E.T. – Der Außerirdische 4K UHD

Blu-ray Review

E.T. Der Außerirdische 4K UHD Blu-ray Review Cover
Universal Pictures, 05.10.2017

OT: E.T. – The Extraterrestrial


Gemeinsam einsam

Mit E.T. – Der Außerirdische kommt einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten auf UHD.

Inhalt

E.T. Der Außerirdische 4K UHD Blu-ray Review Szene 6
Außerirdischer trifft auf Menschenkind

Eine Gruppe Außerirdischer ist auf der Erde gelandet, um Pflanzenproben zu nehmen. Als die Aliens dabei gestört werden, reisen sie Hals über Kopf wieder ab. Doch nicht alle schaffen es rechtzeitig an Bord. Einer bleibt zurück. Aus Angst versteckt es sich in einem nahe gelegenen Schuppen, wo es vom zehnjährigen Elliott gefunden wird. Elliott und seine Schwester Gertie kümmern sich um das Wesen und verbergen es vor der Öffentlichkeit. Die jungen Menschen und der Außerirdische schließen langsam Freundschaft und Elliott möchte, dass der vor Heimweh krank werdende E.T. „nach Hause telefonieren“ kann, um in seine Heimat zurückkehren zu können. Allerdings haben sie dafür nur noch wenig Zeit, denn Regierungsbeamten sind ebenfalls hinter dem Außerirdischen her, um ihn für ihre Forschungen zu missbrauchen. Weil E.T. und Elliott mittlerweile eine telepathische Verbindung haben, bewirken Gesundheitsveränderungen beim einen das gleiche beim anderen. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bevor beide möglicherweise dem Tod ins Auge sehen müssen …

E.T. Der Außerirdische 4K UHD Blu-ray Review Szene 4
Vielleicht eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte

Irgendwann Ende 1982: Ein siebenjähriger Junge ging mit seiner Mutter in den neuen Steven-Spielberg-Film, dessen werbewirksame Marketingarbeit seinerzeit weder beim Sohn noch bei der Erziehungsberechtigten wirkungslos geblieben war. Voller Spannung betrat man den Saal – immerhin den größten, den Deutschland seinerzeit hergab. Doch was folgte, war ein Desaster. Schon während des Films kroch die Furcht in den Siebenjährigen. Eine Furcht, die sich monatelang manifestieren und den Jungen vom Schlafen abhalten sollte. Einschlafprobleme, Ängste und Ekel – das sind die drei relevanten Gefühle und Probleme, die ihn auf lange Zeit beschäftigen sollten, wenn seine Erinnerungen an E.T. – Der Außerirdische zurückgingen. So viel sei verraten: Der kleine Junge von damals ist heute der Verfasser dieser Zeilen und Betreiber dieses Blogs. Kein Film konnte mich nachhaltig so erschüttern und noch heute bin ich fassungslos über die FSK-Freigabe von 6 Jahren. Weder fand (und finde) ich diesen Außerirdischen niedlich, noch konnte ich ahnen, wie krass Spielberg mit Verlustängsten und Tod spielen würde. Noch heute überkommt mich eher Ekel als Faszination, wenn ich diesen braunhäutigen Falten-Gnom sehe. Und wenn er kreidebleich im Fluss liegt und vor sich hinröchelt, ist das meiner Meinung nach selbst für zwölfjährige Zuschauer noch schwer zu verkraften. Dazu diese krächzende Stimme und die schier endlose Sequenz, in der man davon ausgehen muss, dass sowohl der Außerirdische als auch Elliott sterben werden oder sogar schon tot sind. Die Dramatik, mit der das Militär gegen die (ohnehin dysfunktionale) Familie vorgeht, ist für einen Sechsjährigen schlicht völlig überfordernd und auch heute noch grenzüberschreitend.

E.T. Der Außerirdische 4K UHD Blu-ray Review Szene 11
Oft muss sich E.T. im Gerümpel verstecken, damit ihn niemand findet

