Goal of the Dead – 11 Zombies müsst ihr sein!

Blu-ray Review

Koch Media, seit 12.06.2014

OT: Goal of the Dead

 


Anpfiff

Goal of the Dead – 11 Zombies müsst ihr sein! möchte gerne im Finale gegen Shaun of the Dead eine blutige Rolle spielen – gelingt dieses Unterfangen?

Erste Halbzeit

Zombies setzen selten auf Fairplay

Sam Lorit, mittlerweile nur noch Starspieler der zweiten Reihe von Olympique Paris, kehrt mit seiner Mannschaft für ein Freundschaftsspiel in seine Heimatstadt Caplongue zurück. Klar, dass das kleine Kaff mit einem Stadion für 765 Besucher und ganzen vier Ultras vollkommen aus dem Häuschen ist. Dies aber weniger wegend des heimkehrenden Sohnes der Stadt, sondern vor allem wegen des jungen und gutaussehenden Topstars Diago. Mit an Bord des Mannschaftbusses ist auch eine attraktive Reporterin von Canal+. Was ein Fest des Fußballs werden soll, wird allerdings schon auf der Hinfahrt unterbrochen, als der Bus irgendetwas Großes überfährt, was kurz darauf verschwunden ist. Eben jenes großes Etwas entpuppt sich alsbald als Belvaux, der stämmige Stürmer der Lokalmannschaft, der noch dazu mit einem Zombievirus infiziert ist und alles plattwalzt, was ihm in die Quere kommt. Es dauert nicht lange, und sämtliche 765 Zuschauer des Stadions haben sich zu reißenden Bestien verwandelt – sämtliche 765 Zuschauer? Nein, ein junges Mädchen hat sich mit dem wegen grobem Foulspiels vom Platz gestellten Sam Lorit in einer Kneipe verschanzt und erwehrt sich dort nun der anrückenden Zombiewelle …

Zweite Halbzeit

Im Nebel lässt sich Freund von Feind nicht unterscheiden

Ein Film wie eine Abseitsfalle: Mit passender Aufstellung ins Match gegangen, gut taktiert und gespielt aber vor dem Tor dann effektiv ausgekontert. Die an sich nette Idee, zur Fußball-WM in Brasilien eine Zombiepersiflage zu produzieren, die auf dem heiligen Rasen staffindet, ist prinzipiell gut und lobenswert. Allerdings vergehen knapp 40 recht zahme Minuten, bevor das Spiel überhaupt angepfiffen wird. Und mit 120 Minuten Laufzeit geht Goal of the Dead – 11 Zombies müsst ihr sein! nach überraschend zäher erster, dafür aber recht effektvoller zweiter Halbzeit (etwas) unentschieden über die Verlängerung. Tatsächlich schöpft der Film von Thierry Poiraud und Benjamin Rocher (Letzterer inszenierte auch Die Horde) aus dem schmalen Budget schon mal recht rasant inszenierte Fußballszenen heraus. Das ist beileibe nicht selbstverständlich, denn Fußball wurde bisher noch nie wirklich glaubhaft inszeniert. Immer wieder eingestreute Super-Slow-Motions unterstreichen die gute Atmosphäre. Ebenfalls gelungen sind die witzigen Einfälle während der Zombieattacken. Zwar ist der Film auch ansehnlich blutig, doch oft werden auch einfach übertriebene Sounds eingesetzt, um die Brutalität zu verdeutlichen. Die FSK-16-Freigabe ist übrigens korrekt, auch wenn der Film bei einem großen Internetanbieter noch mit FSK-18 verzeichnet ist. Keine Angst, die Schere wurde nicht angesetzt, Goal of the Dead ist ungeschnitten. Allerdings – und das ist nicht auf die Bluteffekte bezogen – hätte dem Film ein paar Schnitte ganz gut getan, denn zwischendurch zieht er sich doch ein wenig. Wenn er (auch offiziell) nach 60 Minuten die zweite Halbzeit einläutet, nimmt das Tempo allerdings spürbar zu. Das Bedrohungsszenario wird durch flink agierende Untote ganz gut eingefangen und die Rotz- und Spuckeffekte sind hübsch eklig. Gut gelungen sind auch die Fleischmasken und die Gore-Szenen.

Verlängerung

Stürmerstar Idriss Diago bläst zum Angriff

Das satt kontrastierte, etwas farbneutrale Bild von Goal of the Dead – 11 Freunde müsst ihr sein! liefert in Nahaufnahmen und Halbtotalen eine prägnante Schärfe, die hin und wieder etwas zu knackig ist. Gerade bei Diagos kurzen Krauslocken fällt dies auf. Die Bildruhe ist gut, ein ganz dezentes Korn unterstützt den filmischen Look.
Akustisch präsentiert sich Goal of the Dead immer dann effektreich, wenn die Actionszenen das Zepter übernehmen. Stadionatmosphäre oder Schockmomente werden entsprechend dynamisch wiedergegeben. Die Stimmen der (guten) deutschen Synchronisation sind verständlich und kommen prägnant aus dem Center. Spätere Pistolen- und Gewehrschüsse entfalten sich effektvoll im Raum.

Elfmeterschießen

Niemand ist einsamer als der Zombiefan, dessen Mannschaft gerade abgestiegen ist

Das Making-of von Goal of the Dead behandelt einige Aspekte des Films, vom Entstehen der Idee (die übrigens von der britischen Zombieserie Dead Set inspiriert wurde), über die kreative Umgangsweise mit dem geringen Budget, bis hin zur Besetzung der Hauptrolle. Der Protagonist des Films musste dabei ein durchaus intensives Fußballtraining durchlaufen. Das Feature über die Spezialeffekte zeigt anschaulich, wie getrickst wurde, um Stadionmassen und Pyroeffekte vorzutäuschen.
Dazu gibt’s noch zwei abgedrehte, hübsch anarchische Kurzfilme, die im Falle von „Feed to Kill“ (einem Fake-Filmtrailer) durchaus den Ekelnerv ansprechen.

Schlusspfiff

Finale? Wohl doch eher Aus in der Vorrunde! Gegen Vorbilder wie Shaun of the Dead jedenfalls hatte Goal of the Dead von Anfang an nur Außenseiterchancen. Dabei sind gute Ansätze zu erkennen, die allerdings erst in der zweiten Halbzeit die eine oder andere Vorlage zu einem Torerfolg verwandeln.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 60%
Film: 50%

Anbieter: Koch Media
Land/Jahr: Frankreich 2014
Regie: Thierry Poiraud, Benjamin Rocher
Darsteller: Alban Lenoir, Charlie Bruneau, Ahmed Sylla, Patrick Ligardes
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, fr
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 120
Codec: AVC
FSK: 18 (uncut)

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