Lights Out

Blu-ray Review

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Warner Home, 15.12.2016

OT: Lights Out

 


Tod aus dem Schatten

Die größte Horror-Überraschung des Jahres kommt weitgehend ohne blutige Ekeleffekte aus.

Inhalt

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Ähm … das ist KEINE gute Idee …

Der junge Schüler Martin hat vor Kurzem seinen Vater verloren, was seine Mutter Sophie zum zweiten Mal in ihrem Leben in tiefe Depressionen verfallen lässt. War doch schon deren erster Ehemann einst verschwunden, was Martins ältere Stiefschwester Rebecca dazu veranlasste, irgendwann das Elternhaus zu verlassen. Rebecca erhält nun die Nachricht, dass Martin wiederholt im Unterricht eingeschlafen ist, weil er offenbar zu wenig Schlaf bekommt. Da Mutter Sophie, zu der Rebecca dann gemeinsam mit Freund Bret und Martin fährt, vollkommen durch den Wind ist, beschließt sie, ihren Bruder zunächst mal mit nach Hause zu nehmen. Dort wird ihr in der Nacht bewusst, wovor sich Martin so fürchtet, dass er nur noch mit eingeschaltetem Licht schläft: Eine Schattengestalt manifestiert sich überall dort, wo keine Lichtquelle ist und sie wirkt nicht gerade freundlich – im Gegenteil: Bei Nachforschungen im Haus der Mutter wird Rebecca von dem Wesen angegriffen und entgeht nur knapp dem Tod. Ihre Nachforschungen ergeben, dass Sophie auf geheimnisvolle Art mit der aggressiven Erscheinung verknüpft zu sein scheint. Doch wie soll man einer Gestalt entgegentreten, die man nur im Dunkeln sehen kann …?

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Man sieht sie, man sieht sie nicht; man sieht sie, man sieht sie nicht – Diana ist der Blinker unter den Horrorgestalten

Lights Out basiert auf dem gleichnamigen Kurzfilm, den der schwedische Regisseur David F. Sandberg vor drei Jahren über zwei Videoplattformen online stellte und der sich so großer Beliebtheit erfreute, dass Filmstudios darauf aufmerksam wurden. Nun darf Sandberg seine eigene Geschichte zum Langfilm aufblasen und landet damit einen echten Horror-Hit – und das nicht nur finanziell. Lange, wirklich lange schon hat man sich nicht mehr derart gruseln dürfen, ohne dass vordergründige Bluteffekte das Bild bestimmen. Kaum ein anderer Film der letzten Jahre hat derart effektiv Licht und vor allem Schatten dazu genutzt, blanken Horror zu erzeugen, wenn ein Wesen (das äußerst gruselig animiert wurde) immer nur dann kurz auftritt, wenn Schattenbereiche es „schützen“. Man merkt, dass ein Regisseur bravourös auf der Klaviatur der Angst spielen kann, wenn er die Erwartungshaltung der Zuschauer zwar erfüllt, sie aber dennoch zu Tode erschreckt. Lights Out ist keineswegs frei von Horrorklischees, nutzt diese aber derart geschickt, dass man ihm zu keiner Zeit böse deshalb ist. Im Gegenteil: Man WEISS um das, was gleich geschehen wird, erwartet praktisch den Schock und dennoch schrickt man auf und stößt kurze Laute des Erschreckens auf. Da ist es auch fast nebensächlich, dass die Geschichte im Hintergrund etwas beliebig daherkommt und nicht vollständig ausgeleuchtet (hah, Wortwitz) wird. Immerhin wird sie aber recht glaubwürdig unterfüttert und erhält mit einer tadellosen Darstellung Maria Bellos ihren Adelsschlag.

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Martin muss als Lichtquelle nehmen, was er kriegen kann

Ganz besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass hier nicht nach dem Einer-stirbt-nach-dem-anderen-Prinzip gearbeitet wird und Hauptdarstellerin Teresa Palmer die wohl stärkste und glaubwürdigste Horrorheldin der letzte Jahre abgibt. Erfrischend zeitgemäß ist auch der integrierte Humor, der immer dann zum Tragen kommt, wenn Becca ihren „Bettgefährten-seit-acht-Monaten“-Bret in die Schranken verweist. Zum Gelingen von Lights Out trägt aber vor allem auch die technische Seite bei. Gerade die Kameraeinstellung und die Ausleuchtung sind perfekt gesetzt. Die Gestalt-Animation ist, wie schon kurz beschrieben, herausragend gruselig gelungen und die Tatsache, dass man von Diana bis zum Ende praktisch nichts außer ihrem Schattenumriss zu sehen bekommt, offenbart, wie sehr sich der Film auf diesen Effekt verlassen kann, ohne vordergründig zu werden. Wenn man dann im Finale bei UV-Beleuchtung doch ein paar Körperteile zu Gesicht bekommt, bleibt das dezent und zerstört nicht den vorherigen Gruseleffekt. Und um das Ganze zu perfektionieren bietet Sandbergs Film noch richtig schaurige Geräuscheffekte, wie ein Kratzen auf Holz oder das donnernde Poltern an Türen. Verschmolzen wird das zu einem höchst spannenden Ganzen, das bei dem einen oder anderen dafür sorgen wird, dass er nach dem Abspann schnell den Lichtschalter sucht …

