Don Jon – Was Frauen wollen und Männer brauchen

Blu-ray Review

Ascote Elite, seit 25.03.2014
Ascote Elite, seit 25.03.2014

OT: Don Jon

 


Selbstfindungstripp

Wenn Schauspieler sich als Regisseur versuchen, kann das in die Hose gehen – Joseph Gordon-Levitts Erstlingswerk zeigt hingegen gute Ansätze.

Inhalt

Eben noch eine heiße "10" ...
Eben noch eine heiße „10“ …

Jon, unter seinen Freunden nur als Don Jon bekannt, steht auf seinen Körper, sein Auto, die Abende mit seinen Kumpels und … Internetpornos. Er zelebriert es regelrecht, wenn er sich vor seinen Rechner setzt und langsam zur Sache kommt. Schon das Startgeräusch seines Betriebssystems verursacht bei ihm eine massive Erektion. Das echte Leben hingegen langweilt ihn. Zwar schleppt er fast jeden Abend eine andere Frau ab, doch die verhalten sich seltsamerweise ganz anders als die Mädels in den Erwachsenenfilmen. Bis in der Disko des Vertrauens eine echte „10“ auftaucht und Jon erstmals mehr Interesse an einer Dame hat, als sie nur mit nach Hause zu nehmen. Seine Bemühungen fruchten tatsächlich und selbst, als sie ihn vor ihrer Tür erneut abblitzen lässt und irgendwas von „gemeinsame Freunde kennenlernen“ faselt, anstatt ihn hereinzubitten, bleibt Jon dran – mit Erfolg. Doch nach und nach stellt sich heraus, dass Barbara (so ihr Name) zwar heiß aussieht, aber ansonsten hochgradig spießig und kontrollsüchtig ist. Seine Internetporno-Affinität jedenfalls kann sie überhaupt nicht nachvollziehen. Für Don wird’s also Zeit zu entscheiden, ob es ihm auch fortan nur um den Spaß geht, oder er sich ernsthaft binden will. Vielleicht hilft ihm dabei ja seine hippieske Kommilitonin …?

... schon mutiert Barbara in Jons Augen zur Superspießerin
… schon mutiert Barbara in Jons Augen zur Superspießerin

Joseph Gordon-Levitt hat sich für sein bisweilen entfesseltes Regiedebüt Don Jon – Was Frauen wollen und Männer brauchen einen Typen auf den Leib geschrieben, der als hedonistischer Sexjunkie alles tut, um nur nicht emotional gebunden zu sein. In schnellen Schnitten und mit zackigen Dialogen treibt er den Film voran und liefert dabei ein Höchstmaß an Authentizität. So ist es beispielsweise erfrischend, wenn mal nicht irgendwelche Pseudo-Internetseiten auf nicht existenten Betriebssystemen gezeigt werden, sondern mit Facebook und Pornhub zwei real existierende und gewichtige Größen des World Wide Web. Glücklicherweise bleibt der Werbecharakter dabei aus und es dient tatsächlich dem Film selbst. Oft hat man den Eindruck bei ähnlich gelagerten Filmmomenten, dass nur schlampig gearbeitet wurde und das „echte“ Verhalten der Internetuser auf der Welt nur bedingt lebensnah beschrieben wird. In Don Jon – Was Frauen wollen und Männer brauchen hingegen gibt es einen Moment, in dem Levitts Protagonist die „negativen“ Seiten der Internetpornografie beschreibt und das, was er dort bemängelt, zeugt von aufmerksamer Recherche und/oder Kenntnis sowie guter Beobachtungsgabe.
Neben seiner eigenen, lustvollen Darstellung kann vor allem Julianne Moore als aufgeschlossen-alternative Studentin punkten, während Scarlett Johansson ihr blendendes Äußeres mit überraschend konservativer Einstellung konterkariert. Obendrauf spart Gordon-Levitt nicht mit offener Hollywood- und Gesellschaftssatire, hält dem Glanz und Glamour genauso den Spiegel vor, wie der heutigen Verfügbarkeit von Sex. Das Salz in der Suppe sind dabei die zahlreichen Gastauftritte bekannter Gesichter wie Channing Tatuum, Anne Hathaway oder Cuba Gooding jr. Allerdings hängt „Don Jon“ nach fulminantem Auftakt zur Mitte hin etwas durch.

Bild- und Tonqualität

Bei Kommilitonin Esther fühlt sich Jon erstmalig verstanden
Bei Kommilitonin Esther fühlt sich Jon erstmalig verstanden

Die Blu-ray von Don Jon – Was Frauen wollen und Männer brauchen hat in den dunkleren Szenen ein deutliches Korn und lässt dort dann auch Details vermissen. Gut ausgeleutete Sequenzen wirken ruhiger, könnten aber durchgängig schärfer sein. Die Farbgebung gelingt dafür sehr natürlich. Von Beginn an dominiert der Subwoofer das Geschehen, wenn die elektronischen Beats einsetzen. Dagegen sind die Dialoge leider etwas zu sehr in den Hintergrund gemischt – beim deutschen, wie auch beim englischen Ton. Direktionale Effekte finden nicht statt, Räumlichkeit ist in Don Jon demnach kaum vorhanden.

Bonusmaterial

Don Jon legt Wert auf sein Aussehen und seinen Körper
Don Jon legt Wert auf sein Aussehen und seinen Körper

Neben diversen Trailern und zwei Pressekonferenzen von der Berlinale und aus New York wartet das Bonusmaterial von Don Jon – Was Frauen wollen und Männer brauchen noch mit sechs Featurettes auf. Hinter „My Favourite Things“ verstecken sich von Fans eingesendete Kurzfilmchen über das, was diese am meisten mögen. In „Themes and Variations“ geht es um die Filmmusik in „Don Jon“ und das (kurze) Making-of lässt vor allem die Produktionsdesignerin zu Wort kommen. In „Don Jon’s Origin“ erklärt Gordon-Levitt, wann und wie er erstmals auf die Idee zum Film kam.

Fazit

Zwischen Sexsucht, Körperkult und Gesellschaftssatire – Levitts Regiedebüt Don Jon – Was Frauen wollen und Männer brauchen will viel, beginnt rasant, hält zwischendrin das Tempo nicht immer und endet vielleicht etwas zu versöhnlich.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 60%
Bonusmaterial: 50%
Film: 65%

Anbieter: Ascot Elite
Land/Jahr: USA 2013
Regie: Joseph Gordon-Levitt
Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Julianne Moore, Scarlett Johansson
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 94
Codec: AVC
FSK: 16

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.