Gold – Gier hat eine neue Farbe

Blu-ray Review

Gold - Gier hat eine neue Farbe Blu-ray Review Cover
Studiocanal, 05.10.2017

OT: Gold

 


Treffer oder Pleite?

Auf Tatsachen beruhender Mix aus Satire und Finanzdrama.

Inhalt

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Kenny war mal ein guter Verkäufer

Nevada zu Beginn der 80er: Die Familie Wells führt ein erfolgreiches Bergbau-Unternehmen. Doch Kenny, der Sohn des Firmenpatriarchen, schafft es, innerhalb von sieben Jahren nach dem Tod des Daddys, die Firma in den Ruin zu treiben. Sein Talent fürs Aufspüren von Bodenschätzen scheint endlich zu sein und so lässt er sich von seiner Freundin Kay aushalten, die gleich zwei Jobs schmeißt, um über die Runden zu kommen. Dann jedoch hört Kenny von einem Goldvorkommen in Indonesien und einen fiebrigen Traum später kratzt er sein letztes Geld zusammen, um diese Ader vor Ort zu finden. Gemeinsam mit dem Geologen Mike Acosta macht er sich in der Ferne daran, das Gold zu finden. Doch was er findet, ist zunächst einmal Malaria. Kurz nachdem er aus dem Delirium erwacht, erhält er die Nachricht Acostas, dass die Ader gefunden sei. Dumm nur, dass der neue Reichtum, der schließlich erschürft wird, die geldgierige Wall Street auf den Plan ruft, die ihre Opfer fordert …

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Mit seiner Leidenschaft steckt er die Kollegen vor Ort an

Gold – Gier hat eine neue Farbe erzählt die lose auf wahren Begebenheiten beruhende Tatsache (Stichwort: Bre-X-Skandal) eines geschäftlichen Losers, der durch Risikobereitschaft doch noch das erhoffte Stück vom Kuchen erhält. Inszeniert von Stephen Gaghan (Syriana), der vor allem als Drehbuchautor einen Namen hat (Oscar für Traffic – Die Macht des Kartells), ist der Film völlig auf seinen Hauptdarsteller Matthew McConaughey konzipiert. Der kann den sympathischen Verlierer spielen, wie kein anderer und fällt erneut vor allem physisch auf. Was macht der Mann nur mit seinem Körper? Einst ein durchtrainierter Sonny-Boy, dann für Dallas Buyers Club abgemagert bis auf die Knochen und für Gold dann die authentisch passende Schmierbauch-Plauze, die ein abgewrackter und alkoholsüchtiger Loser nun mal mit sich rumträgt. Dazu sind die Haare dünn und fettig und die Haut unrein. Der einstige Vortänzer aus Magic Mike hat mittlerweile überhaupt kein Problem damit, Mut zur Hässlichkeit zu beweisen und unterstützt so stets seine Figuren. Ab und an wirkt das in Gold ein wenig selbstzweckhaft, was aber auch am Charakter seiner Rolle liegen kann. Denn Kenny Wells schwankt stets zwischen grandioser Überheblichkeit, leidenschaftlich gestikulierendem Geschichtenerzähler und selbstmitleidigem Verlierer.

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In Indonesien vermuten Kenny und Michael das größte Goldvorkommen weltweit

Das Gegengewicht zu McConaughey stellt die großartige Bryce Dallas Howard dar, die als Partnerin Kennys (lange Zeit) unabdingbar hinter ihm steht und als Fels in der Brandung mit großen Augen dem neuen Reichtum begegnet. Inhaltlich bewegt sich der Film stets irgendwo zwischen Abenteuerdrama im Stiles eines Der Schatz der Sierra Madre und Satire auf den „American Dream“. Alleine der Kontrast zwischen der glitzernden Hochglanzwelt des Turbo-Kapitalismus und dem schmuddeligen Kenny aus Reno bietet genug Witz und übt unverholen Kritik an Finanzblasen und Spekulationen. Und weil das so ist, hätte Gold – Gier hat eine neue Farbe das ab und an exaltierte Schauspiel deines Hauptdarstellers gar nicht nötig gehabt. Inhaltlich wäre es zumindest ab und an ganz gut gewesen, wenn man sich ein wenig zurückgenommen hätte, um die Geschichte etwas transparenter und nachvollziehbarer zu gestalten. Übersichtlich ist das ganze Goldschürfer-Wall-Street-Ding jedenfalls nicht. Ein bisschen Interesse an der Finanzwelt schadet deshalb nicht, um die Zusammenhänge von steigenden und fallenden Kursen zu verstehen und nachvollziehen zu können, warum aus einer Goldader, die rein auf Aussagen basiert, eine Multi-Milliarden-Spekulationsblase werden konnte.

Bild- und Tonqualität

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Kay freut sich mit Kenny über das neue Leben

Das Bild von Gold – Gier hat eine neue Farbe kommt klar und kontrastreich zum Betrachter. Spitzlichter sind schön prägnant und hell, während Schwarzwerte knackig bleiben. Die Schärfe ist in Close-ups hervorragend, in Halbtotalen immer noch sehr gut. Ein ganz leichtes Korn passt zum Film und lässt das Ganze analog wirken. Allerdings verstärkt sich dies bisweilen ein wenig, wenn die ersten Bilder aus Indonesien eingestreut werden. Hier wuselt es deutlicher und Szenen in dunklen Spelunken verlieren dann auch an Kontrast und Schärfe. Auch Oberflächen wie die Felswand erhalten plötzlich ein Eigenleben (19’50). Außerdem gesellen sich dann auch bisweilen Randunschärfen im unteren Bereich hinzu (20’40). Beginnt es im Dschungel zu regnen, weiß man dann nicht mehr, was Regen und was Korn ist (25’37). Sicher ist das bewusst so stilisiert, hübsch ist aber anders und an dieser Stelle auch etwas übertrieben.
Akustisch lebt Gold von dem Moment an auf, in dem Wells und Acosta in den Dschungel eintreten. Exotische Vögel, Affen und andere Tiere verwandeln das Heimkino augenblicklich in einen tropischen Regenwald (19’30). Lebhafter kann man das kaum vertonen – klasse. Auch die treibende Filmmusik stellt sich breit auf und nimmt auf allen Lautsprechern Platz. Sie ist ohnehin ein Glücksfall für den Film, der von den Popnummern der 80er/90er (Iggy Pop, Pixies, New Order) und einem smarten Score lebt. Während der Songs darf auch der Subwoofer ins Geschehen eingreifen und ein wenig Druck liefern.

Bonusmaterial

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Wirklich ein Freund?

Das Bonusmaterial von Gold enthält neben entfernten Szenen, vier Interviews sowie einem Audiokommentar von Regisseur Gaghan auch noch drei Featurettes. Eines davon kümmert sich um Hauptdarsteller McConaughey, eines besucht die Drehorte und ein drittes erzählt die Geschichte von den Grundzügen des Drehbuchs hin zum fertigen Film.

Fazit

Leidenschaftliche gespieltes Satire-Abenteuer-Drama, das Der Schatz der Sierra Madre mit The Wolf of Wall Street kombiniert, aber inszenatorisch etwas mehr Transparenz hätte liefern können.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 50%
Film: 70%

Anbieter: Studiocanal
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Stephen Gaghan
Darsteller: Matthew McConaughey, Édgar Ramírez, Bryce Dallas Howard, Corey Stoll, Toby Kebbell, Bruce Greenwood, Stacy Keach
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 121
Codec: AVC
FSK: 12

Trailer zu Gold – Gier hat eine neue Farbe

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