Die Chroniken des Geistertempels 3D

Blu-ray Review

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EuroVideo, seit 22.09.2016

OT: Jiu ceng yao ta

 


Liebe über den Tod hinaus

Episch können sie, die Chinesen …

Inhalt

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Hu wird von Master Wang empfangen

Wir schreiben das Jahr 1979: Eine Gruppe chinesischer Wissenschaftler sowie Freiwillige des Militärs finden an der mongolischen Grenze Fossilien riesiger Urzeitwesen. Kurz darauf werden sie sogar von noch quicklebendigen Exemplaren angegriffen. Hu Bayi, einer der Soldaten unter ihnen, scheint der einzige zu sein, der den Trip überlebt, nachdem man auf einen unterirdischen Tempel gestoßen ist und ein Tor zu einer anderen Dimension geöffnet hat. Jahre später wird Hu Bayi von Master Wang zum Studieren eingeladen. Dort entdeckt er noch viel mehr Informationen über den Geistertempel, den er unbewusst damals geöffnet hatte und der das Leben seiner Freundin Yang Pin forderte. Master Wang ist es auch, der Hu Bayi eröffnet, dass er der Schlüssel dazu ist, dass die Geister zurück gelangen. Denn Hu Bayi ist ein Nachfahre von Prinz Yi, der seinerzeit das Tor mit seinem eigenen Körper verschloss. Allerdings muss man sich sputen, denn die böswilligen Monster aus der anderen Dimension haben vor, die Erde (wieder) zu beherrschen …

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Die Gruppe wird gleich ihr feuriges Wunder erleben

Style geht in diesem chinesischen Fantasy-Abenteuerfilm eindeutig über Substanz. Die Geschichte von Die Chroniken des Geistertempels ist hauchdünn, hanebüchen und so typisch asiatisch, wie man es von ähnlichen Genrevertretern kennt. Letztlich dient der Film vor allem dazu, Chinas Stand moderner Computereffekte zu demonstrieren, die mal weniger gut gelungen (Feuer-Fledermäuse) und mal sehr ansehnlich geraten sind. Letzteres beispielsweise bei den Verbrennungseffekten der Menschen oder auch im Falle des riesigen Unterwasser-Godzilla (36’20). Um die knapp zwei Stunden Laufzeit zu füllen, häuft man eine Fülle an Figuren an, was es für den europäischen Zuschauer schon wegen der vielen Namen sehr schwierig und kompliziert macht. Lässt man diese Aspekte beiseite und konzentriert sich auf die angesprochene Optik, darf man durchaus bisweilen ins Staunen geraten. Die Chroniken des Geistertempels nutzt das riesige Land effektiv dazu, großartige Schauwerte zu präsentieren (71’00) und die Ausstattung ist ausnahmslos beeindruckend. Die gelungeneren Effekte laden ebenfalls zur Verblüffung ein – so zum Beispiel, wenn die Gruppe nach 75 Minuten vor einem gigantischen Wüstensturm fliehen.

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Gegen die Ungeheuer muss schweres Geschütz aufgefahren werden

Wenn man dann Rast in einer verfallenen Geisterstadt macht, wirkt das ziemlich authentisch. Es zeigt auch, dass man sich kritisch mit der eigenen Geschichte auseinandersetzt. Auch wenn die Auseinandersetzung mit dem Ende der politischen Ära Mao Zedongs nicht immer gelungen ist. Da der Film genau zu dieser Zeit spielt, gibt es einerseits noch die kommunistischen Durchhalteparolen. Andererseits eben Szenen der Verödung sowie den Wunsch des Individuums, sich freier zu bewegen. Die kommunistischen Loblieder, die zwischendurch von Arbeiterchören oder einer Theatergruppe aufgeführt werden, stellen einen Teil dieses Diskurs dar, nerven aber doch ziemlich. Krass und vor allem überraschend fallen bisweilen die Todesarten der Menschen vom Team der Wissenschaftler aus. Da verfallen die ersten Opfer der Fledermäuse mal eben zu Asche und ein weiterer wird später von gigantischen Eiszapfen aufgespießt – für eine 12er Freigabe geht’s hier erstaunlich deftig zu. Aufgelockert werden solche Momente vom typischen chinesischen Humor, der mal kindlich-albern bis hysterisch und mal absurd ausfällt. Wenn Hu Bayi und Master Wang gemeinsam ins Restaurant gehen und dort auf einen Sänger im Elvis-Outfit treffen, der eine Dschingis-Khan-Nummer schmettert, dann können so etwas eben nur die Asiaten. Gekontert werden diese Szenen von teils packender Action. Hin und wieder gibt’s die üblichen Flugeinlagen der landestypischen Filme, was Genrefans zu schätzen wissen. Der Angriff der Höllenhunde in der verlassenen „Oil-Town“ ist aber durchaus mit westlichen Effektspektakeln vergleichbar und macht richtig Spaß. Apropos Westen: Der Song im Abspann von Die Chroniken des Geistertempels (ob passend oder nicht) war noch vor einigen Jahren für einen chinesischen Film kaum denkbar.

