Inbred – Uncut Edition

Blu-ray Review

Mad Dimension/AL!VE, seit 31.10.2014
Mad Dimension/AL!VE, seit 31.10.2014

OT: Inbred

 


Überschrift

Nach drastisch gekürzter Erstveröffentlichung folgt nun sogar in Deutschland ein ungekürzter Director’s Cut.

Inhalt

Irgendwie ist die Jugend in dem Kaff schon nicht ganz normal
Irgendwie ist die Jugend in dem Kaff schon nicht ganz normal

Jeff und Kate, zwei Sozialarbeiter aus der Stadt, schnappen sich ihre härtesten Jungs und ein düsteres Emo-Mädel, um ein paar Besinnungs- und Anti-Aggresionstage auf dem ländlichen britischen Ravenswood Cottage zu verbringen. Doch irgendwas ist komisch an der Einöde. Schon der Besuch im lokalen Pub „Dirty Hole“ offenbart Seltsames. So ist der Betreiber eher schroff, die Gäste sehen aus, als wären die Eltern verschwistert und die Limonade schmeckt nach Pi**e – sorry: Urin. Das ist jedoch gar nichts, gegen das, was die Gruppe am nächsten Tag ereilt. Können sie bei ihrem Ausflug ein Trio aus brutalen Kids noch abwehren, landen sie hilfesuchend wieder im Pub und finden sich kurze Zeit später als Hauptattraktionen in einem äußerst blutigen Theaterspiel wieder …

Die älteren sind allerdings noch durchgeknallter ...
Die älteren sind allerdings noch durchgeknallter …

Was musste sich Inbred bzw. dessen Anbieter vor anderthalb Jahren Kritik gefallen lassen. Um ganze vier Minuten bzw. über 20 Szenen  wurde der britische Hinterwäldler-Schocker erleichtert und rief damit unwillkürlich die Horrofans auf den Plan, die sich bevormundet fühlten. Einige Monate später jedoch ging der Film zum dritten und letzten Mal zur Prüfung und gelangte im ungeschnittenen „Director’s Cut“ durch den Appellationsausschuss. Die Begründung dafür ging erwarteterweise in die Richtung, dass der Handlungsrahmen skurill genug ist, um die Szenerie abzuschwächen. Auch dienten die Rednecks nicht als Identifikationsfigur und die Handlungen der Jugendlichen und Betreuer würde aus Notwehr heraus geschehen.
So viel zur Theorie. In der Praxis zeigt sich Inbred nun wie ein richtiger Film und nicht wie ein Fragment von inzestuösen Versatzstücken. Die Eröffnungs Film-im-Film-Szene mal ausgenommen dauert’s allerdings gut 45 Minuten, bis der Terror Einzug hält. Bis dahin schippert Inbred etwas unmotiviert als Bestandsaufnahme kriminell gewordener Jugendlicher dahin, ist zwar recht authentisch besetzt, allerdings nicht ernsthaft satirisch überhöht. Die Satire wird eigentlich erst und vor allem dann erreicht, wenn die Szenerie in den Pub wechselt. Die an Karnevals-Zombie-Gebisse erinnernden falschen Zähne der Einheimischen sprechen da wortwörtlich eine deutliche Sprache. Allerdings bleibt Inbred (einige absurd-alberne Szenen während der letzten 20 Minuten) dauerhaft düster, brutal und roh. Mann darf ob des hier Gebotenen durchaus erstaunt sein über die Entscheidung der FSK, den Film nun ungeschnitten freizugeben. Da hat’s schon harmlosere Werke erwischt, die mit Schnittauflagen belegt wurden – zumal die späteren grafischen Realeffekte und -masken im Gegensatz zu den anfänglichen miesen digitalen Blutspritzereien vorzüglich umgesetzt wurden.

Bild- und Tonqualität

... wie man an diesem wackeren Kerlchen exemplarisch sehen kann
… wie man an diesem wackeren Kerlchen exemplarisch sehen kann

Dem Bild von Inbred fehlt’s in den Halbtotalen und Totalen an Schärfe sowie in den dunklen Szenen an Farbauflösung und Durchzeichnung. Dunkle, fast schwarze Bereiche färben sich plötzlich blau ein – das wirkt dann wie ein LCD-Monitor, den man aus einem zu stark abgewandten Blickwinkel betrachtet. Man kann außerdem sehr gut erkennen, in welchen Aufnahmen Abdunkelungsfilter eingesetzt wurden, um tagsüber gedrehte Szenen künstlich zu verdüstern. In diesem Momenten werden Farben (scheinbar bewusst) auch noch verfälscht.
Akustisch hat vor allem die deutsche Tonspur von Inbred zu leiden: Zumeist vordergründig und nur bedingt räumlich, kommen noch die verhältnismäßig untalentierten Synchronsprecher hinzu. Im englischen Original funktionieren die rüden Dialoge der Kids um Welten besser, und das Gegrunze der Hinterwäldler kommt ebenfalls besser rüber. So richtig räumlich wird es erstmals beim irischen Folksong im Pub und später bei der Theaterpremiere.

Bonusmaterial

Kein Wunder, dass Kate schon bei dessen Anblick schreien muss
Kein Wunder, dass Kate schon bei dessen Anblick schreien muss

Außer dem Originaltrailer und weiteren Programmtipps, ist im Bonusmaterial von Inbred nichts geboten.

Fazit

Inbred ist ein abgedrehter, höchst brutaler und ab der zweiten Hälfte ziemlich skurriler Alptraum ins britische Hinterland. Als englische Mischung aus Wrong Turn und einem Live-Auftritt von Slipknot mit einem Schuss Monty Python muss man schon hartgesotten sein und das Ganze vor allem nicht allzu ernst nehmen, um Chandons Werk zu goutieren.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 50%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion):  65%

Bonusmaterial: 10%
Film: 60%

Anbieter: Mad Dimension/AL!VE
Land/Jahr: GB/D 2011
Regie: Alex Chandon
Darsteller: Jo Hartley, Seamus O’Neill, James Doherty, Mark Rathbone
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 98
Codec: AVC
FSK: 18 (ungeschnitten)

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