L.A. Outlaws – Die Gesetzlosen

Blu-ray Review

Tiberius Film, 01.06.2017

OT: Vigilante Diaries

 


Bad Hair Movie

Von roten Perücken, Superhelden und Rachegelüsten.

Inhalt

L.A. Outlaws - Die Gesetzlosen Blu-ray Review Szene 2
Einst bei den Special Forces …

Vigilante ist sein Name – Der Wachsame. Vor zehn Jahren war er mal bei den Special Forces im Irak. Dann gab er den Armeedienst auf und zog es vor, seinen ganz eigenen Kampf gegen das Böse auf der Welt voranzutreiben. Egal, ob Korruption oder Drogenhandel, irgendwann war The Vigilante überall als Superheld aus Fleisch und Blut bekannt. Seit Kurzem ist er aber sogar für seine engsten Freunde verschollen – auch Michael Hanover, der Vigilantes Aktionen ab und an mit der Kamera dokumentiert hat, weiß nicht mehr wo er ist. Bis ein heißer Tipp Mike auf die Spur nach Mexiko bringt, wo ein Kartell den Helden angeblich festhält und foltert. Gemeinsam mit einem ziemlich dreckigen Dutzend wildentschlossener Typen macht man sich daran, den Helden zu befreien. Doch ihnen gegenüber steht ein ziemlich skrupelloser Armenier, der noch eine ganz persönliche Racherechnung mit Hanover und The Vigilante begleichen will …

L.A. Outlaws - Die Gesetzlosen Blu-ray Review Szene 3
… jetzt speziell in Gefahr: The Vigilante

Schlösse man die Augen und lauschte lediglich dem ersten Filmsong von L.A. Outlaws – Die Gesetzlosen, wüsste man zudem, dass Tarantino-Buddy Michael Madsen direkt in die Kamera spricht, man könnte glatt denken, man säße in einem neuen Werk des Kultregisseurs. Tatsächlich hat Christian Sesma seine Vorbilder gut studiert und entwickelte seine Idee, Regisseur zu werden nachdem er einen von Robert Rodriguez‘ 10-Minute-Film-School-Beiträgen studiert hatte. So eröffnet Sesma seinen von ihm und Hauptdarsteller Paul Sloan geschriebenen Film möglichst dynamisch und für einen Actionfilm außergewöhnlich cool. Die Kamerafahrten im kleinen Dorf irgendwo in Falludscha kommen mit wenigen Schnitten aus und sind nahe an den Protagonisten. Das vermittelt trotz begrenzten Szenarios eine gewisse Größe und versprüht einen Hauch von Big-Budget-Produktion – gar nicht mal übel für einen Film, der als Satire auf Reality-TV innerhalb einer Webserie startete und dann zum Feature ausgearbeitet wurde. Bei der Vorstellung von Mike Hanover sowie bei den zwischendurch eingeblendeten Überschriften für die Tagebucheinträge versucht man sich ebenfalls in Tarantino-Optik, was sicherlich ganz witzig ist, aber die Innovation etwas vermissen lässt. Obendrauf gibt’s noch ein bisschen 3D-Ego-Shooter-Look für die hippen Videospielfans und moderne Computer-Hologramme für Technik-Nerds. Das hat alles nicht zwingend Sinn und ist auch nicht gerade logisch, sieht aber immerhin hübsch aus und unterhält gut. Jedenfalls hat L.A. Outlaws mehr Witz und Tempo als 90% der billig runtergekurbelten Action-Videoveröffentlichungen der letzten Monate.

