Der letzte Kampf

Blu-ray Review

Der letzte Kampf Blu-ray Review Cover
EuroVideo, seit 17.03.2016

OT: Le dernier combat

 


Fischregen

Luc Bessons Langfilm-Debüt erscheint erstmalig auf Blu-ray.

Inhalt

Der letzte Kampf Blu-ray Review Szenenbild 1
Der Mann flieht vor den brutalen Vasallen

Irgendwann nach der Apokalypse: Die Erde ist ein wüster Trümmerhaufen, der nur noch über geringe Ressourcen verfügt. Die wenigen überlebenden Menschen haben sich entweder in kleinen Interessengesmeinschaften verschworen oder ziehen als Einzelgänger durch die Welt. Das Sprechen haben sie verlernt und Konflikte werden meist gewaltsam ausgetragen. Um vor bösen Burschen zu fliehen, nutzt ein Mann ein selbstgebautes Luftvehikel und landet in einer Ruinenstadt. Dort trifft er auf einen großen Typen in Vollmontur, der ihm nach dem Leben trachtet, wird dann aber von einem Arzt aufgenommen. Sich in Sicherheit wähnend muss der Mann immer wieder miterleben, wie der große Kerl das Haus angreift – wofür es einen überraschend trifftigen Grund gibt …

Der letzte Kampf Blu-ray Review Szenenbild 4
Fritz Wepper darf standesgemäß abtreten

Das Regiedebüt von Luc Besson (Léon, der Profi) ist nicht mal im Ansatz so kommerziell wie seine darauf folgenden Filme. Wie eine Art Mix aus Eraserhead und Mad Max kommt sein Der letzte Kampf daher, der praktisch ohne Dialoge auskommt und mit minimalen Mitteln überzeugend umgesetzt wurde. Die postapokalyptische Welt kommt stets glaubwürdig rüber, die verlassenen Häuser wirken bedrohlich und die Kameraführung tut ihr Übriges dazu bei, Ausschnitte zu wählen, die verschweigen, dass es hinter der Linse möglicherweise viel freundlicher aussah. Mit zahlreichen Überraschungen (wann außer in Asterix-Comicfilmen regnete es schon mal Fische in einem Kinofilm?) garniert, ist Der letzte Kampf ein Beispiel, wie man nur mittels kraftvoller Bilder und nachvollziehbarer Verhaltensweisen der Figuren einen spannenden Film machen kann, der komplett ohne Dialoge auskommt. Gewöhnen muss man sich an den bisweilen sehr unpassend wirkenden Soundtrack, doch das kann man akzeptieren, wenn man einem blutjungen Jean Réno dabei zusieht, wie er mit Körperpanzerung versucht, Zutritt zum Haus des Doktors zu erlangen. Der spätere Lieblingsdarsteller von Besson ist agil und aufgeweckt, wirkt frisch und noch ziemlich unverbraucht. Überraschend ist, dass Besson seinerzeit einen Fritz Wepper besetzte, der dann auch noch eine Performance abgibt, die er in all seinen späteren deutschen Produktionen nie mehr erreichte.

Bild- und Tonqualität

Der letzte Kampf Blu-ray Review Szenenbild 2
Ungleicher Zweikampf?

Der letzte Kampf ist neben Atlantis der zweite Besson-Film, der zeitgleich erstmals auf Blu-ray erscheint. Für einen 33 Jahre alten Film, von dem damals niemand wissen konnte, dass er aufgrund seines Regisseurs mal legendär werden könnte, ist das Bild erstaunlich gut. Zwar ist der in schwarzweißem Cinemascope gedrehte Film mit einem deutlichen Korn belegt, doch das wirkt ausgesprochen filmisch und passt perfekt zum Endzeitszenario. Helle Bereiche in Himmelaufnahmen überstrahlen etwas, was ebenfalls gewollt wirkt. Der Kontrasteindruck ist erstaunlich gut, wenngleich sich in einigen Szenen ein leichtes Helligkeitsflimmern zeigt. Die Schwarzwerte sind hervorragend gelungen und knackig. Auch in Sachen Bildreinheit überrascht Der letzte Kampf, denn es zeigt sich nur hier und da mal ein Blitzer oder Drop-out. Die Schärfe ist gerade in Naheinstellungen herausragend – immer davon ausgegangen, dass das Material über drei Jahrzehnte alt ist. Gesichter zeigen sich sehr gut aufgelöst, Bärte werden detailliert wiedergegeben und Hautfalten sind gut erkennbar. Lediglich während kurzer Bewegungen schleichen sich schon mal Unschärfen ein.
In Sachen Akustik ist Der letzte Kampf aufgrund einer fehlenden Surroundspur zwar eigentlich limitiert, glänzt auf den beiden Hauptlautsprechern aber mit einer maximalen Atmosphäre. Schon der erste Filmscore-Einsatz ist überraschend agil und dynamisch, fordert die tieferen Frequenzen heraus und während der Mann seine Erkundungen im Keller macht, ist der Sound so räumlich, wie eine Stereospur es nur sein kann. Dazu gibt’s keinerlei Störfaktoren, Knacksen oder gar Komprimierungsprobleme.

Bonusmaterial

Selten gab es auf einer Blu-ray ein so aufgeräumtes Menü. Der letzte Kampf kommt ohne Spracheinstellung und Bonusmaterial aus. Lediglich je einen Button für Kapitelanwahl und Filmstart gibt es.

Fazit

Der letzte Kampf ist roh, ungeschönt und authentisch. Mit erstaunlich realistischen Bildern von heruntergekommenen Gegenden und Gebäuden sowie einer interessanten Geschichte zeigt Besson, dass er eigentlich viel tiefgründiger hätte inszenieren können als er mit all seinen späteren Werken zeigte. Technisch ist die Erstveröffentlichung auf Blu-ray erstaunlich gut gelungen. Das Bild ist knackig und kontrastreich und der Ton für eine Stereo-only-Fassung überraschend räumlich.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (Originalversion): 60%
Bonusmaterial: 0%
Film: 75%

Anbieter: EuroVideo
Land/Jahr: Frankreich 1983
Regie: Luc Besson
Darsteller: Pierre Jolivet, Jean Bouise, Fritz Wepper, Jean Reno, Christiane Krüger, Marcel Berthomier, Petra Müller
Tonformate: dts HD-Master 2.0: fr
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 93
Codec: AVC
FSK: 12