Don’t Breathe

Blu-ray Review

Don't Breathe Blu-ray Review Cover
Sony Pictures, 19.01.2017

OT: Don’t Breathe

 


Bye Bye Detroit

Wenn scheinbar wehrlose Opfer gar nicht so wehrlos sind …

Inhalt

Don't Breathe Blu-ray Review Szene 3
Die Drei sind ein eingespieltes Team

1837 Buena Vista St. – keine gute Gegend, ganz und gar nicht. Eher das verlassene Ende einer Stadt, die ohnehin keine Zukunft mehr zu haben scheint. Es ist die Adresse, in der ein Kriegsveteran auf angeblich 300.000 Dollar sitzt. Und damit ist das Haus wie geschaffen für Rocky, Alex und Money. Die drei Twens brechen schon seit einiger Zeit in Anwesen ein, deren Schlüssel sie durch den Job von Alex‘ Vater bekommen. Der arbeitet beim Sicherheitsdienst, bekommt aber von den krummen Dingern seines Sohnes nichts mit. Eigentlich hatten sie abgemacht, dass sie nie über 10.000 Dollar klauen, damit ihre Brüche nicht unter schweren Raub fallen und die drohende Gefängnisstrafe akzeptabel bleibt. Doch Rocky will endlich raus aus der toten Stadt und weg von ihrer trunksüchtigen Mutter mit dem Nazifreund. Und weil Alex ihr keinen Wunsch abschlagen kann, zieht er mit. Als die Drei merken, dass ihr Opfer auch noch blind ist, schätzen sie sich umso glücklicher, weil der Einbruch damit vermeintlich einfach ablaufen sollte – sie könnten gar nicht falscher liegen …

Don't Breathe Blu-ray Review Szene 4
Rocky wagt kaum zu atmen

Mit gut 90 Mio. Dollar war Don’t Breathe ein absoluter Sensationserfolg an den US-Kinokassen – und das vollkommen zurecht. Denn neben dem famosen Lights Out ist der Einbruchs-Thriller mit Horrortouch so ziemlich das Spannendste, was das Genrekino in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Schon in dem Moment, in dem Rocky nach dem Sender der Alarmanlage sucht, schlägt das Herz des Zuschauers schneller. Und weil der Film darauffolgend in Dunkelheit und mit bewusst flüsterleiser Atmosphäre fortfährt, bleiben die Nerven konstant angespannt. Dazu gesellen sich äußerst intensive Kamerafahrten und -einstellungen im Inneren des Hauses, die für eine außergewöhnliche Stimmung sorgen – ganz abgesehen von der vermutlich überraschendsten Kopfschuss-Sequenz der Filmgeschichte. Das Anwesen des Blinden ist neben den Darstellern die zweite Hauptfigur des Films vom Evil-Dead-Remake-Regisseur Fede Alvarez. Sorgfältig ausgestattet und genauso dekoriert, wie das Haus eines Menschen aussehen könnte, der ein Einsiedlerdasein führt und nichts sehen kann, löst es beim Zuschauer eine unbehagliche Stimmung aus, die im Laufe der Zeit immer intensiver wird. Don’t Breathe verlässt sich dabei auf seine an sich simple, aber höchst effektive Story und macht nicht den Fehler, seine Figuren austauschbar und beliebig wirken zu lassen. Rocky hat einen plausiblen Grund für ihre Taten und Alex tut aus Liebe zu ihr einfach alles. Dazu dient Detroit als trostlose Kulisse und Hintergrund für die Armut und Perspektivlosigkeit der Kids. Die Stadt, die nicht in der Lage war, auf den automobilen Wandel der 90er zu reagieren und 2009 mit der Finanzkrise völlig niederging, ist auch heute noch ein Sinnbild für die Überheblichkeit der amerikanischen Wirtschaft und der Finanzspekulationen. Keine bessere Stadt hätte man wählen können, um Rocky und Alex eine Motivation zu verpassen.

Don't Breathe Blu-ray Review Szene 5
Money wird gleich eine kleine Überraschung erleben