Das soll nicht heißen, dass E.T. ein schlechter Film ist – ganz und gar nicht. Die angesprochenen Themen (die Spielberg vor allem deshalb integrierte, weil er damit seine eigene Vergangenheit nach der Trennung der Eltern verarbeitete) sind höchst emotional aufgebaut und inszenatorisch meisterlich umgesetzt. Dazu mit herausragenden Kinderdarstellern besetzt und tricktechnisch für die damalige Zeit sensationell. Kritik gilt hier auch weniger dem Regisseur, sondern eben der deutschen Altersfreigabe und damit dem Spiel zwischen Verleih und FSK. Vermutlich ist es heute schwierig herauszufinden, ob es eher die Freiwillige Selbstkontrolle war oder doch Universal, die dafür sorgen, dass der Film ab sechs Jahren freigegeben wurde. Wie dem auch sei. Meine Empfehlung, gerade an die heutigen Eltern, die überlegen, E.T. mit ihrem Kind zu schauen: Wartet, bis der Nachwuchs zehn Jahre oder (besser) noch etwas älter ist.
Dann sind die Kids in der Lage, die dramatischen Verwicklungen zu differenzieren und erkennen vor allem den humanistischen Ansatz. Denn nach Unheimliche Begegnung der dritten Art geht es Spielberg erneut nicht darum, Außerirdische als bösartige Invasoren darzustellen. Vielmehr ist E.T. ein scheues, friedliebendes Wesen, das in den Menschen abhanden gekommenes Mitgefühl neu erzeugt. Der Film übt gleichzeitig massiv Kritik an der Aggressivität der Menschen und ihrem typischen Verhalten, vor allem Fremden Furcht zu haben und es deshalb vernichten oder inhaftieren zu wollen. Für Spielberg sind es die Kinder, in denen die Hoffnung ruht; die unvoreingenommen auf andere und anderes zugehen und damit viel intelligenter reagieren als ihre erwachsenen „Vorbilder“. Mit dieser Botschaft ist E.T. – Der Außerirdische heute so aktuell wie eh und je und deshalb trotz vielleicht zu ausgedehnter Szenen der Bedrohung und Todesangst ein wirklich gelungener Film.

E.T. Der Außerirdische 4K UHD Blu-ray Review Szene 3
Erlebten eine absolute Hoch-Phase nach dem Film: BMX-Räder

Bild- und Tonqualität BD

E.T. Der Außerirdische 4K UHD Blu-ray Review Szene 5
Elliotts Mutter lebt seit Kurzem von seinem Vater getrennt

Die ebenfalls enthaltene Blu-ray von E.T. – Der Außerirdische ist identisch mit jener von 2012, basiert also bereits auf dem 4K-Scan des analogen Filmmaterials. Damals wie heute ist die Körnung stets sichtbar, was aber auch an Spielbergs Faible für Filmkorn liegt. Während der dunkleren Szenen wird das deutlicher sichtbar, gut ausgeleuchtete Tageslicht-Sequenzen gefallen durch eine höhere Bildruhe. Man kann das als Freund von glattgebügelten Filmen heutiger Zeit bemängeln, oder anerkennen, weil man eben keine aufwändigen Filter über das Bild jagte und es in seiner Ursprünglichkeit beließ. Wirklich gut gelungen ist die Detailwiedergabe und Schärfe in Close-ups – immer im Hinterkopf behaltend, dass das Material von 1982 stammt. Außerdem gelingt es sehr gut, den Look durchweg konsistent zu halten. Mit Ausnahmen einiger Bluescreen-Aufnahmen, die softer wirken, bleibt der Kontrast ausgewogen und auch die (bewusst etwas entsättigten Farben) schwanken zu keiner Zeit.
Beim Sound von E.T. – Der Außeridische hatte man vor fünf Jahren schon sehr gut nachgebessert und eine verlustfreie dts-HD-Master-Spur für den Originalton sowie eine leicht verlustbehaftete dts-HD-High-Resolution-Fassung für die deutsche Synchronversion spendiert. Dass es sich hierbei nicht nur einfach um ein Hochpumpen des alten Stereo-Tons handelt, sondern wirklich neu abgemischt wurde, kann man schon in der Anfangs-Sequenz hören, wenn das Raumschiff abhebt und hinwegschwebt (ab 7’05). Hier wird der Subwoofer ordentlich gefordert und alle Lautsprechern werden äußerst dynamisch gefordert. Weniger schön sind die zischelnden S-Laute der deutschen Synchronisation, die in der Surround-Fassung gerade bei Elliotts Bruder Michael deutlich werden. Ohnehin sind die hiesigen Dialoge ein wenig dünn, was aber an der damaligen Zeit liegt. Viele 80er-Jahre-Hits leiden unter mieser Tonqualität bei den Synchrondialogen. Dafür gelingt der Score von John Williams (oscargekrönt) jederzeit erstaunlich dynamisch und präsent. In dessen Szenen könnte man meinen, man hat es mit einem aktuellen Film zu tun. Denn auch ein Star Wars: Das Erwachen der Macht klingt während der Orchester-Momente kaum besser. Ebenfalls funktionieren die Surround-Effekte hervorragend. Wenn E.T. zu Beginn von Elliott entdeckt wird und kreischend durch den Mais abhaut, wuselt es aus allen Lautsprechern. Erneut auch hier: Für Sechsjährige ist das rein gar nichts – erst Recht nicht im Verbund mit einem potenten Soundsystem, welches das heisere Krächzen des Außerirdischen noch schauriger transportiert. Im weiteren Verlauf übernimmt fast ausschließlich der Score von Williams die Kontrolle, bis zum Ende hin wieder ein paar Actionszenen für Surroundeffekte sorgen.

