Fighting Games Uncut

Blu-ray Review

Fighting Games Uncut Blu-ray Review Cover
Tiberius Film, 06.07.2017

OT: Traders

 


Life Trading

Nur sieben Morde trennen die Protagonisten in Fighting Games von einer Millionen Euro.

Inhalt

Fighting Games Uncut Blu-ray Review Szene 1
Zwei mit dem gleichen Schicksal, aber unterschiedlichen Bewältigungsstrategien

Harry war bis vor kurzem ein erfolgreicher Investmentbanker mit schickem Firmenwagen und teurem Loft. Jetzt ist er arbeitslos – genau wie sein Kollege Vernon. Einen neuen Job hat er zwar, doch die Arbeit als Verwalter in einem Depot würde seine Abstieg nur verlangsamen. Vernon, sein etwas dicklicher Ex-Kollege hat allerdings eine zündende Geschäftsidee, die Harry seit dem Freitod ihres gemeinsamen Kollegen nach anfänglicher Skepsis für gar nicht mal so dumm hält: Man versetzt alles, was man hat, packt sein komplettes Geld in einen Sack und trifft sich mit einem Fremden, der das gleiche tut. Den muss man dann nur noch töten und schon gehören einem beide Säcke voller Geld – einfacher Plan, aber eben auch ein mörderischer. Da beide Teilnehmer praktisch freiwillig teilnehmen, ist die moralische Komponenten natürlich erst mal vernachlässigbar. Das jedenfalls denkt Harry, nachdem man ihm beim neuen Job eine Management-Stelle angeboten hat – für 24.000€ pro Jahr. Diese Summe kann er praktisch innerhalb von nur einem Trade umsetzen, wenn er Vernons „Spiel“ mitmacht. Das erste Mal tut’s (wie meistens) noch weh, doch dann geht es immer leichter und der Geldberg schwillt an. Allerdings führt die Spirale aus Gewalt Harry immer tiefer in den Abgrund und Ideengeber Vernon findet gar nicht gut, dass sein Einfall Harry immer reicher macht …

Fighting Games Uncut Blu-ray Review Szene 2
Beim ersten Mal tut’s noch weh

Manchmal lenken Titel davon ab, dass sich eigentlich ein spannender und kühn ersonnener Film dahinter verbirgt. Bei Fighting Games ist das so. Denn was auf dem Cover noch aussieht und sich liest wie ein billig runtergekurbelter Prügelfilm, ist bei näherem Hinsehen ein gar nicht mal unkluger Kommentar auf die Welt der Hochfinanz. Wenn die Blase aus Investments platzt, stehen plötzlich die ganzen zuvor gut situierten Trader und Banker auf der Straße und müssen damit leben, dass ihr bisheriges Leben nicht mehr aufrecht zu erhalten ist. Das gleiche gilt zwar auch für Angestellte in mittleren oder niedriger bezahlten Jobs, doch die fallen meist nicht so tief. Wer allerdings Millionengehälter gewohnt ist, möchte auch gerne weiter solche Summen verdienen – und ist vielleicht anfällig für abstruse Ideen. Schon Eli Roth hat uns in Hostel gelehrt, dass reiche Menschen eine ganze Menge tun, um ihre Macht zu demonstrieren oder zu behalten. Und das Regieduo Rachael Moriarty & Peter Murphy exerziert das im gemeinsamen Werk durch wie einen konsequenteren Fight Club. Selbst erzählerisch orientiert man sich an Finchers 99er Kultfilm, indem man Harry per Direktansprache zum Zuschauer reden lässt. Das Ganze ist zwar weniger auf Hochglanz getrimmt und insgesamt viel dreckiger, aber die Parallelen drängen sich durchaus auf. Der irische Film setzt indes auch gezielt Nadelstiche gegenüber Gleichberechtigungsthemen, wenn Harry das erste Mal auf einen weiblichen Trader trifft. Außerdem kommentiert Fighting Games auch die Tatsache, dass die Erfinder von Dingen oft von ihrer eigenen Idee überrannt werden, indem er Vernon als Verlierer seines eigenen Geschäftsmodells präsentiert und ihn im späteren Verlauf auch noch die eigens aufgestellten Regeln brechen lässt. Und schon ist man wieder zurück im Turbokapitalismus – nur dieses Mal eben mit Todesfolge. Die einzelnen Akte der Auseinandersetzungen inszenieren die Macher erstaunlich unaufgeregt, dafür aber direkt und roh. Blut fließt (bis auf das Finale) nur wenig, die 18er Einstufung der FSK erklärt sich vor allem aus dem zynischen Grundton und dem realistischen Szenario. Es ist auch eher die düstere Stimmung, die zu keiner Zeit durch humorige Einlagen gelockert wird, welche Spannung erzeugt und Fighting Games ganz locker aus dem Einerlei der monatlichen Video-Veröffentlichungen herausholt. Und so ist am Ende ziemlich deutlich, dass man ein Buch niemals nach dem Cover beurteilen sollte, denn das legt bei diesem Film weniger Qualität nahe als wirklich drinsteckt.

