Maschinenland – Mankind Down

Blu-ray Review

Maschinenland - Mankind Down Blu-ray Review Cover
Koch Films, 26.10.2017

OT: Maschinenland

 


David gegen Goliath

Grandioser Sci-Fi-Actioner, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Inhalt

Maschinenland - Mankind Down Blu-ray Review Szene 6
Bo und Nadia im Angesicht einer Übermacht

Außerirdische Mechanoiden haben die Welt überfallen und sie kalt erwischt. Es gibt nur noch wenige Widerstands-Zellen und die Großstädte hatten ebenso wenig Chancen wie die kleinen Dörfer. In einem solchen findet sich der US-Soldat Bo, der eines Tages ohne Erinnerung an die letzte Zeit in einem Gefängnis in Südafrika aufwacht. Dort kann er sich mit der ebenfalls kurzzeitig inhaftierten Entwicklungshelferin Nadia allerdings befreien und sieht fortan gar nicht ein, sein Leben den Invasoren zu überlassen. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zu einem US-Stützpunkt, werden jedoch immer wieder von einheimischen Warlords aufgegriffen. Ob sie es jemals schaffen, in Sicherheit zu gelangen? Und was bedeuten diese Flashbacks, die Bo am laufenden Band hat …?

Maschinenland - Mankind Down Blu-ray Review Szene 2
Die Beiden werden als Zielscheibe benutzt

Man kennt sie, die Weltuntergangs-Szenarien mit landenden Aliens, die alles in Schutt und Asche legen und von ein paar aufrechten Soldaten/Ex-Marines/Special-Forces oder gar ein paar 08/15-Allerweltsmenschen den Hinter versohlt kriegen, auf dass sie wieder dorthin abreisen, wo sie hergekommen sind. Aber kennt man sie wirklich alle? Ist es nicht so, dass in der Regel irgendwelche Großstädte dem Erdboden gleich gemacht werden und der Widerstand wahlweise von New York, L.A. oder Washington aus gesteuert wird? Genau diese Tatsache hat Regisseur Joe Miale persönlich gestört. Der junge Filmemacher, der bisher vornehmlich Kurzfilme gedreht und sich als Cutter einen Namen gemacht hat, wollte in Maschinenland – Mankind Down (was für ein bescheuerter „deutscher“ Titel für einen Film, der im Original Revolt benannt ist) genau dorthin, wo normalerweise keine ausgemachten Helden wohnen. Er wollte zeigen, wie eine außerirdische Situation auf eine Gegend auswirkt, in der die Bevölkerung ohnehin immer schon um ihr Überleben kämpft. Ein Kampf, der nun „lediglich“ einen gemeinsamen Feind hat und in dem sich die Menschen der armen Townships zusammenrotten müssen, um den mechanischen Aliens Widerstand zu leisten. Natürlich drehte Miale dafür an Ort und Stelle in Südafrika, was schon optisch für eine hervorragende Atmosphäre sorgt. Dazu engagierte er den deutschen Kameramann Karl Walter Lindenlaub, der mal Haus- und Hof-Filmer von Roland Emmerich war. Dessen Aufnahmen schwanken zwischen zeitgemäß schnellen Perspektivwechseln in den Actionszenen und klassisch-epischen Landschaftsmomenten. Letztere verdeutlichen, wie unterschätzt Südafrika noch immer als Filmland ist. Landschaftlich und atmosphärisch bietet das Land an der Südspitze des Schwarzen Kontinents nahezu alles, was man irgendwo sonst auf der Welt vorfindet.

Maschinenland - Mankind Down Blu-ray Review Szene 1
Marodierende Warlords ziehen durchs Land

