John Wick – Rache kennt keine Gnade 4K UHD

Blu-ray Review

John Wick - Rache kennt keine Gnade 4K UHD Blu-ray Review Cover
Studiocanal, 24.05.2017

OT: John Wick

 


Revitalisierung

Da ist er jahrelang nur noch in mittelmäßigen bis schwachen Filmen unterwegs und dann DAS …
Jetzt folgt zudem die Veröffentlichung auf UHD.

Inhalt

John Wick - Rache kennt keine Gnade Blu-ray Review Szene 1
Nach dem Tod seiner Frau hat John Wick nur noch seinen jungen Beagle …

John Wick hat gerade die Liebe seines Lebens an eine Krankheit verloren und sich mit einem jungen Beagle (ein Abschiedgeschenk der Verstorbenen) in seine Villa zur Trauer zurückgezogen, als er dort des Nachts von ein paar russischen Gangstern überfallen wird, die schon am Tag ein gewisses Interesse an seinem 69er Mustang gezeigt hatten. Brutal zusammengeschlagen wacht Wick kurze Zeit später auf, schaut seinem massakrierten Welpen ins Gesicht und findet eine Lücke in der Garage, wo eigentlich das Muscle-Car stehen sollte. Was der junge aufbrausende Dieb Iosef nicht ahnt: John Wick hat mal für dessen Papa und Mafiapaten Viggo den Aufräumer und Hitman gespielt, bis er sich mit einem letzten Auftrag von ihm freikaufen konnte. Deshalb ist Viggo auch alles andere als erfreut, als ihm zu Ohren kommt, was sein Bengel da verbrochen hat. Denn eins ist dem Unterweltboss klar: John Wick wird keine Sekunde zögern, sich an Iosef und seinen Schergen zu rächen …

John Wick - Rache kennt keine Gnade Blu-ray Review Szene 2
… und den 69er Mustang

John Wick nimmt sich in wenigen Minuten zu Beginn des Films die Zeit, seine Hauptfigur als einen vom Schicksal schwer getroffenen Typen vorzustellen und geht nicht den Weg, wie viele andere Genrevertreter, erst einmal mit einem Actionhighlight zu starten. Genau diese ersten gut zehn Minuten sind es, welche die Hauptfigur dem Zuschauer ans Herz wachsen lassen. Denn wer kann sich nicht mit einem Kerl identifizieren, der seine Frau plötzlich an eine Krankheit verliert und dessen bester Freund im Anschluss ein kleiner Beagle und ein 69er Mustang sind? Zuschauer mögen diese gebrochenen Helden und John ist ein Paradebeispiel für einen solchen. Obwohl David Leitch und Chad Stahelski bisher ausschließlich als Stunt-Koordinatoren (Die Tribute von Panem: Catching Fire, Wolverine: Wege des Kriegers) unterwegs waren, verstehen sie es, die Emotionen direkt von Beginn an in die richtigen Bahnen zu lenken. Wenn nach knapp 20 Minuten Viggo seinem Sohn Iosef darlegt, wem der ungestüme Emporkömmling da gerade das Auto geklaut und den Hund umgebracht hat, dann steigert sich John Wick erstmalig zu einem gänsehauterregenden Höhepunkt. Das Regieduo nutzt exakt die richtigen Bilder, spielt virtuous auf der Klaviatur der Spannungserzeugung und kennt von da an absolut kein Halten mehr. Es schließt sich eine eiskalte, unbarmherzige und höchst effektiv vollzogene Actionorgie an, die bis auf die kleinste Bewegung perfekt durchgestylt ist – von den gnadenlosen Shoot-outs bis zu den innovativ in Szene gesetzten Nahkämpfen.

