Grand Piano – Symphonie der Angst

Blu-ray Review

Koch Media, 08.05.2014

OT: Grand Piano

 


Für Emma

Klavier-Killer-Thriller mit prominenter Besetzung.

Inhalt

Tom hat keine andere Wahl: Er muss sich konzentrieren und um sein Leben spielen

So sehr es sich Tom Selznick auch wünscht, der Flieger nach Chicago würde abstürzen oder der Fahrer auf dem Weg zum Konzertsaal verunglücken, es passiert nicht. Das bedeutet, dass der Pianist wohl oder übel fünf Jahre nach einem Zusammenbruch wieder vor einem großen Publikum auftreten muss. Voller Lampenfieber hat er sich auch noch das schwerste Stück ausgesucht – eben jenes, das er seinerzeit vergeigte. Und dann sitzt er dort, vor seinem Flügel, schlägt die Partitur auf und liest anstelle der Noten eine Drohung: Sollte er auch nur einen Fehler in dem komplizierten Stück produzieren, werden seine Frau, der bezeichnenderweise ein ganz besonderer Platz im Publikum zugewiesen wurde, und er sterben …

Toms hübsche Frau Emma schwebt ebenfalls in Lebensgefahr

Nimmt man mal Elijah Woods weinerliche Performance als Frodo in Herr der Ringe aus, war und ist er einer der talentiertesten und wandlungsfähigsten Schauspieler seiner Generation. Ob zuletzt als fieser Killer in Alexandre Ajas Maniac oder hier als Klaviertalent. Erste Bedenken, es könnte eine zähe Angelegenheit sein, ein Abend, der nur von klassischer Musik dominiert wird, werden schon von Beginn an zerstreut, denn Tom Selznick ist ein bemerkenswert sarkastischer Mensch. Nach einer guten halben Stunde wechselt die Stimmung und der vermeintliche Killer nimmt über einen Knopf im Ohr Kontakt zu Selznick auf. Die Dramatik nimmt zu und die Macher von Getaway hätten gut daran getan, sich vor ihrem Film mal Grand Piano anzuschauen – denn dann hätten sie gewusst, wie man kluge und dramaturgisch nachvollziehbare Dialoge und Anweisungen an einen Erpressten gibt, ohne knietief im Klischee zu waten.

Wie soll Tom aus der Nummer nur rauskommen?

Ein großes Verdienst des Films ist die Tatsache, dass er nicht in die gleiche Falle tappt, wie Filme, in denen ein Pianist die Hauptrolle spielt. Denn während es für gewöhnlich meist daneben geht, wenn man einen Nicht-Klavierspieler an den Tasten schauspielern lässt, gelingen Elijah Wood zum einen die Bewegungsabläufe sehr gut und nachvollziehbar, zum anderen lässt Regisseur Mira (zuletzt noch als „Prophet“ Angel in Ende zu sehen) seinen Kamermann mit unterschiedlichsten Winkeln den Flügel und die Arbeit an ihm filmen. Mal sieht man Wood als Spiegelung, mal die Anschläge der Tasten im Inneren und dann wieder eine Totale des Geschehens.
Größtes Manko von Grand Piano ist seine Überkonstruiertheit, die die Frage aufwirft, warum der Bösewicht sich überhaupt die Arbeit dieser Inszenierung macht, wenn er auf anderem Wege ungleich leichter an sein Ziel kommen könnte.

Bild- und Tonqualität

Während der Pausen muss er sich die Partitur für das „unspielbare Stück“ besorgen

Das zwar ruhige aber nicht sonderlich scharfe Bild von Grand Piano präsentiert lebhafte und kräftige Farben. Lichter strahlen dynamisch, während Schwarz noch knackiger sein dürfte.
Während der Subwoofer von Anfang an gut zu tun bekommt und die tiefen Töne des Klaviers druckvoll begleitet, könnte der (künstlerisch toll gestaltete) Vorspann von Grand Piano, in dem das Tasteninstrument gestimmt wird, akustisch noch räumlicher gestaltet sein. Räumlich hingegen wird das Publikum im Konzertsaal, vor allem ihr Beifall dargestellt und wenn sich gegen Ende die Mechanik im Inneren des Instruments in Bewegung setzt, klickert und klackert es besonders innovativ aus den Rearspeakern.

Bonusmaterial

Das Konzert ist noch nicht zu Ende …

Schade, dass im Bonusmaterial von Grand Piano nur Originaltrailer und weitere Programmtipps warten. Man hätte sich ein Feature gewünscht, in welchem gezeigt wird, wie sich Wood auf die Klavierparts vorbereitet (vielleicht sogar selbst spielen gelernt?) hat.

Fazit

Grand Piano ist ein durchaus spannender, in seinen besten Momenten an Hitchcock erinnernder Thriller, der gut gespielt ist, jedoch unter ein paar Logikschwächen leidet.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt.): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 5%
Film: 60%

Anbieter: Koch Media
Land/Jahr: Spanien 2013
Regie: Eugenio Mira
Darsteller: Elijah Wood, John Cusack, Tamsin Egerton, Kerry Bishé, Dee Wallace
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 90
Codec: AVC
FSK: 16

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