Hannibal – die komplette zweite Staffel

Blu-ray Review

Studiocanal, seit 05.12.2014
Studiocanal, seit 05.12.2014

OT: Hannibal

 


Wohl bekomms!

Die außerordentliche Serie, basierend auf Thomas Harris‘ Romanreihe geht in die zweite Runde.

Inhalt

Falscher Mann in der richtigen Maske
Falscher Mann in der richtigen Maske

Dr. Hannibal Lecter hat es tatsächlich fertig gebracht, Will Graham den Mord an Abigail in die Schuhe zu schieben und die Indizien dermaßen akkurat vorbereitet, dass der Profiler selbst an seine Schuld glaubt. Doch als Lecter dem Polizeiberater weitere seiner Taten auf die Schultern laden will, wird Graham endlich misstrauisch und weiß am Ende, dass der Psychiater selbst ein, wenn auch distinguierter, Serienkiller ist. Doch das nützt ihm erstmal wenig, denn er befindet sich hinter Schloss und Riegel einer psychiatrischen Anstalt. Und da Morde grundsätztlich nicht aufhören wollen, muss natürlich jemand der Polizei den Dienst des Profilers bieten. Crawford selbst lässt Lecter darum bitten und der bekommt es direkt mit einem Mehrfachmord zu tun. Will versucht währenddessen Erinnerungen daran zu erlangen, was mit ihm geschehen ist, bevor man ihn wegen des Mordes an Abigail festgesetzt hat. Und so langsam kommen einzelne Puzzleteile zum Vorschein. Aber auch an den aktuellen Mordfällen ist er beteiligt, denn Beverly Katz sucht ihn immer wieder auf, um seinen Rat zu holen …

Hannibal Lecters Manipulationsfähigkeiten machen auch vor Wills Nahestehenden nicht Halt
Hannibal Lecters Manipulationsfähigkeiten machen auch vor Wills Nahestehenden nicht Halt

Spannender als mit der letzten Folge der ersten Staffel von Hannibal hätte die Serie kaum enden können. Wie es Bryan Fuller schafft, mit jeder Episode die Atmosphäre noch intensiver, noch unangenehmer und emotional einbindend zu gestalten, das verdient höchsten Respekt. Sein Hauptdarsteller Mads Mikkelsen in der Rolle des ebenso genialen wie abstoßenden Mörders Lecter schafft es einerseits, seine Figur bewundernswert erscheinen zu lassen, wie er andererseits mehr und mehr Aggressionen gegen den Kannibalen schürt, der so genial manipulativ den Profiler Graham ausnutzt.
Staffel Zwei von Hannibal beginnt mit dem Paukenschlag eines absolut packenden Fights zwischen Crawford und Lecter, dessen Ende nicht gezeigt wird. Vielmehr wird abrupt zwölf Wochen nach vorne geblendet und die Geschichte von da an aufgerollt. Man ahnt also schon, wie die zweite Season endet und ist umso gespannter, wie es zum Kampf zwischen dem Psychiater und dem FBI-Mann kommt. Bevor das geklärt wird, nutzt Schöpfer Fuller einen genialen Kniff, um das Duell zwischen Graham und Lecter auf eine neue Ebene zu hieven. Einerseits muss Graham in der Anstalt dafür kämpfen, seine Unschuld zu beweisen und gerät dabei zwangsläufig in Konflikt mit dem psychopathischen Psychiater, andererseits agieren sie als schlagkräftiges Team bei der Aufklärung „fremder“ Mordfälle. Die Hinweise, die Beverly Katz aus der Psychiatrie von Will mitbringt, ergänzen sich perfekt mit den Schlussfolgerungen, die Lecter als Polizeiberater zieht.