John Wick - Rache kennt keine Gnade Blu-ray Review Szene 5
Als Iosef, der Sohn des Mafiapaten Viggo ihm beides nimmt …

Dass Keanu Reeves mit John Wick sein Actioncomeback feiert, ist nicht nur für dessen Fans eine Freude, sondern – sorry für die klaren Worte: verdammt noch mal Zeit! Zu lange dümpelte der charismatische Darsteller in seichten Romanzen und unterirdischen Kostümfilmen rum, ohne an seine Erfolge aus Speed oder Matrix anknüpfen zu können. Mit der Rolle des schweigsamen und gerechtigkeitsliebenden Killers überzeugt er nicht nur darstellerisch und durch seine typgerechte Besetzung, sondern hat auch gleich ein kleines Franchise an Land gezogen – immerhin ist ein zweiter Teil schon angekündigt. Auf der anderen Seite agiert ein Michael Nyqvist (Millennium-Trilogie) als Viggo böse genug, um ihn zu hassen und dennoch nicht zu stereotyp, um als bloßes Gangster-Abziehbild zu fungieren. Sogar ein ansonsten in der immer selben (oft nervigen) Hispano-Rolle gefangener John Leguizamo darf mal auf souverän und abgeklärt machen. Dazu gesellt sich ein routiniert agierender Willem Dafoe und ein paar weitere bekannte Gesichter in hochkarätigen Nebenrollen.
Und dann ist da ja noch das Steckenpferd der Regisseure, die Stundkoordination. Was Stahelski und Leitch bspw. in der Bar-Kampf-Szenerie an Choreografie und Ideen abfeuern (im wahrsten Sinne des Wortes), war schon lange nicht mehr derart unterhaltsam auf der Leinwand zu bewundern. Vor allem die innovativ geführte Gegner-Eliminierung per Handfeuerwaffe ist auf diese unmittelbare und nahe Art und Weise noch nie vollzogen worden. Äußerst erstaunlich, dass die FSK hier gleich beide Augen zugedrückt hat und den Film auch auf DVD/Blu-ray mit einer FSK-16-Freigabe ungeschnitten passieren ließ. Was hier an Exekutionen aus nächster Nähe und Gewalt exerziert wird, ist schon starker Tobak. Offiziell heißt es dazu in der Beurteilung, dass die „Shoot-outs beinahe comichaft übersteigert und Schauplätze künstlich und stilisiert sind, sodass ein Bezug zur Realität nicht gegeben sei“. Ob man dieser Bewertung folgt oder nicht, dem Filmfan wird’s vor allem Recht sein, dass er auf keine Szene verzichten muss. Tatsächlich haben sich die beiden Regisseure (nachzuhören im Bonusmaterial) bei der Realisierung von John Wick stark an favorisierten graphic novels entlang bewegt und ihre Figuren daran orientiert.

John Wick - Rache kennt keine Gnade Blu-ray Review Szene 4
… sinnt John auf eiskalte Rache

Bild- und Tonqualität Blu-ray

John Wick - Rache kennt keine Gnade Blu-ray Review Szene 6
Marcus ist ein alter Partner von Wick, aber steht er noch auf derselben Seite?

Das Bild von John Wick ist mitunter extrem gefiltert. In Wicks Villa und während einer Außenaufnahmen scheint eine Sonnenfinsternis zu herrschen, so kühl-violett und düster geht’s dort zu. Die Schärfe ist nur während Close-ups und im Zentrum sehr gut, verliert an den Rändern deutlich an Knackigkeit und ist insgesamt nur mittelmäßig.
Soundtechnisch fällt zu Beginn als erstes der Mustang auf: Wenn Wick seinen V8 antreibt und auf dem Flughafengelände querbeschleunigt, dann ist Gänsehaut aber mal sowas von garantiert. Jeder Milliliter Benzin gelangt direkt vom Vergaser ans Gehör und zündet dort ein Feuerwerk. Ebenso klasse sind die Schläge der Baseballschläger vertont, die dumpf in Wicks Körper treffen. Ohnehin sind die Kampfszenen in John Wick extrem räumlich und dynamisch geraten. Leider fallen die im Vergleich zu leise und nicht ganz homogen vertonten Dialoge dagegen ab. Wunderbar offen und raumfüllend sind dagegen wieder die rockigen und rumpelnden Beats des Soundtracks und Filmscores.