Inszenatorisch beginnt Maschinenland – Mankind Down mit einer fulminanten Szene. Obwohl die visuellen Effekte durchaus eingesetzt werden, um dem Film dienlich zu sein, muss man schon mal Respekt zollen für den niedergehenden und hervorragend getricksten Heli am Anfang. Miale schmeißt den Zuschauer für einen Moment mitten hinein in den Krieg der Maschinen gegen die Menschen. Dann jedoch nimmt er sich zurück und beginnt die Hauptfiguren einzuführen, ihnen ein Gesicht zu geben. Das macht der Regisseur zwar nicht exemplarisch gut, aber auch nicht schlechter als die großen US-Kollegen. Dass die Aliens dann eine Zeit lang „nur“ am Rande die Bedrohung spielen, während im Vordergrund ganz menschliche Konflikte herrschen, ist nur logisch und konsequent. In einer Zeit, in der Regierungen nur noch auf dem Papier existieren und die öffentliche Ordnung zusammengebrochen ist, ist der Kampf um Wasser und Lebensmittel nun mal der Wichtigere. Und so treffen Warlords auf Soldaten und Soldaten auf marodierende Plünderer/Wilderer. Im Auge der Invasion reduziert sich menschliches Verhalten zu einem Großteil aufs Animalische – keine wirklich neue Erkenntnis, aber vor dem Hintergrund der in Teilen trostlosen südafrikanischen Szenerie eine ebenso realistische wie deprimierende Angelegenheit. Die Bilder des Kriegsfotografen (klasse Gastauftritt: Jason Flemyng) kontern diese Erkenntnis mit einem Bild der Hoffnung. Einem Foto, das seinen Aussagen nach für das steht, was die Menschheit ausmacht: Mut und Zusammenhalt. Ohnehin ist die kurze Sequenz, in der die Aufnahmen des Fotoreporters zusammengefasst werden, ziemlich großartig inszeniert. Auf diese Weise bekommt man einen guten Eindruck von den epischen Ausmaßen der Invasion, ohne dass allzu viel gezeigt werden muss. Das reduziert auch gleich das Risiko, dass getrickste Raumschiffe in Großaufnahme billig aussehen – wenngleich sogar das bruchgelandete Flugzeug nach gut 47 Minuten für einen Film dieser Budgetklasse ziemlich überzeugend aussieht. Gut, manchmal fragt man sich, warum hochentwickelte außerirdische Maschinen nicht mal geradeaus schießen können, aber der Film wäre halt auch schnell vorbei, wenn sie alles sofort dematerialisieren würden. Herausragend indes ist die Tatsache, dass zwar ein Soldat amerikanischer Herkunft die Hauptrolle spielt, die Lösung im Kampf gegen die Drohnen aber aus dem „einfachen“ Volk und deren unermüdlicher Arbeit heraus resultiert. Darstellerisch hat man ebenfalls alles richtig gemacht. Auch wenn man Lee Pace (Thranduil aus Der Hobbit) den Soldat nicht immer abnimmt, ist er gerade deshalb der Richtige. Weil er nun mal kein harter Hund ohne Skrupel und mit übersteigertem Selbstbewusstsein ist, wirkt er umso sympathischer und vorbildhafter. Bérénice Marlohe (Von 5 bis 7 – Eine etwas andere Liebesgeschichte) darf hier mal die taffe und nicht die romantische Dame spielen und Jason Flemyng ist immer für ein paar gute Momente gut. Ausnahmslos hervorragend und leidenschaftlich agieren die lokalen afrikanischen Darsteller, die Maschinenland – Mankind Down erst zu dem authentischen Ereignis werden lassen, das seinerzeit schon Neil Blookamp mit District 9 erschaffen hatte.

Maschinenland - Mankind Down Blu-ray Review Szene 4
Saugt einfach alles auf: Das Mutterschiff

Bild- und Tonqualität

Maschinenland - Mankind Down Blu-ray Review Szene 5
Ein Bild, das dem Kriegsfotografen wohl den World Press Photo Award beschert hätte

Braun, Ocker und Gelb – das sind die vorherrschenden Farben, die Maschinenland zu Beginn absichtlich nutzt, um die Atmosphäre möglichst staubig, dreckig und authentisch wirken zu lassen. Dazu ist es stets ganz bewusst körnig und grob, was den Schmutzeffekt und das Filmische noch fördert. Lindenlaub ist definitiv Fan von analog wirkenden Filmen und nutzt alle ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, um diesen Effekt zu erzielen. Für Video-Look-Fans ist das nichts, aber die Umsetzung ist vorzüglich gelungen. Der Kontrast ist in Schwarztönen bisweilen arg weit unten und verschluckt schon mal ein paar Details. Aber auch das sieht bewusst so gewählt aus. Die Schärfe jedenfalls ist beständig gut und lässt auch in Randbereichen nicht nach.
Die Authentizität beim Bild setzt sich beim Ton in mörderisch guten Surroundeffekten und mächtig Druck fort. Schon direkt zu Beginn ist man mittendrin im Geschehen und bekommt bereits einen kurzen Eindruck, wie innovativ Miale seine Akustiktüftler die Invasoren hat umsetzen lassen. Richtig klasse wird’s dann erstmals, wenn Bo im Gefängnis aufwacht und die Aliens von außen an das Gebäude herantreten. Die hier genutzten direktionalen Effekte liefern glasklare und für Surround-Speaker unüblich dynamische Sounds, die jedem Freund von lebhaften Tonsektoren eine Gänsehaut verpassen (ab 7’20). Ein bisschen erinnert der akustische Auftritt der Mechanoiden an jenes der Cyborgs aus Terminator: Die Erlösung. Aber selbst wenn’s etwas daran angelehnt ist, macht es richtig Spaß. Wenn dann unvermittelt die Schüsse aus einem Langstrecken-Sniper-Gewehr von hinten am Zuschauer vorbeirauschen, geht man tatsächlich unwillkürlich in Deckung oder zuckt wenigstens kurz zusammen (18’16). Neben all diesen dynamischen und effektvollen Szenen beeindruckt auch der passende Filmscore, der irgendwo zwischen 80er-Jahre-Synthie und Rock liegt. Denn der klingt nicht nur gut, sondern lässt so ein bisschen Retro-Feeling aufkommen.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Maschinenland findet sich ein 15-minütiges Behind the Scenes, das zwar nicht untertitelt ist, aber durchaus unterhaltsam und informativ geraten ist.

Fazit

Ja, Cover und Menü-Standbild der Blu-ray sehen trashig aus und der deutsche Titel ist eine Katastrophe. Aber Maschinenland – Mankind Down hat alles, was ein packender Sci-Fi-Actioner braucht und atmet dabei die Atmosphäre eines District 9 – unbedingte Empfehlung für Genrefans!
Noch dazu gibt’s ein hübsch-analoges Bild und einen äußerst lebhaften Surroundsound mit vielen direktionalen Effekten.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 30%
Film: 80%

Anbieter: Koch Films
Land/Jahr: USA 2016
Regie: Joe Miale
Darsteller: Lee Pace, Bérénice Marlohe, Kenneth Fok, Jason Flemyng
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 87
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Maschinenland – Mankind Down

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