Horns – Für sie geht er durch die Hölle

Blu-ray Review

Horns - Für sie geht er durch die Hölle Blu-ray Review Cover
Universal Pictures, seit 17.12.2015

OT: Horns – He Will Bring Out the Devil in You

 


Gefallener Engel

Daniel Radcliffe als Teufel? Nicht im Ernst, oder?

Inhalt

Horns - Für sie geht er durch die Hölle Blu-ray Review Szene 1
Ignazio und Merrin sind seit Kindheitstagen ein Herz und eine Seele

Wenn Ignazio David Bowies „Heroes“ auflegt, erinnert er sich an die romantischen Momente mit seiner Freundin Merrin. Die ist vor kurzem ermordet worden und die mediale Öffentlichkeit bezichtigt Ig, die Tat begangen zu haben. So folgen ihm nach seinem richterlichen Freispruch die Aufzeichnungswagen auf Schritt und Tritt – selbst seine eigene Familie hat so ihre Zweifel an der Unschuld Igs. Doch das beginnt nebensächlich zu werden, als ihm über Nacht teuflische Hörner wachsen, die sich nicht mal mehr ansatzweise beseitigen lassen. Während er also wie ein kleiner Teufel durch die Gegend läuft, begegnen ihm plötzlich alle Menschen mit gnadenloser und vor allem abscheulicher Wahrheit. Da will die Mutter ihrem schreienden Kind am liebsten „in den Arsch treten“ und die Arzthelferin offenbart Ig, dass sie der Frau, mit der ihr Freund fremdgeht, am liebsten das Auto zerkratzen und auf den Beifahrersitz scheißen würde. Offenbar rufen die Hörner in den Menschen die niedersten Instinkte hervor, was Ignazio auf eine Idee bringt: Was, wenn er diese „Macht“ dazu nutzen könnte, den wahren Killer seiner Freundin zu finden? Zunächst aber muss Ig ertragen, was seine Eltern in Wahrheit über ihn denken – und das ist überhaupt nicht schön …

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Der Arzt weiß auch keinen richtigen Rat zu den Hörnen und „fickt“ lieber mit seiner Helferin

Daniel Radcliffe hat nach seiner Zeit als Zauberlehrling durchaus schon gezeigt, dass er auch in ernsten und erwachsenen Rollen überzeugen kann – so zum Beispiel in Die Frau in Schwarz. Auch in Alexandre Ajas Horns, den der Regisseur nach der in den USA höchst erfolgreichen gleichnamigen Novelle von Joe Hill (Sohn von Stephen King), inszenierte, kann der Brite überzeugen. Allerdings kann man das nicht immer vom Film selbst behaupten. Frankreichs Horrorfilmer #1 wechselt mitunter zu sprunghaft zwischen schwarzer Komödie, Romanze, Thriller, Fantasy, Horror und moralisierendem Drama hin und her, um so etwas wie einen roten Faden zu finden. Vor allem das Wahrheits- bzw. Boshaftigkeitsthema stolpert immer wieder über schwaches Timing und schlägt zu viele unterschiedliche Töne an. So ist es manchmal schmerzhaft (wie beim Besuch der Eltern), manchmal witzig (wie bei der Massenschlägerei unter Journalisten zu den Klängen von Marilyn Mansons Version von „Personal Jesus“) aber oft auch arg albern, wenn scheinbar alle Menschen in Igs Gegenwart nur noch vollkommen unverblümt mit ihren versauten oder gewalttätigen Wahrheiten rüberkommen. Wenn Horns hier so etwas will, wie der Spiegel der Gesellschaft sein, dann ist das spätestens nach der dritten sexuellen oder brutalen Fantasieoffenbarung klischeehaft und unglaubwürdig. Am besten wird der Film tatsächlich in den Momenten, in denen Ig seine Macht auszunutzen beginnt und die in den Tod seiner Freundin verstrickten Menschen zur Verwantwortung zieht. Auch die in Rückblenden erzählte Kindheit der Beteiligten sowie die tatsächlichen Geschehnisse überzeugen, sind stilvoll inszeniert und schön gefilmt – besonders gut vor allem während des wirklich atmosphärischen 20-minütigen Finales. Gerade in den Momenten wird es dann umso bedauerlicher, dass die „Wahrheit“ zuvor wenig überraschend, sondern eher vorhersehbar daherkommt. Ein weiteres Element wirkt vor allem für aufgeklärte Europäer etwas befremdlich. So nutzt Joe Hill (wie Vater Stephen auch) Dampfhammersymbolik, um seine Parabel auf das Böse im Menschen auf den Weg zu bringen, arbeitet mit christlicher Metaphorik und ebensolchen Zeichen (Kreuze, Schlangen, Engelsflügel, Teufelshörner), was wohl nur in den USA immer gern gesehen wird. Man hätte Aja indes gewünscht, dass er mehr von seiner eigenen Handschrift einfügt – ob das nun eine entsprechende Härte der Bilder ist oder sein Gespür für unangenehme menschliche Konfrontationen. Genau in DEM Moment aber, in dem seine grafische Gewalt während des Finales zum Einsatz kommt, wirkt sie aufgrund des bisherigen Verlaufs fehl am Platze und überzogen.

