Magic Mike XXL

Blu-ray Review

Magic Mike XXL Blu-ray Review Cover
Warner Home, seit 03.12.2015

OT: Magic Mike XXL

 


Nur noch einmal

Hoffentlich ist es wirklich der letzte Tanz der Truppe, wie die Story von Magic Mike XXL es nahelegt.

Inhalt

Magic Mike XXL Blu-ray Review Szene 2
Eine Trauerfeier sähe wohl anders aus

Drei Jahre nach dem großen Tanzvergnügen und dem Start von Mikes eigenem Business als Möbeldesigner sind vergangen. Die Geschäfte allerdings laufen mehr schlecht als recht und so richtig abgeschlossen hat Mike mit der Tanzerei auch noch nicht. Ein Anruf der alten Gang bringt die Erinnerungen zurück, und auch wenn Dallas sich mit einer eigenen Show nach Übersee abgesetzt hat, braucht es nicht viel Überredungskunst der Kings of Tampa, um Mike dazu zu bringen, ein letztes Mal gemeinsam die Bühne zu rocken. Bevor man allerdings bei einem großen Contest auftreten kann, will es die Vorbereitung, dass man zunächst mal für eine Woche gemeinsam durch kleine Clubs tingelt. Und während dieser Zeit sitzt man sich in einem Tourbus dann doch näher auf der Pelle als man zunächst dachte …

Magic Mike XXL Blu-ray Review Szene 4
Die alte Gang ist wieder zusammen

Steven Soderberghs 2012er Magic Mike war eine lockere Fingerübung für den ewig talentierten Regisseur, die gleichzeitig einen seiner letzten Filme fürs Kino markierte, bevor er sich aufs Produzieren und die Arbeit fürs Fernsehen konzentrierte. Auch die Fortsetzung Magic Mike XXL produzierte er nur und auf Matthew McConaughey (dessen Körper ja zuletzt die eine oder andere Abnahmekur aushalten musste) muss man ebenfalls verzichten. Da man auch in Sachen Story nicht allzu viel erwarten sollte, richtet sich die Fortsetzung noch vornehmlicher an ein weibliches Zielpublikum als das Original. Konnte MANN beim Vorgänger auch als Tanzmuffel und Nicht-Fitness-Fetischist noch mitfiebern, weil die Love Story und das Charakterdrama noch eine Alternative zum halbnackigen Rumgehopse lieferte, ist Magic Mike XXL ein ziemlich oberflächliches Testosteron-Schwanzvergleich-Vehikel geworden, dessen Sprüche für Mitt- bis Enddreißiger nun wirklich nicht mehr witzig sind. Channing Tatums Mike versucht zwar, dieses Gequatsche mit Weisheiten aus dem echten Leben zu kontrastieren, doch letztlich bleiben die Figuren komplett oberflächlich und nerven bald gehörig. Wenn sich gestählte Männer mit Metallica-Shirt und grauen Schläfen selbstmitleidig auf der Couch des Wohnmobils wälzen, weil sie eine bestimmte Tanznummer nicht mehr bringen sollen, dann kommt man sich vor wie in einem zu freizügigen Kinderfilm. Und wenn eben jener Kerl danach an einer Tankstelle die desinteressierte Kassiererin mit albernen Tanzmoves bezirzen soll, dann guckt der Zuschauer genauso konsterniert wie die Angestellte selbst. Viel mehr als Kopfschütteln hat man da nicht übrig und kann am Ende auch nicht wie die Betanzte ein Lächeln aufbringen. Dass gestandene Schauspielerinnen wie Andy MacDowell sich für diesen pubertären Quatsch hergegeben haben, kann nur an der Gage oder höchster Verzweiflung gelegen haben. Wobei die einstige Muse von Soderbergh dazu dermaßen peinlich und neben der Kappe stehend agiert, dass man fremdgeschämt wegschauen möchte.  Noch schlimmer aber: Magic Mike XXL konterkariert die positiven Aspekte des Vorgängers, handelt die (gescheiterte) Beziehung Mikes zu Brooke in einem Satz ab, lässt die Möbel-Liebe seines Protagonisten vollkommen unterbelichtet und übertüncht das Ganze mit dröhnenden Beats und gelenkigen Tanzchoreografien. Letztere geraten zwar bisweilen etwas peinlich, sind aber dennoch die einzigen Glanzlichter in einem Film, der gerade gut genug ist, um einen cocktailseligen Junggesellinnen-Abschied einzuläuten. Einen Junggesellinnen-Abschied übrigens, dem der Autor dieser Zeilen lieber nicht begegnen möchte. Denn wenn die kreischende Menge im Finale, die schon aufgröhlt, wenn (eine hier ganz furchtbar peinliche) Jada Pinkett Smith die Wörter „heißer Scheiß“ oder „geil“ in den Mund nimmt, eine repräsentative Schnittmenge heutiger Frauen darstellt, dann bleibe ich lieber mein Leben lang Single.

