Das Parfum – Geschichte eines Mörders 4K UHD

Blu-ray Review

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Highlight Communications, 01.12.2016

OT: –

 


Geruchsintensiv

Mit Das Parfum kommt die Adaption einer der erfolgreichsten deutschen Romane aller Zeiten auf UHD heraus.

Inhalt

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Grenouilles erster Mord ist keine Absicht

Jean-Baptiste Grenouille wird auf dem Fischmarkt inmitten der schlimmsten aller Gerüche geboren und zum Sterben liegen gelassen. Doch von Geburt an zeigt ihn seine unbändiger Wille zu leben aus. Über das Waisenhaus und die harte Arbeit bei einem Handwerker entwickelt er als Kind und Jugendlicher seine Liebe für die Welt der Gerüche und überzeugt als junger Erwachsener den Parfümeur Baldini, ihn einzustellen. Für diesen entwickelt er die betörendsten Düfte praktisch aus der Hüfte heraus und sorgt dafür, dass Baldini wieder zu einem erfolgreichen Geschäftsmann wird. Doch insgeheim geht es Grenouille um mehr: Er möchte den Duft der Düfte extrahieren – jenen von Menschen. Dafür allerdings muss er über Leichen gehen. Über viele Leichen, bis er in einer Kaufmannstochter den ultimativen Duft zur Vollendung seines Traums erkennt …

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Der Parfümeur bei seiner grausigen Arbeit

Mit 50 Millionen Euro wurde Tom Tykwers Adaption von Patrick Süskinds Millionen-Bestseller damals zur teuersten Filmproduktion Deutschlands. Unabhängig vom finanziellen Aufwand, der betrieben wurde, ist Das Parfum – Geschichte eines Mörders aber vor allem aus künstlerischer Sicht ein Hit. Tykwer gelingt es in erlesenen Bildern einer eher düsteren und dreckigen Zeit, die Essenz des Buches perfekt einzufangen. Dafür scheut er auch nicht vor den düsteren und schmuddeligen Szenen zurück, um den Zuschauer perfekt in die Zeit zu versetzen. Austattung, Trickeffekte, Sprache und Kostüme – hier passt einfach alles. Die Tatsache, dass man mit Ben Whishaw einen damals noch relativ unbekannten Schauspieler in der schwierigen Rolle des Protagonisten zu besetzen, erwies sich im Nachhinein als absoluter Glücksgriff. Der englische Darsteller lebt Grenouille mit jeder Bewegung, jeder Mimik und jedem Nase-in-den-Wind-strecken. Wenn er (versehentlich) das Mirabellenmädchen (ätherisch schön: Karoline Herfurth) erstickt und im Nachhinein versucht, ihren Geruch in sich aufzunehmen, kann man förmlich spüren, welche Emotionen in der Hauptfigur Grenouille hervorgerufen worden sein müssen. Man hätte sich weder einen besseren Schauspieler aussuchen, noch ihn besser einfangen können – fantastisch. Dustin Hoffman, der im mittleren Teil des Films Grenouilles Ausbilder Baldini spielt, fügt ein wenig schelmischen Humor hinzu. Vielleicht hat das Gespann aus Regisseur Tykwer und Produzent Eichinger seine Hauptfigur im Drehbuch etwas zu sehr romantisiert wiedergegeben. Immerhin erscheint Grenouille im Buch viel dämonischer und auch berechnender. Dennoch gehört Das Parfum zu den wichtigsten Werken des Filmproduzenten, der die Leidenschaft fürs Zelluloid wie kaum ein anderer zelebrierte.

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Im selbst auferlegten Exil hat Grenouille eine entscheidende Erleuchtung

Bild- und Tonqualität Blu-ray

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Richis glaubt, die Morde sind noch nicht vorbei

Die Blu-ray von Das Parfum hatte für die damaligen Verhältnisse ein durchaus gutes Bild, das zwar stark stilisiert und gefiltert erschien, allerdings mit sehr guter Schärfe und einem hohen Kontrastumfang punktete. Nicht so schön ist das deutlich sichtbare Farbrauschen auf Hintergründen während der dunkleren Szenen. Außerdem gehen auf schwarzen Oberflächen schon mal Details verloren und erhalten zudem einen leichten Grünstich. Dennoch kann die BD auch heute noch überzeugen.
Dumpf pochen die Schaulustigen an das Tor des Hinrichtungsplatzes, die Ketten um Grenouilles Hals klirren effektvoll und die tosende Menge brandet gänsehauterregend über sämtliche Lautsprecher auf. Die Atmosphäre auf dem Markplatz, die schmatzenden Soundeffekte nach der Geburt des Protagonisten, das bubbernde Herzgeräusch – die beiden dts-HD-HR-Spuren von Das Parfum erledigen ihre Arbeit äußerst präzise, druckvoll und für einen deutschen Film extrem dynamisch. Die Stimmen sämtlicher Darsteller kommen ebenfalls gut verständlich rüber und werden von den effektvollen Situationen nie übertüncht. Obwohl Tykwers Film mittlerweile schon zehn Jahre auf dem Buckel hat, kann er immer noch ohne Probleme mit aktuellen Produktionen mithalten.