Bild- und Tonqualität UHD

ET
Zum 35-jährigen hätte man der 4K-Fassung durchaus mal eine Überarbeitung des Cover-Textes spendieren können …

E.T. – Der Außerirdische wurde seinerzeit (natürlich) noch auf analogem Film aufgenommen – und zwar auf 35mm Film. Von diesem Material wurde allerdings bereits für die Blu-ray ein 4K-Scan angefertigt, der Grundlage für ein 4K-Digital-Intermediate war, das nun auch die Ultra HD nutzt. Ebenfalls integriert wurde natürlich auch ein erweiterter Farbraum im Rahmen von Rec.2020 sowie die höhere Bilddynamik HDR10. Bei der grundsätzlichen Auflösung sieht man zwar nach wie vor so manche etwas weichere Einstellung (gerade Elliotts Gesicht umgibt oft ein leichter Schein), doch insgesamt ist der grundsätzliche Eindruck noch mal etwas plastischer als bei der Blu-ray schon. Die Vorteile der 4K-Fassung sind allerdings eher subtiler Natur. Außenaufnahmen bei Tageslicht profitieren von den satteren Lichtern und wirken dadurch natürlicher. Lichtspitzen wie Reflexionen erscheinen intensiver. Schaut man sich die Screenshots unten im Vergleich an, werden aber auch leichte Defizite offenbar. So sind Schwarzwerte zwar kräftiger, verschlucken aber auch bisweilen Details. Bei Nahaufnahmen von feinen Einzelheiten ist die UHD manchmal sichtbar im Vorteil (Sprachcomputer 46’16), manchmal aber erstaunlicherweise nicht präzise genug (siehe Screenshot der Detailaufnahme unten). Das liegt vornehmlich daran, dass die Körnung deutlicher zutage tritt und dann einer klaren Definition von Linien im Weg steht. Was hingegen extrem plastisch erscheint, sind die Strukturen und Falten in E.T.s Gesicht, die gerade bei entsprechender Ausleuchtung und aufgrund der stets etwas feucht wirkenden Haut des Außerirdischen praktisch dreidimensional erscheinen.

E.T. Der Außerirdische Blu-ray vs. UHD Bildvergleich 1
Die Blu-ray hat nicht den ganz großen Kontrastumfang und wirkt im Hintergrund etwas verwaschener. Die Farbreproduktion gelingt hier allerdings schon recht gut
E.T. Der Außerirdische Blu-ray vs. UHD Bildvergleich 2
Während die UHD zwar das kräftigere Schwarz und das strahlender Weiß hat, versumpfen leider auch Details im Dunklen – gut sichtbar an Elliotts Haaren. Dafür ist im Vorhang im Hintergrund noch mehr Zeichnung

 

E.T. Der Außerirdische Blu-ray vs. UHD Bildvergleich 5
Auf den ersten Blick sieht man der Blu-ray die etwas schwächeren Farben an und hat auch den Eindruck, dass die Details auf der Platine und der Alufolienverpackung schwächer sind
E.T. Der Außerirdische Blu-ray vs. UHD Bildvergleich 6
Tatsächlich ist vor allem das „Heavy Duty“ konturierter und klarer, was für die 4K-Disk spricht. Allerdings ist der Strichcode weiter rechts zwar im Schwarz kräftiger, aber in den Linien selbst erstaunlich wellig und wenig definiert, was am intensiveren Korn liegt, dass die 4K-Fassung stärker zeigt
E.T. Der Außerirdische Blu-ray vs. UHD Bildvergleich 4
Hier das komplette Bild, abfotografiert von der UHD. Zwar wirkt das Bild auf der UHD insgesamt knackiger und die feinen Fasern der Wolldecke kommen besser zur Geltung, doch auch hier lässt sich im Dunklen nicht alles erkennen, was die Blu-ray noch liefert
Beim Ton der UHD von E.T. – Der Außerirdische hat man noch mal nachgelegt. Hatte die BD schon dts-HD-MA, bzw. dts-HD-HR-Spuren, kommt sie nun sogar in brandneuem dts:X (dts-HD-Master-Kern) daher. Das bedeutet, dass zumindest die theoretische Möglichkeit gegeben ist, die Höhenlautsprecher mit einzubeziehen. In der Praxis wird das allerdings (thematisch bedingt) nur selten genutzt. Das aufbrandende Orchester während der Eingangsszene erhält ein wenig mehr Hall von oben, was auch im Folgenden immer wieder hörbar ist, wenn man nahe an die Height-Speaker herangeht. ECHTE direktionale Höheneffekte gibt es zwei an der Zahl. Zum einen poltern die BMX-Räder von oben, wenn sie auf der Limousine der Agenten landen (101’10) und zum anderen rauscht das Raumschiff hörbar aus der Höhe heran (103’50) – das war’s mit 3D-Sounds.