Bild- und Tonqualität

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Yang Pin heißt jetzt Shirley und kann sich scheinbar nicht mehr an Hu Bayi erinnern

Das Bild von Die Chroniken des Geistertempels ist zunächst einmal verhältnismäßig ruhig. Es zeigt nur ein leichtes, recht filmisches Korn. Ab und an wirkt es etwas grünlich, was die Figuren ein wenig krank aussehen lässt. Obwohl Gesichter flach und ein wenig künstlich aussehen, ist die Schärfe verhältnismäßig gut. Details in Haaren und in der Kleidung der Charaktere kommen gut raus und profitieren von der auch in dunklen Momenten hohen Bildstabilität. Innenraumszenen hätten hier und da noch etwas mehr Kraft im Schwarz verdient gehabt. Gerade die dunklen Haare der chinesischen Schauspieler dürften noch etwas prägnanter sein. Helle Bildbereiche, Licht- oder Sonnenreflexionen auf den Köpfen überstrahlen bisweilen etwas.
Akustisch lebt Die Chroniken des Geistertempels von den zahlreichen Actionszenen, die schon die anfängliche Explosion voluminös ins Heimkino transportieren. Die Stimmen sind (obschon chinafilm-typisch bisweilen arg strapaziös-überdreht) homogen eingebettet. Die deutsche Synchro gehört zu den gelungeneren Vertretern eines fernöstlichen Films. Die Sprecher sind professionell und ihre Organe kommen prägnant und gut verständlich aus dem Center. Der Filmscore hätte zunächst noch etwas räumlicher verteilt sein dürfen. Er öffnet sich aber spätestens im dritten Kapitel. Ganz und gar nicht auf die Front bezogen sind die Schüsse, die später auf die Fledermäuse abgegeben werden und wuchtig ans Ohr gelangen (19’09). Jeder Querschläger, der durch die Luft zischt, ist einzeln wahrnehmbar und die Zeitlupensequenz beim Angriff der Fledermäuse punktet mit hübschen Bass-Sweeps. Auch das Gezwitscher der kleinen Feuerflughunde kommt effektvoll rüber und das Grunzen des Schneeungeheuers fordert sogar den Subwoofer mächtig – ebenso natürlich wie die nachfolgende Schneelawine. Akustisch ist bei Die Chroniken des Geistertempels also alles in bester Ordnung und die Tonspuren dürften gerade Fans von Bombastsound erfreuen. Lediglich Feingeister wünschen sich hier und da noch etwas mehr Differenzierung, was eine höhere Bewertung verhindert.

3D-Effekt

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Zwei Höllenhunde auf dem Weg in den Himmel – oder so ähnlich

Unabhängig davon, ob Die Chroniken des Geistertempels in echtem 3D gedreht wurde oder nicht, sieht man von Beginn an deutlich, dass die Macher es auf Räumlichkeit abgesehen hatten. Die Figuren sind allesamt stark im Vordergrund und schälen sich plastisch heraus. Die Explosion zu Beginn spuckt die Schubkarre mit einem griffigen Pop-out-Effekt aus der Leinwand und die Tiefenstaffelung bei Menschenmassen ist wirklich gut (11’00). Dabei erlaubt sich der Film zunächst selbst bei feineren diagonalen Linien keine Ausfälle. Details wie Seile oder ähnliches bleiben erkennbar und verschwinden nicht, wie es sonst oft der Fall ist. Der leichte Schneefall in der Kaserne stellt allerdings eine ziemliche Herausforderung dar. Da er teilweise zu sehr im Vordergrund schwebt und dazu für leichte Unruhen sorgt, ist der Schiel-Faktor etwas höher. Während starker Schwenks ruckeln Einzelheiten bisweilen und die animierten Fledermäuse wirken nicht nur farblich ein wenig unlgücklich, denn ihr schnelles Geflatter überfordert die 3D-Anzeigen und sorgt für matschige Effekte (19’25). Wenn im Anschluss daran einzelne Kugeln auf die Viecher zufliegen, kann man zwar den visuellen Effekte als solchen entlarven, dreidimensional ist’s aber dennoch hübsch anzuschauen. Geht es dann zu Beginn von Kapitel vier in die Höhle, ist die Schärfe ausgewogen von vorne bis hinten verteilt – das hat man auch schon schlechter gesehen. Wenig gelungen sind die vertikalen Schwenks an den feinen Baumverästelungen bei 67’33 – hier verschwinden schon mal Details in der Bewegung. Allerdings machen das Einstellungen wie der Ventilator und die tolle Tiefenstaffelung des Friseursalons wieder ein wenig wett (77’22).

Bonusmaterial

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Prächtige Natur und epische Schauplätze bestimmen den Film

Im Bonusmaterial von Die Chroniken des Geistertempels wurde lediglich der Originaltrailer abgelegt.

Fazit

Inhaltlich etwas leer, inszenatorisch überfrachtet und dazu die nötige Portion albernen Humors – Die Chroniken des Geistertempels hat alles, was ein fernöstlicher Film so braucht. Dabei kann man durchaus Gefallen finden am gut halbstündigen Showdown und den zahlreichen Fantasyszenen. Wer auf chinesisches Kino steht, darf hier durchaus zugreifen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 85%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 5%
Film: 60%
3D-Effekt: 70%

Anbieter: EuroVideo
Land/Jahr: China 2015
Regie: Lu Chuan
Darsteller: Mark Chao, Wang Qingxiang, Chen Yao, Jin Chen, Feng Li, Chen Li
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, ch
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 118
Codec: AVC/MVC
FSK: 12

Trailer zu Die Chroniken des Geistertempels

2 thoughts on “Die Chroniken des Geistertempels 3D

  1. Peter

    Wie heißt der Song im Abspann des Films und wer hat ihn gesungen?

    • Hallo Peter. Leider steht mir der Film nicht mehr zur Verfügung, sodass ich nicht nachschauen/-hören kann. Vielleicht hat ja einer der Leser den Film noch und kann dir antworten.

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