Mädelstrip

Blu-ray Review

Mädelstrip Blu-ray Review Cover
20th Century Fox, 26.10.2017

OT: Snatched

 


Zwei wie Feuer und Wasser

Was passiert, wenn ein ungleiches Mutter-Tochter-Gespann im exotischen Urlaub gekidnappt wird, zeigt der neue Film von Warm-Bodies-Regisseur Jonathan Levine.

Inhalt

Mädelstrip Blu-ray Review Szene 1
Ein Urlaub, der Blessuren hinterlassen wird

Emily wollte eigentlich mit ihrem Freund nach Ecuador reisen und dort ein paar Tage am traumhaften Strand verbringen. Doch Pustekuchen. Der Kerl trennt sich unverständlicherweise am Abend vor dem Abflug von ihr, weil er als Rockstar lieber noch hunderte andere Muschis haben möchte anstelle hundert Mal Emilys Muschi. Nun steht sie mit gepackten Koffern alleine da. Um ein wenig Trost zu suchen, besucht sie ihre Mutter. Und weil die (abgesehen von einem Töpferkurs) schon ewig nichts Großes mehr unternommen hat überredet die Tochter sie, das frei gewordene Ticket zu übernehmen. Zunächst scheint alles gut zu laufen, Emily lernt sogar einen unerhört hübschen Kerl an der Bar kennen, besäuft sich gemeinsam mit ihm und schlägt beim Capoeira deutlich über die Stränge. Der wehrte Herr lädt Mutter und Tochter anderntags auf einen Ausflug in den Dschungel ein. Nett von ihm denkt sich Emily. Doch sie könnte nicht falscher liegen. Denn der Trip entpuppt sich als Alptraum. Entführer rammen den Jeep des Trios und entführen das Mutter-Tochter-Gespann. Jetzt könnte man meinen, dass Emily die Kidnapper schlicht in Grund und Boden redet. Doch die Täter haben ein erstaunlich dickes Fell. Es gibt also nur eine Möglichkeit, sich zu retten: Das ungleiche Paar muss sich zusammenraufen und am gleichen Strang ziehen, während die letzte Hoffnung auf einem Ex-Manager liegt, der aufgrund einer akuten Krebserkrankung in den Dschungel gereist ist und dort auf Indiana Jones macht …

Mädelstrip Blu-ray Review Szene 3
Nette Bekanntschaft oder doch Lockvogel?

Amy Schumer ist in den USA eine ebenso bekannte wie beliebte Komikerin, die sich nach Dating Queen nun erneut in eine turbulente Komödie geworfen hat. Mädelstrip hat dem 2015er Hit von Judd Apatow schon mal eins voraus: Er ist die dort bemängelten 30-40 Minuten kürzer. Und das tut dem Film schon mal gut. Die Gagdichte ist dadurch vor allem zu Beginn etwas höher und es zünden sogar mehr Witze. Gerade die Nicklichkeiten zwischen Emily und ihrer Mutter sowie der alberne Schlagabtausch mit ihrem Bruder funktionieren gut. Goldie Hawn, die erstmals seit 15! Jahren wieder in einem Film mitspielt, sieht nicht nur blendend aus (immerhin feiert sie dieser Tage ihren 72. Geburtstag), sondern ist in richtiger Spiellaune. Dass ihre Rolle ganz bewusst gegen ihr früher so flippiges Image geschrieben ist, macht den Reiz noch größer. Sie, die in ihren 70er- und 80er-Jahre-Filmen immer die verrückte Nudel gespielt hat, darf sich nun als überprotektive Mama mal komplett konträr verhalten. Großartig, wenn sie ihrer Tochter die Nachteile von Flip Flops erklärt oder sie vor der Sonne warnt. Und dann kommt bisweilen sogar ein richtig knackiger One-Liner, wenn sie bspw. ein Paar mit großem Altersunterschied mit einer vollen Sarkasmus-Breitseite abledert. Niedlich auch, wenn sie auf der Rücksitzbank des Jeeps den Sonnehut über die Ohren zieht, damit sie sich keinen Zug fängt.