Magic Mike XXL Blu-ray Review Szene 5
Hätten auch in Zack Snyders „300“ mitspielen können: Die Kings of Tampa

Bild- und Tonqualität

Magic Mike XXL Blu-ray Review Szene 6
Andy MacDowell hat mal in guten Filmen mitgespielt

Randunschärfen waren immer mal wieder ein Thema während der letzten Jahre und Magic Mike XXL ist ein Musterbeispiel dafür. Bisweilen geht das bis hier so weit, dass man den fokussierten Bereich wirklich suchen muss oder gar das komplette Bild unkonturiert erscheint (46’10). Gerade die hochnotpeinliche Tanzszene in Kapitel 10 hat immer wieder Auflösungsprobleme. Noch dazu kommen deutliche Unruhen in den vielen dunklen Szenen, die derart düster sind, dass man bisweilen gar nichts mehr erkennen kann.
Ohne sich bei einem wenig effekt- oder dynamikbetonten Film darüber groß aufzuregen, dass erneut ein Big-Budget-Werk eines großen Anbieters mit einem schnöden Dolby-Digital-Ton vorliebnehmen muss, wohingegen die englische Originalspur von Magic Mike XXL mit einem verlustfreien dts-HD-Master-Sound klotzt, ist die Räumlichkeit grundsätzlich dennoch ganz gut gelungen. Die Dialoge sind allerdings doch arg leise wie die ganze deutsche Spur an sich, die gut zehn Dezibel unter der Originalfassung abgemischt wurde. Das geht dann zuweilen auch zu Lasten der Dynamik, was man während der Filmsongs merkt, die durchaus mehr Druck vertragen hätten.

Bonusmaterial

Magic Mike XXL Blu-ray Review Szene 3
Die Zukunft ist ungewiss, aber Alkohol und Tanzen hilft

Das knapp achtminütige Hinter den Kulissen im Bonusmaterial von Magic Mike XXL zeigt vor allem Einblicke in die Arbeit an der Choreografie der Tanzsequenzen, deren Planung schon mal etwas außergewöhnlich anmutete. Hinzu kommt noch eine erweiterte Tanzszene von „Malik“ – insgesamt ist das ein wenig dürftig.

Fazit

Wenn 115 Minuten ungefähr zweieinhalb Stunden zu lang wirken – Magic Mike XXL bietet leider nicht mehr als kindische Sprüche und gestählte Muskeln – eine Geschichte jedenfalls sucht man vergeblich und so bestätigt der Film leider unbewusst ein Vorurteil: Viel Muskeln, wenig Hirn.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 20%
Film: 20%

Anbieter: Warner Home
Land/Jahr: USA 2015
Regie: Gregory Jacobs
Darsteller: Channing Tatum, Juan Piedrahita, Matt Bomer, Joe Manganiello, Kevin Nash, Adam Rodriguez, Gabriel Iglesias, Amber Heard, Donald Glover, Stephen Boss, Michael Strahan, Andie MacDowell, Elizabeth Banks, Jada Pinkett Smith
Tonformate: dts HD-Master 5.1: en // DD 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 115
Codec: AVC
FSK: 12

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