Die Poesie des Unendlichen

Blu-ray Review

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Universum Film, seit 16.09.2016

OT: The Man Who Knew Infinity

 


Farben, die man nicht sehen kann

Die Romantik in der Mathematik entdeckt und schildert dieser Film.

Inhalt

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Srinivasa Zeigt seiner jungen Frau die neuesten Formeln, die er niederschrieb

Im Jahre 1910 lebt der Inder Srinivasa Ramanujan in eher ärmlichen Verhältnissen und ohne Job bei seinem Bruder, während seine Frau noch bei der Mutter wohnen muss. Ramanujan ist zwar ohne Ausbildung, hat aber ein ausgesprochen gutes Zahlenverständnis. Er bringt immer wieder Formeln zu Papier, die von den englischen Kolonialherren allerdings nicht gewürdigt werden. Mit einer Portion Glück und unbändiger Hartnäckigkeit gelingt es ihm dennoch eingestellt zu werden. Sein direkter Vorgesetzter erkennt ebenfalls Srinivasas Talent und stellt den Kontakt zu Professor G.H. Hardy von der Universität in Cambridge her. Der ist zwar ein alter Stinkstiefel und hält die erhaltenen Briefe für Schwindel und anmaßend. Doch als er sich die Formeln genauer anschaut, ist er fasziniert und sogar etwas schockiert. Denn ähnliche Brillanz hat er bisher noch nicht gesehen. Uns so lädt er den jungen Mann, der seine mathematischen Kenntnisse autodidaktisch erworben und nicht gelernt hat, nach England ein. Dort soll er erst einmal Vorlesungen besuchen, damit man eine gemeinsame Sprache spricht. Ramanujan kontert dies mit zwei Büchern voller bahnbrechender Formeln, deren Überprüfung alleine schon zwei Leben benötigen dürfte. Doch für den jungen Inder ist das Leben im fremden Land zunächst kein Zuckerschlecken. Die Ablehnung, die ihm von den überheblichen Kolonialherren entgegengebracht wird, die Trennung von seiner Frau uns seiner Heimat – all das setzt ihm zu. Doch sein Genie ist am Ende unaufhaltsam – selbst, wenn er sich beständig widersetzt, die Wege zu ergründen, die zu seinen Formeln führen …

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An der Universität von Cambridge trifft er auf Professor Hardy

15 Jahre nach seinem Debut Ropewalk nimmt sich Matt Brown der wahren Geschichte um das Zahlengenie Srinivasa Ramanujan an, die (leicht verändert) schon Good Will Hunting zugrundelag. Dies tut er in Die Poesie des Unendlichen konzentriert, aber ohne große Überraschungen. Dass der Film dennoch auch für Nicht-Mathematiker unterhaltsam bleibt, liegt daran, dass er gängiger Dramaturgie folgt, dies jedoch mit einem unglaublich guten Gefühl für Authentizität. Von der Kleidung über die Ausstattung und die Schauplätze – man fühlt sich augenblicklich in die damalige Zeit versetzt. Auch die Langsamkeit, mit der sich die Ereignisse entwickeln und das Geschehen geschildert wird, trägt maßgeblich zum Gelingen bei, denn die titelgebende Poesie findet tatsächlich statt. Bisweilen könnte man das als kitschig bezeichnen oder zuckersüß. Doch es passt zum Film und verfehlt eben seine Wirkung nicht. Dazu ist Browns Film mit Dev Patel und Jeremy Irons idealbesetzt. Patel, der erstmals einen etwas kantigeren Charakter spielen darf, einen Mann, dessen eigene Überzeugung ihn manchmal arrogant wirken lässt, schafft es erneut, seine emotionale Art in die Waagschale zu werfen. Wenn er erstmals den britischen Schnee sieht und wie ein kleines Kind hinausspringt, dann möchte man einfach, dass Ramanujan mit seiner Arbeit Erfolg hat – schon alleine, weil er sich etwas bewahrt hat, was den britischen Gelehrten vollkommen abgeht.

