Lone Survivor 4K UHD

Blu-ray Review

Lone Survivor 4K UHD Blu-ray Review Cover
Universum, 13.04.2017

OT: Lone Survivor


150 gegen 4

Peter Berg darf mal wieder Krieg spielen – dieses Mal sogar beruhend auf wahren Begebenheiten.

Inhalt

Lone Survivor Blu-ray Review Szene 1
Hart ausgebildete, zum Töten trainierte, für den Kameraden sterbende Navy SEALs

Marcus Luttrell ist einer von vielen Navy SEALs, die während der Operation Red Wings im Jahre 2005 in Afghanistan stationiert sind. Ein neuer Auftrag schickt die Jungs, allesamt hart und perfekt trainierte Kampfmaschinen, auf die Jagd nach der Taliban-Größe Ahmad Shah. Dessen Eliminierung bedeutete nicht nur Einen weniger auf der langen Liste der Schurken, sondern wäre auch ein persönliches Anliegen für jeden der SEALs, denn immerhin ist Shah verantwortlich für das Ableben vieler US-Soldaten. Marcus und seine Kameraden Michael, Danny und Matt beziehen als Scharfschützen ihren Posten und … warten … Denn Krieg bedeutet für Sniper in erster Linie, sich in Geduld zu üben. Als ihnen in ihrem Versteck ein lokaler Ziegenhirte mitsamt zweier Gefolgsleute begegnet, deren Leben die Soldaten trotz hitziger interner Diskussion verschonen, können sie noch nicht ahnen, dass die Einheimischen dafür sorgen werden, dass sie bald nicht den prognostizierten zehn, sondern gleich 150 Talibankämpfern gegenüber stehen. Es entbrennt ein Feuergefecht, das nur böse enden kann …

Lone Survivor Blu-ray Review Szene 2
Freunde oder Feinde?

Peter Berg, der noch in Operation Kingdom bemüht war, eine halbwegs ausgeglichen dargestellte militärische Thematik abzuliefern, zeigte schon zuletzt mit Battleship, was für ein strammer Patriot in ihm steckt. In Lone Survivor darf er nun richtig vom Leder ziehen, denn immerhin beruht die Geschichte vom einzelnen Überlebenden eines Einsatzes in Afghanistan auf wahren Begebenheiten. Berg beginnt mit Stakkato-Bildern der Ausbildung von Navy-Seals – Momentaufnahmen härtesten Trainings, der Entbehrungen und körperlichen Aufopferung, dazu Bilder bangender aber letztlich stolzer Familien. Kein Zweifel, in Lone Survivor werden Helden verehrt und Kritik bleibt außen vor. Einzig in Sachen Filmmusik geht Berg einen unüblichen Weg. Er lässt die sonst so gern für patriotische Filme genutzten Bläser/Hörner weg und setzt auf melancholische Sounds der sensationellen Instrumental-Band Explosions in the Sky. Das nimmt dem Film etwas die heroische Schwere, weist aber vom ersten Moment auf den hochemotionalen Weg des Films hin.

Lone Survivor Blu-ray Review Szene 3
Axelson wüsste gerne alle „Ziegenhirten erledigt“

Dass wir uns nicht falsch verstehen: Lone Survivor ist bisweilen ungemein spannend inszeniert, beschreibt (vermutlich) extrem realistisch, wie geduldig und behutsam gerade Sniperschützen vorgehen müssen und krabbelt öfter gemeinsam mit dem Zuschauer im Tannendickicht herum. Diese Anspannung wird lediglich von den Witzeleien zwischen Marcus und Michael unterbrochen, die für ein wenig Humor sorgen. Allerdings nur, bis ab der 57. Minute für satte 20 Minuten lang ein Scharmützel entfacht, das filmhistorisch gesehen wohl seinesgleichen sucht. Natürlich kehrt Berg dann entsprechend zur unmittelbaren Kamera zurück, ist hautnah dabei und überträgt die Hitze des Gefechts 1:1 auf den Zuschauer. Das ist, so viel muss man dem Regisseur lassen, absolut packend umgesetzt.

