Eye in the Sky

Blu-ray Review

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Universum Film, ab 16.09.2016

OT: Eye in the Sky

 


45 Prozent

In Eye in the Sky müssen gleich ein halbes Dutzend der schwersten aller Entscheidungen getroffen werden.

Inhalt

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Hat drei der Top-Terroristen im Visier: Colonel Katherine Powell

Colonel Katherine Powell ist im Verlaufe des Kriegs gegen den Terror zu einer Hardlinerin geworden. Ihre Mitarbeiter hat sie im Griff und selbst in den Führungsetagen zollt man ihr Respekt. Als drei islamistische Terroristen aus der oberen Riege der al shabaab in Nairobi vermutet werden, koordiniert sie drei Drohnenpiloten (unter ihnen den jungen Steve Watts), die das Geschehen aus der Luft überwachen sollen. Als „Auge im Himmel“ gibt es zunächst nur den Observationsbefehl, keine Order zum direkten Eingriff. Doch die Situation ändert sich, als die Verdächtigen sich in der Stadt bewegen und man zwingend einen afrikanischen Agenten vor Ort braucht. Den findet man in Jama Farah, der sich in höchste Gefahr begibt, um aus nächster Nähe mit der Observation zu beginnen. Seine Arbeit identifiziert die entscheidende Person, weshalb man auf Zugriff plädiert. Allerdings sind die Gesuchten mittlerweile tief im von der al shabaab kontrollierren Gebiet und ein Einsatz von Bodenkräften würde ein Blutbad anrichten. Die einzige Alternative ist ein gezielter Drohnenangriff, der allerdings nicht ohne Kollateralschäden bliebe, denn in direkter Nachbarschaft wohnt eine Familie mit einer kleinen Tochter. Die Situation spitzt sich zu, als klar wird, dass in dem Haus ein Selbstmordanschlag geplant wird …

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Der General im Hintergrund stärkt Powell den Rücken

Da ist er also, der letzte Film mit dem jüngst verstorbenen Alan Rickman. als General Frank Benson hat er hier zwar „nur“ eine Nebenrolle, doch diese adelt den spannenden Film allemal. Die Atmosphäre, die von Beginn an aufgebaut wird, erinnert nicht nur einmal an Homeland, fügt aber neben der Terrorismusproblematik vor allem noch das Dilemma moderner Kriegsführung und hochaktuelle moralische Fragen hinzu. Zuletzt sah man mit Good Kill – Tod aus der Luft einen ähnlich gelagerten Film, in dem Ethan Hawke gezwungen war, sich für oder gegen den Einsatz zu entscheiden. Eye in the Sky geht aber einen Schritt weiter – und das sowohl während der Thriller-Elemente, als auch bei den Fragen der Ethik. Inszenatorisch sieht man, dass hier mehr Geld zur Verfügung stand. Die häufigen Kamera- und Perspektivwechsel beim Blick auf das Geschehen, Gimmicks wie die Vogel- und Käfer-Kamera sowie die passende Filmmusik bewirken einen starken Nervenkitzel und vermitteln recht eindrucksvoll, unter welchem Druck die Beteiligten arbeiten müssen. In Sachen Moral ist vor allem das Dilemma bemerkenswert, in das sich die Story hineinmanövriert. Ist es zu Beginn noch höchst fragwürdig, die Drohne für einen Erstschlag zu nutzen, nimmt die Thematik mit der „Gefahr-im-Verzug“-Situation ein Ausmaß an, in dem man als Verantwortlicher kaum Entscheidungen treffen möchte. Riskiert man, dass der Selbstmordanschlag zig Dutzend Leben fordert oder sorgt man dafür, dass dieser verhindert wird, geht damit aber sehend das Risiko ein, durch die von einer Drohnenbombe ausgelöste Sprengstoffdetonation mehrere Zivilisten in der nahen Umgebung zu töten? Eye in the Sky macht nicht nur hier eindrücklich klar, dass moderne Kriegsführung eben doch nicht sauber ist und wirft die Frage auf, welche Art von Menschentötung möglicherweise „richtiger“ ist.  Dass der entscheidungswütigen Colonel Powell die Polititiker gegenübergestellt werden, die zunächst mal debattieren, sich nach oben versichern und höhere Entscheidungsträger konsultieren, ist nur konsequent – und vor allem gut.

