Disconnect

Blu-ray Review

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Weltkino, seit 05.06.2014

OT: Disconnect

 


Derjenige ohne Sünde …

… werfe den ersten Stein – so lautet eins der bekanntesten Zitate aus der Bibel. Dass der alte Spruch auch im Zeitalter des Internets und der modernen Kommunikationsnetzwerke anwendbar ist, zeigt Disconnect auf bedrückende Weise.

Inhalt

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Nina nimmt Kontakt zum Sex-Poser Kyle auf

Journalistin Nina fängt für eine Story im Pornochat ein Gespräch mit dem 18-jährigen Kyle an. Cindy versucht, den Verlust ihres Babys durch den Chat mit Leidensgenossen zu verkraften, da ihr Mann Derek zu flüchten scheint. Als beide plötzlich 7000 Dollar ärmer sind, weil man ihren Computer infiltriert hat, suchen sie Hilfe beim Privatdetektiv Mike. Dessen Sohn Jason nutzt die sozialen Netzwerke, um den ungeliebten und introvertierten Ben in einen Strudel aus Intrigen und gefährlichem Mobbing zu ziehen. Bens Eltern bekommen von all dem nichts mit, weil sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind – bis die Tragödie ihren Lauf nimmt …

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Ben weiß noch nicht, welch‘ böses Spiel mit ihm veranstaltet werden wird

Schon die Unterlegung des Hauptmenüs sowie der im Film erste verwendete Song „Sail“ von Awolnation ist ein Statement. Kaum ein anderer Titel dürfte während der letzten drei Jahre häufiger genutzt worden sein, um Youtube-Videos mit Musik zu hinterlegen. Ein Song, der vor allem durch die Viralität des WorldWideWeb zu Berühmtheit gelangt ist und von sozialen Netzwerken in höchstem Maße profitiert hat. Dass Facebook, Internet und Chatrooms aber auch Gefahren bergen, ist nicht erst seit offiziell geposteten Parties, die dann von hunderten Unbekannten gesprengt wurden, bekannt. Allerdings wurde das Thema bisher noch nicht so sensibel und bedrückend bearbeitet, wie in Disconnect. Einem Episodenfilm wie „L.A. Crash“ gleichend, inszeniert Herny Alex Rubin sein Werk als stiller Beobachter, der nur präzise schildert, nicht kommentiert. Genau diese Atmosphäre macht Disconnect so echt und schnürt bspw. in den Szenen, in denen Jason Ben immer tiefer in einen Sumpf aus Lüge und Verletzung zieht, den Atem ab – aktueller und brisanter könnte diese Problematik kaum dargestellt werden.

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Bens Vater treibt seine Familie mit seiner Recherche nach dem Verantwortlichen fast in den Wahnsinn

Während jeder andere Regisseur an dieser Stelle vielleicht schon einen Schnitt gemacht hätte, geht Rubin noch einen Schritt weiter und lässt den nach Antworten suchenden Vater Bens mit dem „Täter“ Jason chatten. Während dieser Momente spürt man, wie viel Bitterkeit und Verletzbarkeit in den Figuren steckt. Leider fällt dagegen das Thema Phishing/Kreditkartenklau etwas ab. Hier agieren die beiden Betroffenen zunächst doch arg naiv.
Zur Steigerung der Atmosphäre trägt auch die Kameraarbeit bei. Oft scheint sich Kameramann Ken Seng in einer Ecke zu verstecken, um wie ein stiller Voyeur die Szenerie zu betrachten. Das lässt den Film intim und unmittelbar wirken, lässt ihn näherkommen, als einem hin und wieder lieb ist. Im Finale verdichten sich Geschichte, Handlungen und Figuren dann zu einem Höhepunkt, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Bild- und Tonqualität

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Derek und Cindy fahnden nach dem, der ihren Computer angezapft hat

Bis auf wenige Aufnahmen ist das Bild so gelb gefiltert, dass man keine anderen Farben ausmachen kann. Der Kontrastumfang bleibt mittelmäßig, die Bildruhe ist sehr hoch und steht im Gegensatz zur etwas zu weichen Schärfedarstellung. Rubin lässt seinen Kameramann häufig mit Zooms und geringer Schärfentiefe spielen, was einen ganz speziellen und dynamischen Look zur Folge hat.
Akustisch wird Disconnected nur dann räumlich, wenn die Filmmusik einsetzt. Ansonsten konzentriert man sich hier auf klare Dialoge, die auch in der guten deutschen Synchronisation sehr gut verständlich rüberkommen. Hin und wieder wird Atmosphäre durch Regen oder eine spezielle Raumakustik erzeugt.

Bonusmaterial

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Kyle kommt Nina näher als es ihr lieb sein kann

Fünf Interviews und der Originaltrailer warten im Bonusmaterial.

Fazit

Starker Film, starker Tobak – Disconnect bewegt, hält fest und wirkt nacht. Vielleicht führt er sogar dazu, dass man sein eigenes Kommunikationsverhalten überdenkt und dem Aufruf des Titels folgt: einfach mal die Verbindung trennen …
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (deutsche Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 20%
Film: 90%

Anbieter: Weltkino/STUDIOCANAL
Land/Jahr: USA 2012
Regie: Henry Alex Rubin
Darsteller: Jason Bateman, Hope Davis, Frank Grillo, Michel Nyqvist, Paula Patton, Alexander Skarsgard
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 115
Codec: AVC
FSK: 12

 

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