Das Vertrauen zwischen Will und Jack ist erstmal dahin
Das Vertrauen zwischen Will und Jack ist erstmal dahin

Und so ist es erneut das Duell zwischen Dancy und Mikkelsen, das für Gänsehaut sorgt. Die Aufeinandertreffen der beiden (im Gegensatz zum Schweigen der Lämmer mit umgekehrten Vorzeichen) sind von fiebriger Intensität. Neben den hervorragenden Schauspielern ist es erneut der hypnotische Soundtrack, der Hannibal zu einer einzigartigen Atmosphäre verhilft – eine Atmosphäre, die im Serien-Allerlei herausragend ist und schon ohne explizite Gewaltdarstellungen immer wieder auf den Magen schlägt. Von spärlichen Klaviertönen über rumorende tiefe Sounds oder düstere Oboen-Klänge – was vielleicht musikalisch nicht jedermanns Sache ist, unterstützt den düsteren Tenor der Serie kongenial.
Natürlich gibt’s neben dem großen Handlungsbogen auch Mordfälle zu lösen und die sind erneut bizarr bis skurril. So bekommt das FBI es in den ersten beiden Folgen mit einem Killer zu tun, der seine Opfer bei lebendigem Leib konserviert und zu einer Farbpalette zusammenlegt – ein schauriges Bild (selbst für Hannibal-Verhältnisse) ist der Moment, in dem sich das letzte Opfer aus der Menschenschnecke herauslöst. Bei allem Lob ist in der zweiten Season aber auch etwas Kritik angebracht. Der Prozess gegen Graham ist mitunter zäh inszeniert und zieht sich etwas. Das bricht mit dem Tempo, das die erste Season bisweilen vorlegte und wirkt bisweilen etwas wie ein Fremdkörper.

Bild- und Tonqualität

Neben Lecter gibt's auch noch andere psychopathische Killer, deren Werke immer bizarrer werden
Neben Lecter gibt’s auch noch andere psychopathische Killer, deren Werke immer bizarrer werden

Düster geht’s zu – und das nicht nur inhaltlich. Das Bild von Hannibal ist, stärker noch als in der ersten Staffel, geprägt von dunklen Innenräumen, düsteren Gefängniszellen und einer leichten Grünfärbung in schwarzen Anteilen. Dennoch, trotz aller Düsternis, ist die Schärfe im Fokusbereich stets sehr gut und die Bildruhe sehr hoch. Artefakte gibt trotz der teils langen Laufzeit von gut 3,5 Stunden auf einer Disk nicht.
Akustisch ändert sich gegenüber Season Eins von Hannibal nichts – und das ist durchaus positiv. Actionmomente sind selten, sodass die hauptsächliche Nutzung der Effektlautsprecher von den Geräuschen der Filmmusik genutzt wird. Die Sprachverständlichkeit ist herausragend und wenn Will seine Visionen hat, wird’s immer wieder räumlich.

Bonusmaterial

Ein Kampf auf Leben und Tod
Ein Kampf auf Leben und Tod

Disk eins und zwei von Hannibal bieten je drei Audiokommentare zu den jeweiligen Episoden. Auf der dritten Scheibe gibt’s dann zusätzlich ein Gag-Reel, geschnittene Szenen und insgesamt fünf Featurettes. Eines davon beschäftigt sich mit der Choreographie des Season-eröffnenden Kampfs, ein weiteres blickt hinter die Kulissen der herausragenden Körperprothesen, die für die Mordopfer genutzt und vom wahren Maskenkünstler Francois Dagenais umgesetzt werden. In „The Style of a Killer“ geht’s um den Charakter Hannibal Lecter und vor allem um dessen Design – sprich: seine großartigen, maßgeschneiderten Anzüge. Hauptfeature mit knapp 83 Minuten Laufzeit ist aber „This is My Design“, das „Mukozuke“, die Schlüsselepisode der zweiten Season von Hannibal, noch einmal Revue passieren lässt.

Fazit

Hannibal ist nach wie vor die einzige psychologisch ausgefeilte und auf vielen Meta-Ebenen funktionierende Kriminalserie, daran ändert auch die Inhaftierung Grahams und dessen Prozess nichts. Auf hohem schauspielerischem Niveau und mit einzigartiger Atmosphäre fesselt Hannibal nach wie vor. Allerdings ist die Konzentration auf Wills Schuld/Unschuld bisweilen etwas tempoverschleppend. In Season Drei wünscht man sich wieder mehr Augenmerk auf aktuelle Mordfälle.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%

Bonusmaterial: 80%
Serie: 85%

Anbieter: Studiocanal
Land/Jahr: USA 2013
Regie: Tim Hunter
Darsteller: Hugh Dancy, Mads Mikkelsen, Laurence Fishburne, Gillian Anderson, Caroline Dhavernas, Kacey Rohl
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 558
Codec: AVC
FSK: 18 (ungeschnitten)

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