Demon – Dibbuk

Blu-ray Review

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Donau Film/AL!VE, 28.10.2016

OT: Demon

 


Zeugen einer Massenhysterie

Obacht: Da kommt ein kleines Genre-Highlight aus Polen.

Inhalt

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Noch feiert man ausgelassen …

Piotr, der in England aufwuchs, kam gerade in die Heimat Polen zurück, um seine Ehe mit Zaneta zu beschließen. Vom zukünftigen Schwiegerpapa bekommt das Pärchen eine runtergekommene Hütte im Wald. Selbst wenn Zanetas Vater kaum nachvollziehen kann, warum sie ausgerechnet diese Bruchbude haben wollen, möchten Piotr und Zaneta es aus von Grund auf renovieren und sich ihr Traumhaus daraus bauen. Während er erste Arbeiten mit dem Bagger vollzieht, trifft er auf ein altes, vergrabenes Skelett. In der darauffolgenden Nacht sieht er eine mysteriöse Gestalt und hat schon am nächsten Tag seltsame Anwandlungen. Als die Hochzeitsfeier am Abend in einer nahen Scheune stattfindet, wird Piotr plötzlich aggressiv, nachdem er vermutet, dass jemand an dem Loch gegraben hat, in dem das Skelett lag. Außerdem beginnt der Bräutigam von einer Frau namens Hana zu faseln, was Zanete kaum gefällt. Während die Hochzeitsgemeinschaft zu viel Alkohol vermutet, gesellen sich bald scheinbare epileptische Anfälle hinzu. Doch nur Piotr weiß, dass eine tote Frau an seiner Veränderung schuld ist …

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… doch schon bald benimmt sich Piotr seltsam …

Der polnische Grusel-/Horrorfilm Demon – Dibbuk erntete internationales Lob. Das bewegte zwar auch nicht mehr als 198 Zuschauer in die deutschen Kinovorführungen des Films, ändert aber nichts daran, dass Marcin Wronas Adaption eines Theaterstücks von Piotr Rowicki ganz hervorragend gelungen ist. Angefangen bei den traditionellen polnischen Elementen, die gerade die Hochzeitsfeier zum atmosphärischen Highlight machen über den ungewöhnlichen Look des Geschehens, die trist-verregnete Stimmung und das authentische Spiel der Akteure. Hier dürfen Mann und Frau auch einfach mal nackt sein, wenn sie ihre Ehe auch auf der körperlichen Ebene beschließen. Die Aufnahmen der Feier, das trinkfreudige und von Musik geprägte Fest, wird durch eine stets bewegliche Kamera lebhaft auf den Zuschauer übertragen. Das Grauen, das sich in Form eines Dämons langsam einzuschleichen beginnt, sorgt für ein Gegengewicht, das nach und nach eine unangenehme Stimmung bewirkt – und das, obwohl der immer wieder durchblitzende und später gar dominant-werdende polnische Humor für Auflockerung sorgt. Sämtliche Darsteller machen ihre Sache gut und wirken sowohl authentisch betrunken als auch nachvollziehbar schockiert, wenn Piotr seine Anfälle bekommt. Einzig der Doktor übertreibt’s ein bisschen mit dem Lallen, was aber auch an der etwas aufgeregten Synchro liegen kann. Itay Tiran in der Hauptrolle schafft es, dass sein Verhalten nicht albern rüberkommt und sich eine subtile Spannung aufbaut, die nach etwas über 50 Minuten in einem ersten Höhepunkt gipfelt, der den Pfarrer zum Beten veranlasst und Piotr plötzlich jiddisch sprechen lässt. Von da an übernehmen dissonante Musikelemente und umherschwirrende Sounds das Geschehen. Auf der einen Seite versucht man Piotr im Keller den Dämon auszutreiben und auf der anderen tut die Hochzeitsgesellschaft so, als wäre nichts gewesen und ersäuft die seltsamen Ereignisse in noch mehr Wodka. Das führt nach 75 Minuten zu etwas übertriebenen Darstellung der Festgemeinde und lenkt etwas zu sehr vom Besessenheitsthema ab. Auch wirkt der Humor hier dann bisweilen etwas unpassend und die deutsche Sprachausgabe hat Schwierigkeiten mit der Lippensynchronität. Dazu noch eine kleine Bemerkung am Rande: Da Demon – Dibbuk auch im Original häufig zweisprachig ist (englisch & polnisch), wird dies im Deutschen ebenfalls konsequent durchgezogen. Englisch bleibt dann Englisch, während das Polnische ins Deutsche übersetzt wurde. Die dann eingeblendeten Untertitel lassen sich nicht von jedem Player deaktivieren. Im letzten Drittel ist das aber ohnehin kein Thema mehr. Demon hinterlässt den Zuschauer nach der verkaterten Ansprache des Brautvaters, die noch einmal zeigt, wie stimmungsvoll der Film ist, mit einem etwas flauen Gefühl im Magen – eben so, als hätte man im Alkoholrausch ebenfalls an dieser seltsamen Hochzeitsfeier teilgenommen. Das melancholisch-triste Ende wirkt noch dazu nachhaltig, wenn man bedingt, dass man von Regisseur Wrona keine neuen Filme mehr zu sehen bekommen wir – der Filmemacher erhängte sich kurz nach dem Festival in Toronto in seinem Hotelzimmer.

