Die Frau hinter der Wand

Blu-ray Review

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Capelight, 22.08.2014

OT: –

 


Grenzgängerin

Student Martin gerät in die Fänge einer Femme Fatale.

Inhalt

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Simone spielt mit ihren Reizen – nicht ohne Wirkung

Martin ist gerade erst nach Berlin gekommen, um dort Jura zu studieren. Problem dabei: Er haust momentan im Auto, weil Wohnraum knapp und heiß begehrt ist. Als er erneut bei einer Besichtigung abblitzt, greift ihn der Hausmeister eines Hauses auf und bietet ihm eine etwas heruntergekommene Unterkunft an. Der Vormieter, ebenfalls ein Student, sei spurlos verschwunden. Ein Handyfoto von Martin an die zukünftige Vermieterin später hat er die Wohnung. Er richtet sich einigermaßen ein, ignoriert die Drecksbrühe, die aus der Wasserleitung kommt und lernt bald darauf die geheimnisvolle Simone kennen – eine Künstlerin, die im Appartement nebenan wohnt. Nur eine dünne Wand trennt die Zwei, eine Wand, die bereits Löcher aufweist und durch die hindurch Martin die aufreizende Frau belauschen kann. Schon die erste Begegnung der Beiden führen dazu, dass Simone ihn verführt und gegen ihren gewalttätigen Lover auszuspielen beginnt. Während der jungnaive Student den Reizen sofort erliegt, stellt sich bald die Frage, ob sein Vormieter den gleichen „Werdegang“ hatte und was mit ihm geschehen ist …

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Ihr Ex-Freund neigt zu dezenten Gewaltausbrüchen

Da legt man nicht ganz unvoreingenommen die Blu-ray eines deutschen TV-Films ein, der im März in der ZDF-Reihe „Kleines Fernsehspiel“ lief und lebt eine faustdicke Überraschung. Frei von gängigen Zwängen, die so oft bei deutschen Filmen zu gelten scheinen, inszeniert der junge Grzegorz Muskala mit Die Frau hinter der Wand einen Genrefilm, der Motive aus Hitchcocks „Fenster zum Hof“ und „Psycho“ zu einem Kammerspiel erster Güte kombiniert. Wenn die Sprache nicht unverkennbar unsynchronisiert Deutsch wäre, man würde sich glatt in einer hochklassigen US-Produktion wähnen. Mit dem Unterschied, dass Hollywood seit den 90ern keinen Film mehr hinbekommen hat, der eine Femme Fatale derart in Szene gesetzt hat, wie es mit Katharina Heyer hier passiert. In stilechten, teilweise hocherotischen Bildern und Momenten lässt er die erfahrene und mit allen Wassern gewaschene Frau auf den vollkommen naiven Jüngling prallen. Mit Sätzen wie „Bleib dran, dann kannst du was erleben“, die Simone Martin auf dessen Frage entgegenhaucht, ob sie ihn wiedersehen wolle, schürt Die Frau hinter der Wand eine hohe Erwartung – und kann sie halten. Die Mixtur zwischen intensiv-knisternden und voyeuristisch-spannenden Momenten gelingt hervorragend, die Spannung, was letztlich hinter all dem steckt, bleibt bis auf einen etwas zähen Teil zu Beginn des letzten Drittels hoch und die Darsteller sind vorzüglich besetzt.

Bild- und Tonqualität

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Simone scheint Martin zu verschlingen

Dem Bild von Die Frau hinter der Wand fehlt es in dunklen Szenen und in Schattenbereichen meist an Durchzeichnung. Die Schärfe liegt allenfalls auf mittlerem Niveau und der Kontrastumfang könnte höher sein. Farben neigen zum Übertreiben, sobald es ein wenig düsterer zugeht.
Die dts-HD-Master-Spur von Die Frau hinter der Wand gefällt mit Rauschfreiheit, gut verständlichen Dialogen und vor allem in Innenräumen sehr guter Atmosphäre. Gerade der Nachhall in Martins Badezimmer und der dumpfe Sound aus der Wohnung hinter der Wand sind sehr authentisch und effektvoll geraten.

Bonusmaterial

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Es wird gefährlich für Martin

Im Bonusmaterial von Die Frau hinter der Wand befindet sich neben drei entfallenen und wahlweise kommentierten Szenen noch der Kurzfilm Long Distance Call von Regisseur Muskala. Kurz ist zwar relativ, läuft er doch immerhin 20 Minuten, doch die zeigen bereits das große Talent von Muskala. In immer intensiver werdenden Szenen schildert er, wie ein Ehemann sich in einen Wahn von Eifersucht steigert, weil er vermutet, seine Frau könne ihn bei einer beruflichen Convention hintergehen. Hierbei wird das Telefon zum dritten Hauptdarsteller und die Qual des Manns physisch spürbar.

Fazit

Die Frau hinter der Wand ist ein ebenso spannender, wie erotischer und klug erzählter Genrefilm, den man aus deutscher Produktion so niemals erwartet hätte. Da gibt’s weitaus langweiligere und schwächer gespielte Kinoproduktionen, die hierzulande entstanden sind.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität: 70%
Bonusmaterial: 30%
Film:
75%

Anbieter: Capelight Pictures
Land/Jahr: Deutschland 2013
Regie: Grzegorz Muskala
Darsteller: Vincent Redetzki, Katharina Heyer, Florian Panzner, Ronald Nitschke
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 95
Codec: AVC
FSK: 16

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