Equals – Euch gehört die Zukunft

Blu-ray Review

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Koch Media, ab 10.11.2016

OT: Equals

 


SoS

Eine Welt ohne Liebe beschreibt in Equals die Normalität.

Inhalt

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Ein Albtraum mit dem Resultat einer Prellung ist der Beginn von Silas‘ SoS-Diagnose

Die Welt der Zukunft ist rein, friedlich und absolut steril. Die Menschen gehen vollkommen angstfrei zur Arbeit und erledigen ihren Alltag maschinenähnlich, ohne das System zu hinterfragen. Emotionen sind ausgeschaltet und Individualität ist keine Option. Seit geraumer Zeit ist allerdings von einer Krankheit namens „Switched-on-Syndrom“ die Rede. Deren Symptone sind frühe Unkonzentriertheit, leichte Aggression bis hin zu völliger Verstörtheit. Im späten Stadium werden die Menschen isoliert und in eine Anstalt gesperrt. Silas, ein Illustrator für Geschichtsereignisse wird von der Krankheit befallen und outet sich frühzeitig bei der Arbeit. Fortan wird er zunehmend wie ein Aussätziger behandelt. Dennoch nähert er sich immer wieder der spröden Nia. Die hat das Syndrom ebenfalls, verschweigt es allerdings bisher erfolgreich. Als sie sich erstmalig wirklich näher kommen, spüren beide, dass sie sich ineinander verliebt haben. Allerdings ist die Situation gefährlich, weshalb Silas sich einen anderen Job sucht, um Nia zu schützen. Weil er sie schrecklich vermisst, schließt er sich einer Selbsthilfegruppe an, in der alle über ihre Gefühle reden können – selbstverständlich heimlich. Doch die Sehnsucht überwindet Grenzen. Nia und Silas treffen sich wieder. Alles könnte schön sein, wenn nicht plötzlich ein Medikament gegen das Syndrom gefunden würde und die zwei Liebenden fliehen müssen, um ihre Gefühle weiterhin ausleben zu können …

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Nia gibt vor, nicht an SoS erkrankt zu sein

Mitunter inhaltlich so nahe an 1984, wie man nur sein kann und dabei den Look von THX-1138 verwendent erzeugt Drake Doremus‘ styilish gefilmter Equals – Euch gehört die Zukunft nach und nach eine Sogwirkung, der man sich als Sci-Fi-Fan kaum entziehen kann. Die Story von zwei Liebenden, die nicht lieben dürfen, ist zwar alles andere als neu, wird hier aber mit einem faszinierenden Stil umgesetzt. Die häufigen Nahaufnahmen mit geringer Schärfentiefe erzeugen ein intimes Gefühl in einer Welt, in der Intimität nicht sein darf. Dazu passt der kongeniale elektronisch Soundtrack, der an eine Mischung aus Moby und Muse erinnert und von Künstlern wie Mogwai, Ben Frost oder Apparat stammt. Wenn sich Nia und Silas nach über einer halben Stunde das erste Mal körperlich begegnen, steigert sich der Score zu einer gänsehauterregenden Klimax, der die physische Begegnung zum Wende- und ersten Höhepunkt des Films werden lässt. Doremus schafft dabei innerhalb dieser maximalen Sterilität eine Intimität, die von zwei in ihren Rollen herausragend agierenden Darstellern auf den Zuschauer übertragen wird. Kristen Stewart passt perfekt in die Rolle der kühlen Nia, in der es tief im Inneren brodelt und Nicholas Hoult (Mad Max: Fury Road, Kill Your Friends) bringt seine (Ver)Wandlung glaubwürdig rüber – dass man ausgerechnet zwei eher androgyne Charaktere ausgewählt hat, passt umso besser zur Geschichte, in der Liebe und Sexualität nicht stattfinden dürfen.