Lone Survivor Blu-ray Review Szene 4
Die Hölle bricht los …

Stimmiger wäre das Ganze aber geworden, wenn man sich hätte dazu durchringen können, der gegnerischen Seite ein Gesicht zu geben. Noch dazu, und das ganz unabhängig von der Tatsache, dass die Ereignisse genau so geschehen sind, gibt Lone Survivor ein falsches Signal ab: Die Gnade, welche Luttrell und seine Navy-SEALs-Kollegen dem Ziegenhirten gegenüber walten lassen, führt nicht zur Verständigung, sondern erst Recht zur Eskalation. Das ist eine Menge Öl ins Feuer für all jene, denen diplomatische Maßnahmen ein Dorn im Auge sind. Lieber alles direkt über den Haufen schießen, dann klappt’s auch mit dem Überleben. Und wenn die zahlenmäßig überlegenen Gegner dann ihre Opfer fordern, wird Murphy selbstverständlich auch noch feige in den Rücken geschossen. Denn merke: Der fanatische Gotteskrieger ist kein fairer Kämpfer.
Allerdings, und das soll zur Ehrenrettung des Regisseurs und seines Films gesagt werden, gibt es nicht nur mit der letzten eingeblendeten Textzeile auch ein paar versöhnliche Momente, wenn die Teile der afghanischen Bevölkerung angesprochen werden, die eben keine Fanatiker sind.

Bild- und Tonqualität Blu-ray

Lone Survivor Blu-ray Review Szene 5
… und natürlich streikt das Funkgerät

Schon das Bild der Blu-ray von Lone Survivor erstrahlt mit kräftigsten Kontrasten, extrem lebhaften Farben und einer überraschend hohen Laufruhe. Berg lässt dieses Mal glüclicherweise sein Stilmittel Wackelkamera und Filmkorn zu Hause und lässt seinen Kameramann ruhig und gemächlich hinter den Soldaten herlaufen. Das unterstützt den Schleichcharakter der Scharfschützen und wirkt deutlich besser als hätte er auch hier hektisch herumfuchteln lassen. Wie weiter oben erwähnt, übernimmt die Handkamera das Geschehen nur während der Schießerei und sorgt dann für zunehmende Unruhe. Allerdings passt das in diesem Fall thematisch sehr gut – zumal die Schärfe fast dauerhaft auf einem sehr guten Niveau ist (30’36). Farben selbst hat Berg dieses Mal etwas realistischer als sonst gewählt, wo er für gewöhnlich deutliche Braunfilter einsetzt und die Stimmung sehr warm hält. Natürlich gibt es auch hier einen deutlichen Braun-Anteil, dies jedoch vornehmlich, weil man sich im wüstennahen Gebiet befindet und Sand nun mal tatsächlich braun ist.
Mit extrem hoher Räumlichkeit fliegen die Aufklärungsflugzeuge und Transporter-Hubschrauber in Lone Survivor über die Köpfe der Heimkino-Zuschauer hinweg. Schon das Aufsteigen der Helis zu Beginn von Kapitel drei ist schlicht sensationell (20’32). Der von den Rotorblättern aufgewirbelte Sand und Staub scheint praktisch im Wohnzimmer niederzuprasseln und während all dieser Surround-Highlights liegt der elektronische Sound von Explosions in the Sky wie ein Klangteppich auf allen Speakern. Schon bis dahin ist der Tonsektor von Lone Survivor richtig klasse. Was dann, während der knapp halbstündigen Schusswechsel (im Übrigen ohne jede Unterstützung von Filmmusik) passiert, ist von einer ähnlichen akustischen Brillanz, wie die erste halbe Stunde von Der Soldat James Ryan: Projektile bleiben klirrend neben dem Zuschauer liegen, die Kugeln schlagen fetzend in Bäume ein, fliegen haarscharf an den Köpfen (73’55) vorbei und zerschlagen Steine mit splitterndem Effekteregen – das ist akustische Extraklasse!

Bild- und Tonqualität UHD

Lone Survivor wurde mit Red-Epic-Kameras vollständig digital gefilmt. Deren Redcode-RAW-Codec lieferte an der Quelle 5K, wurde jedoch für das Kinomaster auf 2K heruntergerechnet. Auf diesem Digital Intermediate basiert auch die UHD, für die das Bild wieder auf 4K hochskaliert wurde. Da die Detailauflösung und Schärfe schon über die Blu-ray wirklich sehr gut war, kann die UHD auf sehr gutes Material aufbauen und noch eine kleine Schüppe drauflegen. Das zeigt sich vor allem in den vielen längeren Nahaufnahmen der Protagonisten, die unter irgendeinem Strauch liegen und auf ihren Einsatzbefehl warten. Die Lichter auf ihren Gesichtern wirken noch knackiger, die Haut noch detaillierter. Das liegt allerdings nicht nur an der 4K-Auflösung, sondern vor allem am höheren Dynamikumfang. Denn Universum spendierte Lone Survivor sowohl einen Farbraum im Rahmen von Rec.2020 als auch High Dynamic Range (HDR). Alleine die Tatsache, dass schwarz kräftiger ist und der Kontrastumfang höher, sorgt für eine plastischere Detaildarstellung (siehe Bildausschnitt).

