Gilly Hopkins – Eine wie keine

Blu-ray Review

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Concorde Home, ab 13.10.2016

OT: The Great Gilly Hopkins

 


Ihr Name ist Hopkins, Gilly Hopkins

Ungezogenes Gör trifft auf liebevolle Pflegefamilie – keine gute Kombination?

Inhalt

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Ist es gewohnt, der Außenseiter zu sein: Gilly

Gillys neues Zuhause ist (mal wieder) nicht das, was sich das vorlaute Mädchen vorgestellt hatte. Über das Haus donnern Flugzeuge, die Witwe Trotter ist gläubig und etwas seltsam und W.E., das zweite Pflegekind ist ein kleiner, nicht ganz so heller junge. Auch der Nachbar Mr. Randolph, der Abends zum essen kommt, bessert den Eindruck kaum. Denn der ist blind und Gilly kaum der soziale Typ. In der neuen Schule rauft sie sich noch dazu direkt mit den Jungs und muss in den Pausen nachsitzen. Einzig die Gedanken an ihre Mutter helfen ihr. Die hat Galadriel, wie Gilly eigentlich heißt, damals der Jugendhilfe übergeben und sich dann aus dem Staub gemacht. Wütend über die ganze Welt scheint sich die Stimmung des jungen Mädchen zu ändern, als eines Abends aus einem Gedichtband von Mr. Randolph vorliest. Erstmals hat sie so etwas wie einen ruhigen Moment. Am nächsten Tag beschützt sie gar W. E. vor den großen Jungs in der Schule. Als sie eines Tages ihre eigene Akte bei ihrem Jugendbetreuer findet, in der die letzte Adresse ihrer Mutter verzeichnet ist, beschließt sie, dorthin zu fahren. Doch dafür braucht sie Geld- 189 Dollar um genau zu sein. Und um das Geld zu bekommen, braucht sie einen Verbündeten: W.E.. Die Flucht jedoch scheitert und man will Trotter gleich beide Kinder wegnehmen. Das wiederum kann der ungezogen Göre nicht gefallen …

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Zu gut für diese Welt: Maime Trotter

Es fällt zunächst nicht leicht, sich mit der Hauptfigur Gilly Hopkins anzufreunden. Denn die nun wirlich alles, um  unausstehlich zu sein. Sie ist fies, berechnend und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Die erste Dreiviertelstunde möchte man als Zuschauer eigentlich viel schroffer und belehrender reagieren als es Witwe Trotter, Lehrerin Harris oder Gillys Betreuer tun. Nur langsam entdeckt man die verletzliche Seite, die hinter der Fassade aus Gemeinheit steckt. Dann versteht der Zuschauer auch nach und nach die Wut, die in ihr steckt. Vielleicht erinnert man sich sogar an ähnliche Momente der eigenen Kindheit. Natürlich wird das in Stephen Hereks (Critters) Film überdramatisiert, damit eine gewisse Dramatik erzeugt wird. Doch so ist’s eben auch in der Vorlage, dem preisgekrönten Jugendroman von Katherine Paterson (Brücke nach Terabithia). Paterson übernahm selbst die (Mit)arbeit am Drehbuch und hält so die Stimmung des Buchs aufrecht. In einem Moment sagt Gillys Betreuer mal, dass sie sich überraschend schnell umentschieden hat. Das ist vielleicht das größte Manko des Films. Denn die Wandlung geschieht ein wenig zu beiläufig und ohne echten Ankerpunkt. Dabon ab ist Gilly Hopkins aber vor allem mit erstaunlich authentischen Figuren angereichert. Gerade die jungen Darsteller überzeugen. Sophie Nélisse (Bauernopfer – Spiel der Könige) in der Rolle als Gilly schafft es am Ende doch, dem Zuschauer zu zeigen, dass sie sich verändert hat und Claire Foley (Sinister 2) als Agnes reagiert erstaunlich reflektiert auf die sarkastischen Attacken Gillys. Beide allerdings werden von Zachary Hernandez an die Wand gespielt. Der Junge, den man aus Der Lieferheld kennt, agiert als W.E. so herzerwärmend und professionell, dass es einem den Atem verschlägt. Man kann gar nicht anders, als ihn von Beginn an ins Herz zu schließen. Da kann selbst die tränenziehende Überaktion von Kathy Bates nichts dran ändern. Die verdiente Schauspielerin bleibt deutlich unter dem von ihr gewohnten Niveau. Auch der christliche Unterton stört in dem Zusammenhang. Dass dann auch noch Glenn Close und Julia Stiles auftauchen (als Oma und Mutter von Gilly) adelt den Film zwar, ist im Falle von Stiles‘ Auftritt aber überflüssig und bei Glenn Close irgendwie nicht entschlossen genug. Sei’s drum: Die jugendliche Zielgruppe sollte Gilly Hopkins als wertvollen Beitrag mit positiver Moral zu schätzen wissen. Denn die Botschaft von Respekt, Freundschaft und Familie, die der Film vermittelt ist am Ende universell und leicht verständlich.

Bild- und Tonqualität

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Gilly hat Agnes sichtlich eingeschüchtert

Warme, gelb-braun gefilterte Farben dominieren das Bild von Gilly Hopkins. Die Bildruhe ist gut, Rauschen oder ein grobes Korn sind kein Thema. Bewegungen bleiben meist ruckelfrei, allerdings lassen sich hier und da Artefakte auf uniformen farbigen Hintergründen ausmachen. Auch ist der Kontrastumfang etwas geringer als möglich. Schwarz ist nie richtig satt und leidet noch unter leichter Grün-/Blaueinfärbung. Ganz übel sehen die Umrisse der Darsteller während der Autofahrt aus, die sichtbar vor der Green Screen aufgenommen wurden. Hier hätte man deutlich sorgfältiger arbeiten müssen.
Akustisch bleibt Gilly Hopkins vornehmlich auf den Center beschränkt und präsentiert die Dialoge gut verständlich. Räumlichkeit bleibt meist aus, sieht man von dezenten Umgebungsgeräuschen ab. Selbst in Sachen Dynamik gibt’s kaum Anforderungen an die Lautsprecher. Daran ändern auch die fetzigen Rocksongs nicht viel, klingen sie doch wie durchschnittlich komprimierte mp3-Files (45’08).

Bonusmaterial

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W.E. hat das erste Mal das Gefühl, beschützt zu werden

Das Bonusmaterial von Gilly Hopkins besteht aus dem Originaltrailer und einigen Programmtipps des Anbieters.

Fazit

Basierend auf einem erfolgreichen Jugendroman ist Gilly Hopkins – Eine wie keine ein gut gespielter und warmherziger Film mit positiver Botschaft. Als solcher genau richtig für den Filmabend mit den Kids.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 60%
Bonusmaterial: 10%
Film: 65%

Anbieter: Concorde Home
Land/Jahr: USA 2014
Regie: Stehen Herek
Darsteller: Kathy Bates, Sophie Nélisse, Zachary Hernandez, Julia Stiles, Glenn Close, Octavia Spencer, Billy Magnussen, Clare Foley, Bill Cobbs, Toby Turner
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 97
Codec: AVC
FSK: 6

Trailer zu Gilly Hopkins

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