Bonusmaterial

E.T. Der Außerirdische 4K UHD Blu-ray Review Szene 10
Derart verkleidet kann man es auch mal auf die Straße wagen

Da die enthaltene Blu-ray mit jener von 2012 zum 30. Jubiläum identisch ist, liegt auch das exakte gleiche Bonusmaterial von E.T. – Der Außerirdische vor.Während die UHD frei von Extramaterial ist, sammeln sich auf der BD zunächst einmal die zwei „unveröffentlichten“ Szenen, die Spielberg für die Special Edition 2002 eingefügt und dann für die 30th Anniversary Version wieder herausgenommen hatte. Namentlich sind das die Badezimmer- und die Halloween-Szene. In „Steven Spielberg & E.T.“ erzählt der Meister höchstpersönlich von den Dreharbeiten und seiner Verbindung zu dem Film. „Die E.T.-Journale“ laufen in zwei Teilen etwas über 50 Minuten und präsentieren echtes Behind-the-Scenes-Material der damaligen Produktion. Durch das verschmutzte Bild der Aufnahmen und Interviews entsteht ein nostalgischer Blick auf die Dreharbeiten und die damals noch jungen Akteure und Spielberg selbst. In „Ein Rückblick“ bekommt man für noch einmal gut 40 Minuten wirklich interessante Interviews und Einblicke in die Produktion. Gerade die Arbeit an der Puppe selbst wird hier ausführlich beschrieben. „Die Entwicklung und Entstehung von E.T.“ läuft gut 50 Minuten und ist aus heutiger Sicht das aufrichtigste Featurette. Denn in dem für die 2002er Special Edition produzierten Beitrag hört man Spielbergs Argumente für die neuen Szenen und die Abänderungen digitaler Natur, die er seinerzeit natürlich befürwortete. Heute wissen wir es besser. Denn der Regisseur hörte auf die Fans und machte die Veränderungen wieder rückgängig. „E.T. – Die Wiedervereingung“ zeigt eine Zusammenkunft der Darsteller und des Regisseurs zum 20. Jubiläum des Films und „Die Musik von E.T.“ hält ein Gespräch mit Komponist John Williams bereit. Darum geht es auch erneut in „Der 20. Geburtstags-Premiere“, in der Williams den Film zu seinem Jubiläum live mit einem Orchester begleitete. Eine umfassende Bildgalerie sowie die Trailer des Films runden das Angebot ab.

Fazit

E.T. – Der Außerirdische hat auch 35 Jahre nach seinem Kinostart kaum etwas von seiner universellen Geschichte der Freundschaft unter einsamen Außenseitern verloren und liefert ein sauberes und durchweg recht knackiges 4K-Bild. Der dts:X-Sound kann zwar nur wenige Akzente setzen, bleibt aber im regulären Surroundbereich ebenso gut wie schon die dts-HD-MA-, bzw. dts-HD-HR-Spuren der Blu-ray.
Was heute wie 1982 gilt: Die FSK-Freigabe ist ein schlechter Scherz. Denn trotz aller Magie des Films – für Sechsjährige ist Spielbergs Film, der sich vieler düsterer, dramatischer, tragischer und gruseliger Bilder bedient, absolut gar nichts.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 70%
Bildqualität UHD: 70%

Tonqualität BD (dt. Fassung): 75%
Tonqualität BD (Originalversion): 80%
Tonqualität UHD (dt. Fassung): 70% (Abwertung aufgrund nicht ausgenutzter Höhenkanäle)
Tonqualität UHD (Originalversion): 75% (Abwertung aufgrund nicht ausgenutzter Höhenkanäle)

Bonusmaterial: 100%
Film: 80%

Anbieter: Universal Pictures
Land/Jahr: USA 1982
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Dee Wallace, Henry Thomas, Peter Coyote, Drew Barrymore, Robert MacNaughton, K. C. Martel, Sean Frye, C. Thomas Howell, Erika Eleniak
Tonformate BD: dts-HD-Master 7.1: en // dts-HD-High-Resolution 7.1: de
Tonformate UHD: dts:X (dts-HD-MA-Kern): de, en
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 115
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Real 4K: Ja (4k DI)
FSK: 6

Trailer zu E.T. – Der Außerirdische

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