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Rebecca glaubt nicht, was sie gerade gesehen hat

Bild- und Tonqualität

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Kann Bret seiner Freundin und deren kleinem Bruder helfen?

Lights Out punktet mit einem beständig sehr stabilen, immens kontraststarken Bild, das äußerst lebhafte Farben mitbringt. Dennoch bleiben Hauttöne stets realistisch. Die Bildruhe ist exemplarisch gut. Gerade in den gut ausgeleuchteten Sequenzen ist kaum eine Körnung zu sehen. In den dunkleren Szenen gibt’s hier und da schon mal ganz leichte Körnigkeit auf schwarzen Oberflächen oder in Schattenbereichen. Auch verschlingen diese dunklen Oberflächen schon mal ein paar Details. Die Schärfe ist aus jeder gefilmten Distanz gut und bleibt bis in die Randbereiche konstant.
Erneut kommt mit Lights Out ein Film eines großen Anbieters, der beim deutschen Ton absolut ärgerlich vernachlässigt wurde. Die hiesige Dolby-Digital-Variante hat gegen die dts-HD-Master-Spur des Originals nicht den Hauch einer Chance. Sie ist leiser, weniger dynamisch, hörbar unpräziser und viel weniger effektvoll. Selbst wenn man die Lautstärke auf über das Doppelte anhebt (was man muss, um die gleiche Kraft zu erzeugen wie sie von der dts-HD-MA-Spur wiedergegeben wird), kommt man nicht auf die gleiche Dynamik. Schon das kurze Grollen des Subwoofers gelangt spürbar intensiver ins Heimkino (3’06). Auch wenn sich die Leuchten in der Lagerhalle ein- und ausschalten, sind die Sounds vehementer und kraftvoller. Die knarzigen Gliedmaßen Dianas werden schrecklich-schöner wiedergegeben und die umherwuselnden Stimmen sind besser ortbar. Nimmt sich Diana dann Martins Vater, fürchtet man um sein Equipment – nicht so auf der deutschen Spur. Das einzig Positive: Für eine Dolby-Digital-Spur klingt die deutsche Fassung ganz ordentlich. Dennoch wünscht man sich bei jedem Angriff von Diana die englische Variante, die den Zuschauer permanent überrascht und ihm die Haare zu Berge stehen lässt. Hier kann und muss sich der Anbieter bessern und solange das nicht der Fall ist, eben die Kritik anhören.

Bonusmaterial

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Trick 17 mit Schwarzlicht

Leider finden sich im Bonusmaterial von Lights Out lediglich drei entfernte Szenen mit einer Gesamtlaufzeit von 14 Minuten. So sehen wir, dass Rebecca bei ihrer Recherche noch ein Gespräch mit Detective Petrucci führt und dabei erfährt, dass sich ihre Mutter nie danach erkundigt hat, ob es Neuigkeiten bzgl. des Mordes an ihrem Mann gibt. Außerdem gibt es eine längere Szene zwischen ihr und ihrem kleinen Bruder, in der sie ihm mehr über Diana erzählt. Eine immerhin gut neunminütige Sequenz, in der geschildert wird, wie Rebecca zur Pflegemutter von Martin wird wurde ebenfalls nicht in den Film integriert. Im Prinzip handelt es sich hierbei um ein alternatives Ende, das auch noch mal mit einem vollständig anderen (ziemlich spannenden) Schluss aufwartet.

Fazit

Lights Out ist der effektivste und schaurigste Gruselhorror der letzten Jahre und für Cineasten, die ungerne im Dunkeln in den Keller gehen, eine echte Konfrontation mit Urängsten – Pflichtkauf!
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 80%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 20%
Film: 85%

Anbieter: Warner Home
Land/Jahr: USA 2015
Regie: David F. Sandberg
Darsteller: Teresa Palmer, Maria Bello, Gabriel Bateman, Alexander DiPersia, Billy Burke
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 81
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Lights Out