Bild- und Tonqualität UHD

Oft liegen BDs und UHDs relativ nah beieinander wenn es um die Bildqualität geht. Sicher, der erweiterte Farbraum und HDR bewirken eine andere Farbgebung und knackigere Kontraste, doch gerade Bildschärfe und -ruhe bleiben oft sehr ähnlich. Nicht so bei John Wick. Die UHD sieht in allen Belangen besser aus als die Blu-ray. Der mit Arri-Alexa-M und Arri-Alexa-XT-Kameras gefilmte Actioner erhielt ein 2,8K Digital Intermediate, womit er immerhin die dreifache Full-HD-Auflösung aufweist. Bemerken tut man dies von Beginn an. Die Einstellungen sind viel klarer, ruhiger und die Schärfe im Zentrum ist wirklich gut gelungen. Aufgrund der höheren Auflösung fallen die Randunschärfen am oberen und unteren Bereich auch nicht mehr ganz so stark auf, wenngleich sie nach wie vor vorhanden sind (Camaro 38’02). Bedeutend besser gerät auch die Bilddynamik. Das Geschehen ist nicht mehr ganz so dunkel und Schwarz ist jetzt richtig knackig. Aufgrund des integrierten Farbraums im Rahmen von Rec.2020 durften gerade Rottöne noch einmal richtig Kraft tanken. Aber auch der Sonnenaufgang vor der Skyline nach etwas über einer halben Stunde strahlt dynamischer. Sieht man von den oben angesprochenen Undeutlichkeiten am unteren Bildrand ab, ist die UHD bedeutend besser gelungen als die Blu-ray.

John Wick BD vs UHD 1
Bei direktem Betrachten fällt der etwas schwächere Sonnenaufgang auf, der weniger orange, sondern eher gelblich ist. Zoomt man näher ran, wirken Texturen auf den Hochhäusern etwas verwaschener und die diagonalen Strukturen in der Brückenkonstruktion wirken weniger fein.
John Wick BD vs UHD 2
Die UHD von John Wick präsentiert im Vergleich zur BD den kräftigeren Sonnenaufgang und wirkt durchweg klarer und besser aufgelöst.

 

Akustisch macht Studiocanal wenigstens schon mal nicht das gleiche Verwirrspiel mit dem Käufer wie es die großen Majorstudios teilweise tun. Denn während Anbieter Paramount oder auch Sony Pictures beispielsweise nur eine deutsche DD-Tonspur auf der UHD bieten, wohingegen die Blu-ray mit dts-HD-Master klotzte, behält John Wick seine von der BD bekannte deutsche dts-HD-MA-Spur auf der 4K-Disk. Die englische Fassung erhält hingegen ein Update auf Dolby Atmos. Die 3D-Soundspur lässt dann auch direkt den leisen Helikopter, der zu Beginn während der Radio-Durchsage im Hintergrund fliegt, ein bisschen über die Höhenlautsprecher fliegen. Auch der Wecker klingelt pünktlich um sechs Uhr aus allen Speakern des Atmos-Setups. Das gleiche geschieht höchst atmosphärisch auch mit der Witterung während der Beerdigung. Ausgiebiger und stärker hat ein Film den Zuschauer noch nicht im Regen stehen lassen – im wahrsten Wortsinne. Bevor es deutlich actionlastiger wird, gibt es nur dezente atmosphärische Naturgeräusche während des Tankstopps. Richtig abgefahren wird es allerdings, als John seinen Mustang auf dem Flugfeld ausführt und das Röhren des Motors sowie die quietschenden Reifen immer wieder auch von oben herabtönen. Während der ersten Auseinandersetzung in Johns Haus bleiben Schüsse und Schläge zwar meist auf der regulären Ebene, doch das macht auch visuell Sinn. Denn die Gezeigte spielt sich passend zum Sound ab. Ein paar von Wicks Gegenständen gehen zu Bruch, was sich dann wiederum bis in die Höhenlautsprecher auswirkt. Gegenüber der dts-HD-Master-Spur bleibt die grundsätzliche Dynamik erhalten und die regulären Surroundeffekte sind ebenfalls gleichwertig in ihrer Qualität. John Wick nutzt den Atmos-3D-Sound immer dann und dort, wo es Sinn macht und belegt die Höhen-Lautsprecher nicht sinnlos mit akustischen Informationen. Fährt John im Aufzug nach etwas über vierzig Minuten, gibt es entsprechende Sounds, die den Eindruck vermitteln, man führe neben ihm mit. Die schon heute legendäre Schusswechsel- und Prügelorgie im Club nach gut 50 Minuten wird von plastisch splitterndem Glas auch aus den Heights begleitet (51’10) und wenn sich John mit Perkins in seinem Zimmer kloppt, gibt’s ebenso reichlich kaputtes Hotel-Interieur aus allen Richtungen. Ebenso dynamisch wie räumlich gestalten sich dann die explodierenden Fahrzeuge (76’14), die von einem Soundtrack begleitet werden, der ebenfalls die Deckenlautsprecher nutzt. Und wenn im Finale Johns „neuer“ V8 gegen Viggos SUV antritt, hagelt es geradezu Effekte von rundherum.
John Wick BD vs UHD 3
Die Blu-ray verschluckt im Falle von John Wick erstaunlicherweise im Schwarz mehr Details als die UHD. Normalerweise ist das tiefere Schwarz der UHD durch HDR eher für ein leichtes Verschlucken von Details verantwortlich.
John Wick BD vs UHD 4
Die UHD ist stimmiger und durch die höhere Bilddynamik im Schwarz und auf den helleren Bereichen besser durchzeichnet. Vergrößert man die Bilder kann man auch die bessere Auflösung in der Struktur der Haut erkennen.

