Even Lambs Have Teeth

Blu-ray Review

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Pierrot Le Fou/AL!VE, 18.11.2016

OT: Even Lambs Have Teeth

 


Codewort: Apfel

„Vergewaltigung und Rache“ – dieses Mal aus kanadisch-französischer Koproduktion.

Inhalt

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Katie und Sloane: Schwer geschunden aber bereit zur Rache …

Katie und Sloane sind die besten Freundinnen und teilen eigentlich alles – inklusive ihrer ersten Ecstasy-Erfahrung. Weil sie in vier Wochen New York City unsicher machen wollen, brauchen sie noch ein wenig Kohle. Während Katies Mutter in Kuba verweilt, wollen die zwei Mädels deshalb ein bisschen Geld auf einem naturwirtschaftlichen Bauernbetrieb verdienen. Zuvor kommen sie noch eine Nacht bei Katies Supercop-Onkel unter, der auch gleich darauf plädiert, dass sich die Nichte jeden Tag mit einem Codewort bei ihm meldet. Sloane, die schon nichts dagegen gehabt hätte, den Polizisten zu verführen, findet das zwar albern und spielt lieber mit ihren Reizen, doch die beiden Mädels wissen ja auch noch nicht, dass die zwei freundlichen Jungs, die sie in einem Diner kennenlernen gar nicht so freundlich sind. Ganz im Gegenteil: Mit einem Lächeln auf dem Gesicht entführen sie Katie und Sloane, um sie kurze Zeit später zu narkotisieren, in einem Container anzubinden und den örtlichen Nachbarn (inklusive Dorfsheriff) mitten im Wald als Sexsklavinnen zur Verfügung zu stellen. Nachdem sie einiges an Tortur haben über sich ergehen lassen müssen, können sie sich allerdings befreien und starten einen unbarmherzigen Rachefeldzug …

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… die sie unbarmherzig vollziehen

Der geschätzte Kollege Marcel Demuth von filmchecker bezeichnete Even Lambs Have Teeth als „Horrorversion von Thelma & Louise“. Damit liegt er nicht nur ziemlich richtig, sondern nimmt im Prinzip auf, dass die beiden Mädels sich zu Beginn des Films sogar je einen Künstlernamen verpassen und fortan als Heather & Ripley durch die Geschichte führen. Inhaltlich gibt’s allerdings eher eine Mischung aus I Spit on Your Grave und Last House on the Left, der mit schwarzem Humor und ein paar netten Ideen (Einblendung des Titelschriftzugs zu ungewohntem Zeitpunkt) gewürzt wurde. Glücklicherweise lässt man die sexuellen Gewalttaten gegenüber den Mädels weitgehend im Off geschehen, was die schwer im Magen liegende Sequenz mit dem gummimaskenbewährten Kerl allerdings nur wenig abmildert. Inszenatorisch schafft es Terry Miles hingegen nicht immer, Spannung oder Tempo zu vermitteln. Immer wieder wirken Sequenzen etwas ungelenk und der Synthesizer-Filmscore passt nicht in jedem Moment zum Geschehen – manchmal ist er überdramatisch, manchmal fehlt in den entscheidenden Szenen die nötige Unterstützung. Besser funktionieren die echten Filmsongs, die das Treiben auf dem Bildschirm schön sarkastisch begleiten.

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… auch an diesem Herren …

Even Lambs Have Teeth stopft vorhandene Logiklöcher (wo wissen die Mädels plötzlich die Adressen ihrer Peiniger her) im zweiten Teil mit entsprechenden Brutalitäten gegenüber den vergewaltigenden Männern, was grafisch zwar bisweilen explizit ist, durch den sarkastischen Unterton der beiden Mädels aber in seiner Wirkung deutlich abgeschwächt wird. Vor allem, wenn sie gegen den Dorfsheriff zu Tate schreiten und im Hintergrund Saloon-Musik aus dem 19. Jahrhundert dudelt, wirkt ein Russisch Roulette gar nicht mehr so perfide, wie man es kennt. Schauspielerisch können Kirsten Prout und Tiera Skovbye gegenüber dem durchschnittlichen Rest zwar überzeugen (gerade Katies Wandlung geschieht halbwegs nachvollziehbar), doch ein Mitgefühl stellt sich dennoch nicht ein. Warum sie umkehren, obwohl schon gerettet und warum sie sich auf so zynische Art und Weise rächen, weiß nur der Drehbuchschreiber – wirklich Sinn ergibt das nicht. Auch die Anfangs eingeführten Künstlernamen der beiden finden später keine Verwendung mehr und wirken irrelevant. Gerade mit solchen Details sowie mit der Dynamik zwischen der taffen Sloane und der zurückhaltenden Katie hätte man viel mehr anfangen können. Was am Ende bleibt, ist ein Rape-&-Revenge-Horrorthriller mit humoristischer Note, der dem Subgenre allerdings nicht viel Neues bieten kann. Freunde des Themas schauen dennoch rein und freuen sich darüber, dass er ungeschnitten vorliegt.

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… den sie so kennengelernt haben

Bild- und Tonqualität

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Revenge can be two bitches

Das Bild von Even Lambs Have Teeth ist blitzsauber und frei von Korn oder Rauschen. Allerdings ist der entsprechende Rauschfilter relativ stark, was man an verschwimmenden Unschärfen in Bewegungen sieht. Während des Finales im Keller zeigt sich dann doch mal Korn (72’00) und manchmal ruckelt es auch ein wenig, was allerdings bewusst gewählt wurde, um während der Außenszenen fahrender Autos mehr Tempo zu suggerieren.
Akustisch wird Even Lambs Have Teeth nur dann etwas auffälliger, wenn die Filmmusik einsetzt. Weder Naturatmosphäre im Wald, noch Motorengeräusche kommen übermäßig räumlich rüber. Die Stimmen gelangen gut verständlich ans Ohr und die Synchro ist überraschenderweise gut gelungen. Vereinzelt fallende Schüsse bleiben ebenfalls frontlastig und fordern auch den Subwoofer kaum.

Bonusmaterial

Während die reguläre Blu-ray von Even Lambs Have Teeth lediglich den Trailer zur Schau trägt, gibt’s noch ein limitiertes Mediabook, das zusätzlich die DVD enthält sowie ein Poster und einen Kurzfilm.

Fazit

Even Lambs Have Teeth bietet durchaus ein paar nette Einfälle, die ihn aus dem Gros der Rape-&-Revenge-Filme abhebt, die aber nicht immer zu einem homogenen Ganzen vermischt werden. Die sarkastischen Spitzen lockern die im zweiten Teil gezeigten Brutalitäten auf, verhindern aber ein echtes Mitgefühl mit den beiden Hauptfiguren.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 60%
Bonusmaterial: 5%
Film: 60%

Anbieter: Pierrot Le Fou/AL!VE
Land/Jahr: Kanada/Frankreich 2015
Regie: Terry Miles
Darsteller: Kirsten Prout, Tiera Skovbye, Michael Karl Richards, Craig March, Garrett Black, Jameson Parker
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 79
Codec: AVC
FSK: 18 (uncut)

Trailer zu Even Lambs Have Teeth

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