Into the Forest

Blu-ray Review

Capelight Pictures, 17.02.2017

OT: Into the Forest

 


Alleine im Wald

Herausragend gespieltes Drama um zwei Schwestern, die vor apokalyptischem Hintergrund in einer Hütte im Wald ausharren.

Inhalt

Nell und Eva müssen sich zusammenraufen, um die Zeit ohne Strom und Technologie zu überstehen

Irgendwann in der nahen Zukunft: Ein scheinbar harmloser Stromausfall trifft auch die Schwestern Nell und Eva. Nell, die für die Uni lernt, hätte gerne wieder ihre Lehrbücher im Head-Up-Display (einfach Bücher zu nehmen, wäre ja altmodisch) und begeht die Dummheit, den Kofferraum des Jeeps nicht zu schließen, aus dem sie in der Nacht eine Taschenlampe holte. Ergo ist die Batterie am nächsten Morgen leer und man kann nicht in die Stadt fahren, um Lebensmittel zu holen. Denn die beiden Schwestern leben mit ihrem Dad in einer einsamen Hütte im Wald. Währenddessen melden die Nachrichten, dass mittlerweile mehrere 100 Mio. Menschen ohne Strom sind und schon einen Abend später kommt aus dem Radio schlicht nur noch Rauschen. Es scheint, als hätten die Newsstationen ihre Arbeit eingestellt. In der Abgeschiedenheit der einsamen Hütte bekommen die Drei nicht mal mit, wie sich die Ereignisse in der Gesellschaft entwickeln. Nach zehn Tagen bekommen sie den Jeep mit Glück wieder flott und fahren in die Stadt. Die Lebensmittelläden sind allerdings schon vollkommen leergekauft und die Bevölkerung versucht sich in Galgenhumor. Als der Vater beschließt, dass man sobald nicht mehr in die Stadt zurückkehrt und erst einmal in der sicheren Hütte bleibt, ist vor allem Nell gefrustet. Eva, die nach außen hin die erwachsenere der beiden Schwestern ist, muss zwischen den beiden Parteien vermitteln. Doch es kommt noch schlimmer, als der gemeinsame Dad sich mit der reparaturbedürftigen Kettensäge dermaßen verletzt, dass er verblutet. Von nun an müssen Nell und Eva alleine zurechtkommen und lernen sich dabei auch ganz neu kennen …

Auch Eli, Nells Freund, muss feststellen, dass das Band zwischen ihr und Eva stärker ist

Es gab eine ganze Menge dystopischer Filme und Endzeitthriller iin den letzten Jahren, doch Into the Forest ist anders. Ähnlich dem großartigen These Final Hours konzentriert sich Patricia Rozema auf ihre zwei Hauptfiguren und lässt sie durch eine Vielfalt an Emotionen und scheinbar kaum zu bewältigenden Situationen gehen. Basierend auf dem eindringlichen Roman von Jean Hegland ist Into the Forest ein Kammerspiel, das von den exzellenten Darstellungen Ellen Pages (Juno, Inception) und Evan Rachel Woods (Barfuß ins Glück, Westworld) lebt. Dabei bleibt das Tempo stets gemächlich und wird letztlich auch nur selten von etwas rasanteren Szenen unterbrochen. Dialoge und Gefühle dominieren und das Verhältnis der ungleichen Schwestern wird zum Mittelpunkt gemacht. Nell, die zunächst aufbrausend ist, weil sie ihren Willen nicht bekommt, ändert sich nach dem Tod des Vaters und übernimmt zunächst den pragmatischen Part, während Eva daran verzweifelt, dass ihr Körper abbaut und sie ihr Tanztraining nicht mehr so wahrnehmen kann wie vorher. Eva leidet mehr unter dem Tod des Dads und bevorzugt es, die Trauer in Wut umzusetzen. Dabei ist Into the Forest viel mehr als ein Geschwisterdrama vor dem Hintergrund einer Apokalypse. Denn die Geschichte thematisiert  (und kritisiert) auch ein übermäßiges Vertrauen in Technologie. Kaum bricht der Strom weg, fällt es den Menschen schwer, nicht in Panik zu verfallen. Feministische Aspekte gesellen sich ebenfalls hinzu, wenn die beiden Frauen für sich alleine bleiben und ihr Leben meistern. Den (neben dem Tod des Vaters) schwersten Moment für den Zuschauer gibt es nach gut 58 Minuten, wenn Eva und Nell für ein paar Stunden wieder in den Genuss von Elektrizität kommen und dann doch wieder zurück zur Natur müssen. Man kann sich in dem Moment vorstellen, wie es einem selbst ginge, wäre man in derselben Situation. Nach etwas über einer Stunde kommt dann die bei weitem verstörendste Szene, die die FSK-12-Freigabe höchst grenzwertig erscheinen lässt. Hier sollten gerade solche Gemüter, die mit im Film geschilderter Gewalt gegen Frauen Schwierigkeiten haben, zumindest gewarnt sein. Allerdings zeigt es auch den zunehmenden Verfall der Gesellschaft unter extremen Bedingungen – selbst wenn’s etwas klischeehaft auf die tierischen Verhaltensweisen der Männer anspielt. Kleines Manko von Into the Forest sind ein paar allzu konstruierte Momente (das Dach stürzt genau zu diesem Zeitpunkt ein, ernsthaft?) sowie die Tatsache, dass man sich manchmal fragt, ob es den apokalyptischen Hintergrund überhaupt gebraucht hätte.

Bild- und Tonqualität

Nell muss für das Wohl ihrer Schwester sorgen – selbst wenn das bedeutet, Tiere zu jagen

Da mir zum Review lediglich ein Streaminglink zur Verfügung stand muss die Bewertung von Bild- und Tonqualität leider entfallen. Da die Komprimierung des Streaminglinks extrem stark war und das Bild teilweise nur aus Klötzchen bestand, lässt sich nicht einmal ein Trend sagen, in welche Richtung die Bildqualität gehen könnte.

Bonusmaterial

Auch etwaiges Bonusmaterial von Into the Forest fällt der Tatsache zum Opfer, dass es für die Rezension nur einen Streaminglink gab.

Fazit

Der etwas andere Apokalypse-Film: Weitgehend frei von Endzeitszenen konzentriert sich Into the Forest auf die Beziehung zwischen zwei Schwestern, die alleine in einer scheinbar ausweglosen Situation voller Unwägbarkeiten zurechtkommen müssen – sehenswert trotz gemächlichen Tempos.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: keine Wertung möglich
Tonqualität (dt. Fassung): keine Wertung möglich
Tonqualität (Originalversion): keine Wertung möglich
Bonusmaterial: keine Wertung möglich
Film: 75%

Anbieter: Capelight Pictures/AL!VE AG
Land/Jahr: CA 2015
Regie: Patricia Rozema
Darsteller: Ellen Page, Evan Rachel Wood, Max Minghella, Callum Keith Rennie, Michael Eklund, Wendy Crewson
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 101
Codec: AVC
FSK: 12

Trailer zu Into the Forest

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