Bonusmaterial

John Wick - Rache kennt keine Gnade Blu-ray Review Szene 3
Wick war lange nicht mehr im Dienst und muss auch Prügel einstecken

Auch bei dieser UHD liegt das Bonusmaterial (mit Ausnahme des Audiokommentares mit den beiden Regisseuren) komplett auf der Blu-ray von John Wick Dort gibt’s zum Regiekommentar noch ein Making-of und sechs Featurettes. Letztere kümmern sich um die Stunts, die Schauspieler, die beiden Regisseure, die Unterwelt, den Club „Red Circle“ sowie das Design des Films. Das Making-of selbst läuft zehn Minuten und wurde fürs deutsche TV produziert – ist also eher gehaltlos. Die Featurettes laufen insgesamt knapp fünfzig Minuten und tauchen deutlich tiefer in die Dreharbeiten zu John Wick hinab.

Fazit

Nachdem Liam Neeson in 96 Hours das eiskalte Rache-Actionkino neu belebt hatte und einige eher durchschnittliche Nachahmer fand, ist John Wick nichts Geringeres als der heißeste Actionfilm seit Shoot ‚Em Up und einer der besten Genrefilme überhaupt. Für Reeves ist der Film endlich mal wieder ein echter und verdienter Hit, denn seine physische Präsenz und Arbeit ist herausragend – willkommen zurück, Keanu.
Die UHD liefert dazu das durchweg plastischere, rauschfreiere und ruhigere Bild, das mehr Kontrast und kräftigere Farben aufweist, jedoch unter den gleichen Randunschärfen. Der Atmos-Sound der englischen Tonfassung auf der UHD macht dazu mit zahlreichen zusätzlichen 3D-Sound-Informationen richtig Spaß, ohne in einem akustischen Overkill zu enden.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 70%
Bildqualität UHD: 85%
Tonqualität BD (dt. Fassung): 85%
Tonqualität BD (Originalversion): 90%
Tonqualität UHD (dt. Fassung): 85%
Tonqualität UHD (Originalversion): 90%
Bonusmaterial: 50%
Film: 90%

Anbieter: Studiocanal
Land/Jahr: China/Kanada/USA 2014
Regie: Chad Stahelski, David Leitch
Darsteller: Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Alfie Allen, Willem Dafoe, Dean Winters, Adrianne Palicki, Omer Barnea, Bridget Moynahan, John Leguizamo, Ian McShane
Tonformate BD: dts HD-Master 5.1: de, en
Tonformate UHD: dts HD-Master 5.1: de // Dolby Atmos (True-HD-Kern): en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 102
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Real 4K: Jein (4K DI von 2,8K Quelle)
FSK: 16

Trailer zu John Wick

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