Hellbenders – Zum Teufel mit der Hölle

Blu-ray Review

Koch Media, 24.07.2014

OT: Hellbenders

 


Bei allem, was einem heilig ist …

Ein gut gemeinter Rat: Religiöse Menschen sollten einen weiten Bogen um Hellbenders – Zum Teufel mit der Hölle machen.

Inhalt

Ob das die Damen und Herren waren, die Leonardo da Vinci für sein Bild Modell standen?

Die Hellbound Saints sind die letzte Bastion wenn es darum geht, die Menscheit vor den Dämonen zu retten. Neben ihrem höheren Ziel haben sie aber noch vieles anderes gemeinsam: Sie fluchen, kiffen, saufen und ehebrechen, was das Zeug hält – ach ja: und sie sind allesamt katholische Priester. Nur eben nicht solche, die beim Abendmahl gern gesehene Gäste wären. Ihre Kriegsmethode gegen Teufelsabkömmlinge ist einfach: Sie begehen jedwede Sünde, um besessen zu sein und sich dann im Zweifel selbst umzubringen – auf diese Weise nehmen sie wenigstens einen Dämon mit in die Hölle. Da nun der Papst gerade gestorben ist, beruft dessen Nachfolger einen Kontrolleur und der schaut natürlich auch bei den Saints nach. Nur bedingt begeistert registriert er, dass bei den heiligen Dämonenaustreibern Sodom und Gomorra herrschen. Die von ihm angedrohte Exkommunikation überhören die Teufelsaustreiber geflissentlich und schreiten zum nächsten Exorzismus voran. Dumm nur, dass dieser gehörig schief läuft und fortan der mächtige Dämon Surtre persönlich in den Körper von Saint Elizabeth gefahren ist und von nun an sein blutiges Teufelswerk in der Öffentlichkeit vollzieht …

Lawrence nimmt seinen Job todernst

Wo die Boondock Saints angefangen haben, machen die Hellbound Saints weiter – Hellbenders – Zum Teufel mit der Hölle ist eine irrsinnig abgedrehte, grenzgenial besetzte und abgefu##te Ausgeburt von einem Film, dem einfach gar nichts heilig ist. Wer dachte, Das Leben des Brian wäre Blasphemie, der sollte von Hellbenders jedenfalls die Finger lassen – vor allem von der englischen Originalspur, auf der „Cocksuckers“ noch das harmloseste Schimpfwort ist. Leider bleibt die deutsche Synchro stellenweise arg freundlich. So wird an einer Stelle aus einem „Who the Fuck is Christ?“ ein „Wer war noch mal gleich Jesus?“
Es sind aber nicht nur die derbe Sprache und das runtergekommene Verhalten, das in Hellbenders Spaß macht, sondern die grundsätzliche Respektlosigkeit im Drehbuch und die lustvolle Verkörperung der „Heiligen“ durch sämtliche Darsteller. Clancy Brown, der schon in J.T. Pettys The Burrowers die Hauptrolle spielte, suhlt sich genüsslich meist nur mit Unterhose und offenem Hemd bekleidet in seiner Figur des versoffenen Oberhaupts Angus, Clifton Collins jr., ohnehin einer der grandiosesten Nebendarsteller der letzten Jahre, schwingt den heiligen Baseballschläger voller Inbrunst und Robyn Rikoon ist auch als Dämon noch teuflich sexy.

Um gegen Dämonen gerüstet zu sein, müssen die Priester immer wieder ihr Sündenkonto füllen

Ebenfalls zum Gelingen der Horror-Action-Komödie tragen die gelungenen Masken- und Bluteffekte bei, denn bisweilen geht es ziemlich drastisch zu. Da wird schon mal einem der Saints von dem vom Dämonen besessenen Mongoloiden die Kopfhaut an der Steinwand abgeschabt oder Teufelsaustreiber Lawrence wird der Zeh abgebissen. Überhaupt überzieht es Hellbenders derart drastisch, dass es (wortwörtlich) ein Heidenspaß ist. Bei den Exorzismen beispielsweise wird einem Dämon geschätzt 35 Mal mit dem Baseballknüppel der Schädel bearbeitet.
Jetzt könnte man meinen, dass Hellbenders – Zum Teufel mit der Hölle ohne Fehl und Tadel ist, was ein wenig gutgläubig wäre. Denn nicht jeder (Dialog)Witz sitzt treffsicher und hin und wieder geht dem Drehbuch auch die gotteslästerliche Puste aus. Dennoch gibt es weitaus schlechtere Genrewerke und im Double-Feature mit Der Exorzist hat man zwei wunderbare Gegensätze am Stück.

Bild- und Tonqualität

Teufelsaustreibungen waren auch schon mal einfacher

Das grundsätzlich scharfe und kontrastreiche Bild der Blu-ray von Hellbenders – Zum Teufel mit der Hölle verliert in dunklen Szenen schon mal etwas die Contenance. Das hindert die Farben aber nicht daran, schön knallig zu sein. Vor allem die nicht eben seltene Farbe Rot lässt blutige Gesichter schön fleischig wirken. Der rumpelige Hip-Hop-Score im Vorspann von Hellbenders – Zum Teufel mit der Hölle ist nicht nur kongenial gewählt, sondern gelangt auch anständig effektvoll und scheppernd über sämtliche Speaker ans Ohr. Die Dialoge der deutschen Synchronisation sind sehr gut verständlich, ohne sich unangenehm in den Vordergrund zu drängen und wenn’s actionreich wird, präsentieren die Lautsprecher das Geschehen räumlich im Heimkino.

Bonusmaterial

Vom Dämon besessen: Elizabeths Hülle treibt die Apokalypse voran

Mit einem 26-minütigen Making-of, das erzählt, dass der Film zunächst nur ein Wochenendprojekt des Regisseurs mit einem Kumpel hätte werden sollen, einem Behind the Scenes sowie einem Audiokommentar des Regisseurs und seiner Darsteller ist das Bonusmaterial von Hellbenders – Zum Teufel mit der Hölle erstaunlich üppig ausgefallen. Highlight aber sind die diversen, im Stile von Found-Footage-Filmen dargebotenen, höchst authentisch und extrem gruselig wirkenden Exorcism-Kurzfilme, die (ohne den witzigen Hauptfilm im Kopf zu haben) durchaus teilweise Magengrummeln hervorrufen könnten.

Fazit

Entfesselter Horrorkomödien-Mix aus The Hidden, Der Exorzist und Der blutige Pfad GottesHellbenders – Zum Teufel mit der Hölle ist ein Fest für Freunde blasphemischen Humors und durchgeknallter Komödien mit schrägen Typen!
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 60%
Film: 80%

Anbieter: Koch Media
Land/Jahr: USA 2012
Regie: J.T. Petty
Darsteller: Clancy Brown, Dan Fogler, Clifton Collins jr., Samantha Buck, Edoardo Ballerini
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 87
Codec: AVC
FSK: 16