Headhunt

Blu-ray Review

Mad Dimension/AL!VE AG, 26.09.2014

OT: Redd Inc.

 


Zeugen der Anklage

Kurz bevor mit Wolf Creek 2 die Fortsetzung eines australischen Horrorklassikers erscheint, landet dieses packende Horror-Kleinod aus Down Under bei uns im Heimkino.

Inhalt

Ist blutverschmiert wie ein Killer, hält die Axt wie ein Killer und sieht aus wie ein Killer – oder?

Thomas Reddmann wurde für einen angeblichen Axtmord lebenslang in eine psychiatrische Anstalt gesteckt. Der „Headhunter“, wie er inoffiziell genannt wurde, entkommt dort allerdings einem Brand – wenngleich die Öffentlichkeit denkt, dass er dabei gestorben wäre. Einige Monate später finden sich sechs Leute an einen Tisch gefesselt wieder, gekidnappt von Reddmann. Der erwartet von den Personen, dass sie seine Unschuld beweisen – immerhin haben alle etwas mit der Verurteilung zu tun. Vom Staatsanwalt über Augenzeugen und Polizisten sind alle relevanten Personen versammelt und müssen nun emsig arbeiten, recherchieren und kombinieren. Tun sie dies nicht oder finden sie nicht zügig Beweise für Reddmanns Unschuld, hilft der vermeintliche Killer in Sachen Motivation gewaltsam nach …

Ein fünfter Strich auf der Stirn ist kein gutes Zeichen

Headhunt liefert eine lupenreine, blutig-böse und zynische Abrechnung mit Korruption und Schreibtischtätertum. Zwar hat sich Regisseur Daniel Krige mit seinen Autoren Jonathan Green und Anthony O’Connor einiges bei SAW abgeschaut, doch trotzdem ist das Setting einfallsreich und innovativ. Die klaustrophische Atmosphäre des Kerkerbüros und die immer drastischer werdenden Bestrafungen werden ohne offensichtlichen Humor präsentiert und die Dialoge sind überraschenderweise recht treffsicher – das hat man schon dümmer oder alberner gesehen. Zumal die „Recherchen“ der „Angestellten“ einen Hauptteil der Zeit ausmachen und dennoch nicht über die Maßen strapziös langatmig wirken. Das liegt auch an den teils drastischen Gewalteruptionen, die von Make-up-Künstler Tom Savini mit gewohnt sicherem Händchen umgesetzt wurden – es gab jedenfalls schon länger nicht mehr eine so überzeugende Fingernagelentfernung. Umso erstaunlicher, dass beim doch recht ernsten Ton des Films die FSK nicht einschritt, denn Headhunt ist ungeschnitten ab 18 freigegeben.

Hinter dem Lederhandschuh verbirgt sich ein effektiver Bestrafungsmechanismus

Während die „Opfer“ im Film langsam Zeichen auf der Stirn sammeln, vernachlässigt Krige die vom Täter befohlene Recherche leider etwas. Man hätte durchaus mehr mit der Frage spielen können, ob Reddmann nun für den ursprünglichen Mord verantwortlich ist oder nicht. Etwas mehr Verunsicherung beim Zuschauer zu erwecken, hätte der Geschichte und der Spannung gut getan. Allerdings holt Headhunt das nach gut 52 Minuten nach, wenn Reddmann seine Opfer ins Kreuzverhör nimmt – genau dann hat der Film auch seine besten dramturgischen Momente. Zudem, das muss man den Independent-Streifen lassen, ist das Casting der Figuren gelungen. Man kann sie gut voneinander trennen, sie haben alle ihre Eigenheiten und die Darsteller beherrschen gar mehr als zwei Gesichtsausdrücke. Im Falle von Hauptakteur Nicholas Hope, der als Reddmann überzeugt, kann man sogar von einem bleibenden Eindruck sprechen. Ein bleibender Eindruck, der auch nach dem Ende bleibt, denn während der Film gut 72 Minuten zumeist ernst bleibt, integriert Daniel Krige im Finale ziemlich böse, allerdings auch ebenso witzige Büro- und Verwaltungssatire. Apropos Finale: Die überrasachende Wendung verfehlt ihre Wirkung nicht.

Bild- und Tonqualität

Thomas Reddmann will seine Unschuld mit allen Mitteln beweisen

Dem Bild von Headhunt fehlt es grundsätzlich etwas an Schärfe und Durchzeichnung. Gerade die Aufnahmen im düsteren Kerker lassen in dunklen Bildbereichen Details vermissen. Zu Beginn überzeichnen Farben etwas, das lässt im weiteren Verlauf hingegen nach. Einige Nahaufnahmen wirken sehr krisp, wohingegen gerade das Gesicht von Kelly Paterniti als Annabelle zu weich daherkommt. Akustisch reißt Headhunt keine Bäume aus, weiß aber mit dezent eingesetzter Filmmusik, welche die klaustrophobische Atmosphäre unterstützt, zu gefallen. Erstaunlich gut gelungen ist die Synchronisation, die weder unnatürlich noch schlecht getimet rüberkommt. Die Stimmen sind gut ausgewählt und die Emotionen nachvollziehbar.

Bonusmaterial

Annabelle hingegen nutzt die Möglichkeit zur Flucht

Wie bei Bloodbath auch, hat das Bonusmaterial von Headhunt außer einigen Programmtipps nichts weiter zu bieten.

Fazit

Headhunt ist eine originell erdachte, innovativ gefilmte und überzeugend gespielte Horror-Satire, die durch ihren Schlussakkord über ein paar Schwächen im Mittelteil hinwegspielt. Einer der besseren Genrefilme der letzten Monate.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 60%
Bonusmaterial: 10%
Film: 70%

Anbieter: Mad Dimension/AL!VE AG
Land/Jahr: Australien 2012
Regie: Daniel Krige
Darsteller: Nicholas Hope, Kelly Paterniti, Sam Reid
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 93
Codec: AVC
FSK: 18 (uncut)

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