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Die Treffen der beiden müssen heimlich stattfinden

Schade, dass Equals ein paar kleinere Fehler macht, die ärgerlich auffallen. So ist das Insekt, das Nia kurze Zeit in einem Glas festhält wahrlich keine Hummel. Außerdem fördert die Tatsache, dass sie das unwahre Hummel-Paradoxon als Vergleich für die eigene Situation heranzieht, zwar ein griffiges Bild der Situation, in der sich die Menschen dieser Zukunft befinden – es macht den alten Studentenscherz, dass das Insekt gar nicht fliegen können dürfe, dennoch nicht wahrer. Allerdings halten solche Kleinigkeiten nicht lange vor und werden durch die vorzüglichen Darstellerleistungen sowie die herausragende Optik gekonnt überspielt. Erstaunlich, dass man hier mit einem Budget von schmalen 16 Mio. Dollar auskam – und das trotz der beiden angesagten Stars. Denn von den perfekt durchgestylten Innen- und Büroräumen über die langen Gänge großer Gebäude bis hin zu den Außenszenen passt hier alles stimmig ins Bild. Erstaunlich auch, dass die 100 Minuten Spielzeit extrem kurzweilig sind, obwohl nur wenig (und das meist leise) gesprochen wird und gar nicht mal allzu viel geschieht. Und weil die Geschichte berührt und sensibel verkörpert wird, macht es auch nichts, dass der Ausgang weitgehend überraschungsfrei bleibt.

Bild- und Tonqualität

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Silas und Nia – eine Liebe, die nicht sein kann und darf

Helle, überstrahlte und milchige Bilder des mit unterkühlten Farben ausgestatteten Films dominieren den Look von Equals. Während der Szenen in dunkler Umgebung wird es allerdings arg gräulich, schwarz jedenfalls scheint nicht stattzufinden. Die Bildruhe ist hoch, offenbart nur ein geringfügiges Korn. Die Schärfe ist an der fokussierten Stelle sehr gut, gerade in Close-ups verwendete man allerdings eine sehr geringe Schärfentiefe, die Gesichter betont hervorholt. Im späteren Verlauf gesellt sich zunehmend eine rötliche Einfärbung hinzu, die sinnbildlich steht für die Veränderung innerhalb der Figuren.
Zu Beginn erzeugt der Ton von Equals eine geradezu gespenstische Stimmung. Es dauert vier Minuten, bis jemand (das Nötigste) spricht und gut zwölf Minuten, bis das erste Mal etwas Filmmusik erscheint. Bis dahin dominiert das chorähnliche Kurzgeräusch des Ein- und Auscheckens bei der Arbeit sowie sehr präsentes Vogelgezwitscher während der Außenaufnahmen. Beides wird räumlich über die Effektlautsprecher wiedergegeben und die Dialoge erreichen gut verständlich das Ohr. Der großartige Filmscore übernimmt dann nach und nach immer wieder das Zepter und tut dies mit einem raumfüllenden Klangteppich über sämtliche Speaker.

Bonusmaterial

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Flucht oder Heilmittel?

Im Bonusmaterial von Equals warten zwei Featurettes. Eines handelt von Regisseur und das zweite von seinen beiden Hauptfiguren Silas und Nia. Für Doremus ist sein Film der Abschluss einer Trilogie, die mit Like Crazy begann. Dieser handelt von der Vergangenheit, während Breathe in in der Gegenwart verankert war und Equals nun die Zukunft beschreibt.

Fazit

Equals – Euch gehört die Zukunft schafft es überraschend gut, Form und Inhalt zu einem gelungenen und bewegenden Ganzen zusammenzufügen. Obwohl Doremus‘ Film höchst-stilisiert ist und ein großes Augenmerk auf die Optik legt, fühlt man mit seinen Figuren mit und wünscht ihnen, dass sie ihre Gefühle in einer Welt ohne Emotionen ausleben können.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 30%
Film: 80%

Anbieter: Koch Media
Land/Jahr: USA 2015
Regie: Drake Doremus
Darsteller: Kristen Stewart, Nicholas Hoult, Guy Pearce, Jacki Weaver, Bel Powley, Toby Huss
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 102
Codec: AVC
FSK: 12

Trailer zu Equals – Euch gehört die Zukunft

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