Fighting Games Uncut Blu-ray Review Szene 3
Nicht jeder Trade geht für Harry glimpflich aus

Bild- und Tonqualität

Fighting Games Uncut Blu-ray Review Szene 4
Die Trader werden immer jünger

Das Bild von Fighting Games liegt im 16:9-Format vor und zeigt auf Hintergründen teils massives Korn (3’12). Die Unruhen bleiben den ganzen Film über sichtbar und auch der Kontrastumfang kann nur bedingt überzeugen. Die Schärfe ist obendrein mau und selbst in Close-ups nicht sonderlich knackig. Hinzu kommt, dass sich Schwarzwerte in dunklen Anteilen leicht bläulich verfärben und schon mal Farbverfälschungen auf Gesichtern auftreten. Digitale Artefakte sieht man indes nicht. Selbst Bewegungen und Schwenks gelingen.
In Sachen Akustik dominieren bei Fighting Games die Dialoge, die sehr deutlich, fast schon überpräsent aus dem Center kommen. Die nach etwas über sieben Minuten einsetzende, dezente elektronische Filmmusik gefällt mit recht weiträumiger Atmosphäre. Dabei bleibt es aber dann auch, denn selbst im späteren Verlauf werden die Surrounds nur sehr selten einbezogen und Dynamik gibt’s hier ebenfalls nicht. Gut verständlich präsentieren sich dafür die Dialoge, die zwar im Original authentischer sind, weil der irische Slang natürlich großartig ist.

Bonusmaterial

Fighting Games Uncut Blu-ray Review Szene 5
Die Idee tötet ihren Erfinder

Im Bonusmaterial von Fighting Games findet sich ein viertelstündiges Making of, das die Grundidee zum Film schildert und erzählt, wie sie zum fertigen Film ausgebaut wurde. Dabei ist das Regieduo sehr auskunftsfreudig und passioniert bei der Sache.

Fazit

Fighting Games ist ein zynischer Kommentar auf die zusammenbrechende Welt der blasenartigen Hochfinanz, der deutlich besser funktioniert, als es das Cover vermuten lassen würde. Gut gespielt ist er noch dazu, auch wenn keine der Figuren wirklich Sympathien wecken kann. Für Freunde des Kinos von der Insel auf jeden Fall Pflicht.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 50%
Tonqualität (dt. Fassung): 50%
Tonqualität (Originalversion): 55%
Bonusmaterial: 40%
Film: 70%

Anbieter: Tiberius Film
Land/Jahr: Irland 2015
Regie: Rachael Moriarty, Peter Murphy
Darsteller: Killian Scott, John Bradley, Nika McGuigan, Peter O’Meara, Barry Keoghan, Aoibhinn McGinnity
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 90
Codec: AVC
FSK: 18 (ungeschnitten)

Trailer zu Fighting Games – Trader

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