Bild- und Tonqualität UHD

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Das finale Objekt der Begierde: Laura Richis

Für den Transfer von Das Parfum wurde auf das 2K-Master zurückgegriffen und von einem 2K-Intermediate aus auf 4K hochskaliert. Es handelt sich bei der UHD von Tykwers Film also nicht um „echtes“ 4K. Dennoch lässt sich gegenüber der Blu-ray sagen, dass die Abstufungen etwas feiner geworden sind und speziell Aufnahmen in die Tiefe (Gasse bei 14’20) noch ein wenig mehr Details offerieren. Hier zeigt sich aber auch, dass die ursprüngliche Blu-ray schon sehr gut war und sich damals wohltuend aus schlechteren Produktionen hervortat. Dennoch: Durch die Integration des erweiterten Farbraums Rec.2020 sowie der höheren Dynamik (HDR) ist der Unterschied zwischen BD und UHD deutlich erkennbar. Die ohnehin schon eher braun-warm gefilterten Farben wirken nochmals schöner und weicher. Rotbraune Töne kommen besser zur Geltung und helle Spitzlichter auf Objekten, Gesichtern oder dem Schimmel, der durchs Bild reitet, sorgen für einen brillanteren Look. Auch schwarz ist satter und lässt Grenouilles Haare kräftig erscheinen. Wunderbar sind auch die roten Locken von Karoline Herfurth bei 19’59, die erst richtige Strahlkraft haben, wenn man die UHD einlegt. Erstaunlicherweise hat man beim Mastering der 4K-Version sogar noch einmal gefiltert, weshalb teils störendes Farbrauschen der Blu-ray auf uniformen Hintergründen nicht mehr stattfindet – und das, obwohl die grundsätzliche Schärfe ebenfalls besser ist und das Geschehen nicht versoftet wurde. Von dieser Herausfilterung profitiert der Schwarzwert noch einmal, der nicht ins grünliche abdriftet. Extrem auffällig ist das bei der Begegnung zwischen Grenouille und dem Mirabellenmädchen. Selbst wenn Herfurth hier für kurze Zeit aus dem Fokus der Kamera heraustritt und das Geschehen weniger knackig ist, ist der Unterschied zur Blu-ray auch für ungeübte Laien sichtbar. Das ist besonders deshalb bemerkenswert, da bisher fast alle UHDs ein gegenüber der BD eher verstärktes Korn aufwiesen, was aufgrund der höheren Auflösung auch logisch erscheint. Bei Das Parfum hat man aber ganz offensichtlich versucht, ein paar „Probleme“ der Blu-ray auszumerzen, was als subjektiv sehr gelungen gelten darf. Wirklich gut sind auch die heller ausgeleuchteten Szenen wie die Außenansicht von Baldinis Geschäft, die plastische Details offenbart. Die Innenaufnahmen der hinter ihm aufgebahrten Flakons und Fläschchen zeigt ebenfalls mehr feine Abstufungen und wirkt dreidimensionaler. Auf diese Art und Weise hat der Anbieter den wunderbaren Film adäquat auf das neue Medium transportiert und fit gemacht für das 4K-Zeitalter.
Akustisch liefert die UHD nichts Neues, sie integriert exakt den gleichen dts-HD-HR-Sound wie die Blu-ray.

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Vergleich zwischen Blu-ray und UHD: Auf dem linken Foto ist das Bild der Blu-ray zu sehen. Schon in der kleinen Vorschau wird deutlich, dass Herfurths Haare weniger kräftig rot sind und der Grundlook im Hintergrund eher ins Bläuliche driftet. Noch dazu sieht man auf den Hintergründen sehr deutliches Korn.
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Das rechte Bild wurde über den gleichen Player mit identischen Einstellungen zugespielt und präsentiert die UHD. Die Haare sind ebenso wie Herfurths Lippen kräftiger, die Lichtreflexionen wirken prägnanter und beim Klick auf das Bild fällt auf, dass die Körnigkeit auf den Hintergründen bedeutend geringer ist

Bonusmaterial

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Die Menge fordert seinen Kopf

Das Bonusmaterial von Das Parfum entspricht jenem der Blu-ray, was kaum verwundert, da doch schlicht die bereits existierende BD in die Doppel-Disk-UHD integriert wurde. Enthalten sind demnach die drei Audiokommentare mit Regisseur Tom Tykwer, dem Produktionsdesigner und seinem Assistenten sowie dem Kameramann und dem Editor. Zehn Interviews mit Produzent Eichinger, dem Regisseur sowie einigen Darstellern komplettieren gemeinsam mit dem 54-minütigen Making-of das Material.

Fazit

Tom Tykwers Adaption des Süskind-Bestsellers ist auch heute noch ein fesselnder Film mit herausragenden Schauspielern und großartiger Atmosphäre. Die UHD zeigt Das Parfum nun zwar ohne echte 4K-Grundlage, aber dennoch sichtbar verbessert und somit in seiner bisher schönsten, schärfsten und ausgewogensten Form.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 75%
Bildqualität UHD: 85%
Tonqualität (dt. Fassung): 90%

Tonqualität (Originalversion): 90%
Bonusmaterial: 70%
Film: 90%

Anbieter: Highlight Communications
Land/Jahr: Deutschland 2006
Regie: Tom Tykwer
Darsteller: Ben Whishaw, Dustin Hoffman, Alan Rickman, Rachel Hurd-Wood, Karoline Herfurth, Jessica Schwarz
Tonformate: dts HD High Resolution 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 147
Codec: HEVC
Real 4K: Nein (2K Intermediate)
FSK: 12

Trailer zu Das Parfum


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