Lone Survivor Bildvergleich Blu-ray UHD 1
Im Bild ist ein Ausschnitt im Maßstab 1:1. Die Blu-ray zeigt bereits eine gute Detailzeichnung, verliert gegenüber der UHD (rechts im Bild) aber aufgrund des geringeren Dynamikumfangs ein wenig an Struktur.
Lone Survivor Bildvergleich Blu-ray UHD 2
Die UHD liefert aufgrund der höheren Auflösung, vor allem aber aufgrund von HDR mehr Detailtiefe. So kann man die Struktur des Materials besser erkennen. Auch der Gummi, der zur Befestigung dient ist plastischer.

 

Die Integration eines leicht erweiterten Farbraums gelingt hier ebenfalls sehr gut. Ab und an wurde es mit dem Griff in den Farbtopf schon mal übertrieben, was zu stark verbrannt wirkenden Gesichtern führte. Bei Lone Survivor wählte man einen eher dezenten Weg, um die vielen Close-ups der Gesichter nicht zu drastisch zu färben. So wirkt der Teint immer noch natürlich, aber eben eine Spur kräftiger. Dass es sich um einen erweiterten Farbraum handelt, sieht man vor allem bei den starken Naturaufnahmen des Films und bei den zahlreichen Bildern der aufgehenden Sonne (siehe Bild). Hier leuchtet das Orange kräftiger und die hellen Lichter strahlen noch mehr. Das tun sie allerdings glücklicherweise, ohne auszureißen. Auch bleibt Schwarz durchzeichnet und säuft nicht ab.

Lone Survivor Bildvergleich Blu-ray UHD 3
Die Blu-ray wirkt für sich genommen durchaus kontrastreich und zeichnet auch im schwarzen Vordergrund gut durch.
Lone Survivor Bildvergleich Blu-ray UHD 4
Auf der UHD beeindruckt der erweiterte Farbraum im Rahmen von Rec.2020 mit dem satteren Orange (Belichtungszeiten und Einstellungen bei beiden Aufnahmen sind identisch), ohne dass das Schwarz im Vordergrund an Zeichnung verliert oder die hellen Spitzlichter überreißen.

Beim Ton hat man der UHD von Lone Survivor keine neuen Spuren spendiert. 3D-Sound bleibt also außen vor und man vertraut weiterhin auf die (hervorragenden) dts-HD-Masterspuren in 5.1.

Bonusmaterial

Lone Survivor Blu-ray Review Szene 6
Wem kann Marcus vertrauen?

Im Gegensatz zu Concorde Home Entertainment, die bei ihren Wiederveröffentlichungen von Iron Man, Iron Man 2 und Iron Man 3 das Bonusmaterial auch auf die UHD brachten, entschloss man sich bei Universum Film dazu, es ausschließlich auf der BD zu belassen und die UHD in Sachen Speicherplatz nicht mit den Extras zu füllen. Die Featurettes und Hintergrundberichte sind demnach vollkommen identisch mit der bisherigen Blu-ray. So finden sich bei Lone Survivor neben neun Interviews (sämtliche Darsteller und auch Marcus Luttrell kommen zu Wort), einem Blick hinter die Kulissen noch sechs weitere Featurettes. In „Der Wille des Kriegers“, einem fast halbstündigen Dokumentarfilm über Luttrell erfahren wir, wie er zu den Navy SEALs kam, woher er ursprünglich kommt und wie’s zu den Ereignissen kam – eine ebenso patriotische, wie ergreifende Geschichte eines Jungen, der unbedingt zu den SEALs wollte. „Die Geschichte ans Licht bringen“ beschreibt, dass Peter Berg das Buch schon beim Dreh von Hancock von seiner Frau vorgelegt bekam. Diese legte ihm nahe, den Film dazu zu drehen. Neben einem Feature über die „Nachstellung der Feuergefechte“ und einem unvermeidbaren über das Training der Darsteller in „Die Grundausbildung“ wird’s richtig pathetisch in „Die gefallenen Helden der Operation Red Wings“ in dem über jeden der in diesem Einsatz umgekommenen Soldaten berichtet wird. Die Eltern dürfen zu Protokoll geben, wie gut Berg alles umgesetzt hat und wie heldenhaft ihre Söhne waren. Das einzige nicht die amerikanischen Soldaten betreffende Feature ist „Der Lebenskodex der Paschtunen“. Hier werden die Paschtunen gleichsam zu Helden stilisiert, da sie ihr Leben für das Leben der US-Soldaten gegeben hätten, bzw. teilweise haben. Durchgehend durch sämtliche Extras von Lone Survivor zieht sich der gleiche rote Faden, wie durch den Film selbst. Man wird emotional möglichst stark gefangengenommen, um die vermeintlich heldenhafte Soldatenstory auch ja genug zu würdigen.