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… sehr seltsam

Bild- und Tonqualität

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Zanetka bangt um ihren frisch angetrauten Piotr

Während Demon – Dibbuk ein auch in dunklen Momenten sehr rauscharmes und ruhiges Bild hat, ist es beständig extrem hell und milchig. Schwarzwerte dürften deutlich besser sein. Die Anzüge der Hochzeitsgäste wirken jedenfalls eher mittelgrau und nicht schwarz. Auch Farben wirken aufgrund des geringen Kontrastumfangs etwas blass. Die Stimmung auf der Feier in der Scheune wird durch eine sichtbare Braunfilterung mit warmen Bildern sehr angenehm auf den Zuschauer übertragen. In Sachen Auflösung und Schärfe liegt der Film auf einem guten, aber nicht herausragenden Niveau. Ab und an gibt’s am unteren Bereich Randunschärfen.
Akustisch kann man Demon – Dibbuk nichts vorwerfen. Die räumliche Atmosphäre während der Feier sowie der Lieder, die dort gespielt werden, kommt realistisch rüber und die Jump-Scares werden mit plötzlichen Dynamiksprüngen unterstützt. Auch das Gewitter zur Mitte des Films hin wird wuchtig ins Heimkino transportiert. Die Dialoge kommen verständlich beim Zuschauer an, allerdings gibt es tonale Unterschiede zwischen der Synchronisation und den nicht synchronisierten Momenten, in denen die Darsteller englisch sprechen. Hier fällt teilweise auf, dass die Stimmen sehr unterschiedlich sind.

Bonusmaterial

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Denn der scheint offensichtlich von einem Dämon besessen

Im Bonusbereich von Demon – Dibbuk halten sich lediglich die Originaltrailer und weitere Programmtipps auf.

Fazit

Demon – Dibbuk ist ein höchst atmosphärischer Grusler aus Polen, der zwischenmenschliche Dynamiken entlarvt und unterschiedliche Stimmungen kunstvoll vereint. Da darf man auch über die eine oder andere übertriebene Geste hinwegsehen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 10%
Film: 70%

Anbieter: Donau Film/AL!VE
Land/Jahr: Polen/Israel 2015
Regie: Marcin Wrona
Darsteller: Itay Tiran, Agnieszka Zulewska, Andrzej Grabowski, Tomasz Schuchardt, Katarzyna Herman, Adam Woronowicz, Wlodzimierz Press, Tomasz Ziêtek, Cezary Kosinski
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 94
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Demon – Dibbuk

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