Junkie

Blu-ray Review

Junkie Blu-ray Review Cover
AL!VE AG, seit 08.11.2013

OT: Junkie

 


Reise ins Ich

Surrealer Drogentrip mit entfesseltem Hauptdarsteller.

Inhalt

Junkie Blu-ray Review Szenenbild 1
Hat Danny die Kontrolle über sich …

Die Brüder Danny und Nicky sind Junkies. Der eine (Danny) führt so etwas wie eine Beziehung zu Sonja und realisiert, dass es so nicht weitergehen kann. Der andere (Nicky) rafft gar nichts und lebt sein Vollgasleben unter Drogen exzessiv aus. Als Danny irgendetwas von „aufhören“ und „Entzug“ faselt, geht das bei Nicky zum einen Ohr rein und aus dem anderen wieder raus. Doch als er merkt, dass sein verweichlichter und jammernder Bruder es ernst meint, rastet er irgendwie aus. Naja, wie man halt ausrasten kann, wenn man das zweite Gesicht ein und desselben Typen ist. Denn nichts anderes stellt Nicky dar: Die böse, völlig irre und dominante zweite Hälfte von Danny, die sich im Rausch irgendwann mal manifestiert hat. Die Frage ist: Wer hat das Sagen? Wer trifft die Entscheidungen? Als Danny auf Nickys Wunsch hin den Dealer von Nebenan für neuen Stoff organisiert, scheint die Entscheidung, wer das Zepter in der Hand hält, getroffen, denn Otto (so der Name des freundlichen Drogenverkäufers) liegt plötzlich tot auf dem Boden des heruntergekommenen Hauses …

Junkie Blu-ray Review Szenenbild 2
… oder sagt Nicky, wo’s lang geht

Junkie entzieht sich jeder Kritik. Adam Masons Film ist derart gegen den Strich gebürstet, dass man nicht weiß, ob man sich furchtbar aufregen, schrecklich amüsieren oder genervt abwenden soll. Vermutlich kanalisiert Mason (Broken) ganz bewusst auf diese Art und Weise. Zwar reicht der durchaus vorhandene Zynisms des Films nicht ganz an Trainspotting heran, doch in Sachen „kaputte Typen“ hat Junkie die Nase vorne. Allen voran Robert LaSardo, den viele sicher als Mala-Noche-Chef Memo Fierro aus CSI:MIAMI oder als Drogenboss Escobar Gallardo aus Nip/Tuck kennen. Der ganzkörpertätowierte Italo-Amerikaner mit Fleischmütze gibt hier die entfesselte Vorstellung seines Lebens. Bisweilen brüllkomisch (vor allem im Original) und voller Leidenschaft interpretiert er seinen „Nicky“ und bekommt am Ende sogar die Kurve zur Tragik hin. Dazu gesellen sich Nebencharaktere von denen einer schräger ist als der andere. Dealer Otto beispielsweise flucht nicht nur wie ein Kesselflicker vor sich hin, sondern amüsiert mit seinen affektierten Beschwerden, wie früh man ihn doch aus dem Bett geholt habe, prächtig. Leider verliert sich Junkie zur Mitte hin aber auch etwas in Unübersichtlichkeit und arg weit hergeholten Nebenplots, bevor er zum Ende durchaus noch den Ernst der Lage thematisiert. Zum chaotischen Charakter des Films trägt im Übrigen auch die skurrile und minimalistische Filmmusik bei, die bisweilen an Tom Waits‘ improvisiertes Geklimper bei Konzerten erinnert.

Neues Textfeld

Bild- und Tonqualität

Junkie Blu-ray Review Szenenbild 3
Die Antwort darauf liefert der Glatzkopf selbst …

Das Bild der Blu-ray ist sehr korn- und rauscharm, jedoch recht weich und mit überstrahlenden Objektkanten. Die Farben sind plastisch, die Kontraste gehen in Ordnung – immerhin spielt der Film komplett in Innenräumen. Negativ fällt ein sichtbares Zittern bei Bewegung auf und Schwarz bekommt in dunkleren Szenen einen leichten Grünstich.
Akustisch bleibt der an Effekten arme Filme komplett auf die Front bezogen. Filmmusik wird spärlich eingesetzt und meist nur mit einzelnen Tönen angedeutet. Ergo konzentriert sich das Geschehen auf die Dialoge und somit auf den Center. Der authentischere und vor allem Robert LaSardos Performance unterstreichende Originalton ist die bessere Wahl. Leider fehlen für Menschen, die der englischen Slang-Sprache nicht immer ganz folgen können, entsprechende Untertitel. Dennoch lohnt es sich alleine für LaSardos Wortgeschosse mal die Originalspur anzuwählen.

Bonusmaterial

Junkie Blu-ray Review Szenenbild 4
… als er den „Nazi“ Otto, ihren „drug-dealer-next-door“, spontan die Radieschen von unten beschauen lässt.

Hier findet sich lediglich der Originaltrailer zum Film.

Fazit

Nichts für Feinschmecker: Junkie ist ein abgedrehtes, wirres, brutal-schonungsloses und ziemlich gestörtes Machwerk, das man mag oder hasst.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 5%
Film: 60%

Anbieter: Mad Dimension/AL!VE AG
Land/Jahr: USA 2012
Regie: Adam Mason
Darsteller: Robert LaSardo, Daniel Louis Rivas, Tomas Boykin
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 84
Codec: AVC
FSK: 18 (ungeschnitten)