L.A. Outlaws - Die Gesetzlosen Blu-ray Review Szene 8
Der Armenier (links) trachtet dem „Wachsamen“ nach dem Leben

Das vor allem aufgrund eines entfesselten Jason Mewes (der nicht ganz so stille Part von Jay & Silent Bob), der zwar hyperaktiv agiert, aber immerhin ein paar lockere Sprüche abfeuert. In Sachen Action überzeugen eher die Kampfszenen, denn jene mit viel Feuergewalt. Dafür sind ein paar der Darsteller schlicht zu untalentiert und rennen dummdämlich mit ihrer AK47 durch die Gegend. Und wenn die bösewichtigen Aufpasser von Vigilantes Folterkammer sich gefühlt minutenlang von einer kleinen Drohne narren lassen, ohne sie schlicht aus der Luft zu holen, dann darf das durchaus als schlechte Gegner-KI beschrieben werden, um mal bei den im Film häufig bemühten Videospielelementen zu bleiben. In Sachen Gewaltdarstellung gibt’s ein paar blutigere Szenen, die die 18er-Freigabe rechtfertigen. Allerdings sind direkte Einschüsse doch meist CGI, was L.A. Outlaws für Gorefans wiederum deutlich entschärft. Entschärfen hätte man übrigens auch die Laufzeit, die mit 107 Minuten und zu vielen Schauplätzen und Zeitsprüngen Dinge unnötig verkompliziert. Die in der zweiten Hälfte gerne mal eingestreute nackte Haut lenkt davon aber bisweilen erfolgreich ab.

L.A. Outlaws - Die Gesetzlosen Blu-ray Review Szene 6
Des Superhelden Ehefrau hat natürlich auch ein Sixpack, kann’s aber gerade nicht einsetzen

Bild- und Tonqualität

L.A. Outlaws - Die Gesetzlosen Blu-ray Review Szene 10
Barrington spielt ein undurchsichtiges Spiel

Das Bild von L.A. Outlaws – Die Gesetzlosen liefert bisweilen sehr gute Kontraste und kräftige Farben, schwächelt aber auch immer wieder mal mit wenig gut aufgelösten Totalen, die deutliche Unruhen zeigen (23’50). Die Schärfe ist eigentlich nur in Nahaufnahmen richtig knackig und bleibt ansonsten unter ihren Möglichkeiten. Während der dunkleren Szenen ist es zudem recht körnig und schwarze Oberflächen färben sich ein wenig bläulich.
Beim Sound von L.A. Outlaws melden sich zwar alle Lautsprecher schon zu Beginn zu Wort, doch so richtig effektvoll oder dynamisch will es dann doch nicht werden. Die MG-Salven zu Beginn sowie das Feuer aus Barringtons MP bleiben zu vordergründig und hätten mehr Punch verdient gehabt. Nahezu sämtliche Feuerwaffen klingen unnatürlich und schwach nachvertont. Dafür gibt es allerdings ein bisschen Druck vom Subwoofer, der schon mal wuchtig unheilvoll wummert, bevor die Schießerei losgeht. Auch die körperlichen Kampfszenen haben durchaus akustische Kraft. Schade, dass sich die deutschen Dialoge verhältnismäßig dünn anhören und nicht sonderlich harmonisch eingefügt wurden. Und wenn bei der Befreiungsaktion Vigilantes ein Raketenwerfer abgefeuert wird, dürfte es wirklich ordentlicher zupacken.

Bonusmaterial

L.A. Outlaws - Die Gesetzlosen Blu-ray Review Szene 9
Mädchen sind ohnehin die besseren Automechaniker und „bedanken sich für nichts“

Im Bonusmaterial von L.A. Outlaws gibt’s neben den Originaltrailern und zahlreichen Programmtipps ein siebenminütiges Making-of, das offenbart, worauf der Streifen basiert und wie er sich zum Feature-Film entwickelte.

Fazit

Haufenweise knallharte Typen in einem knallharten Film für eine knallharte Klientel – naja, so ähnlich zumindest. Leider hält L.A. Outlaws nicht ganz das Tempo des recht kurzweiligen Beginns und verliert sich zu sehr in seinen Sub- und Sub-Sub-Plots. Dennoch: Hat man schon schwächer gesehen in den letzten Monaten.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 20%
Film: 55%

Anbieter: Tiberius
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Christian Sesma
Darsteller: Jason Mewes, Quinton „Rampage“ Jackson, Michael Jay White, Paul Sloan, Kevin L. Walker, Michael Madsen
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 108
Codec: AVC
FSK: 18 (ungeschnitten)

Trailer zu L.A. Outlaws – Die Gesetzlosen