Fazit

Lone Survivor liefert filmisch ein höchst zwiespältiges Erlebnis. Zum einen ist Bergs Werk ein extrem spannender und packender Actionfilm, zum anderen aber auch ein ein nur für Amerikaner erträgliches oder nachvollziehbares Heldenporträt. Man merkt Lone Survivor mit jeder Sekunde an, wie tief der Schmerz über die Terroranschläge am 11. September 2001 immer noch sitzt und wie sehr es auch Hollywood ein Anliegen ist, den bewaffneten Krieg gegen den Terror moralisch zu unterstützen und seine Helden (gerade die toten) zu feiern. Die UHD liefert bei gleichbleibend sattem und herausragend effektvollem Sound das plastischere und kräftigere Bild, das es mit der Farbgebung nicht übertreibt und insgesamt besser aufgelöst und schärfer wirkt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 90% (im Rahmen einer BD-Bildbewertung)
Bildqualität UHD: 85% (im Rahmen einer UHD-Bildbewertung)
Tonqualität BD (dt. Fassung): 95%
Tonqualität BD (Originalversion): 95%
Tonqualität UHD (dt. Fassung): 95%
Tonqualität UHD (Originalversion): 95%
Bonusmaterial: 50%
Film: 50%

Anbieter: Universum Film
Land/Jahr: USA 2013
Regie: Peter Berg
Darsteller: Mark Wahlberg, Taylor Kitsch, Emile Hirsch, Ben Foster, Eric Bana, Ali Suliman, Alexander Ludwig
Tonformate BD: dts HD-Master 5.1: de, en
Tonformate UHD: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 123
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Real 4K: Nein (2K Intermediate)
FSK: 16

Trailer zu Lone Survivor

4 thoughts on “Lone Survivor 4K UHD

  1. Hallo,

    wieder eine sehr schön ausführlich verfasste Rezension. Woher beziehst du denn deine Informationen zu verwendeten Kameras, dem Farbraum und den eingesetzten Ausgangsmaterial (2K Intermediate)? Gibt es dazu eine einheitliche Quelle für alle deine Reviews, oder ist es immer erneut eine aufwendige Recherche?

    Liebe Grüße
    Florian

    • Ein guter Journalist gibt nie seine Quellen preis 😉
      Spaß beiseite: Die meisten Angaben findet man in den Tech.Specs des Films auf der imdb. Ab und an wird beim Anbieter nachgefragt, der dann bis zur Technik-Abteilung weiterleitet und manchmal lohnt auch ein Blick bei guten Kollegen.
      Dies zumindest was das Digital Intermediate und die Kameras angeht. In Sachen Farbraum bekommst du eine PN von mir.

  2. Paul Müller

    Der Junge, bei dessen Vater Marcus Luttrell zum Ende hin Unterschlupf erhält, ist der Junge, der am Anfang u.a. mit verschont wurde. Insofern stimmt die Aussage in ihrer Absolutheit nicht, dass die Gnade zur Eskalation geführt hätte. Außerdem wäre eine anderes Handeln eine Beführwortung dafür gewesen, Zivilisten im Sinne der Sache zu opfern. Und das verstößt gegen die Genfer Konvention.

    • Bei den letzten beiden Sätzen bin ich vollkommen d’accord. Das Review sagt ja auch nicht, dass der Zuschauer hätte sehen wollen, dass man die Zivilisten gleich an Ort und Stelle erledigt, um mögliche Gefahr abzuwenden. Der Film impliziert es aber leider. Und da hilft auch nur bedingt, dass der Junge, der zu Beginn verschont wurde, eben jener ist, bei dessen Vater Luttrell später Hilfe erhält. Er ist ja nun mal nicht der alleinige Zivilist, der von den US-Soldaten zu Beginn verschont wird. Und Berg inszeniert es leider so, dass man als Zuschauer mit geringem Reflektionspotenzial geneigt ist, der Argumentation von Matthew „Axe“ Axelson zu folgen. Darauf bezieht sich meine Kritik im Review.

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