Heart of a Lion

Blu-ray Review

Heart of a Lion - A Choice Between Love and Hate Blu-ray Review Cover
Mad Dimension, seit 29.05.2015

OT: Leijonasydän

 


Schrei nach Liebe

Was, wenn man Neonazi ist und die neue Freundin einen Sohn mit dunkler Hautfarbe hat?

Inhalt

Heart of a Lion - A Choice Between Love and Hate Szene Blu-ray Review Szene 2
Teppo steht zu seinem Wort – Hand drauf!

Kellnerin Sari hat sich vom ersten Moment an in den abgebrannten Teppo verknallt, der mal wieder erfolglos aus einer Bewerbung zurückgekommen ist und nun einen Kaffee von ihr ausgegeben bekommt. Da Sari kein Kind von Traurigkeit ist, nimmt sie ihn mit nach Hause und verbringt die Nacht mit ihm. Blöd, dass sie am nächsten Morgen die Nazitatoos auf seinem Körper entdeckt und noch blöder, dass Sari aus einer Beziehung mit einem Afrikaner ein farbiges Kind hat. Da sie mit der braunen Gesinnung nichts anfangen kann, schickt sie Teppo zunächst zum Teufel. Doch der bleibt hartnäckig und schafft es irgendwie, ihr Herz zu erobern. Als er von dem Nachkömmling erfährt, hält er es zunächst für einen Witz. Doch ein Ehrenmann wie Teppo steht zu seinem Wort und schwört bei seinem Schwanz, dass Saris Sohn auch sein Sohn ist. Während seine Kumpels also weiter die Imbissbuden der Migranten umwerfen, versucht sich Teppo darin, dem jungen Rhamadhani näher zu kommen. Obwohl der schnell von der Nazigesinnung Wind bekommt und den neuen Mann an der Seite seiner Mutter am liebsten zum Teufel wünschen würde. Als die jedoch für einige Zeit ins Krankenhaus muss, sind Teppo und Rhamadhani auf sich allein gestellt und lernen, miteinander umzugehen. Dann taucht allerdings Teppos Bruder Harri auf. Der ist voller Hass und alles andere als kompromissbereit …

Heart of a Lion - A Choice Between Love and Hate Szene Blu-ray Review Szene 8
Eine Szene, die nicht im Film vorkommt, aber dennoch zeigt, wie schwierig das Verhältnis zwischen Teppo und Rhamadhani anfänglich ist

Heart of a Lion fordert seiner Hauptfigur Teppo einiges ab, wenn der geduldig mitansieht, wie Ziehsohn Rhamadhani ihn immer wieder mit fingierten Provokationen an den Rand seiner Vaterlandsliebe treibt. Überhaupt geht Karukoskis Film einen bisweilen ungewöhnlichen Weg und beschäftigt sich nicht nur mit den rassistischen Vorurteilen einer Neo-Nazi-Gruppe, sondern auch mit den Ängsten eines Jungen, dem kaum wohl bei der Sache ist, dass er nun einen arischen Nazi-Ersatzvater hat. Peter Franzén in der Hauptrolle agiert dabei herausragend differenziert und bekommt es ähnlich stark wie seinerzeit Edward Norton in American History X hin, die Wandlung und den inneren Konflikt seiner Figur darzustellen. Das Zusammenspiel mit dem jungen Yusufa Sidibeh ist nicht nur emotional bewegend, sondern nahezu frei von den üblichen Klischees – zumal Heart of a Lion sich nicht auf simples Gutmenschentum reduziert, sondern die Augen vor den sich auftuenden drastischen Konflikten nicht verschließt. Der Kniff, Sari für die meiste Zeit aus dem Fokus zu nehmen und sich auf Rhamu, Teppo und dessen ultranationalen Bruder Harri zu konzentrieren, bietet überaus spannende Situationen und führt absehbar zu tragischen Ereignissen. Doch nicht einmal Harri wird eindimensional als bloßes Feindbild stilisiert, sondern bekommt seine Hintergründe und Grauschattierungen. Überaus Herausragend ist Heart of a Lion auch immer dann, wenn er unbequeme Fragen in den Raum stellt – so zum Beispiel, wenn Rhamadhani sich nach vielen Hänseleien das erste Mal in der Schule zur Wehr setzt und prompt von den Lehrern vom Unterricht ausgeschlossen wird. Ist der Rassismus der Nazis noch offensichtlich, ist die mangelnde Zivilcourage der vermeintlich aufgeklärten Pädagogen eigentlich noch schlimmer. Karukoski tut außerdem gut daran, von Mord und Totschlag Abstand zu nehmen, was seinem Film einen deutlich authentischeren Hintergrund verleiht. Gewalt passiert selbstredend, doch es braucht keinen mörderischen Blutrausch, um zu verdeutlichen, welche Problematiken auch in Finnland herrschen. Dort nahm man rassischte Bewegungen lange Zeit nicht ernst, bis es 2013 zu Übergriffen auf Besucher der Präsentation für ein Buch über Rechtsradikalismus in Finnland kam.

Bild- und Tonqualität

Heart of a Lion - A Choice Between Love and Hate Szene Blu-ray Review Szene 6
Wird Harri Teppos Zukunft torpedieren?

Das sichtbar kühl gefilterte Bild liefert zumeist eine ausgewogene Schärfe und einen natürlichen Look. Farben könnten ein wenig kräftiger sein, helle Szenen sind ein wenig ausgewaschen. Wenn’s dunkler wird, saufen Schattenbereiche etwas ab. Das sichtbare Korn wirkt stimmig und intensiviert die Atmosphäre von Heart of a Lion. Für ein vor allem dialoglastiges Drama lebt der Ton von Heart of a Lion immer wieder auf. Einige Effekte bereichern die rückwärtigen Speaker und die zwei explodierenden Granaten laden äußerst wuchtig im Heimkino. Der Subwoofer pumpt in diesen Situationen ordentlich und liefert auch während der Musiksequenzen immer wieder etwas Druck.

Bonusmaterial

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Teppos Gang steht für die weiße Rasse ein

Diverse Programmtipps und Originaltrailer – mehr hat das Bonusmaterial von Heart of a Lion leider nicht zu bieten.

Fazit

Klischeefreies und äußerst gut gespieltes Drama im Neonazi-Millieu – Heart of a Lion mag nicht die Zugkraft eines American History X haben, ist aber auf eine intime Art und Weise authentischer und gefühlsechter als sein US-Vorbild.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 10%
Film: 85%

Anbieter: Mad Dimension/AL!VE
Land/Jahr: Finnland/Schweden 2014
Regie: Dome Karukoski
Darsteller: Peter Franzén, Laura Birn, Jasper Pääkkönen, Yusufa Sidibeh, Timo Lavikainen, Jussi Vatanen, Mikko Neuvonen
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 99
Codec: AVC
FSK: 16

 

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