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Powell sondiert mögliche Kollateralschäden

Denn Eye in the Sky begeht nicht den Fehler, den Zuschauer auf die Seite von Powell zu ziehen, ihn für den Eingriff der Drohne entscheiden zu lassen. Vielmehr differenziert der Film zwischen allen Figuren hin und her, gibt ihnen Motivationen und beobachtet das Geschehen aufmerksam. Helen Mirren in der Rolle der Colonel Powell ist ungewöhnlich hart und kühl, spielt erfolgreich und überzeugend gegen ihr Image an. Allerdings wird man als Zuschauer irgendwann wütend, wenn man ihr zuschaut, wie sehr sie diese Mission durchboxen will und fragt sich, was hinter diesem scheinbar persönlichen Feldzug stecken mag. Rickman, der mimisch etwas erstarrt scheint, tut sein Bestes, um auch mit Eye in the Sky unvergessen zu bleiben. Doch es ist vor allem Aaron Paul (Breaking Bad), der in der Rolle des Drohnen-Chiefs Steve Watts überzeugt. Einzig am Joystick sitzend spiegelt sich auf seinem Gesicht wieder, in welche unmögliche Lage man in diesem Job kommen kann. Abseits der militärischen Operation wird auch herausragend ausgearbeitet, mit welchem Kalkül die Politiker später ans Werk gehen, wenn es um das Mädchen geht. Während die einen sich nicht erklären möchten, dass sie von einem Anschlag wussten, der evtl. 80 Menschen tötet, möchten die anderen nicht dafür geradestehen, wissentlich ein kleines Kind umgebracht zu haben. Man redet vom „Propagandakrieg“, der für die westliche Welt besser ausginge, wenn man das Mädchen verschont und der Terrorgruppe die Schuld für einen Anschlag in die Schuhe schieben kann, den man eigentlich hätte verhindern können (was ja niemand erfahren muss). Beide Seiten haben ihre Argumente, beide sind irgendwo nachvollziehbar und der Zuschauer schwankt bisweilen zwischen den Positionen – mehr kann ein Film nicht bewirken, als dass man sich intensiv mit den eigenen Gefühlen zu dieser Thematik beschäftigt. Dass es zum Ende zunehmend zynisch wird, wenn nur noch in Prozentangaben der Todeswahrscheinlichkeit geredet wird, ist da ebenso wie das Ende schlüssig und konsequent

Bild- und Tonqualität

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Steuert den „Beetle“ vor Ort: Jama Farah

In den Innenraumszenen, vor allem jenen in der lichtlosen Kommandozentrale, sind Umrisse ein wenig weich und eine leichte Blaufilterung dominiert das Geschehen. Dafür ist Eye in the Sky erfreulich ruhig. Grobes Korn oder deutliches Rauschen lässt sich außer in ganz dunklen Momenten nicht wahrnehmen. In kurzen Bewegungen wischt das Bild schon mal etwas nach. Die Schärfe bleibt dauerhaft mittelmäßig und arbeitet nur selten Details in Nahaufnahmen heraus, auch ist es an den Randbereichen immer mal wieder unscharf.
Wenn man nach gut fünfeinhalb Minuten denkt, der Ton von Eye in the Sky wäre leise abgemischt, weil nur gedämpft Musik und dezente Stimmwiedergabe zu hören ist, sieht man sich während der Landung der Boeing eines Besseren belehrt. Wenn das Passagierflugzeug von hinten über die Köpfe donnert, bekommt es vermutlich auch der Subwoofer mit der Angst zu tun, so vehement, wie er plötzlich zu Werke gehen muss. Effektvoll sind stets die elektronischen Spielereien der Kameras und wenn man den US-Außenminister beim Tischtennis in Peking besucht, hört man gefühlt 1000 Zelluloidbälle über die Platten flitzen. Und wenn dann nach knapp 57 Minuten die Maschinengewehre zu knattern beginnen, darf man auch mal in Deckung gehen. Das Schöne am Sound des Films ist, dass er sämtliche Spielarten beherrscht – die leisen und die lauten.

Bonusmaterial

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Wird Watts den roten Knopf drücken?

Das Bonusmaterial von Eye in the Sky hält zwei äußerst kurze Featurettes bereit, denen man kaum Informationen entnehmen kann. Die unkommentierte B’Roll läuft gut sechs Minuten und zeigt ein paar unterschiedliche Impressionen von Hinter der Kamera. Am ergiebigsten erscheinen die Interviews. Vor allem Gavin Hood und Helen Mirren erzählen ein paar interessante Dinge. Die weiteren Interviews wirken etwas abgehackt und wenngleich das Gespräch mit Alan Rickman Wehmut weckt, wirkt er doch arg müde.

Fazit

Eye in the Sky setzt sich intensiv mit einem moralischen Dilemma auseinander, das den Zuschauer einbindet und zum Nachdenken anregt. Dass er dabei bisweilen nervenzerrend spannend und dramatisch ist, schadet kaum und lässt den Film von Gavin Hood aus der Masse der Militärdramen herausragen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 20%
Film: 80%

Anbieter: Universum Film
Land/Jahr: GB 2015
Regie: Gavin Hood
Darsteller: Helen Mirren, Aaron Paul, Alan Rickman, Barkhad Abdi, Iain Glen, Phoebe Fox
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 102
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Eye in the Sky