mit einer Beichte rüberkommt …

Colossal Blu-ray Review Szene 5
Gloria trifft ihren alten Schulkameraden Oscar wieder

Nacho Vigalondo, der Mann mit dem Namen wie Knabbergebäck, ist schon seit fast 20 Jahren im Film- und Autorengeschäft. Stets bleibt er sich dabei treu, Filme zu inszenieren, die er in der Regel selbst geschrieben hat und die durchaus abseits des Mainstream stehen. Seine Wurzeln hat er zwar in Spanien, war aber schon bei Open Windows 2014 aufs internationale Parkett getreten, als er Elijah Wood in eine verhängnisvolle Voyeurs-Geschichte trieb. In Colossal kann er nun mit Anne Hathaway und Jason Sudeikis gleich zwei US-Schwergewichte des Schauspiels verpflichten, was ihn aber nicht abhält, seine Story massenkompatibler zu gestalten. Irgendwo zwischen Donnie Darko und Godzilla befindet sich die Geschichte, die Lebensdrama und Monster-Katastrophenfilm miteinander verknüpft – und zwar auf ebenso irrwitzig-direkte wie bisher ungesehene Art und Weise. Auf die Idee, dass ein gigantisches Monster am anderen Ende der Welt die Bewegungen einer am Tiefpunkt angekommenen US-Bürgerin nachahmt und auf diese Weise Chaos um Chaos anrichtet, muss man auch erst Mal kommen. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob sich diese beiden völlig unterschiedlichen Ansätze miteinander verheiraten lassen – und hier trennt sich Kritikerspreu von Kritikerweizen. Während die einen ihm vorwarfen, nach der Offenbarung seiner einzigartigen Prämisse zunehmend ermüdend zu werden und die Tiefe in der Story nicht zu finden, stellen die anderen heraus, dass es sich lohnt, diesem Experiment beizuwohnen und es bis zum Ende durch zu ziehen. Eben weil die Stellen, die funktionieren so herausragend funktionieren.

Colossal Blu-ray Review Szene 8
Alkohol ist ihr Freund

Egal, welcher Meinung man über den Film aber ist, herausgestellt wird das Agieren von Anne Hathaway. Die Aktrice, die ihre Karriere im niedlichen Plötzlich Prinzessin! begann und dann so unterschiedliche Werke wie Brokeback MountainDer Teufel trägt Prada oder Interstellar mit ihrer Anwesenheit beglückte, zeigt in Colossal erneut, dass sie auch ganz anders kann als niedlich aus ihren großen Rehaugen zu schauen. Ganz tief geht sie in ihr Inneres und entlarvt auch Oscars Psyche in ebenso deutlichen wie wahren Worten – bis hin zum physischen Schlagabtausch. Das macht sie wirklich gut und für den Zuschauer nachvollziehbar. Dass sie stets etwas fahrig und durch den Wind wirkt, kommt ihrer Rolle zugute. Auch wenn man sich durchaus etwas schwertut, sie als Alkoholikerin zu beobachten, die aufgrund ihrer Sauf-Abende die meisten Details vergisst. Während der Momente, in denen sie zu erkennen glaubt, dass sie für das Verhalten des Monsters verantwortlich ist, kommt sogar Spannung und etwas Grusel auf. Das wird zwar vor allem durch die Filmmusik und die Art der Kameraführung erwirkt, verfehlt aber seine Wirkung nicht. Wenn im zweiten Teil dann die Dramatik zunimmt und man langsam merkt, dass es zwei Möglichkeiten gibt, auf das Monster, bzw. den Roboter zu reagieren, ist klar, dass Science-Fiction hier eher den geringeren Anteil ausmacht. Vielmehr geht es darum, das kleine Dinge große Auswirkungen haben können. Dass man darüber reflektieren sollte, was man tut und dass man wachgerüttelt wird, um wieder ins Leben zurück zu finden, während andere es lieber weiter zynisch zerstören.
Sicherlich gar nicht so schwer zu verstehen, wie ein Rezensent des New York Observers es empfand. Der verpasste Colossal 0 von 4 Sternen und bezeichnete ihn als  „ebenso unansehbar wie unverständlich“ – unverständlich.

Colossal Blu-ray Review Szene 3
Das Monster blickt auf sein Opfer hinab

Bild- und Tonqualität

Colossal Blu-ray Review Szene 7
Trauen ihren Augen kaum, was Gloria ihnen da beweist

Das Bild von Colossal liegt im 2,35:1-Format vor und kann mit relativ guter Laufruhe und geringer Körnung durchaus überzeugen. In Bewegungen gibt’s leichte Wischeffekte und am unteren Bildrand ist es schon mal etwas unscharf. Der Kontrast in Außenaufnahmen passt, im Inneren der Bar wird es schon mal etwas trüber, was aber an der Beleuchtung liegt. Farben sind ein wenig entsättigt – könnte aber auch am Herbst in der Stadt liegen. Die Nachtaufnahmen der Monsterattacken sind recht gut durchzeichnet.
Die Auftritte des Godzilla-Alter-Ego sind es auch, die dem Ton von Colossal Dynamik und Effektreichtum verleihen. Das bleibt zwar alles verhältnismäßig deutlich auf die mittleren Frequenzen beschränkt, ohne den Tiefbass monstermäßig zu fordern, doch die Rears bekommen immer mal direktionale Sounds. Stimmen sind gut verständlich und der Score liefert ebenfalls räumliche Informationen. Highlight ist das Tischfeuerwerk nach gut 78 Minuten, das die Knaller überall im Heimkino platzen lässt.

Bonusmaterial

Colossal Blu-ray Review Szene 1
Gloria ahnt, dass ihr Verhalten am anderen Ende der Welt Konsequenzen hat

Im Bonusmaterial von Colossal findet sich neben dem Trailer ein 20-minütiges Behind the Scenes, das durchaus ein paar Antworten auf offene Fragen des Films liefert.

Fazit

Colossal ist nicht leicht zu konsumieren, schlägt oft eher schwere Themen an und wird daher nicht jedem gefallen. Die Sci-Fi-Elemente sollte man nicht missverstehen – ein Genrefilm ist Vigalondos Werk zu keiner Zeit. Vielmehr ist es ein tiefgründiger Film, den es zu entdecken lohnt und der mit bizarrem Humor abseits des Mainstream lockt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 30%
Film: 75%

Anbieter: Universum Film
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Nacho Vigalondo
Darsteller: Anne Hathaway, Jason Sudeikis, Dan Stevens, Austin Stowell, Tim Blake Nelson, Hannah Cheramy, Nathan Ellison
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 110
Codec: AVC
FSK: 12

Trailer zu Colossal

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.