Natürlich reicht dieser Hintergrund aber noch nicht für einen spannenden Film, weshalb hier auch die Besetzung herausragend ist. Dylan Minnette (Gänsehaut) ist als Alex der Sympathieträger mit Moral und Verantwortungsbewusstsein, Jane Levy (ebenfalls Evil Dead) kämpft überzeugend um ihr Leben. Herausragend ist allerdings Stephen Lang. Der kantige und für sein Alter von 65 Jahren äußerst durchtrainierte Darsteller, den man als Miles Quaritch aus Avatar kennt, ist physisch eine Wucht und bringt das Geheimnis, das ihn umweht, perfekt rüber. Dazu gelingt es ihm hervorragend, die Blindheit seiner Figur darzustellen. So vermittelt er beispielsweise hervorragend, wie er sich in seinem Haus orientiert, womit er seinen jungen Kontrahenten eine Menge voraus hat. Denn wenn man denkt, es geht nicht mehr spannender, schaltet der Hausbesitzer den Strom ab und für Alex und Rocky wird’s zappenduster. Mit vorgehaltenen Händen und aufgerissenen Augen tasten sie sich vorwärts und sind ihrem Verfolger dabei oft näher als sie denken. Wer Fingernägelkauer ist, wird sich im Anschluss an Don’t Breathe wundern, dass nichts mehr zum Kauen übrig ist.
Außerdem gibt es noch einen dritten Hauptdarsteller des Films, die Musik. Komponist Roque Banos nutzte vornehmlich ungewöhnliche Instrumente (siehe Bonusmaterial), um ganz eigene Sounds zu kreieren, die oft an die frühen Einstürzenden Neubauten erinnern. Mal fallen sie unterschwellig tieffrequent, mal verhallend hochfrequent aus und sorgen so für zusätzlichen Thrill und Nervenkitzel vom Feinsten. Zwischendurch ist die Filmmusik aber auch einfach mal ausgeschaltet, was dazu führt, dass man sich schon mit einem Schritt zu viel auf dem knarzenden Holzboden verrät. Manchmal stehen sich der Blinde und die Kids einander direkt gegenüber und man wagt auch als Zuschauer kaum zu atmen. Als Goodie obendrauf gibt’s zahlreiche überraschende Wendungen und eine Tierdressur, die Cujo wie ein zahmes Schoßhündchen wirken lässt.

Don't Breathe Blu-ray Review Szene 6
Stephen Lang gibt eine bemerkenswerte Vorstellung ab

Bild- und Tonqualität

Don't Breathe Blu-ray Review Szene 1
Augen zu und durch – Alex hofft, dass er nicht gehört wird

Die Bildqualität von Don’t Breathe bleibt durchweg auf gutem Niveau, ohne große Ausreißer nach oben oder unten. Dass es etwas körniger zugeht, ist alleine schon der häufigen Dunkelheit geschuldet, in der der Film spielt. Allerdings nimmt das nie exorbitante Ausmaße an. Die Farben sind während der gut ausgeleuchteten Szenen kräftig und kontrastreich, im Inneren des Hauses gibt’s dann vornehmlich Grau- und Grüntöne. Von dem Moment an, da der Blinde den Strom ausschaltet, regelt der Kontrast etwas hoch, was für einen milchigen Eindruck sorgt. Das verstärkt allerdings die Intensität des Geschehens, zumal eine Infrarotkamera hier inhaltlich nicht passend gewesen wäre. Schärfe und Detaildarstellung können ebenfalls überzeugen.
Akustisch ist von Beginn an für Stimmung gesorgt, wenn wummernde Sounds dem Subwoofer zeigen, wo der Hase langläuft. Auch während des Einbruchs meldet sich der LFE-Kanal in Don’t Breathe immer wieder mit pumpenden Bässen. Fallen dann Schüsse im Haus, zerreißen sie die Stille mitunter brutal und knochentrocken. Wenn der Score dann hektisch und dynamisch wird, werden alle Lautsprecher mit Signalen versorgt. Wirklich fies wird’s, wenn die Sounddesigner hochfrequentes Pfeifen einsetzen, um die akustische Verwirrung des Hausherren akustisch hervorzuheben – Geräusche, bei denen Hunde winselnd davonrennen.
Leider sind die Dialoge der Synchronfassung durchweg etwas zu leise geraten

Bonusmaterial

Don't Breathe Blu-ray Review Szene 2
Der blinde Hausherr macht keine Gefangenen

Im Bonusmaterial von Don’t Breathe findet man zunächst den Filmkommentar mit Regisseur Alvarez, Co-Autor und Mitproduzent Sayagues und Hauptdarsteller Stephen Lang. Dazu gibt’s acht entfernte und wahlweise von Alvarez kommentierte Szenen und fünf Featurettes. „Keine Flucht“ kümmert sich um die Idee und Umsetzung des Films an sich, „Mann im Dunkeln“ kümmert sich natürlich um die Figur Stephen Langs und dessen Präsenz am Set. „Die Besetzung“ hingegen konzentriert sich auf das gesamte Cast und auf die Beziehung der Figuren zueinander. „Die Entstehung des Gruselhauses“ zeigt, wie man das Haus in einem Studio nach dem Vorbild eines realen Gebäudes baute, um es unter Kontrolle zu haben. Begleitet von Produktionsdesigner Marshall bekommen wir eine Führung durch die dunklen Gänge des Anwesens. „Die Klänge des Schreckens“ schließlich gibt Einblick in die Arbeit von Komponist Roque Banos, der mit ungewöhnlichen „Instrumenten“ die gruseligen Sounds erschuf. Insgesamt laufen die fünf Featurettes nur gut eine Viertelstunde.

Fazit

Don’t Breathe ist neben Lights Out das Beste, was der Horrorfilm 2016 zu bieten hatte – absolutes Pflichtprogramm für Genrefans.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 40%
Film: 90%

Anbieter: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 2015
Regie: Fede Alvarez
Darsteller: Stephen Lang, Dylan Minnette, Jane Levy, Daniel Zovatto, Emma Bercovic, Sergej Onopko, Jane May Graves
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 89
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Don’t Breathe

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