Jeremy Irons als spröder aber liberaler Lehrer spielt entspannt und weise – so gut wie länger schon nicht mehr. Der Charakter, den er in Die Poesie des Unendlichen gibt, passt perfekt zu dem gebürtigen von der Isle of Wight stammenden Darsteller. Zwar ist seine Figur trotz aller Strenge im Innersten eine weltoffene, dennoch macht sie im Verlaufe des Films eine Wandlung durch, die mit Herzblut vorgetragen wird. Neben zwei hervorragenden Schauspielern und einigen ebenso im Gedächtnis bleibenden Nebendarstellern, werden noch zwei weitere Themen behandelt. So liefert Die Poesie des Unendlichen einen packenden Diskurs über den Konflikt zwischen Intuition und Beweisen, für den die beiden Hauptfiguren jeweils mit aller Kraft kämpfen. Des Weiteren, wenn auch nur angeschnitten, kommen Ressentiments zur Sprache, welche die Briten seinerzeit gegenüber Mitliedern des von ihnen besetzten Kolonialstaats Indien hatten. Klar herausgestellt wird, was für eine Bedeutung Ramanujan für die damalige (und heutige) Mathematik hatte, der er vermutlich noch weitere Genialitäten hätte hinzufügen können, wäre er nicht im junge Alter von 32 Jahren viel zu früh verstorben. Wie relevant seine Arbeit ist, belegt ein 1976 gefundenes, zuvor verschollenes Notizbuch. In diesem hat er das letzte Jahr seiner Arbeit niedergeschrieben und dabei Formeln entwickelt, die heute zur Untersuchung Schwarzer Löcher herangezogen werden.

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Ramanujan arbeitet hart, um die geforderten Beweise zu bringen

Bild- und Tonqualität

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Hardy geht hart mit seinem Schüler ins Gericht …

Das Bild von Die Poesie des Unendlichen liefert warme Bilder und eine mittlere Kontrastpalette. Die Bildruhe ist gut, nutzt allerdings ein dezentes Korn für einen analogen Look. Schwarzwerte sind nicht ganz optimal, verfärben sich in Dunkelheit etwas bläulich. Die Schärfe liegt ebenfalls im mittleren Bereich, Umrisse fransen hin und wieder (gerade während der Szenen in Indien) etwas aus.
Akustisch konzentriert sich Die Poesie des Unendlichen vor allem auf die hervorragende Stimmwiedergabe, die vom Center perfekt übernommen wird. Mit sattem Timbre spricht Jeremy Irons Synchronsprecher und atmosphärische Geräusche gelangen dazu dezent aber authentisch aus den Rearspeakern. Gerade Schritte in der Bibliothek wirken als wäre man vor Ort. Der von Streichern oder wahlweise indisch-traditionellen Klängen getragene Score legt sich warm und flüsternd über alle Lautsprecher, eine ankommende Brandung am Strand von Madras klingt lebhaft.

Bonusmaterial

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… während der Heimat und Frau vermisst

Das Bonusmaterial von Die Poesie des Unendlichen besteht lediglich aus dem Trailer zum Film.

Fazit

Die Poesie des Unendlichen ist sicherlich konventionell und überraschungsfrei inszeniert, schafft es aber, sogar Mathematikmuffel zu unterhalten. Dies vor allem, weil die Geschichte authentisch ist, von tollen Darstellern getragen wird und mit einer grandiosen Ausstattung versehen wurde.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 5%
Film: 75%

Anbieter: Universum Film
Land/Jahr: USA 2015
Regie: Matt Brown
Darsteller: Dev Patel, Jeremy Irons, Stephen Fry, Toby Jones, Jeremy Northam, Devika Bhise, Arundathi Nag
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 109
Codec: AVC
FSK: 6

Trailer zu Die Poesie des Unendlichen

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