Mädelstrip Blu-ray Review Szene 2
Eins ist sicher: Gefährliches Urwald-Getier wird einfach weggeschrien

Auch Amy Schumer ist gut drauf, was man im offenen Schlagabtausch mit der dunkelhaarigen Bekanntschaft an der Bar demonstriert. Heimlicher Star aber ist vor allem in der zweiten Hälfte des Films Ike Barenholtz in der Rolle von Emilys Bruder Jeffrey. Während im Dschungel immer mehr Hysterie angesagt ist, kämpft das agoraphobische Muttersöhnchen von zuhause für die Rettung seiner Verwandschaft und muss dabei über sich hinauswachsen. Und wenn er mit ABC-Schutzmaske seinen Ängsten entgegen- und vor die Haustür tritt. Das lässt dann auch etwas über völlig absurde Storyeinfälle wie den Bandwurm hinwegsehen. So eine Szene kann einem Autor sicher nur im Vollrausch einfallen. Erstaunlich im Übrigen, wie brutal der Film bisweilen ist. Da rechnet man noch mit einem Knock-out eines Gangsters und erfährt im Nachhinein von dessen Ableben. Außerdem bleibt auch mal ein Armbrustpfeil im Hals eines Kidnappers stecken – das wirkt aus erzählerischer Sicht nicht immer ganz passend zum Rest. Die Mutter-Tochter-Versöhnungs-Story ist natürlich maximal simpel gestrickt, funktioniert aber, weil Schumer und Hawn toll zusammen harmonieren.

Bild- und Tonqualität

Mädelstrip Blu-ray Review Szene 5
Merke: In Südamerika lieber niemandem trauen

Das Bild von Mädelstrip liefert beständig warme Farben und lässt die Farben entlang einer Braunpalette wirken. Der Kontrastumfang ist erstaunlich schwach. Im Prinzip sehen fast alle Szenen ein bisschen vernebelt aus (16’16) und die Schärfe – gerade in Nahaufnahmen – ist erschreckend schlecht. Gerade Amy Schumers Antlitz ist fast nie scharf. Immer wieder rutscht der Fokus der Kamera von den Gesichtern ab. Schade, dass selbst die Aufnahmen der tollen Landschaft von Ecuador nicht prägnanter und knackiger zur Geltung kommen. Relativ gut ist die Bildruhe, die nur ein geringes Korn offenbart, das allerdings in dunklen Szenen nochmals zu stärkeren Kontrastschwächen auf Gesichtern führt.
Für eine Komödie hält Mädelstrip auf seinen dts- (deutsche Fassung) und dts-HD-MA-Spuren überraschend viele Effekte bereit. Immerhin gibt’s im Dschungel ja auch eine Handvoll Actionszenen, die akustisch entsprechend untermalt werden müssen. Außerdem liefert der Filmscore dazu durchaus dynamische Einlagen, während die Stimmen jederzeit gut verständlich sind. Während der hysterischen Kreischattacken grenzt die deutsche Synchro schon mal ans Übersteuern, was weniger schön ist. Hier wirkt die Originalfassung etwas harmonischer.

Bonusmaterial

Mädelstrip Blu-ray Review Szene 4
Ein echter Abenteurer, oder?

Im Bonusmaterial von Mädelstrip warten insgesamt zehn entfallene und fünf erweiterte/alternative Szenen. Dazu gibt’s einen Audiokommentar von Regisseur Levine und knapp drei Minuten „Spaß am Set“.

Fazit

Bisweilen recht witzig gespielte, aber harmlose und manchmal auch unnötig hysterische Komödie – Mädelstrip ist vor allem eine Empfehlung für Fans der beiden Hauptdarstellerinnen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 30%
Film: 60%

Anbieter: 20th Century Fox
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Jonathan Levine
Darsteller: Amy Schumer, Goldie Hawn, Ike Barinholtz, Kim Caramel, Wanda Sykes, Joan Cusack, Raven Goodwin,
Tonformate: dts HD-Master 7.1: en // dts 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit:91
Codec: AVC
FSK: 12

Trailer zu Mädelstrip

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