Bild- und Tonqualität

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Selbst die Rosskur hilft nicht – die Hörner bleiben dran

Wie viele Filme der letzten Zeit, leidet auch Horns unter Randunschärfen (gut zu sehen bei Igs Schuhen 83’28), die den Gesamteindruck trüben. Dazu kommt, dass der Film sichtbar weich gefiltert wurde. Darunter leidet die Kantenschärfe ebenso wie die Authentizität. Farblich wählte man unterschiedliche Filter, um die verschiedenen Zeitebenen und erzählerischen Bereiche zu gliedern. Während der Rückblenden in die Kindheit der Protagonisten kommt noch ein bewusst eingesetzter Weichzeichner hinzu.
Akustisch gilt für Horns zwar ebenfalls wie für viele andere Filme der Majorlabels der letzten Zeit, dass der deutsche Ton ohne eine HD-Fassung auskommen muss, doch die reguläre dts-Spur ist bei entsprechender Lautstärkeanhebung außerordentlich effektvoll und dynamisch. Vor allem die Sequenzen, in denen Ig seine Kontrahenten zu entsprechenden Taten zwingt, geraten räumlich und kräftig. Allerdings sind die Dialoge im Verhältnis zu leise abgemischt. So muss man immer wieder die Lautstärkeregler bemühen, um während der Sprachsequenzen genug zu hören, während man es dann wiederum leiser machen muss, um nicht von den Effekten totgeschlagen zu werden.

Bonusmaterial

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Wie ein Phönix aus der Asche: Ig will den Killer seiner Freundin stellen

Das knapp 20-minütige Hinter den Kulissen von Horns lassen Darsteller, Regisseur und Produzent die Geschichte rekapitulieren. Man geht allerdings auch auf die Besetzung ein und widmet einen Teilbereich der Buchvorlage von Joe Hill – dessen unmittelbare Verwandschaft mit Vater Stephen King übrigens kaum zu verleugnen ist, wenn man ihn im Interview sieht. Man könnte glatt meinen, es stünde eine jüngere Version des Horrobuchautors vor der Kamera.

Fazit

Vom Zauberlehrling zum Teufel: Daniel Radcliffe gibt in Horns sein Bestes und überzeugt – mehr zumindest als der etwas unentschlossen wirkende Film, dessen Themen Schuld und Unschuld, Erlösung und Boshaftigkeit arg plakativ geschildert werden.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 30%
Film: 55%

Anbieter: Universal Pictures
Land/Jahr: USA 2013
Regie: Alexandre Aja
Darsteller: Daniel Radcliffe, Max Minghella, Juno Temple, Joe Anderson, Kelli Garner, James Remar, Kathleen Quinlan, Heather Graham, David Morse
Tonformate: dts HD-Master 5.1: en // dts 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 120
Codec: AVC
FSK: 16

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